Schienenverkehr in Kenia

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Garratt Lokomotive 5907 Mount Kinangop mit einem Güterzug im Bahnhof Kibwezi zwischen Mombasa und Nairobi

Der Schienenverkehr in Kenia beschränkt sich heute überwiegend auf den kenianischen Abschnitt der Uganda-Bahn von Mombasa über Nairobi zur ugandischen Grenze. Außer dem grenzüberschreitenden Verkehr nach Uganda gibt es eine weitere grenzüberschreitende Strecke nach Tansania, auf der aber heute kein Verkehr mehr durchgeführt wird.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Ein erster Eisenbahnbau erfolgte 1888 durch die Imperial British East Africa Company. Sie versuchte das Umland des Hafens Kilindini (heute: Stadtgebiet von Mombasa) mit einer Schmalspurbahn der Spurweite 610 mm zu erschließen, die den großspurigen Namen „Central Africa Railway“ erhielt. Die Bahn erwies sich als wirtschaftlicher Fehlschlag, Personenverkehr fand dort nie statt. Ob Güterverkehr stattfand, ist unklar. Die Eisenbahninfrastruktur wurde später großteils für die Hafenbahn von Mombasa genutzt.[2]

Am 14. August 1896 verabschiedete das britische Parlament die gesetzliche und finanzielle Grundlage für den Bahnbau vom Indischen Ozean an den Victoriasee, der noch im gleichen Jahr begann. Die Strecke wurde in Meterspur errichtet. Vorbild waren indische Bahnen, woher auch ein Teil des ursprünglichen Materials stammte. Am 1. Oktober 1903 wurde die Zuständigkeit für die Uganda Railway (UR) der Verwaltung der Kolonie übertragen.[3] In dieser Zeit entstand auch eine Trambahn in Mombasa, die 1907 vom Staat übernommen wurde.

Am 26. Februar 1926 wurde die Betreiberin der Uganda-Bahn in Kenya and Uganda Railway (KUR) umbenannt, 1927 in Kenya and Uganda Railway and Harbours (KUR&H).

Am 1. Mai 1948 wurden die Kenya and Uganda Railway and Harbours und die Tanganyika Railway and Port Services zur East African Railways and Harbours Administration (EAR & H) verschmolzen und nach der Unabhängigkeit des Landes 1963 im Jahr 1969 in East African Railways (EAR) umbenannt. Nachdem die Zoll- und Wirtschaftsunion zwischen Kenia und Tansania 1977 aufgrund der stark voneinander abweichenden politischen und wirtschaftlichen Systeme zerbrach, wurde der Teil der gemeinsamen Eisenbahn, der sich auf kenianischem Staatsgebiet befand, in Kenya Railways Cooperation (KR) umbenannt.

Ab 2002 wurden Vorbereitungen getroffen, die KR zu privatisieren. Dies geschah letztendlich zum 1. November 2006, als der Betrieb an einen südafrikanischen Betreiber, die Rift Valley Railways Company Ltd. (RVR), überging.

Strecken[Bearbeiten]

Wichtigste Strecke in Kenia ist die Uganda Bahn, die Kenia mit 1089 km quert,

siehe dazu:

Hauptartikel: Uganda-Bahn

und ihre

Nebenstrecken, siehe dazu: hier

Neben dem Staatsbahnsystem bestanden eine Reihe privater Schmalspurbahnen in der Spurweite 610 mm, die überwiegend dem Werksverkehr von Zuckerrohr- und Sisalplantagen dienten.[4] Von diesen Netzen ist heute keines mehr in Betrieb.

Betrieb[Bearbeiten]

Zug Nairobi-Mombasa unterwegs

Regulärer Personenverkehr besteht zurzeit (2010) 3x wöchentlich zwischen Kisumu und Nairobi sowie zwischen Nairobi und Mombasa.[5] Bis etwa 1997 wurden von Reiseveranstaltern Fahrten zwischen Mombasa und Nairobi angeboten. Heute haben alle dieses Angebot aufgrund von Sicherheitsbedenken eingestellt. Betriebssicherheit und die Sicherheit für Reisende sind nicht optimal, die Fahrtgeschwindigkeit gering, Entgleisungen sind häufig. 1993 kam es zu einem Eisenbahnunglück, als nach starken Regenfällen eine Brücke fortgespült wurde. 114 Personen kamen um.[6] 1999 gab es 32 Tote, als ein Personenzug beim Tsavo-Nationalpark durch Bremsversagen entgleiste.[7] 2000 gab es 13 Tote, als wiederum bei einem Zug die Bremsen versagten.[8] Im gleichen Jahr kam es zur Explosion eines Güterzugs, der Benzin transportierte, wobei 25 Menschen verbrannten.[9]

Planungen[Bearbeiten]

Am 27. Oktober 2008 beschlossen die Staatspräsidenten von Kenia und Uganda, Mwai Kibaki und Yoweri Museveni eine gemeinsame ministerielle Kommission, die untersuchen soll, ob der Bau einer normalspurigen Eisenbahnverbindung vom Hafen Mombasa nach Uganda, Ruanda, Burundi, in die Demokratische Republik Kongo und den Sudan (heute: Südsudan) möglich ist.[10] Der Bau des 609km langen Teilabschnitts von Mombasa nach Nairobi soll bis 2017 abgeschlossen sein.[11]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ronald Hardy: The Iron Snake. New York 1965.
  • Richard T. Ogonda u. George M. Onyango: Development of Transport and Communication. In: William Robert Ochieng: Historical Studies and Social Change in Western Kenya. Nairobi 2002. ISBN 978-9966-25-152-7, S. 219–231.
  • Neil Robinson: World Rail Atlas and historical summary. Vol. 7: North, East and Central Africa. World Rail Atlas Ltd., 2009. ISBN 978-954-92184-3-5, S. 41-43, Karten 43, 45 u. 46.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Personenverkehr wurde zum 2. Mai 1998 oder 1999 eingestellt (Robinson, S. 42f. nennt beide Daten).
  2. Robinson, S. 41.
  3. Robinson, S. 79.
  4. Bei Robinson, S. 43, sind drei solche Systeme nachgewiesen.
  5. http://www.seat61.com/Kenya.htm
  6. Angabe nach englischsprachiger Wikipedia
  7. NZZ, 25. März 1999: Schweres Zugunglück in Kenya. Mindestens 32 Tote auf der Strecke Nairobi-Mombasa.
  8. Angabe nach englischsprachiger Wikipedia
  9. Angabe nach englischsprachiger Wikipedia
  10. Robinson, S. 41.
  11. 5,000 Chinese workers expected for railway projects in Africa, Raillynews.com, 2. September 2014.