Schilo (biblische Person)

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Schilo (hebräisch שילה) ist ein Wort unbekannter Bedeutung im Alten Testament der Bibel: Im Buch Genesis (1. Buch Mose) (Gen 49,8-12 ELB) wird der Segen des Patriarchen Jakob für seinen Sohn Juda beschrieben. In Vers 10 wird in diesem Zusammenhang Schilo erwähnt. Die Bedeutung dieses Wortes ist ungeklärt und daher Ansatzpunkt für Spekulationen, zu denen auch die Gleichsetzung mit dem Messias, David oder diversen Propheten gehört.

Übersetzungen[Bearbeiten]

In den Bibelübersetzungen von Genesis 49,10 wird das Wort Schilo teilweise sehr unterschiedlich behandelt. Dieses wird im Folgenden an einigen Übersetzungsbeispielen verdeutlicht.

Schilo wird unübersetzt gelassen
  • Revidierte Elberfelder Bibel: Nicht weicht das Zepter von Juda noch der Herrscherstab zwischen seinen Füßen weg, bis dass der Schilo kommt, dem gehört der Gehorsam der Völker. (Gen 49,10 ELB)
  • Peschitta: Nie weicht von (dem Stamme) Juda das Zepter, der Herrscherstab von seinen Füßen, bis der Shiloah kommt, dem der Gehorsam der Völker gebührt.
  • Schlachter-Bibel (2000): Es wird das Zepter nicht von Juda weichen, noch der Herrscherstab von seinen Füßen, bis der Schilo kommt, und ihm werden die Völker gehorsam sein. (Gen 49,10 SLT)
  • Gute Nachricht Bibel: Nur dir gehören Thron und Zepter, dein Stamm wird stets den König stellen, bis Schilo kommt, der große Herrscher, dem alle Völker dienen sollen. (Gen 49,10 GNB)
  • Neues Leben: Das Zepter wird immer Juda gehören und der Herrscherstab deinen Nachkommen, bis zum Kommen des Schilo, dem alle Völker gehorchen werden. (Gen 49,10 NL)
  • King-James-Bibel: The sceptre shall not depart from Judah, nor a lawgiver from between his feet, until Shiloh come; and unto him shall the gathering of the people be. (Gen 49,10 KJV)
Schilo wird durch eine Deutung ersetzt
  • Septuaginta: ουκ εκλειψει αρχων εξ ιουδα και ηγουμενος εκ των μηρων αυτου εως αν ελθη τα αποκειμενα αυτω και αυτος προσδοκια εθνων (Gen 49,10 LXX)
  • Vulgata: non auferetur sceptrum de Iuda et dux de femoribus eius donec veniat qui mittendus est et ipse erit expectatio gentium (Gen 49,10 VUL)
  • Lutherbibel (1984): Es wird das Zepter von Juda nicht weichen noch der Stab des Herrschers von seinen Füßen, bis dass der Held komme, und ihm werden die Völker anhangen. (Gen 49,10 LUT)
  • Einheitsübersetzung: Nie weicht von Juda das Zepter, der Herrscherstab von seinen Füßen, bis der kommt, dem er gehört, dem der Gehorsam der Völker gebührt. (Gen 49,10 EU)
  • Hoffnung für Alle: Juda, immer behältst du das Zepter in der Hand, Könige gehen aus deinem Stamm hervor - bis ein großer Herrscher kommt, dem alle Völker dienen. (Gen 49,10 HFA)

Kabbalistische Zeugnisse[Bearbeiten]

Franjo Terhart weist in seinem Buch[1] auf die Deutung von Schilo für die Kabbalisten hin:

  • So findet man zum Beispiel in der Bibel (Genesis 1,49,10)[2] den hebräischen Text "jabo schilo" - es wird kommen Schiloh. Niemand weiß, wer mit "Schiloh" gemeint ist. Der gematrisch geschulte Kabbalist kann jedoch durch den Zahlenwert von "schiloh" und "maschiach" (Messias) erkennen, dass beide wesensgleich sind. Und so erhält das unverständliche Wort "schiloh" und damit der Satz einen Sinn.


