Schifffahrt

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Schiffsverkehr ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Siehe auch Schiffsverkehr (Begriffsklärung).
Massengutfrachter Canadian Olympic im Wellandkanal
Hamburger Hafen, zwischen 1890 und 1905
Abendstimmung im Bremer Überseehafen 1959

Unter Schifffahrt versteht man die Benutzung von Wasserfahrzeugen auf Binnengewässern und Meeren zu unterschiedlichen Zwecken, vor allem zur gewerbsmäßigen Beförderung von Personen und Gütern. Der Begriff „Schifffahrt“ ist nicht mit Schiffsfahrt, also einer Fahrt mit einem Schiff, zu verwechseln.

Geschichte[Bearbeiten]

Entwicklung des Segelschiffs
Hauptartikel: Geschichte der Seefahrt

Die Notwendigkeit, Gewässer zu überqueren, hat schon früh in der Menschheitsgeschichte dazu geführt, dass unterschiedliche schwimmende Hilfsmittel erfunden wurden. Flöße und Einbäume waren vermutlich die ältesten Wasserfahrzeuge gewesen. Sie sorgten dafür, dass aus dem Hindernis Gewässer ein Verkehrsweg werden konnte. Die Schifffahrt erlaubte die Entdeckung fremder Länder und den Handel mit ihnen. Sie sorgte von je her für den Austausch von Gütern und Ideen, brachte aber auch Auseinandersetzungen über territoriale, wirtschaftliche und militärische Interessen mit sich. Im Laufe der Zeit spezialisierte sich die Schifffahrt in zivile und militärische Bereiche, in Handel und Fischerei und in schifffahrtsnahe Sparten wie Hafenbetrieb, Lotswesen und Schiffbau.

Bedeutung der Schifffahrt[Bearbeiten]

Mit Hilfe der Schifffahrt ist es möglich, Wasser als Transportweg zu nutzen oder im und unter dem Wasser befindliche Ressourcen zu gewinnen. Um sich auch in der Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Mächten diese Chancen zu sichern, hat sich außerdem eine militärische Komponente der Schifffahrt entwickelt. In modernen Gesellschaften gewinnt darüber hinaus die touristische Nutzung des Wassers immer größere Bedeutung.

Wasser als Transportweg[Bearbeiten]

Seeschifffahrt[Bearbeiten]

Hauptartikel: Seeschifffahrt und Seehandel

Wasser ist der leistungsfähigste Transportweg. Die größten beweglichen Bauwerke der Menschheit sind Schiffe. Sie können große Gütermengen mit wenig Personal und geringem Aufwand befördern und wird zum Beispiel im Rahmen des „Marco-Polo-II-Programms“ der EU-Kommission gefördert, das unter anderem so genannte Meeresautobahnen vorsieht.[1]

Eine leistungsfähige Seeschifffahrt ist Voraussetzung für die Globalisierung. Arbeitsteilige Volkswirtschaften sind in starkem Maße vom überseeischen Handel abhängig. So wickelte Deutschland im Jahre 2005 etwa 20 % seines Außenhandelsvolumens (mit 16,2 % des Außenhandelswerts) über See und 5 % mit Binnenschiffen ab. 53 % des Rohöls und 33 % der Kohle werden über See importiert.[2]

Die Schifffahrt hat sich auf die unterschiedlichen Güter spezialisiert, die über See transportiert werden:

Während der überseeische Passagierverkehr seit dem Aufbau von interkontinentalen Flugverbindungsnetzen seine Bedeutung weitgehend verloren hat, spielt der Fährverkehr auf kurzen und mittleren Strecken für den Personentransport weiterhin eine große Rolle. So fertigten die deutschen Seehäfen im Jahr 2005 etwa 12,6 Millionen Passagiere ab.[2] Daneben gewinnen Kreuzfahrtschiffe eine wachsende wirtschaftliche Bedeutung.

Baltic Dry Index seit 1985

Ein wichtiger Preisindex für das weltweite Verschiffen von Hauptfrachtgütern (hauptsächlich Kohle, Eisenerz und Getreide) auf Standardrouten ist der Baltic Dry Index (BDI). Untergruppen des Index berücksichtigen 26 Hauptschifffahrtsrouten und erfassen die Kosten für Zeitcharter und Reisecharter für vier Schiffsklassen (Capesize, Panamax, Supramax und Handysize) im Schüttgutverkehr. Der BDI wird seit 1985 täglich von der Baltic Exchange in London veröffentlicht.

