Schiefling am Wörthersee

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Schiefling am Wörthersee
Wappen von Schiefling am Wörthersee
Schiefling am Wörthersee (Österreich)
Schiefling am Wörthersee
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Kärnten
Politischer Bezirk: Klagenfurt-Land
Kfz-Kennzeichen: KL
Fläche: 28,61 km²
Koordinaten: 46° 36′ N, 14° 6′ O46.60166666666714.097777777778574Koordinaten: 46° 36′ 6″ N, 14° 5′ 52″ O
Höhe: 574 m ü. A.
Einwohner: 2.620 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 92 Einw. pro km²
Postleitzahl: 9535
Vorwahl: 04274
Gemeindekennziffer: 2 04 32
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Pyramidenkogelstr. 150
9535 Schiefling
Website: www.schiefling.gv.at
Politik
Bürgermeister: Valentin Andreas Happe (ÖVP)
Gemeinderat: (2009)
(19 Mitglieder)
9 ÖVP, 5 SPÖ, 3 FPK,
1 SGL, 1 Grüne
Lage der Marktgemeinde Schiefling am Wörthersee im Bezirk Klagenfurt-Land
Ebenthal in Kärnten Feistritz im Rosental Ferlach Grafenstein Keutschach am See Köttmannsdorf Krumpendorf am Wörthersee Ludmannsdorf Magdalensberg Maria Rain Maria Saal Maria Wörth Moosburg Poggersdorf Pörtschach am Wörther See Sankt Margareten im Rosental Schiefling am Wörthersee Techelsberg am Wörther See Zell Klagenfurt KärntenLage der Gemeinde Schiefling am Wörthersee im Bezirk Klagenfurt-Land (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Schiefling am Wörthersee (slowenisch: Škofiče) ist eine in der Nähe von Klagenfurt gelegene zweisprachige[1] [2] Marktgemeinde mit 2620 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) im Bezirk Klagenfurt-Land in Kärnten.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet von Schiefling am Wörthersee erstreckt sich entlang des Höhenzugs Sattnitz und befindet sich südlich des Wörthersees. Der Hauptort ist ungefähr 15 km von Klagenfurt entfernt und liegt nicht direkt am Wörthersee.

Rund zwei Kilometer östlich der Ortschaft Schiefling befindet sich der Trattnigteich. Er liegt auf dem bewaldeten Höhenzug zwischen dem Wörthersee und dem Vier-Seen-Tal im Ortsteil Goritschach. Am Nordufer des 5,3 ha großen Stillgewässers liegt der gleichnamige Gasthof Trattnig. Gefangen werden können Hecht, Karpfen, Waller und Schleie. Hier führt auch der Wörthersee-Rundwanderweg mit seinen blau-weiß-blauen Markierungen vorbei. Am westlichen Ufer gibt es ein Strandbad.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Schiefling am Wörthersee ist in die drei Katastralgemeinden St. Kathrein (Podjerberk), Techelweg (Holbiče) und Schiefling am Wörthersee (Škofiče) gegliedert. Das Gemeindegebiet umfasst folgende 14 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[3]):

  • Aich (Dob) (122)
  • Albersdorf (Pinja vas) (159)
  • Auen (Log) (318)
  • Farrendorf (Paprače) (186)
  • Goritschach (Goriče) (103)
  • Ottosch (Otož) (14)
  • Penken (Klopce) (214)
  • Raunach (Ravne) (31)
  • Roach (Rove) (145)
  • Roda (Roda) (93)
  • Sankt Kathrein (Podjerberk) (95)
  • Schiefling (Škofiče) (855)
  • Techelweg (Holbiče) (111)
  • Zauchen (Suha) (168)
Weißes Rössl in Auen
Kathreinkogel von St. Jakob im Rosental aus gesehen
Saalkirche auf dem Kathreinkogel
Pfarrkirche Sankt Michael
Zweisprachiger Kindergarten „Minka“
Trattnigteich mit Strandbad
Schiffsanlegestelle beim Weißen Rössel

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Techelsberg Maria Wörth
Velden Nachbargemeinden Keutschach am See
Ludmannsdorf

Geschichte[Bearbeiten]

Funde am zum Gemeindegebiet gehörenden Kathreinkogel lassen auf eine Besiedlung durch mesolithische Jäger und Sammler (ab dem 7. Jahrtausend v. Chr.) und durch neolithische Bauern (ab dem 3. Jahrtausend v. Chr.) schließen. Auch eine Siedlung der spätbronzezeitlichen Hallstatt-Kultur konnte durch archäologische Funde bestätigt werden.