Rabbi Ariel Bar Tzodeck stellt eine kabbalistische Sichtweise in seinem englischsprachigen PDF-Online-Artikel[3] zu "The staff shall not depart from Yehuda, nor the scepter from between his feet, until Shiloh comes, and the obedience of the people be his.” (Bereshit 49,10) vor. Es folgen zwei Textauszüge:

  • In this parasha, Ya’aqov Avinu blesses his sons before his death. With regards to Yehuda, Ya’aqov makes reference to “Shiloh.” Yet, no explanation is given as to who Shiloh is. According to Onkelos, Midrash Rabbah and Rashi, the name Shiloh is a reference to the future Melekh HaMashiah.
Übersetzung: In dieser Parasha [Gen. 49,10] segnet Ya’aqov Avinu seine Söhne vor seinem Tod. In Bezug auf Yehuda verweist Ya’aqov auf „Shiloh“. Noch ist keine Erklärung bekannt, wer Shiloh ist. Gemäß Onkelos, Midrash Rabbah und Rashi ist der Name Shiloh eine Verweisung auf den zukünftigen Melekh HaMashiah. [Anmerkung: Ya’aqov bedeutet Jakob, Yehuda heißt Juda und Melekh HaMashiah steht für König Messias.]
  • Concerning the name “Shiloh”, the Ba’al HaTurim notes that its Gematria (numerical value of the letters) is the same as that of the name Moses. While the Ba’al HaTurim does not elaborate on this, the master Mekubal Rabbi Haim Vital does, in his Sha’ar HaPesukim (Vayehi 20B). There has always been an interesting mystical relationship between Moses and the Mashiah. One was our first redeemer and the other will be our last.
Übersetzung: Betreffend den Namen „Shiloh“, merkt der Ba'al HaTurim an, dass seine Gematria (numerischer Wert der Buchstaben) genau dieselbe ist, wie die vom Namen Moses. Während der Ba'al HaTurim dies nicht weiter ausarbeitet, macht der Meister Mekubal Rabbi Haim Vital dies in seinem Sha’ar HaPesukim (Vayehi 20B). Dort bestand immer eine interessante mystische Beziehung zwischen Moses und dem Mashiah. Einer war unser erster Erlöser und der andere wird unser letzter sein.

Islamische Interpretation[Bearbeiten]

Für die muslimische Auslegung von Schilo als Gesandter Mohammed oder Prophet Salih, auch Saalih oder Saleh (arabisch ‏صالح‎; in den Koran-Suren 7 und 11), siehe Salih.

Weitere Erwähnungen[Bearbeiten]

Nach Emil G. Hirsch und Immanuel Benzinger[4] ist Shiloh nicht als Ort zu deuten:

  • It is doubtful if there is a reference to Shiloh in the blessing of Jacob (Gen. xlix. 10), as the ordinary interpretation assumes: "as long as [pilgrims] come to Shiloh," that is, while the sanctuary is established there. See Adolf Posnanski, "Shiloh: Ein Beitrag zur Gesch. der Messiaslehre" (Leipsic [sic!] 1904), and the commentaries of Drumann and others.
Übersetzung: Es ist zweifelhaft, ob es einen Verweis auf Schilo im Jakobssegen gibt (Gen. 49,10), während die übliche Interpretation annimmt: „so lange wie [Pilger] nach Schilo kommen,“ dies ist, während die Freistätte dort eingerichtet ist. Siehe Adolf Posnanski, „Shiloh: Ein Beitrag zur Gesch. der Messiaslehre“ (Leipsic, 1904), und die Kommentare von Drumann und anderen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Franjo Terhart: Kabbala - Die jüdische Mystik, Parragon Books Ltd, ISBN 978-1-4054-7978-3, Seite 62.
  2. Die Bibelstellenangabe ist tatsächlich so in der Quelle abgedruckt. Da es nur eine Bibelstellenerwähnung von Schilo gibt, soll die etwas verwirrende 1 hinter Genesis vermutlich Genesis 1.Mose 49,10 bedeuten.
  3. Identifying Shiloh - The Secret Soul of the Mashiah (PDF; 62 kB) von Rabbi Ariel Bar Tzodeck, eine kabbalistische Perspektive (englisch)
  4. Emil G. Hirsch und Immanuel Benzinger über Shiloh in der Jewish Encyclopedia (englisch)