Für den Tankermarkt gibt es seit 1998 den Baltic International Tanker Routes Index (BITR), der 2001 in den Baltic Dirty Tanker Index (BDTI) und den Baltic Clean Tanker Index (BCTI) aufgespalten wurde. Indizes für die Charterraten (Schiffsmieten) im Containerschiffsmarkt sind der HARPEX und der Howe Robinson Container Index.

Kabinenfahrgastschiff

Binnenschifffahrt[Bearbeiten]

Hauptartikel: Binnenschifffahrt

Auf Binnengewässern werden traditionell vor allem Massengüter wie Kohle, Erze und Erdölprodukte transportiert. Mit dem Ausbau der Binnenwasserstraßen und der verbesserten Regulierung des Wasserstandes gewinnt auch der Binnentransport eiligerer Güter wie etwa Container oder Neuwagen an Bedeutung. Einige Binnenschiffe wie z. B. Fluss-Seeschiffe sind auch für die Küstenfahrt zugelassen.

Im Binnenpersonennahverkehr werden die meisten Passagiere auf Fähren sowie im Stadtverkehr (ÖPNV) der großen Seehäfen transportiert. Für längere Strecken auf Binnenwasserstraßen werden Kabinenfahrgastschiffe fast ausschließlich im Tourismus eingesetzt. Nur in einigen weniger erschlossenen Regionen spielen Flüsse und Kanäle noch eine Rolle beim regulären Personentransport.

Flagge und Register[Bearbeiten]

Grundlage der Nutzung der Hohen See ist das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen. In ihm ist der rechtliche Status der Seeschiffe auf den verschiedenen Meeresteilen geregelt. Seeschiffe müssen in ein Schiffsregister eines Staates eingetragen sein und führen dessen Flagge. Auf Seeschiffen gilt die Rechtsordnung des Flaggenstaats, sie sind jedoch kein Teil von dessen Staatsgebiet. Auch Binnenstaaten können Seeschiffe unter ihrer Flagge fahren lassen. Diese müssen jeweils in einem einheitlichen Heimathafen registriert sein, für Österreich ist das Wien, für die Schweiz Basel.

Viele Schiffe sind in der Vergangenheit unter die Flagge solcher Länder umgeflaggt worden, in denen die Rechtsordnung niedrigere Standards in Bezug auf Bemannung, Arbeitsentgelt und in einigen Fällen auch Sicherheit als in den ursprünglichen Heimatländern festlegten. Dieses Ausflaggen hat dazu geführt, dass immer weniger Seeschiffe unter der Flagge der traditionellen Schifffahrtsnationen in Europa und Nordamerika fahren. Mehrere Staaten, darunter auch Deutschland, haben inzwischen ein so genanntes Zweitregister eingerichtet, das zum Beispiel die Beschäftigung ausländischen Personals zu ausländischen Tarifen erlaubt. Im Deutschen Internationalen Zweitregister können deutsche Reeder Schiffe eintragen lassen, die weiterhin unter deutscher Flagge fahren. Die Schiffsführung muss aus Deutschen oder EU-Bürgern mit Kenntnissen der deutschen Sprache bestehen.[3] Die Zahl deutscher Schiffe stieg seitdem wieder an. Inzwischen sinkt sie wieder durch Einsatz von Einheiten mit größerem Ladevermögen und größeren Verschrottungszahlen bzw. Verkäufen, auch aufgrund der Überkapazitäten seit Ende der 2000er Jahre.[4]

Binnenschiffe müssen in ein eigenes Binnenschiffsregister eingetragen sein.

Gruppen von Schiffen werden als Flotten zusammengefasst. Man spricht von der Kriegs-, Handels-, Fischerei- und Forschungsflotte.

Seerechtliche Zonen nach dem Seerechtsübereinkommen

Nutzung von Gewässern und ihren Ressourcen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Seerecht

Außer zum Transport werden Schiffe auch eingesetzt, um Meere und Binnengewässern zu verschiedenen Zwecken zu nutzen. Dazu gehören die Fischerei, die Gewinnung von Ressourcen und Energie, die Forschung und der Tourismus. Die Rechte an den Schätzen des Meeres sind im Seerechtsübereinkommen von 1982 geregelt.

Fischerei[Bearbeiten]

Krabbenkutter
Hauptartikel: Fischerei

Fischfang gehört zu den ältesten Arten, Ressourcen des Wassers zu gewinnen. Insbesondere für die Seefischerei sind im Laufe der Zeit eine Anzahl von Spezialfahrzeugen entwickelt worden, wie

Der Fischfang spielt heute eine wichtige Rolle für die Ernährung der Weltbevölkerung. Die modernen Fangflotten sind so leistungsfähig, dass die Meere überfischt werden und wichtige Nutzfischarten auszusterben drohen.

