Schiedmayer

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Signet der Fa. Schiedmayer & Söhne

Schiedmayer ist der Name einer deutschen Instrumentenbauer-Familie, die seit dem 18. Jahrhundert als Hersteller von Tasteninstrumenten tätig ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten]

Der erste Instrumentenbauer der Familie war der Orgel- und Klavierbauer Balthasar Schiedmayer (1711–1781) in Erlangen. Von ihm sind keine Instrumente erhalten. Drei seiner Söhne erlernten ebenfalls das Klavierbauerhandwerk:

Schiedmayer & Söhne[Bearbeiten]

Johann Lorenz Schiedmayer

Dessen Sohn Johann Lorenz Schiedmayer (1786–1860) gründete 1809 zusammen mit Carl Dieudonné in Stuttgart die Firma Dieudonné & Schiedmayer. Das Unternehmen wurde bald über die Grenzen der Region bekannt. Als der Komponist Friedrich Silcher nach Stuttgart zog, wohnte er zwei Jahre lang bei Schiedmayer. Nach dem Tod Dieudonnés firmierte die Werkstatt unter Pianofortefabrik von Schiedmayer, ab 1845 nach dem Eintritt von J. L. Schiedmayers älteren Söhne Adolf und Hermann Schiedmayer unter Schiedmayer & Söhne, Pianofortefabrik. Die Klavierfabrik war in der Neckarstraße in Stuttgart beheimatet. 1890 wurde die erste Schiedmayer-Celesta bei Schiedmayer & Söhne in Stuttgart gebaut.

In den 1970er und 1980er Jahren wurden Instrumente unter der Marke Schiedmayer von Kawai gefertigt. 1980 verkaufte Georg Schiedmayer die Klavierfirma J&P Schiedmayer an das Unternehmen Rud. Ibach Sohn.

Die Celestabau-Tradition führte er mit der Schiedmayer & Soehne GmbH weiter, 1992 gefolgt von seiner Witwe Elianne Schiedmayer. Die Schiedmayer Celesta GmbH mit sieben Mitarbeitern ist seit 2001 ist in Wendlingen am Neckar nahe Stuttgart ansässig. Schiedmayer-Celesten und -Tastaturglockenspiele werden von Sinfonieorchestern und Opernhäusern weltweit eingesetzt und waren im 20. Jahrhundert lange Zeit praktisch konkurrenzlos, bis Yamaha 1994 in den Celestabau einstieg.[1]

J. & P. Schiedmayer[Bearbeiten]

Zeitungsanzeige von J. &. P. Schiedmayer, um 1900

Julius und Paul Schiedmayer, die jüngeren Söhne J. L. Schiedmayers, gründeten 1853 in Stuttgart die Werkstatt für Harmoniumbau J. & P. Schiedmayer, die bald auch Klaviere baute. Auch ausgefallene Kombinationsinstrumente wie die Schiedmayer-Scheola (eine Mischung von Orgel, Harmonium und Celesta) und selbstspielende mechanische Instrumente gehörten zum Programm. Das Unternehmen firmierte später unter Schiedmayer, Pianofortefabrik. 1969 wurde es vom anderen Stuttgarter Zweig der Familie (Schiedmayer & Söhne) übernommen.

Müller-Schiedmayer[Bearbeiten]

Die Werkstatt Müller-Schiedmayer wurde 1874 in Würzburg von dem Sohn einer Tochter J. L. Schiedmayers gegründet, der bei J. & P. Schiedmayer und bei Steinway & Sons in New York gelernt hatte.

Letzter Träger des Namens war Erwin Müller-Schiedmayer.

Klaviere unter Schiedmayer-Label[Bearbeiten]

Im Jahre 2004 produzierten die deutschen Piano-Manufakturen Seiler, Sauter und Steinberg sowie Hersteller aus Fernost Klaviere, die anschließend unter dem Namen Schiedmayer verkauft wurden. Vertrieben wurden die Instrumente von der Firma Schiedmayer GmbH in Wuppertal, die im Jahr 2006 Insolvenz angemeldet hat und mittlerweile erloschen ist.

Instrumente (Beispiele)[Bearbeiten]

Eine große Sammlung von Schiedmayer-Instrumenten findet sich in der Musikinstrumentensammlung des Landesmuseums Württemberg in Stuttgart.

Einige Schiedmayer-Instrumente befinden sich in der Musikhistorischen Sammlung Jehle im Stauffenberg-Schloss in Albstadt-Lautlingen.

1914 baute Schiedmayer nach den Plänen von Arthur von Oettingen ein enharmonisches Orthotonophonium mit 72 Tonstufen pro Oktave, mit dem in allen Tonarten reine Intervalle gespielt werden können.

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Yamaha baut allerdings nicht wie Schiedmayer eine Celesta im engeren Sinne nach den Vorgaben des Erfinders Mustel, sondern ein Tastenglockenspiel mit Flügelmechanik, dessen Metallplatten von unten angeschlagen werden. Bei der Celesta nach Mustel werden die auf Holzresonatoren liegenden Platten von oben angeschlagen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Preethi De Silva (Hrsg.): The Fortepiano Writings of Streicher, Dieudonné, and the Schiedmayers. Two manuals and a notebook, translated from the original German, with commentary. The Edwin Mellen Press, 2008, ISBN 978-0-7734-4874-2
  • Alexander Eisenmann: Schiedmayer & Söhne, Hof-Pianofortefabrik Stuttgart. Vorgeschichte, Gründung und fernere Entwicklung der Firma 1809–1909. Schreiber, Stuttgart 1909
  • Ingrid Haslinger: Kunde – Kaiser. Die Geschichte der ehemaligen k. u. k. Hoflieferanten. Schroll, Wien 1996, ISBN 3-85202-129-4.
  • Michael Latcham (Hrsg.): The notebook of Johann David Schiedmayer and his son Johann Lorenz / Das Notizbuch von Johann David Schiedmayer und seines Sohnes Johann Lorenz. Faksimile - Transkription - Übersetzung. (= Quellenkataloge zur Musikgeschichte; 49). Florian Noetzel Verlag, Wilhelmshaven 2011, ISBN 978-3-7959-0920-8
  • Wolfgang Mück: Johann Christoph Georg Schiedmayer (1740–1820). Schreinermeister, Orgel- und Instrumentenmacher in Neustadt an der Aisch. (= Streiflichter aus der Heimatgeschichte; Jg. 23/1999). Geschichts- und Heimatverein, Neustadt an der Aisch 2001
  • Margarete Rupprecht: Die Klavierbauerfamilie Schiedmayer. Ein Beitrag zur Geschichte des Klavier-Baues. Phil. Diss. Erlangen 1954
  • Margarete Rupprecht: Schiedmayer (Familie). In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Band 11 der 1. Auflage. Bärenreiter, Kassel 1963, Sp. 1702–1704
  • Johann Lorenz Schiedmayer, Carl Dieudonné: Kurze Anleitung zu einer richtigen Kenntnis und Behandlung der Forte-Pianos. Stuttgart 1824 (Nachdruck: Gulde, Tübingen 1994, ISBN 3-924123-22-5; Volltext auf Wikisource)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schiedmayer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Johann Lorenz Schiedmayer – Quellen und Volltexte