Zwischen dem 2. und dem 5. Jahrhundert n. Chr. wurde am Gipfelplateau des Kathreinkogels ein römisches Kastell errichtet, das im späten 4. Jahrhundert um eine frühchristliche Saalkirche erweitert wurde. Unterhalb des Kastells befindet sich ein Gräberfeld mit insgesamt 53 Gräbern.

Seit der Besiedlung des Gebietes durch die Karantaner-Slawen im 6. Jahrhundert und der Errichtung des karantanischen Staatswesens im 7. Jahrhundert ist das Gebiet der Sattnitz und Schiefling/Škofile eng mit der slowenischen Kulturgeschichte verbunden.

Der Ortsteil Albersdorf wurde als „Albenesdorf“ um 1150, Schiefling selber als „Schüflich“ in einer Schenkungsurkunde des Kärntner Herzogs Ulrich III. im Jahr 1256 („septem mansus sitos in villa Schüflich“ - sieben Bauernhöfe wurden dem Kloster Reun bei Graz übertragen) zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

Um 1700 wurde mit dem Bau der dem Erzengel Michael geweihten Schieflinger Kirche begonnen. Zwischen 1814 und 1899 wurde im Turiawald Braunkohle abgebaut.

Aus einem Teil des ehemaligen Landgerichts Leonstein bildete sich 1850 aus den vier Katastralgemeinden Schiefling, Maria Wörth, Kathrein und Techelweg die Gemeinde Schiefling, deren Name im Jahr 1900 in Schiefling am See geändert wurde. 1903 spaltete sich Maria Wörth als eigenständige Ortsgemeinde ab. 2006 wurde der Gemeinde das Recht zur Führung der Bezeichnung „Marktgemeinde“ zuerkannt. Am 1. Juni 2010 wurde der Name in „Schiefling am Wörthersee“ geändert.

Die ursprünglich von der Landwirtschaft dominierte Gemeinde ist heute wesentlich durch den Sommertourismus geprägt.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Nach der Volkszählung 2001 hat die Marktgemeinde Schiefling am See 2267 Einwohner, davon besitzen 93,1 % die österreichische, 3,6 % die deutsche und 1,2 % die kroatische Staatsbürgerschaft. 5,8 % der Bevölkerung gehören der slowenischsprachigen Volksgruppe an.

Zur römisch-katholischen Kirche bekennen sich 84,2 % der Gemeindebevölkerung, zur evangelischen Kirche 3,6 %, ohne religiöses Bekenntnis sind 8,4 %.

Die katholische Pfarre wird zweisprachig, deutsch und slowenisch geführt.[4][5]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Schiefling am Wörthersee

Der slowenische Kulturverein Edinost Škofiče[Bearbeiten]

Der slowenische Kulturverein Edinost Škofiče wurde 1905 zunächst als Bildungs- und Gesangsverein „Slavček“ (Nachtigall) gegründet, doch bald in Edinost umbenannt. Die Gründung und Benennung des Vereins Edinost Škofiče gehen auf die slowenische Kulturbewegung jener Zeit zurück, zu der im Rahmen einerseits in der Bestrebung zur Affirmation der slowenischen Identität zahlreiche slowenische Bildungs- und Kulturvereine sowie vielfach bis heute aktive slowenische Genossenschaften sowie Spar- und Darlehenskassen[6] gegründet wurden. Erster Obmann war der slowenische Pfarrer, Kulturschaffende und Autor Stefan Singer. Wichtigste Tätigkeitsfelder des Kulturvereines Edinost Škofiče waren das Laientheater, die Tamburizzamusik, die Führung einer Vereinsbibliothek sowie die Abhaltung verschiedener Bildungsveranstaltungen.[7] [8]

Der slowenische Kulturverein Edinost Škofiče bietet eine breite Palette kultureller Aktivitäten und Begegungsmöglichkeiten.

Der slowenische Dialekt[Bearbeiten]

Schiefling am Wörthersee zählt typologisch zur slowenischen Dialektgruppe des sogenannten Rosentaler Dialektes bzw. zu dessen nordwestlicher Varietät der Sattnitz (Gure). Kennzeichnend sind zahlreiche phonetische, morphologische und lexikalische Archaismen.[9] [10] [11] [12]

Der zweisprachige Kindergarten Minka[Bearbeiten]

Schiefling verfügt seit 1985 in Farrendorf über einen zweisprachigen Kindergarten Minka, der sich moderner pädagogischer Ansätze bedient, um den Kindern der Gemeinde wesentliche Grundlagen für die persönliche Entwicklung und die Erhöhung ihrer Zukunftschance in einem gemeinsamen Europa zu bieten.[13] [14]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat von Schiefling hat 19 Mitglieder und setzt sich seit der Gemeinderatswahl 2009 wie folgt zusammen:

Direkt gewählter Bürgermeister ist Valentin Andreas Happe (ÖVP).