„Hochgehobenes“ Errichterschiff Resolution

Rohstoff- und Energiegewinnung[Bearbeiten]

Die moderne Technik ermöglicht es, Rohstoffe aus den Meeren und großen Seen und den darunter liegenden Erdschichten zu gewinnen. Die Offshore-Industrie hat in den vergangenen Jahrzehnten mit Bohrinseln Erdöl- und Erdgasfelder auf See erschlossen.

Zurzeit werden große Offshore-Windparkanlagen zur Stromerzeugung auf See errichtet (Liste hier). Für den Bau der Offshore-Windräder werden Spezialschiffe eingesetzt wie

Forschung[Bearbeiten]

Forschungsschiff Polarstern
Hauptartikel: Forschungsschiff

Um Meere und Binnengewässer erforschen zu können, werden verschiedenartige Forschungsschiffe eingesetzt. Sie dienen unter anderem der Ozeanographie, Geophysik, Meereschemie, Meeresbiologie einschließlich Fischereibiologie, der Meereszoologie und Meeresgeologie. Zu diesen Zwecken sind sie mit Einrichtungen zur Datensammlung und mit Laboren ausgestattet.

Freizeit und Tourismus[Bearbeiten]

Hauptartikel: Passagierschiff
Segelregatta

Mit Kreuzfahrtschiffen und Sportbooten hat der Tourismus auf dem Wasser große wirtschaftliche Bedeutung gewonnen. Eine große Zahl von Sportbooten ist heutzutage auf den meisten Binnengewässern und in vielen Küstenregionen anzutreffen. Die wichtigsten Sportboottypen sind:

Viele ältere kleine Häfen und Kanäle, die für die moderne Berufsschifffahrt zu klein geworden sind, verdanken ihren Fortbestand der Sportschifffahrt.

Militärische Bedeutung der Schifffahrt[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kriegsschiff
Formation von Kriegsschiffen

Mit der wirtschaftlichen Bedeutung der Meere und der Schifffahrt geht auch die militärische Bedeutung einher. Die Beherrschung und Sicherung der Seewege ist Voraussetzung für deren Nutzung. Deshalb haben viele große Handelsnationen traditionell auch umfangreiche Seestreitkräfte aufgebaut. Beschränkte man sich anfangs darauf, Handelsschiffe zu bewaffnen und mit Soldaten zu besetzen, so entstand im Laufe der Zeit eine sehr große Zahl spezifischer Kampfschiffe verschiedener Art. Bereits in der Antike wurde zwischen Fracht- und Kriegsschiffen unterschieden. In der späteren Zeit der Segelschifffahrt gab es an größeren Kriegsschiffen vor allem Linienschiffe, Fregatten und Korvetten.

Nach der Erfindung des Dampfantriebs, der Panzerung und weit reichender Artillerie bestimmten zu Beginn des 20. Jahrhunderts neue Typen wie Schlachtschiffe, Schlachtkreuzer, Kreuzer und Torpedoboote das Bild. Vor und im Zweiten Weltkrieg haben sich Schiffstypen entwickelt, die seither den Hauptbestand vieler Marinen ausmachen. Dazu gehören Flugzeugträger, Zerstörer, U-Boote, moderne Fregatten, Landungsschiffe, Schnellboote und Minenabwehrfahrzeuge.

Seit dem Ende des Kalten Krieges sind die USA zusammen mit ihren Verbündeten in der NATO und im asiatisch-pazifischen Raum im Allgemeinen in der Lage, die See in fast allen Teilen der Weltmeere zu beherrschen. Landungsschiffe und Waffensysteme, die gegen Landziele eingesetzt werden können, gewinnen an Bedeutung. In einigen Küstenregionen besitzen kleinere Marinen ausreichende Kräfte, um örtlich den Seeverkehr beeinträchtigen zu können. Neu aufstrebende Mächte wie China und Indien haben in den letzten Jahren ihre Marinen stark ausgebaut.

Grundlagen der Schifffahrt[Bearbeiten]

Viele Staaten haben die organisatorischen und infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen, um Schifffahrt von ihren Küsten oder auf ihren Binnengewässern zu betreiben. Zusammen mit der Schifffahrt haben sich im Laufe der Zeit verschiedene schifffahrtsbezogene Berufe und Wirtschaftszweige entwickelt, unter anderem im Schiffbau.

Seemannschaft und Navigation[Bearbeiten]

Fahrwasserbetonnung
Hauptartikel: Seemannschaft und Navigation

Unter Seemannschaft versteht man die Fertigkeiten, die ein Seemann zur praktischen Handhabung eines Schiffes beherrschen muss. Dazu gehören neben der Kunst, ein Schiff sicher zu bewegen, besondere handwerkliche Fähigkeiten im Umgang mit der Decksausstattung eines Schiffes wie Ankergeschirr, Ladegeschirr, Luken, Leinen, Beiboote und vieles andere. Die moderne Technik hat viele Aufgaben des Seemanns sehr erleichtert, jedoch muss auch diese Spezialtechnik beherrscht werden, gegebenenfalls auch unter schwierigen Witterungsbedingungen. Für Führungspersonal auf See gehört zur Seemannschaft auch die Crewführung.

Unter Navigation versteht man die Kunst der Ortsbestimmung und der Festlegung eines sicheren Kurses. Wie die Seemannschaft muss die Navigation die Bedingungen von Witterung und Ozeanographie berücksichtigen. Früher wurde auf der Hohen See vornehmlich astronomisch und in Ufernähe terrestrisch navigiert. Inzwischen stützt sich die Navigation vor allem auf technische Verfahren wie Radar und GPS. Gleichwohl obliegt es dem Navigator, einen sicheren Kurs festzulegen und zu überwachen, dass das Schiff diesem Kurs folgt.

Seezeichen und Navigationshilfen dienen dazu, den sicheren Schiffsverkehr auf den Wasserstraßen zu gewährleisten. Tonnen und Feuerschiffe bezeichnet man als schwimmende Seezeichen, Leuchttürme und Baken als feste Seezeichen. Lotsen beraten die Schiffsführungen, damit Schiffe auch auf unbekannten und engen Wasserstraßen sicher navigieren können. Dafür können die Lotsen an Bord gehen oder das Schiff per Funk von einer Revierzentrale aus mit Hilfe von Küstenradarketten beraten.

Zur sicheren nautischen Führung eines Schiffes gehört auch die Beachtung der geltenden Verkehrsvorschriften für die Schifffahrt. Auf der hohen See gelten die Kollisionsverhütungsregeln. In den Territorial- und Binnengewässern gelten unterschiedliche nationale Vorschriften. In Deutschland gilt auf den Seeschifffahrtstraßen die Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung (SeeSchStrO), auf den Binnenwasserstraßen die Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung und auf einigen Gewässern wie Rhein und Bodensee Sonderverordnungen.

Historisches Mudderboot, wie es zum Entfernen von Schlick aus Küstenfahrwassern bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts in Gebrauch war

Infrastruktur[Bearbeiten]

Eine wesentliche Voraussetzung für die Schifffahrt ist das Vorhandensein von Wasserwegen und Häfen.

Wasserwege[Bearbeiten]

Außer auf der hohen See ist die Schifffahrt auf Wasserwege angewiesen. Dazu gehören Flüsse, Kanäle und Küstenfahrwasser. Bei den Wasserwegen wird zwischen Binnen- und Seeschifffahrtsstraßen unterschieden. Insbesondere Binnenwasserstraßen müssen in der Regel durch den Menschen schiffbar gehalten werden, um von Schiffen heutiger Größe genutzt werden zu können.

Sperrwerke und Schleusen dienen dazu, den Wasserstand auf Flüssen und künstlichen Wasserstraßen zu regulieren. Um Wasserstraßen vor Versandung zu schützen, müssen insbesondere fließende Gewässer regelmäßig gebaggert werden. Dafür werden verschiedene Typen von Schwimmbaggern eingesetzt.

Häfen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Hafen
Hafenschlepper

Häfen dienen der Ein- und Ausschiffung von Passagieren und dem Umschlag von Gütern zwischen Land und Schiff oder zwischen Schiffen. Außerdem dienen Häfen als Stützpunkte für Kriegsschiffe, Fischerei- und andere Fahrzeuge. Häfen müssen je nach Ladungsart mit Be- und Entladeeinrichtungen wie Containerbrücken, Ölverladeköpfen oder Rampen ausgestattet sein. Sie benötigen Lagermöglichkeiten in Form von Tanks, Silos und Stellfläche. Im Laufe der Zeit haben sich Häfen auf verschiedene Aufgaben spezialisiert. Außer Binnen- und Seehäfen sind zum Beispiel Container-, Fähr-, Öl-, Yacht- und Marinehäfen zu unterscheiden. Die Leistungsfähigkeit von Häfen hängt von ihren technischen Anlagen wie Kais, Kränen, Anschluss an andere Verkehrssysteme und von ihrer Organisation ab. Der Hafenbetrieb wird durch eine große Zahl von Spezialfahrzeugen unterstützt. Dazu gehören unter anderem Schlepper, Lotsenboote, Bunkerboote, Festmacherboote, Hafenschuten und Schwimmkräne.

In Deutschland sind die Häfen von Hamburg (108,3 Mio. Tonnen im Jahr 2005), Bremen/Bremerhaven (46,7) und Wilhelmshaven (45,9) die Häfen mit dem größten Ladungsumschlag.[2]

Schiffbau[Bearbeiten]

Hauptartikel: Schiffbau

Schiffe werden auf Werften gebaut, repariert und instand gehalten. Ihr Bau war stets eine komplexe technische Herausforderung, die die Expertise vieler Berufszweige erfordert. Wurden bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts die meisten Schiffe aus Holz gebaut, so setzten sich anschließend Eisen und Stahl als Hauptbaumaterial für Schiffsrümpfe durch. Vor allem beim Rumpf kleinerer Schiffe werden inzwischen häufig Verbundkunststoffe eingesetzt. Erst während des Zweiten Weltkriegs begann mit dem Bau der Liberty-Frachter die moderne Serienfertigung von Handelsschiffen. Inzwischen werden viele Schiffe in Segmentbauweise gefertigt.

Wurden antike Schiffe meist mit Riemen angetrieben, so gelang es später Segelschiffe zu konstruieren, die allein von der Kraft des Windes angetrieben wurden. Im 19. Jahrhundert kam die Dampfkraft als wichtigste Antriebsform auf, die wiederum weitgehend vom Dieselmotor verdrängt wurde. Inzwischen kommen außer Verbrennungsmotoren auch Gasturbinen und dieselelektrische Antriebe zum Einsatz. Als Reaktion auf die hohen Kosten für fossile Energieträger wird inzwischen wieder mit Windantrieben experimentiert.

Die Ausstattung der Schiffe richtet sich nach ihrer Aufgabe. Ein hoher Grad an Automatisierung und Technisierung erlaubt es, auch sehr große Schiffe mit geringen Besatzungsstärken zu betreiben. Moderne Maschinenanlagen sind für den wachfreien Betrieb ausgelegt.

Schifffahrtsorganisationen und -institutionen[Bearbeiten]

Zahlreiche nationale und internationale Organisationen und Institutionen dienen der Sicherheit und dem reibungslosen Ablauf der Schifffahrt.

International[Bearbeiten]

Die wichtigste internationale Organisation ist die International Maritime Organization, eine Unterorganisation der Vereinten Nationen. Sie überwacht eine Anzahl internationaler Abkommen und Regelwerke, die der Sicherheit in der Seeschifffahrt dienen. Dazu gehören

  • SOLAS, das Internationales Übereinkommen zum Schutz des menschlichen Lebens auf See, das Fragen der technischen Sicherheit auf Schiffen und die Mindesterfordernisse von Rettungsmitteln regelt,
  • Kollisionsverhütungsregeln, die international u. a. das Wegerecht und die Lichterführung von Schiffen auf See regeln,
  • STCW, (International Convention on Standards of Training, Certification and Watchkeeping for Seafarers) in der Ausbildungsstandards für Seeleute festgelegt sind,
  • MARPOL, das internationale Übereinkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe, u.a. mit Bestimmungen über Einleitungen von Abwässern und Abfällen auf See,
  • ISM-Code, (International Management Code for the Safe Operation of Ships and for Pollution Prevention) mit Richtlinien für das Sicherheitsmanagement von Schiffen,
  • ISPS-Code, (International Ship and Port Facility Security Code) mit Regelungen für die Absicherung von Schiffen gegen kriminelle und terroristische Angriffe
  • MSC, (Maritime Safety Committee) mit Richtlinien über die Anbringung von Freibordmarken.

Das privatrechtlich organisierte International Maritime Bureau dient der Bekämpfung der Piraterie und arbeitet mit der IMO zusammen.

Staatliche und öffentliche Institutionen[Bearbeiten]

Nationale Behörden und öffentliche Einrichtungen sorgen für die Sicherheit und die Einhaltung von Schifffahrtsvorschriften. Die Verpflichtung hierzu ergibt sich in großen Teilen aus den oben genannten internationalen Abkommen, die die Aufgaben der Hafenstaaten festlegen. Wichtige Institutionen in Deutschland sind:

In vielen Ländern haben auch die Marinen hoheitliche Aufgaben wie die Umweltüberwachung oder die Bekämpfung der Piraterie. Die Marineschifffahrtleitorganisation hat die Aufgabe, den Schutz der Handelsschifffahrt im Krisen- und Konfliktfall zu gewährleisten. Die Marineschifffahrtleitorganisation der Deutschen Marine wird vom Flottenkommando geführt, dem zwei Marineschifffahrtleitstellen in Bremerhaven und Hamburg unterstehen.[6] Sie ist nach den NCAGS-Richtlinien.[7] der NATO aufgebaut. NCAGS ist auf die freiwillige Zusammenarbeit zwischen der zivilen Schifffahrt und den Seestreitkräften ausgerichtet. Im Wesentlichen geht es darum, die Schifffahrt über die Sicherheitslage zu informieren und zu beraten. Bei besonderer Gefährdung können Seestreitkräfte direkten Schutz für Handelsschiffe leisten, indem diese durch geräumte Passagen in Minenfeldern führen oder in Konvois geleiten.

Schifffahrtsunternehmen[Bearbeiten]

Wichtigste Unternehmen in der Schifffahrtsbranche sind die Reedereien. Früher häufig Symbole nationaler Wirtschaftsgeltung, sind die meisten großen Reedereien heute internationale Unternehmen, deren Schiffe aus sicherheitsrechtlichen oder steuerlichen Gründen häufig andere Flaggen führen als die des Hauptstandorts der Reederei. Viele Reedereien haben sich spezialisiert, z. B. auf Tank-, Container- oder Binnenschiffe.

Klassifikationsgesellschaften legen Sicherheitsstandards für Schiffe fest und überwachen deren Einhaltung beim Bau und während des Betriebes. Die Klassifizierung erfolgt nach Fahrtgebieten und für besondere Fahrtbedingungen, z. B. „Küstenfahrt“ für das Fahrtgebiet und „Eisklasse“ für die Eistauglichkeit eines Schiffes. Die Klassifizierung ist regelmäßig zu überprüfen, die Überprüfung wird auch „Klasse machen“ genannt. Schiffe, die ihre Klasse nicht mehr bestätigen können, verlieren ihre Betriebsgenehmigung. Klassifizierungsgesellschaften sind große, international operierende Unternehmen, das deutsche Unternehmen ist der Germanische Lloyd.

In den Häfen sorgen Stauereien für das Laden und Löschen der Schiffe, die Lagerung und den An- und Weitertransport der Waren. Agenturen nehmen die Interessen des Reeders und des Schiffes in fremden Häfen wahr.

Militärischer Schutz der Schifffahrt[Bearbeiten]

Hauptartikel: Marineschifffahrtsleitung

Der Schutz der Handelsschifffahrt gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Seestreitkräfte im Krieg und in Krisenregionen. Insbesondere während der beiden Weltkriege wurde auf Seiten der westlichen Alliierten eine umfangreiche Organisation zum Schutz gegen deutsche U-Boote aufgebaut. Daran orientierte sich die Naval Control of Shipping Organisation (NCSOrg) der NATO während des Kalten Krieges. Sie wurde nach dessen Ende in die offene und auf freiwillige Teilnahme angelegte Naval Co-Operation and Guidance of Shipping Organisation umgewandelt, die unter anderem für die NATO den Schutz der Schifffahrt gegen die Piraterie vor der Küste Somalias organisiert.[8]

Matrosen beim Winkern
Funkraum auf dem Forschungsschiff Polarstern

Kommunikation[Bearbeiten]

Für den Fernmeldeverkehr mit und zwischen Schiffen gibt es besondere Technologien und Verfahren, bei denen Seefunkverbindungen die wichtigste Rolle spielen. Die früher vielfach staatlichen Küstenfunkstellen sind inzwischen im Zuge der Privatisierung der Post- und Telekommunikationsverwaltungen in vielen Ländern in private Hände übergegangen. Seit der Aufstellung des Inmarsat-Systems zur Satellitenkommunikation haben Küstenfunkstellen wie Norddeich Radio ihre Bedeutung verloren, und viele wurden abgeschaltet.

Das Global Maritime Distress Safety System (GMDSS) ist eine Zusammenfassung von technischen Einrichtungen, Dienststellen und Regeln zur weltweiten Hilfe bei Seenotfällen und zur Sicherung der Schifffahrt. Mit diesem System werden außer Notmeldungen auch Sicherheitsinformationen übermittelt. Das in GMDSS integrierte Digital Selective Calling (DSC) dient auch der Herstellung von UKW-Sprechfunkverbindungen zwischen Schiffen. Optische Fernmeldeverfahren wie Flaggensignalisieren, Winkern und Lichtmorsen finden kaum noch Anwendung. Lediglich in den Marinen werden sie noch in Einzelfällen gebraucht, wenn z. B. aus taktischen Gründen Funkstille befohlen ist.

