Schilcher

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Dieser Artikel behandelt den österreichischen Rotwein. Für Personen gleichen Namens siehe Schilcher (Begriffsklärung).
Schilcher im Glas

Schilcher, selten auch Schiller, ist die Bezeichnung eines österreichischen Rotweines von hellroter Farbe. Er wird aus der roten Rebsorte Blauer Wildbacher in der Steiermark gewonnen und hat einen geschützten Handelsnamen: Schilcher muss aus der Steiermark kommen. Im Frühstadium seiner Gärung wird der Wein als Schilchersturm angeboten.

Geographie[Bearbeiten]

Die Weingärten der Schilcherregion liegen an den Hängen des Koralpenzuges
Haus an der Schilcherweinstraße

Im Süden der Steiermark, die als Weinbauregion Steirerland zu den österreichischen Weinbaugebieten zählt, verläuft von Nord nach Süd die Schilcherweinstraße[1] über folgende Stationen: LigistGundersdorfSt. StefanGreisdorfStainz (mit Schloss Stainz) – VocheraBad GamsSchloss WildbachDeutschlandsbergSchwanbergWiesEibiswald

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name des Weins leitet sich von der hellrot schillernden Farbe her (österreichisch „schilchern“ für schillern); aus der Nebenform Schiller wird die Herkunft der Bezeichnung noch deutlicher.[2] Die Blaue Wildbacher-Rebe, die zu den roten Rebsorten gehört, wurde wahrscheinlich schon 400 v. Chr. (Latènezeit) von den Kelten im Gebiet der heutigen Steiermark sowie der ehemaligen Untersteiermark aus einer heimischen Wildrebe gezogen. 1580 wurde die Sorte in einem Weinbuch von Johannes Rasch erstmals beschrieben, 1842 wurde sie wissenschaftlich klassifiziert. Die Förderung der Schilcherherstellung in der Weststeiermark geht auf Erzherzog Johann zurück, der Mitte des 19. Jahrhunderts ein neues wirtschaftliches Standbein für die Region suchte.

Papst Pius VI. machte 1782 auf der Anreise nach Wien zu Kaiser Joseph II. Station im Franziskanerkloster Maria Lankowitz bei Köflach. Über den Schilcher, den man ihm zum Abendessen servierte, schrieb der Papst, als gebürtiger Italiener mit säurearmen Südweinen vermutlich vertrauter als mit österreichischen Gewächsen, in sein Tagebuch:[2]

Sie haben Uns einen rosaroten Essig vorgesetzt, den sie Schilcher nannten.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Rebe[Bearbeiten]

Der Anbau der Blauen Wildbacher-Rebe erfolgt im weststeirischen Hügelland bis zu einer Seehöhe von 500 Metern. Die reine Schilcheranbaufläche beträgt mehr als 600 Hektar; sie hat sich seit 1960 etwa verfünffacht.[2]

Ampelographische Charakterisierung der Rebe[2]
Junger Trieb Triebspitze offen, mittelstark-wollig behaart; Anthozyanfärbung mittel; halb aufrechte Triebhaltung; diskontinuierliche Verteilung der mittellangen Ranken
Internodien ventral: grün mit roten Streifen
dorsal: rot
Holz dünn, rötlichbraun
Juveniles (junges) Blatt Oberseite: ganze Blattfläche kupfrig-rötlich
Unterseite: mittelstarke Behaarung zwischen den Nerven
Adultes (ausgewachsenes) Blatt keilförmig mit drei bis fünf Lappen und ebenem bis V-förmigem Profil; Hauptnerven auf der Blattoberseite grün; Spreite nicht gewaffelt, schwach blasig; Blattzähne gerade bis rund gewölbt; Stielbucht offen mit V-förmiger Basis und nicht von Nerven begrenzt, Zähne in der Stielbucht und in den oberen Seitenbuchten fehlen; Blattunterseite schwach behaart, starke Beborstung der Hauptnerven
Traube Stiel kurz (3–5 cm); Traube kurz (10–14 cm), dicht; Grundtraube kegelförmig mit einem bis drei Flügeln, Beitraube mittelgroß
Beere rundlich (Länge 8–14 mm, Breite 8–14 mm); Einzelbeerengewicht sehr gering (um ein Gramm), blauschwarze Haut und ungefärbtes Fruchtfleisch; Geschmack neutral bis grasig; Samen vollständig ausgebildet
Phänologische Charakterisierung der Rebe[2]
Austrieb früh
Blütezeit früh
Reifezeit sehr spät
Resistenz gegenüber Winterfrost sehr gut
Regeneration nach Frühjahrsfrost gut
Resistenz gegenüber pilzlichen Schaderregern Plasmopara und Oidium: schwach
Botrytis: gut
Neigung der Beeren zum Platzen nach Herbstniederschlägen gering

Wein[Bearbeiten]

Der Schilcherwein genießt Sortenschutz. Als „Schilcher“ deklariert und verkauft werden darf ein Wein nur dann, wenn er zu 100 Prozent aus Trauben der Blauen Wildbacher-Rebe gekeltert wurde, die zudem ausschließlich in der Steiermark gewachsen sind. Der Gebietsschutz des Schilchers besteht seit der Novellierung 1976 des österreichischen Weingesetzes.

Charakterisierung des Weins[2]
Farbe zwiebelfarben bis rubinrot, meist hellrot
Geruch feinzartiges Bukett
Geschmack lebendig, frisch, fruchtig, feinsäuerlich, resch, harmonisch und trocken
Eigenschaft hoher Säureanteil, sortentypisches Bukett
Reifezeit Mitte Oktober

In der Weststeiermark wird der Schilcher sehr geschätzt, als „Schilchermischung“ (Schilcherschorle) durchaus auch als Durstlöscher. Die österreichische Dichterin Maria Holzinger beschreibt den Wein in einem kurzen Gedicht:[3]

Du zwiebelfarbner Schilcherwein,
du gibst dem Schwachen Kräfte ein,
rollst feurig durch die Glieder
und wirfst den Stärksten nieder.
Machst butterweich die Spröden,
bringst Stumme bald zum Reden,
machst jünglingsfroh die Alten
und liebestoll die Kalten.

Manche Autoren[4] behaupten demgegenüber, der Schilcher mache „rabiat“ im Sinne von aggressiv; deswegen wird er gelegentlich als Rabiatperle bezeichnet. In Anbetracht des hohen Säuregehalts ist auch die scherzhafte Bezeichnung „Hemdenspreizer“ gebräuchlich.

Schilchersturm und sonstige Spezialitäten[Bearbeiten]

Fass mit Schilchersturm

Als noch nicht ausgegorener Neuer Wein, der in Österreich Sturm genannt wird, trägt der Schilcher die Bezeichnung Schilchersturm und beeindruckt durch seine trübe Färbung, die rosa bis violett erscheint. Er wird in den Buschenschänken der Weststeiermark im September und Oktober getrunken; traditionell werden dazu gebratene Kastanien gereicht. Schilcher wird auch zu Sekt, Grappa oder Essig verarbeitet, ebenso zu Gelee.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. schilcher.at: Schilcher. Abgerufen am 13. Februar 2012.
  2. a b c d e f Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatWerner Grüner: Blauer Wildbacher. Dezember 2008, abgerufen am 13. Februar 2012 (PDF; 62 kB).
  3.  Werner Tscherne: Das Paradies der Steiermark. 1991.
  4.  Reinhard P. Gruber: Das Schilcher-ABC. 1988.