Schichau Seebeck

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SSW Schichau Seebeck Shipyard
Rechtsform GmbH
Gründung 1876
Auflösung 2009
Auflösungsgrund Insolvenz
Sitz Bremerhaven
DeutschlandDeutschland Deutschland
Branche Schiffbau
Produkte Containerschiffe
Fährschiffe
Trawler
UmbaumaßnahmenVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte

Die SSW Schichau Seebeck Shipyard GmbH, vor allem als Schichau Seebeckwerft oder einfach Seebeckwerft bekannt, war ein Werftbetrieb in Bremerhaven. Sie war mit 320 Mitarbeitern (2008) spezialisiert auf Umbauten, Sektionsbau und Neubau kleiner Containerschiffe. Der Betrieb wurde zum 31. Juli 2009 geschlossen. Die Geschichte der Werft ist durch mehrere Fusionen, Konkurse und Neugründungen geprägt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gründungsjahre[Bearbeiten]

Der Firmengründer Georg Seebeck (1845–1928) lernte den Beruf des Kupferschmieds und führte von 1871 bis 1876 die Kupferschmiede und die Reparaturwerkstatt der Witwe Schultz. 1876 gründete Seebeck in Geestemünde eine eigene Kupferschmiede und stellte unter anderem Rohre, Pumpen, Windmotoren, Torfstreumaschinen her. Er begann, obwohl dieser erste Betrieb nicht am Wasser lag, auch kleinere Boote aus Eisen zu fertigen. Ein erster Markstein war 1879 der Bau der Dampfbarkasse Minna mit der Baunummer 1. Es folgte 1886 die Erweiterung der Werft am Querkanal, also direkt am Wasser mit einem Eisenbahnanschluss. Im Oktober desselben Jahres trat auch Ferdinand Niedermeyer in das Unternehmen ein. Er widmete sich den kaufmännischen Aufgaben des erweiterten Betriebes und wurde später zum leitenden Direktor und zum Vorstandsmitglied. Im September 1889 nahm man eine eigene Gießerei in Betrieb. Die Werft beschäftigte zwischen 120 und 150 Mann.

Übernahmen und Erweiterung[Bearbeiten]

Im Mai 1891 übernahm Seebeck den 1853 gegründeten Dock- und Werftbetrieb Schau & Oltmanns, ließ einige ältere Hellinge erneuern und fügte eine weitere hinzu. Schon im September 1891 ließ man mit der Uranus für Gerhard Ihlder Junior den ersten Fischdampfer zu Wasser. 1892 folgten weitere fünf Fischdampfer, vier davon für den Bremerhavener Johann F. Lampe. Ein neues Terrain beschritt die Werft im Jahre 1894 mit der Verlängerung des Reichspostdampfers Stettin des Norddeutschen Lloyd. Ebenfalls 1894 bestellte Heinrich Hohnholz seinen ersten Fischdampfer bei Seebeck. Diese Geschäftsbeziehung erwies sich über die folgenden Jahrzehnte als so stark, dass Hohnholz mit wenigen Ausnahmen alle folgenden Fischdampfer hier orderte. Schon 1895 erwarb Seebeck die beiden auf dem rechten Ufer der Geeste gelegenen Dock- und Werftplätze von Carl Lange Johanns Sohn und H. F. Ullrichs. Letzterer Platz wurde zur Neubauwerft ausgebaut. Dabei kam eine Eigentümlichkeit der Seebeckwerft zum tragen, man nutzte Baudocks, statt Ablaufbahnen. Am 28. Oktober 1895 wurde das Unternehmen zur G. Seebeck A.G., Schiffswerft, Maschinenfabrik und Trockendocks. 1901 übernahm Seebeck dann den Schiffbaubetrieb F. W. Wencke am rechten Ufer der Geeste.

Der Werftneubau[Bearbeiten]

Ab etwa 1904 begann Seebeck Ideen zum Bau einer neuen Werft zu entwickeln und im Herbst 1906 begannen die Bauarbeiten an der neuen Werft an ihrem heutigen Standort nahe dem südlich der Geeste gelegenen Fischereihafen von Bremerhaven. Im Frühjahr 1910 war die Werftanlage soweit vollendet, dass mit der Schiffbau in den Baudocks und dem Helgen begonnen werden konnte.

Übernahme durch die AG Weser[Bearbeiten]

1928 wurde die Seebeckwerft zunächst als AG Weser, Werk Seebeck ein Teil des Deschimag-Konzerns, dessen Aktienmehrheit ab 1941 von der Friedrich Krupp AG gehalten wurde.

Der Betrieb als Teil des Bremer Vulkan[Bearbeiten]

Im Zuge des Konzentrationsprozesses im deutschen Schiffbau wurde die Seebeckwerft 1987 Mitglied des Bremer Werftenverbundes mit der Holding Bremer Vulkan Verbund AG, deren Führung 1988 der Bremer Senatsdirektor im Wirtschaftsressort Friedrich Hennemann übernahm. Im selben Jahr 1988 fusionierte die Seebeckwerft mit der Schichau Unterweser AG (SUAG) zur Schichau Seebeckwerft. Dabei wurde das bisherige Werftgelände der SUAG stückweise zugunsten des Geländes der Seebeckwerft im Fischereihafen aufgegeben.

1994/95 begannen jedoch auch bei der Bremer Vulkan Verbund AG mit inzwischen über 22.000 Mitarbeitern Probleme, die 1996 schließlich in den Konkurs der Muttergesellschaft Bremer Vulkan mündeten. Dieser erfasste auch die Schichau Seebeckwerft, die im selben Jahr Konkurs anmeldete.

Neugründung und Konkurs[Bearbeiten]

Stapellauf des Containerschiffes Stefan Sibum bei SSW am 17. Oktober 2008

Als Neugründung auf dem alten Gelände etablierte sich 1998 die SSW Fähr- und Spezialschiffbau GmbH. Der bisherige Reparaturbetrieb in einem anderen Becken der Fischereihäfen wurde als Bremerhavener Dockgesellschaft (BREDO) verselbstständigt. Die neue Werft fertigte vor allem Sektionen für Neu- und Umbauten anderer Werften. 2001/2002 wurden die TT-Fähren Nils Holgersson und Peter Pan als Eigenentwicklung gebaut. Die Schiffe erhielten erstmals modernste elektrische Pod-Antriebe. Die Ablieferung verzögerte sich jedoch, da es Probleme u. a. auch mit den neuen Pod-Antrieben gab.

Die Entwicklung und der Bau des neuen Typs SSW Super 25, einem mittelgroßen Containerschiff mit einer Kapazität von 2500 TEU nach eigenem Entwurf brachte die Werft jedoch in eine wirtschaftliche Schieflage: Im Herbst 2002 musste abermals Insolvenz angemeldet werden.

Als Nachfolgebetrieb entstand 2003 die SSW Schichau Seebeck Shipyard GmbH, welche sich bis heute mit dem Produktportfolio Neubauten, Schiffsverlängerungen, Großreparaturen, Sektionsfertigung für andere Werften und Schiffsneuentwicklungen verbunden mit der weltweiten Vergabe von Lizenzen eine eigenständige Existenz gesichert hat. Im August 2007 wurde das erste von der SSW Schichau Seebeck Shipyard entwickelte Containerfeederschiff des 1000 TEU tragenden Typs SSW Super 1000 abgeliefert. Das zweite Schiff der Serie, die Grete Sibum, wurde im März 2008 abgeliefert.

Im April 2008 wurde die Werft SSW für 4,6 Millionen Euro von einer Investorengruppe gekauft, die das Werftgelände sanieren und den Betrieb in der bisherigen Form weiterführen wollte. Im Januar 2009 musste zum dritten Mal Insolvenz angemeldet werden.[1] Seit Ende Juli 2009 ist der Werftbetrieb geschlossen.

Die Schiffe der Werft[Bearbeiten]

Der weitaus bekannteste Schiffstyp der Werft dürfte der zwischen 1969 und 1980 in 55 Einheiten hergestellte Mehrzweckfrachter Seebeck 36L sein. Wie die meisten deutschen Werften hat sich auch SSW auf Nischenprodukte des Schiffbaus spezialisiert. Dazu gehören insbesondere kleinere Containerschiffe (sog. Feeder), Fähren und Kreuzfahrtschiffe.

Gebaute Schiffe (Auswahl)[Bearbeiten]

Die nachfolgende Liste gibt einen Überblick über Schiffe, die bei SSW entstanden. Die Daten beschreiben die Schiffe zum Zeitpunkt der Ablieferung. Spätere Umbauten sowie Änderungen des Namens bzw. des Eigners sind nicht berücksichtigt.[2]

Ablieferung Name Baunummer Vermessung (BRT/BRZ) Auftraggeber/Eigner/Betreiber Bemerkungen
1969 Gerdt Oldendorff 940 ca. 10.000 Mehrzweckschiff des Typs Seebeck 36L, Typschiff (55 Schiffe)
1969 Skyward 942 16.254 Kloster Cruise Ltd. Kreuzfahrtschiff
1974 Norland 972 12.988 North Sea Ferries RoPax-Schiff (Typschiff, zwei Schiffe)
1975 European Gateway 2256 3.334 Monarch Steamship Co. Ltd RoPax-Schiff (Typschiff, drei Schiffe)
1978 Holstensailor 1018 8.712 Containerschiff (Typschiff, fünf Schiffe)
1980 Herald of Free Enterprise 2280 13.601 Townsend Thoresen RoPax-Schiff, am 6. März 1987 gesunken
1981 Olau Hollandia 1028 21.473 Olau Line RoPax-Schiff
1989 Seabourn Spirit 1070 9.975 Seabourn Cruise Line Kreuzfahrtschiff
1992 Royal Viking Queen 1071 9.961 Kloster Cruise Ltd. Kreuzfahrtschiff
1992 Chiquita Bremen 1098 10.842 Great White Fleet Kühlschiff (Typschiff, zwei Schiffe)
1995 Superfast I 1087 23.663 Attica Marine SA RoPax-Schiff (Typschiff, zwei Schiffe)
1996 Mecklenburg-Vorpommern 1092 37.987 DFO Deutsche Fährgesellschaft Ostsee Eisenbahnfähre
2001 Nils Holgersson 2000 36.468 TT-Line RoPax-Schiff (Typschiff, zwei Schiffe)
2002 E.R. Helgoland 2003 26.200 E.R. Schifffahrt Vollcontainerschiff, SSW Super 25 (Typschiff, sechs Schiffe)
2006 Ulysses 2026 26.200 KG Projex Vollcontainerschiff (Typschiff, zwei Schiffe)
2007 Anne Sibum 2028 10.585 Reederei Bernd Sibum Vollcontainerschiff, SSW Super 1000 (Typschiff, drei Schiffe)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schichau Seebeck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

53.5298.585Koordinaten: 53° 31′ 44,4″ N, 8° 35′ 6″ O

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. VerkehrsRundschau - Springer Fachmedien: Schichau Seebeck Werft meldet Insolvenz an. Abgerufen am 11. Januar 2012.
  2. SSW Schichau Seebeck Shipyard: References - Newbuildings since 1961. Abgerufen am 11. Januar 2012.