Schifffahrtsberufe[Bearbeiten]

Hauptartikel: Seeleute

Wie die Schifffahrt haben sich auch die mit ihr verbundenen Berufe in den vergangenen Jahrzehnten erheblich gewandelt. Das gilt für die Besatzungen der Schiffe ebenso wie für die schifffahrtsnahen Berufe an Land.

Seeschifffahrt[Bearbeiten]

Seeleute beim Reinschiff machen

Auf Schiffen wird vor allem Personal der nautisch-seemännischen und der technischen Laufbahn eingesetzt. Zum nautisch-seemännischen Personal gehören die nautischen Offiziere, allen voran der Kapitän und das Deckspersonal, zu dem die Matrosen und Bootsleute gehören. Zum technischen Dienst gehören die Schiffsingenieure und -mechaniker. Insbesondere in Deutschland ist man schon 1983 dazu übergegangen, die seemännischen Besatzungsmitglieder zum Berufsbild des Schiffsmechanikers zusammenzufassen. der wesentlich später auch auf die Schiffsoffiziere ausgedehnte Versuch der integrierten Ausbildung zum Schiffsbetriebsoffizier ist inzwischen als eigener Ausbildungsgang wieder aufgegeben worden. In vielen anderen Ländern hat man hingegen stets an der Trennung der nautischen und der technischen Laufbahnen festgehalten. Das selbständige Berufsbild des Funkoffiziers ist weitgehend verschwunden. Diese Aufgaben werden inzwischen meist von nautischen Offizieren mit Zusatzqualifikation wahrgenommen. Alle Berufe erfordern eine Ausbildung unterschiedlicher Dauer. Die höchste Qualifikation ist der Fachhochschulabschluss für nautisch-technische Offiziere, während andere Berufe meist Lehrberufe mit unterschiedlichen Zusatzqualifikationen sind.

Die unterschiedlichen Befähigungszeugnisse (Patente) der Offiziere erlauben den Einsatz in unterschiedlichen Fahrtgebieten und auf Schiffen verschiedener Größe von der Küstenfahrt auf kleinen Fahrzeugen bis zum weltweiten Einsatz auf Schiffen jeder Größe. Wegen der Rückflaggung deutscher Seeschiffe unter die deutsche Flagge wächst der Bedarf an deutschem Schiffsführungspersonal seit einigen Jahren an. Auf Passagierschiffen kommen die Berufe des Dienstleistungsbereichs wie Bordarzt, Zahlmeister, Kreuzfahrtdirektor und weitere hinzu, die vor allem der Gastronomiebranche zuzuordnen sind. Köche und Stewards sorgen auch auf anderen Schiffen für die Verpflegung der Besatzung.

Fischerei[Bearbeiten]

Die Besatzungsangehörigen in der Hochseefischerei haben eigene, von der Handelsschifffahrt abweichende Qualifikationen. Die Offiziere und Kapitäne haben eigene Fischereipatente. Kleinere Fischereifahrzeuge werden oft als Nebenerwerb betrieben.

Binnenschifffahrt[Bearbeiten]

Die Binnenschifffahrt kennt eigene Qualifikationen. Dazu gehört der Lehrberuf des Binnenschiffers, der sich zum Steuermann und zum Schiffsführer weiterqualifizieren kann.

Marine[Bearbeiten]

Marinesoldaten an den Leinen

Marineschiffe haben meist erheblich größere Besatzungen als Handelsschiffe, um die teilweise sehr komplexen Waffensysteme bedienen und warten zu können. Für diese Aufgaben gibt es eigene Laufbahnen, insbesondere bei den Unteroffizieren und Mannschaften. Die Qualifikationen der Marineangehörigen reichen vom angelernten Mannschaftsdienstgrad bis zum Truppenoffizier mit Universitätsstudium.

Schifffahrtsnahe Berufe[Bearbeiten]

Im Hafendienst finden viele Seeleute Verwendung, die nicht mehr auf große Fahrt gehen wollen. Dazu gehören die Festmacher und Ewerführer, aber auch Lotsen und Reedereiinspektoren. Zugleich entstehen auch neue Berufe wie der des Hafenschiffers.

Frauen an Bord[Bearbeiten]

Auch wenn inzwischen die Seefahrtsberufe für Frauen offenstehen, ist deren Anteil an den Besatzungen noch immer gering. Ausnahmen gibt es beim Servicepersonal, besonders auf Passagierschiffen. In der deutschen Marine wächst der Anteil weiblicher Besatzungsangehöriger ständig, seit 2001 infolge des Urteils des Europäischen Gerichtshofes vom 22. Januar 2000 alle Laufbahnen auch für Frauen geöffnet wurden.