Wappen[Bearbeiten]

Die goldene Spitze im Schildfuß des Wappens von Schiefling am Wörthersee steht für den markanten Kathreinkogel, den 772 m hohen „Hausberg“ der Gemeinde. Der Bischofsstab spielt auf den Ursprung des Ortsnamens an: Dieser ist aus einer Verballhornung des slowenischen Wortes Skofiče entstanden, was etwa „Dorf des Bischofs“ bedeutet, womit wohl jener von Freising gemeint ist, der seit dem 9. Jahrhundert in Maria Wörth ansässig war. Das zerbrochene Richtrad ist das Attribut der heiligen Katharina von Alexandrien, der Patronin der Katharinenkapelle auf dem Kathreinkogel.

Wappen und Fahne wurden der Gemeinde Schiefling am Wörthersee am 18. Juni 1991 verliehen. Die Fahne ist Grün-Rot mit eingearbeitetem Wappen. Die amtliche Blasonierung des Wappens lautet: „Von Rot und Grün durch einen aus einer erniedrigten goldenen Spitze pfahlweise wachsenden goldenen Bischofsstab gespalten, beseitet von den Hälften eines zerbrochenen goldenen Richtrades.“[15]

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit 2000 besteht eine Gemeindepartnerschaft mit Romans d'Isonzo (Italien).

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Alban Berg-Büste vor dem Gemeindeamt
  • Der Komponist Alban Berg verbrachte einige Zeit in der Gemeinde. Er erwarb 1932 im Ortsteil Auen am Wörthersee ein Feriendomizil („Waldhaus“), in dem er an seinem Violinkonzert und an der Oper Lulu arbeitete. Ihm zu Ehren wurde im Park vor dem Gemeindeamt eine Büste aufgestellt.

Literatur[Bearbeiten]

  • DEHIO Kärnten. Topographisches Denkmälerinventar, S. 862-864. Verlag Anton Schroll & Co, Wien 2001, ISBN 3-7031-0712-X.
  • Na poti skozi čas / Auf dem Weg durch die Zeit, Škofiče z okolico skozi 90 let / Streifzug durch 90 Jahre Kultur und Alltag in Schiefling und Umgebung. Klagenfurt/Celovec 1997;
  • J. Hafner (Hg.): Die Marktgemeinde Schiefling am See und ihre Geschichte 1256–2006. Schiefling am See 2006.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. A. F. Reiterer: Lebenswelt Muttersprache, Das Slowenische und seine heutige Wahrnehmung – ein Bericht. In: K. Anderwald, P. Karpf, H. Valentin (Hg.): Kärntner Jahrbuch für Politik 2000. Klagenfurt 2000, 340-362.
  2. A. F. Reiterer: Minderheiten Wegzählen? Methodische und inhaltliche Probleme amtlicher Sprachenzählungen. In: M. Pandel [e.a.] (Hg.): Ortstafelkonflikt in Kärnten – Krise oder Chance? Wien 2004, 25-38.
  3. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  4. http://www.kath-kirche-kaernten.at/pfarren/pfarre/C3066/
  5. Liste der Pfarren im Dekanat Klagenfurt-Land/Celovec-dežela
  6. http://www.posojilnica-bank.at/index.php/de/footer/ueber-uns.html
  7. Na poti skozi čas / Auf dem Weg durch die Zeit, Škofiče z okolico skozi 90 let / Streifzug durch 90 Jahre Kultur und Alltag in Schiefling und Umgebung. Klagenfurt/Celovec 1997
  8. J. Hafner (Hg.): Die Marktgemeinde Schiefling am See und ihre Geschichte 1256–2006. Schiefling am See 2006.
  9. Johann Scheinigg: Obraz rožanskega narečja na Koroškem. XXXII. Programm des k. k. Staats-Gymnasiums zu Klagenfurt. Klagenfurt, Druck der St. Hermagoras-Buchdruckerei 1882
  10. Fran Ramovš: Kratka zgodovina slovenskega jezika. Ljubljana 1936.
  11. Tine Logar: Slovenska narečja. Ljubljana 1975
  12. Tine Logar: Koroška slovenska narečja In: Enciklopedija Slovenije 5 (Kari–Krei), Ljubljana 1991.
  13. Simona Rovšek, Jože Rovšek, Dvojezični otroški vrtec (Škofiče): Otroški vrtec Škofiče : 10 let = Kindergarten Schiefling : [10] Jahre : 1985-1995. Hg. Slovenska prosvetna zveza. Celovec (Klagenfurt) 1995
  14. http://www.mladinskidom.at/slo/vrtec-slo.htm
  15. zitiert nach Wilhelm Deuer: Die Kärntner Gemeindewappen. Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 2006, ISBN 3-900531-64-1, S. 260

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schiefling am See – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien