Schienenverkehr auf Mallorca

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Dieseltriebzug Class61 der SFM in Inca

Der Schienenverkehr auf Mallorca umfasst heute ein Streckennetz von rund 109 Kilometern. Dieses wird von zwei Bahngesellschaften, der staatlichen Serveis Ferroviaris de Mallorca und der privaten Ferrocarril de Sóller, betrieben. Daneben gibt es noch eine 8,5 Kilometer lange U-Bahn zwischen dem Stadtzentrum von Palma und dem Universitätsgelände.

Geschichte[Bearbeiten]

Triebwagen 3 der FS in Sóller

Die erste Eisenbahn wurde vom mallorquinischen Ingenieur Eusebi Estada i Sureda (1843−1917) geplant und am 24. Februar 1875 eröffnet. Die in einer Spurweite von 914 mm (3 englische Fuß) angelegte Strecke der Ferrocarriles de Mallorca führte von Palma nach Inca. Bis 1927 erweiterte man das Streckennetz über Manacor nach Artà, nach Sa Pobla, von Santa Maria an der Strecke Palma–Inca nach Felanitx und von Palma nach Santanyí. 1941 legte man einen ersten Streckenabschnitt still, 1964 und 1977 folgten weitere Abschnitte. Seit Mitte der 1990er Jahre läuft ein Modernisierungsprogramm. So wurden die noch vorhandenen Strecken auf eine Spurweite von 1000 mm umgebaut und stillgelegte Strecken wieder eröffnet. In den Jahren 2005 bis 2007 errichtete man einen neuen Hauptbahnhof in Palma. Im März 2010 begannen die Arbeiten zur Streckenverlängerung von Manacor nach Artà; diese soll als sog. Tren-Tram entstehen. Bereits im Frühjahr 2011 wurden sechs dreiteilige Stadtbahnfahrzeuge von Vossloh für die geplante Inbetriebnahme geliefert. Aufgrund ungeklärter Finanzierung wurde Ende Juli 2011 ein Baustopp für den Streckenneubau verhängt.[1] Vorhandene Baumaßnahmen (Hallen, Trassen, Unterführungen, Verkehrsumleitungen) liegen brach. Im April 2013 ließ die amtierende Regionalregierung verlauten, dass die Strecke nach Arta nicht mehr ausgebaut werden wird. Der Abschnitt Palma–Inca–Enllac wurde mit 1500 V Gleichstrom elektrifiziert; die Strecke wurde am 16. Februar 2012 in Betrieb genommen.[2]

Die private Ferrocarril de Sóller wurde am 5. November 1905 gegründet. Die Strecke mit einer Spurweite von 914 mm verbindet Palma und Sóller. Die 27 km lange Bahnstrecke mit 13 Tunneln und dem 52 m langen Viadukt Cinc Ponts wurde am 16. April 1912 eröffnet. Eine elektrische Straßenbahn, auch mit 914 mm Spurweite, von Sóller nach Port de Sóller wurde angeschlossen und im darauf folgenden Jahr eröffnet; darüber lief Güterverkehr bis in die Marinebasis in Port de Sóller. Die Hauptstrecke wurde 1929 von Siemens-Schuckert elektrifiziert. Das holzverkleidete Rollmaterial aus dem Eröffnungsjahr ist heute noch in Betrieb und wird in deutschsprachigen Touristenkreisen »Roter Blitz« genannt.[3] Die Einheimischen verwenden diesen Begriff nicht. Triebwagen, Wagen sowie die Streckenführung erinnern an die frühen Tage der Chur-Arosa-Bahn und der Berninabahn, beide heute Teile der Rhätischen Bahn (RhB) in der Schweiz.

Die Metro de Palma wurde am 25. April 2007 eröffnet. Die Strecke mit einer Spurweite von 1000 mm verbindet das Stadtzentrum mit dem Gelände der Universität der Balearen.

