Schienenverkehr in Äthiopien

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Aktuell vorhandene Strecke, ohne geplante Erweiterungen
Die Addis-Abeba-Station, Bahnhof der gleichnamigen Stadt
Blick über die Gleise des Bahnhofs von Addis Abeba (Oktober 2005)
Bahnhof in Dire Dawa

Der Schienenverkehr in Äthiopien begann im Jahre 1894 mit der Gründung der halbstaatlichen französischen Gesellschaft Compagnie Impériale des Chemins de Fer Éthiopiens. Die daraus entstandene Strecke ist heute die einzige Eisenbahnverbindung in Äthiopien. Es gibt allerdings Projekte für einen Ausbau des Schienenverkehrs.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gesellschaft stellte bis 1917 die Bahnstrecke Dschibuti–Addis Abeba fertig. Sie wurde in Meterspur errichtet. Die Strecke ist heute die einzige Eisenbahnverbindung in Äthiopien, wird aber nur noch zwischen Dschibuti und Dire Dawa betrieben.

Darüber hinaus erteilte Kaiser Menelik II. am 15. Mai 1902 der britischen Regierung und der Regierung des Sudan eine Konzession, die Eisenbahnen vom Sudan und von Uganda über äthiopisches Gebiet miteinander zu verbinden und eine weitere Konzession am 28. August 1904, um die Eisenbahnen des Sudan und von Britisch-Somaliland miteinander zu verbinden.[1] Beide Projekte wurden nie verwirklicht.

Während der Zeit, als Eritrea noch nicht selbständig und eine Provinz des Kaiserreichs Äthiopien war (1962-1993), gehörte die dortige Bahnstrecke Massaua–Biscia ebenfalls zum äthiopischen Schienenverkehr. Allerdings war sie durch die Auswirkungen des Eritreischen Unabhängigkeitskriegs schon seit 1976 nicht mehr befahrbar. Die Strecke hat eine Spurweite von 950 mm.

Projekte[Bearbeiten]

Im September 2010 erklärte die Ethiopian Railway Corporation (ERC) insgesamt 5.000 Kilometer neuer Bahnstrecken bauen zu wollen.[2] Der nationale Fünfjahresplan für den Zeitraum von 2010 bis 2015 sieht vor, zunächst 2.395 Kilometer neue Strecken zu errichten, die 49 Städte verbinden sollen.[3] Die Kosten sollen 4,2 Mrd. Euro betragen.[4] Entsprechend einer Ende Oktober 2011 mit der China Railway Group (CREC) getroffenen Vereinbarung wird zunächst ein 317 Kilometer langes Teilstück der Bahnstrecke Addis Abeba–Dschibuti bis Mieso mit einem Kostenaufwand von 1,2 Milliarden USD in Normalspur neu gebaut. Die neuen Strecken sollen auch elektrifiziert werden und mit Strom aus den großen Wasserkraftwerken betrieben werden.[5]

Weiter befindet sich ein Stadtbahnsystem für Addis Abeba in Planung. Die Volksrepublik China will 85 % der Finanzierung sicherstellen.[6]

Bereits im März 2000 vereinbarten Äthiopien und der Sudan eine Absichtserklärung über den Bau einer 2.000 Kilometer langen Eisenbahnlinie. Die Kosten wurden auf rund 1,5 Milliarden US-Dollar (USD) geschätzt. Für die Planung wurden neben lokalen Ingenieuren auch chinesische Ingenieurfirmen eingesetzt. Ob das Projekt nach der Unabhängigkeit des Südsudan weiter verfolgt wird, ist nicht sicher.[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Alfred Ilg: Zur Geschichte der äthiopischen Eisenbahnen. In: Jahresberichte der Geographisch-Ethnographischen Gesellschaft in Zürich, Band 10 (1909–1910), S. 113 ff. (Digitalisat)
  • Willi Loepfe: Alfred Ilg und die äthiopische Eisenbahn. Atlantis-Verlag, Zürich 1974, ISBN 3-7611-0446-4
  • Neil Robinson: World Rail Atlas and Historical Summary 7 = North, East ans Central Africa.o.O. 2009, S. 39ff u. Tafel 40. ISBN 978-954-92184-3-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chemin de fer djibouto-éthiopien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Robinson, S. 40.
  2. http://www.sudantribune.com/Ethiopia-launches-construction-of,36391 sudantribune.com, abgerufen am 5. Dezember 2010
  3. Solomon Mengist: Ethiopia, China sign railway construction deal. AfricaNews.com, 27. Oktober 2011, abgerufen am 2. Dezember 2011 (englisch).
  4. Walter Rothschild: Other Middle East Railways - L. Ethiopia. In: HaRakevet 95 = Jg. 25/4 (Dezember 2011), S. 21.
  5. Radio Afrika TV: Äthiopien will Eisenbahnen neu beleben. 29. Juni 2009, abgerufen am 12. Januar 2012.
  6. Walter Rothschild: Other Middle East Railways - L. Ethiopia. In: HaRakevet 95 = Jg. 25/4 (Dezember 2011), S. 21.
  7. Vgl.: hier.