Schießscheibe

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Schießscheibe für das Armbrust- und Luftgewehr-Schießen, DSB

Schießscheiben oder auch Zielscheiben sind von Schützen verwendete Ziele. Mit Ausnahme der Ehrenscheiben (s.u.) dienen sie der Überprüfung der Schießfertigkeit eines Schützen oder der Ziel- und Treffgenauigkeit einer Schusswaffe. Beim Sportschießen bestehen sie aus dünner Pappe. Umgangssprachlich werden sie oft auch Schießkarte, Karte oder Scheibe genannt. Die Anordnung der Ringe auf einer Schießscheibe wird Spiegel oder Scheibenspiegel genannt. Der Scheibenspiegel besteht aus zehn ineinander liegenden, nummerierten Ringen. Ein Treffer des innersten Ringes wird am höchsten bewertet (10 Ringe). Da er meist schwarz ist, ergab sich die Redewendung: „Ins Schwarze treffen“.

  • Nach Verwendungszweck können unterschieden werden:

Anschuss-Scheibe[Bearbeiten]

Beschossene Anschuss-Scheibe

Anschuss-Scheiben dienen der Überprüfung der Treffgenauigkeit einer Schusswaffe sowie zum Einschießen einer Schusswaffe, wobei Ziel- und Treffpunkt mit Hilfe einer Visierung in Übereinstimmung gebracht werden.

Wettkampfscheibe[Bearbeiten]

Sportschießen[Bearbeiten]

Schießscheibe für das Luftpistolen-Schießen, DSB

Je nach Disziplin und Entfernung beim Sportschießen gibt es Schießscheiben in unterschiedlichsten Größen. Die Größenmaße der Schießscheiben werden in den Sportordnungen der Schießsportverbände je nach Schießdisziplin geregelt. Man verwendet Scheiben mit hellem Hintergrund und schwarzem Aufdruck.

Bei Schießscheiben für das Luftgewehrschießen auf 10 Meter hat die „Zehn“ einen Durchmesser von 0,5 mm.[1] Beim Luftpistolenschießen auf die gleiche Entfernung hat die „Zehn“ einen Durchmesser von 11,5 mm und ist zweigeteilt in eine Innen- und Außenzehn. Auf 50 m ist die Zehn 10,4 mm groß, auf 100 m 50 mm und auf 300 m hat die Zehn einen Durchmesser von 100 mm. Die Ringe Neun und Zehn sind bei den Entfernungen 10 m und 50 m (hier mit Ausnahme der Pistolenscheibe) auf der Scheibe nicht beschriftet.

Die Auswertung der Treffer auf einer Scheibe wurden früher mit dem bloßen Auge vorgenommen. Heutzutage wird dafür in der Regel eine elektronische Auswertemaschine eingesetzt, die verschiedene Scheibengrößen einziehen kann und die Treffer bis auf 1/100 mm genau auswertet. Für die Auswertung darf in der Regel jeweils nur ein Schuss pro Scheibenspiegel abgegeben werden (Ausnahme Pistole: bis fünf Schuss).

Um den hohen Papierverbrauch beim Schießen mit dem Luftgewehr zu reduzieren (ein Wettkampf besteht hier aus 40 - 60 Schuss = 40 - 60 einzelne Scheiben, die nach jedem Schuss gewechselt werden müssen), ist man hier dazu übergegangen, Streifenscheiben mit fünf bis zehn Spiegeln einzusetzen. Diese Streifenscheiben können mit einem speziellen Scheibenhalter mit den handelsüblichen Scheibenzuganlagen auf dem Schießstand eingesetzt werden.

Heutzutage werden vielerorts auch „elektronische Scheiben“ eingesetzt, ein Einholen der Scheiben ist nicht mehr nötig. Diese Scheiben werden auf einem Monitor mit dem von Pappscheiben bekannten Aussehen angezeigt. Der Schütze schießt nur noch auf ein dunkles Loch in einem Messrahmen, der das ermittelte Ergebnis auf 1/10 mm genau an einen Auswertecomputer zur Anzeige weiterleitet. Dieses Verfahren wird unter anderem auch bei den Schießwettbewerben bei den Olympischen Spielen angewendet.

In der Schützensprache wird ein Treffer außerhalb des Scheibenspiegels in Deutschland scherzhaft als „Fahrkarte“, in Österreich als "Fisch" bezeichnet.

Jagdliches Schießen[Bearbeiten]

Beim jagdlichen Schießen, sowohl beim Wettkampf als auch zur Übung für die Jagd, werden meist Abbildungen jagdbarer Wildarten: Gämse (Gams), Reh, Fuchs, Wildschwein (Überläufer) - letztere auch als bewegte Scheibe (laufender Keiler) - beschossen.