Sprache und Brauchtum[Bearbeiten]

Hauptartikel: Seemannskultur

Die Internationalisierung der Seeschifffahrt hat dazu geführt, dass die meisten Besatzungen heute aus Angehörigen mehrerer Nationen bestehen. Auf deutschen Seeschiffen gibt es zwar stets eine deutsche Schiffsführung, die übrigen Besatzungsmitglieder sind jedoch fast ausschließlich Ausländer, von denen viele beispielsweise von den Philippinen und aus Kiribati stammen. Die Bordsprache ist auf vielen Schiffen Englisch. Diese Entwicklung hat auch Einfluss auf die typische Seemannssprache – siehe Liste seemännischer Fachwörter – und anderes seemännisches Brauchtum.

Schifffahrt und Umwelt[Bearbeiten]

Schiffe haben einen geringen spezifischen Kraftstoffverbrauch. Sie gelten im Vergleich mit anderen Verkehrsträgern als relativ umweltfreundliche Transportmittel. Da der Kraftstoffpreis massiv gestiegen ist, lohnt sich für viele Schiffe das Langsamfahren ("Slow steaming").

Es gibt seit Jahrzehnten einen Trend zu größeren Schiffen (siehe z. B. Containerschiff#Entwicklung der Schiffsgröße). Diese fahren umweltfreundlicher als kleinere Schiffe, weil pro Tonnenkilometer (oder z. B. pro transportiertem Container) weniger Kraftstoff verbraucht bzw. CO2 emittiert wird. Anders gesagt: ein doppelt so großes Schiff braucht ceteris paribus bei weitem nicht die doppelte Kraftstoffmenge pro Strecke.

Heutige Schiffsdiesel verbrauchen je erzeugter Kilowattstunde (kWh) unter 180 g Kraftstoff. Problematisch ist das Verwenden von Kraftstoffen schlechter Qualität mit hohem Schwefelanteil (siehe Schweröl). Die durch die Schifffahrt erzeugten Abgase - speziell die Rußpartikel - gelten als Verursacher von Atemwegserkrankungen und Lungenkrebs bei Bewohnern des Küstenraums und auch anderswo.[9] Es gibt Katalysatoren ("Scrubber"); bislang (2013) wurden nur sehr wenige damit ausgestattet. In SECAs (Sulphur Emission Control Areas) gibt es gewisse Vorschriften.

Beim Ausbau von Wasserwegen stehen Schifffahrts- und Umweltbelange oft in Konkurrenz. Der Bau von Kanälen und auch die Vertiefung von Flüssen gehen mit Eingriffen in die Natur einher. Deshalb hat es in der Vergangenheit Protestbewegungen gegen Projekte wie den Main-Donau-Kanal oder Proteste gegen die Elbvertiefung gegeben.

Schiffsunfälle haben in der Vergangenheit - teils große - Umweltschäden verursacht. Insbesondere Öltankerunfälle haben zu großen Ölverschmutzungen und zum Tod vieler Meerestiere und Vögel geführt. Das Auseinanderbrechen der Amoco Cadiz im März 1978 vor der Küste der Bretagne (Nordwestfrankreich) war ein Auslöser dafür, die Einführung von Tankern mit Doppelhülle voranzutreiben. Damals flossen 223.000 Tonnen Rohöl ins Meer. Im Juli 1979 traten nach dem Zusammenstoß zweier Öltanker im Atlantik - Atlantic Empress und Aegean Captain - von 470.000 t Rohöl etwa 287.000 t aus.

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Schifffahrt – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Schifffahrt
 Commons: Schifffahrt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Schifffahrt – Quellen und Volltexte

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1] (PDF; 335 kB) Zweites Marco Polo Programm der EU-Kommission
  2. a b c Flottenkommando, Jahresbericht 2006 – Fakten und Zahlen zur maritimen Abhängigkeit der Bundesrepublik Deutschland [2]
  3. § 2a Schiffsbesetzungsverordnung (SchBesV)
  4. Über 160 Neubauten für deutsche Reeder. In: Täglicher Hafenbericht vom 2. Januar 2013, S. 1
  5. Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
  6. Information des Flottenkommandos zur Marineschifffahrtleitung
  7. Naval Co-operation and Guidance for Shipping gemäß NATO-Vorschrift MC 376 [3]
  8. NCAGS Organisation, Publications, and Documents AAP-8 (F)
  9. Schiffsverkehr fordert 60.000 Tote jährlich; sueddeutsche.de vom 8. November 2007