Schiller-Denkmal (Berlin)

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Das Schillerdenkmal

Das Schiller-Denkmal in Berlin-Mitte steht an zentraler Stelle auf dem Gendarmenmarkt, vor der Freitreppe zum früheren Königlichen Schauspielhaus, dem heutigen Konzerthaus Berlin. Die Skulpturengruppe wurde von Reinhold Begas geschaffen, einem prominenten Vertreter der Berliner Bildhauerschule des 19. Jahrhunderts. Sie steht unter Denkmalschutz.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

In ganz Deutschland waren Feiern zum 100. Geburtstag von Friedrich Schiller (1759–1805) am 10. November 1859 beabsichtigt. Jedoch wurde in Berlin – elf Jahre nach der Revolution von 1848 – ein geplanter Straßenumzug aus Furcht vor Unruhen verboten.[1] Andererseits stiftete Prinzregent Wilhelm (der „Kartätschenprinz“ von 1848 und spätere Kaiser Wilhelm I.) 10.000 Taler für ein Schillerdenkmal. Der Magistrat von Berlin stellte ebenfalls 10.000 Taler bereit, eine Sammlung unter der Bevölkerung ergab weitere 12.680 Taler.

Am Tag des Jubiläums wurde der Grundstein für das geplante Denkmal gelegt. Ein Entwurf war zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorhanden. Die Fertigstellung und feierliche Enthüllung des Monuments war für 1869 vorgesehen, am 110. Geburtstag des Dichters. 1861 schrieb der Magistrat von Berlin einen Wettbewerb aus, 25 Künstler nahmen daran teil. Erst Anfang 1864 fiel die endgültige Entscheidung – für Reinhold Begas, gegen seinen härtesten Konkurrenten Rudolf Siemering. In Berlin war dies ein erstes bedeutendes Zeichen für den Übergang von spätklassizistischen Stilformen in der Nachfolge Christian Daniel Rauchs zur Formensprache des Neobarock, ablesbar besonders an Begas’ allegorischen Frauengestalten.[2] Für Begas war dieses Denkmal, das er auf Wunsch des Denkmalkomitees noch etwas modifizierte, der erste Großauftrag seiner Karriere. In der Folge erhielt er Aufträge für zahlreiche monumentale Skulpturen. Für die Arbeit am Schiller-Denkmal ließ er in den Jahren 1864–66 in der Stülerstraße Nr. 4 im Berliner Tiergartenviertel ein modernes, hallenartiges Atelier errichten. Durch den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 verzögerte sich die geplante Enthüllung, sie fand schließlich am 10. November 1871 statt, also am 112. Geburtstag Schillers. Aus diesem Anlass wurde der zwischen Jäger- und Taubenstraße gelegene zentrale Teil des Gendarmenmarktes, auf dem das Denkmal steht, gärtnerisch gestaltet und zum Jahresende 1871 in Schillerplatz umbenannt. Diese Bezeichnung wurde erst 1936 wieder geändert.

Das Denkmal[Bearbeiten]

Transport der Schiller-Statue nach Ostberlin, 1986

Die Statue des Dichters steht in der Mitte von vier halbrunden Brunnenschalen auf einem Postament von der Grundform eines Würfels. Die Figur zeigt einen lorbeerbekränzten jungen Mann in selbstbewusster Haltung. Vorbild für den Kopf des Standbildes war die Schillerbüste von 1794 des Bildhauers Johann Heinrich von Dannecker, der mit dem Dichter befreundet war. Das Denkmal ist mit Brunnenschalen und mit Löwenköpfen als Wasserspeiern versehen, wird aber nicht als Brunnen genutzt. Auf dem Rand der Schalen sind vier allegorische Frauenfiguren platziert, mit denen die hauptsächlichen Schaffensgebiete des Dichters symbolisiert werden: links vorne die Lyrik mit einer Schwanenhalsharfe; rechts vorne die Tragödie, ursprünglich mit den Attributen Dolch und Maske versehen, nur die Maske ist noch vorhanden; links hinten die Geschichte, auf ihren Schreibtafeln sind neben Schiller die Namen von Lessing, Kant, Goethe und anderen Berühmtheiten verzeichnet; rechts hinten die Philosophie, in der Hand eine Schriftrolle mit dem altgriechischen Text „Erkenne Dich selbst“. Das Postament trägt neben Inschriften, die auf Schiller verweisen, zwei kleine Flachreliefs; sie zeigen, wie Schiller von den Musen eine Leier erhält und den großen Dichtern früherer Zeiten vorgestellt wird.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Gendarmenmarkt 1936 zum Aufmarschplatz umgestaltet. Die gärtnerischen Schmuckanlagen wurden beseitigt, das Schiller-Denkmal abgebaut und eingelagert. Eine Kopie aus Bronze steht im südlichen Teil des Schillerparks im Ortsteil Wedding des heutigen Stadtbezirks Berlin-Mitte. Dafür fand das Material des Rathenaubrunnens Verwendung, eines Denkmals für Emil und Walther Rathenau, das seit 1930 im Volkspark Rehberge stand, von den Nationalsozialisten 1934 aus „weltanschaulichen“ Gründen von seinem Standort entfernt und 1941 eingeschmolzen wurde.[1] Das Marmor-Original der Schillerstatue stand seit 1951 im Lietzenseepark, also in den Westsektoren der nach dem Zweiten Weltkrieg geteilten Stadt. Die stark beschädigten allegorischen Figuren des Denkmals waren im Tierpark Friedrichsfelde in Ostberlin zwischengelagert. Ein Ost-West-Abkommen zum Kulturaustausch vom 6. Mai 1986 war die Voraussetzung für die Zusammenführung aller erhaltenen Einzelteile in Ostberlin. Im Dezember 1988 wurde das teils rekonstruierte, teils restaurierte Denkmal am ursprünglichen Ort auf dem Gendarmenmarkt wieder aufgestellt.

Im Herbst 2006 war eine umfassende Restaurierung unvermeidlich geworden. Das ganze Denkmal musste von Verschmutzung befreit werden, kleine Fehlstellen waren zu ergänzen und Fugen zu verschließen. Das gusseiserne Schmuckgitter wurde entrostet und mit neuem Anstrich versehen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alfred Gotthold Meyer: Reinhold Begas. Verlag von Velhagen & Klasing, Bielefeld/Leipzig 1897, S. 36ff. Abb. 9–14.
  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Berlin. Deutscher Kunstverlag, 1994, ISBN 3-422-03111-1, S. 155.
  • Michael Bienert: Der Freiheit ein Museum! In: Der Tagesspiegel. 9. September 2009 (über die Geschichte des Denkmals, online).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schiller-Denkmal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Michael Bienert: Der Freiheit ein Museum! In: Der Tagesspiegel. 9. September 2009 (über die Geschichte des Denkmals, online).
  2. Das Schiller-Denkmal in der Denkmaldatenbank der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin

52.51363213.39266Koordinaten: 52° 30′ 49,08″ N, 13° 23′ 33,58″ O