Streckennetz[Bearbeiten]

Das Streckennetz der Serveis Ferroviaris de Mallorca hat heute eine Länge von rund 77 km. Bis zum Beginn der Streckenstilllegungen betrug die Länge rund 236 km. Der Abschnitt Palma–Inca ist seit 1931 zweigleisig.

Streckennetz der mallorquinischen Eisenbahnen
Streckenabschnitt Länge
(km)
Eröffnet Eingestellt Bemerkungen
Palma–Inca 28,60 1875 in Betrieb durch Serveis Ferroviaris de Mallorca
Palma–Hafen 2,90 1877 1931
Inca–Sinéu 13,84 1878 1977 2002 grundsaniert – wieder in Betrieb durch Serveis Ferroviaris de Mallorca
Inca–Sa Pobla 13,10 1878 1981 2001 grundsaniert – wieder in Betrieb durch Serveis Ferroviaris de Mallorca
Sinéu–Manacor 21,31 1879 1977 2003 grundsaniert – wieder in Betrieb durch Serveis Ferroviaris de Mallorca
Consell–Alaró 3,72 1881 1941
Santa Maria–Felanitx 42,79 1897 1964
Palma–Llucmajor 30,72 1916 1964
Llucmajor–Campos 17,50 1917 1964
Manacor– Artà 30,35 1921 1977 Strecke sollte erneut betrieben werden. Aus finanziellen Gründen wurde dieses – kurz vor Abschluss der Bauarbeiten – wieder verworfen (Frühjahr/Sommer 2013)[4]
Inca–Palma (2. Gleis) 28,60 1931 in Betrieb durch Serveis Ferroviaris de Mallorca
Palma–Hafen (Stadttunnel) 2,13 1931 1964
Plaça d’Espanya – Universitat des Illes Balears (Metro Palma) 8,5 2007 in Betrieb durch Serveis Ferroviaris de Mallorca
Inca–Empalme (zweites Gleis)  ? 2009 in Betrieb durch Serveis Ferroviaris de Mallorca
Palma–Inca (Elektrifizierung) 28,60 2012 in Betrieb durch Serveis Ferroviaris de Mallorca

Die Strecke der Ferrocarril de Sóller führt an die Nordküste. Sie muss dabei die Berge der Serra de Tramuntana überwinden. Auf der 27 km langen Strecken mussten 13 Tunnel, unter anderem auch ein Kehrtunnel, sowie ein 52 m langes Viadukt Cinc Ponts errichtet werden.

Die U-Bahn hat in Son Costa-Son Fortesa eine Verbindung zum Streckennetz der Serveis Ferroviaris de Mallorca.

Organisation Verkehr[Bearbeiten]

Die Aufsicht über den Verkehr auf den Balearen untersteht dem Govern de les Illes Balears, genauer dem Ministerium für Verkehr- und Bauwesen. Die Transport de Illes Balears (TIB) koordiniert als Zentralgesellschaft den Autobus-, Bahn-, Flug- und Schiffsverkehr.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Klaus-Jürgen Vetter, Sarah Wolff: Mallorca mit dem Zug entdecken. Bruckmann Verlag, München April 2001, ISBN 3765471801.
  •  Klaus-Jürgen Vetter, Wolfgang Heitzmann, Sarah Wolff: Eisenbahnparadies Mallorca. GeraMond, 2004, ISBN 3765472549.
  •  J. Pere Brunet Estarelles: La Companyia dels Ferrocarrils de Mallorca. Institut D’Estudis Baleárics, Juni 1994, ISBN 8487026346.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schienenverkehr auf Mallorca – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Bahnausbau auf Mallorca. In: Eisenbahn-Revue International. Nr. 6, 2010, S. 297.
  2. eisenbahn-magazin 4/2012, S. 23
  3.  Der Rote Blitz von Mallorca. In: Der Spiegel. 2. Oktober 2004 (Online, abgerufen am 2. November 2011).
  4. mallorcazeitung.es