Flintenschießen[Bearbeiten]

Beim Flintenschießen, d.h. Schießen mit Schrot - sportlich wie jagdlich -, werden maschinell geschleuderte kleine Tonscheiben, Wurfscheiben (früher Tontauben genannt) beschossen. Auch der Kipphase, ein maschinell gezogener Blechhase, dessen Segmente je nach Treffer umkippen, ist beim jagdlichen Flintenschießen ein bewegtes Ziel.

Bogenschießen[Bearbeiten]

Zielscheibe beim Bogenschießen
zwei Pfeile in der Zielscheibe

Beim Bogenschießen sind die Begrifflichkeiten etwas anders gelagert. Hier bezeichnet der Begriff Zielscheibe den Untergrund auf dem die Zielauflage, d.h. die Zielscheibe, angebracht wird. Die Scheibe besteht dabei in der Regel aus Stramit (gepresstem Stroh) oder mit Fäden durchwirktem gepresstem Papier und teilweise auch aus Kunststoff (häufig Ethafoam). Auf dieser wird dann die Scheibenauflage befestigt.
Die Scheibenauflage beim Bogenschießen ist aus bedrucktem Papier. Auf den Auflagen sind grundsätzlich zehn konzentrisch angeordnete Zonen (je Farbe 2 Ringe) aufgedruckt. Sie ist farbig, von innen nach außen gold, rot, blau, schwarz und weiß; im Feldbogenbereich ist nur das Zentrum gold und die anderen Zonen alle schwarz.
Die Größe der Scheibenauflage ist von verschiedenen Faktoren abhängig:

  • von der Bogenart (Blankbogen, Recurve, Compound),
  • von der Art des Wettkampf (Halle oder Feld) und damit verbunden
  • von der Entfernung (18 m, 25 m, 30 m, 40 m, 50 m, 70 m, 90 m)
  • und der Altersklasse (Schüler, Jugend, Junioren, Schützenklasse, Altersklasse, Senioren)

Dadurch ergeben sich die verschiedene Größen der Zielauflage. Nach der Sportordnung des DSB sind das dann Auflagen mit dem Durchmesser von 40 cm, 60 cm, 80 cm und 122 cm, sowie dem 3er-Spot.
So wird zum Beispiel von der Schützenklasse Damen mit dem Recurvebogen bei der 70 m-FITA-Runde im Freien eine Zielauflage mit 122 cm Durchmesser verwendet.
Die Scheibe wird schräg auf einem Ständer befestigt und der Scheibenmittelpunkt liegt 1,30 Meter über dem Boden.
Die anderen deutschen Bogensportverbände haben unter Umständen abweichende Zielauflagen.

Ehrenscheibe[Bearbeiten]

Ehren-Schützenscheibe mit Reichspräsident Paul von Hindenburg (diese Scheibe wurde nach einem Schießen an den Sieger verliehen)

Insbesondere im süddeutsch-österreichischen Sprachraum anzutreffen. Sie wird beispielsweise zu Ehren einer Persönlichkeit, anlässlich eines Geburtstages, einer Hochzeit oder eines Preisschießens gestiftet und ausgeschossen. Sie ist oft künstlerisch gestaltet. Die Ehrenscheibe aus Holz, handbemalt, ist die ursprüngliche Form der Schießscheibe. Umfassende Darstellung bei Förg [2].
Ehrenscheiben werden oft verdeckt, d.h. zugeklebt ausgeschossen oder der Gewinner wird nach dem Schießen „ausgestochen“: Mit verbundenen Augen sticht eine Person mit einem Jagdmesser auf die Scheibe und bestimmt damit das Ziel.

Sonderformen[Bearbeiten]

Sonderformen der Schießscheibe sind die Schützenscheibe, umgangssprachlich „Pappkamerad“ (eine Scheibe mit menschlicher Silhouette), und der laufende Keiler (eine Scheibe mit der Abbildung eines Wildschweines). Diese Scheiben kommen beim Sportschießen in Deutschland nicht mehr zum Einsatz.

Bei Schießen um den Titel eines Schützenkönigs in Schützenvereinen oder bei „Glücksschießen“ (zum Beispiel zu Ostern/Weihnachten) können auch Scheiben mit diversen anderen Motiven zum Einsatz kommen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutscher Schützenbund (DSB), Regel 0.4.3.01
  2. Förg A., Schiess-Scheiben. Volkskunst in Jahrhunderten. Hrsg. A. Förg, Rosenheimer Verlagshaus

Weblinks[Bearbeiten]