Schizotypische Persönlichkeitsstörung

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Klassifikation nach ICD-10
F21 Schizotype Störung
Schizotype Persönlichkeitsstörung
ICD-10 online (WHO-Version 2013)
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Die schizotypische Persönlichkeitsstörung oder schizotype Störung (nicht zu verwechseln mit der schizoiden Persönlichkeitsstörung, obwohl beides erst in jüngster Zeit diagnostisch getrennt wurde) zeichnet sich aus durch ein tiefgreifendes Verhaltensdefizit im zwischenmenschlichen bzw. psychosozialen Bereich. Das äußert sich in Verhaltenseigentümlichkeiten, mangelnder Fähigkeit zu engen persönlichen Beziehungen und Verzerrungen in Denken und Wahrnehmung. Das Auftreten ist oft schrullig und exzentrisch. Im ICD-10 wird diese Störung den „schizophrenen und wahnhaften Störungen“ (F2x) zugeordnet, im DSM-IV den Persönlichkeitsstörungen, wo sie zusammen mit der schizoiden und der paranoiden Persönlichkeitsstörung dem „schizophrenen Spektrum“ zugeordnet wird. Die Störung ist insgesamt noch wenig erforscht. Es wird von 0,5–3 % Betroffenen in der Bevölkerung ausgegangen. Manche Autoren gehen davon aus, dass diese Störung, vor allem in ihrer hochgradigen Ausprägung, sogar nur 0,05–0,1 % der Bevölkerung ausmacht.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die schizotypische Persönlichkeitsstörung ist durch einen oftmals unfreiwilligen sozialen Rückzug gekennzeichnet. Nur selten knüpfen Schizotypische soziale Kontakte und es fällt ihnen schwer, diese aufrechtzuerhalten, da ihr Misstrauen gegen Menschen groß ist. Auch durch längeres Zusammensein wird dieses nicht abgebaut, sondern eher stärker. Nicht selten steigert sich dies zu einem reizbaren und aggressiven Verhalten. Mitmenschen fällt ihr unzugängliches, gemütsarm und gleichgültig wirkendes Verhalten auf.

Als typisch wird ein unkonventionelles Verhalten, welches sich in einem skurrilen und grotesken bis ungepflegten äußeren Erscheinungsbild oder einer idiosynkratischen Sprache äußert, beschrieben. Auch bei kreativen Arbeiten heben sie sich gelegentlich von der Allgemeinheit durch außergewöhnliche Kunstwerke ab, die ihrer hohen Sensibilität zu verdanken sind. Hochgradig Schizotypische sind jedoch selten künstlerisch begabt, sondern denken und handeln eher technisch-funktionell und abstrakt.

Das übersensible Naturell von Schizotypischen verursacht eine Reizüberflutung. Deshalb bauen sie häufig einen „seelischen Schutzwall“ auf, welcher aber auch den Ausdruck von Gefühlen verhindert. In Krisensituationen fällt ihnen logisches Denken schwer und sie haben Probleme, unwichtige von wichtigen Informationen zu unterscheiden.

Ursachen[Bearbeiten]

Es wird eine multikausale Entstehungsgeschichte vermutet. Als mögliche Ursachen werden u.a. genannt: [1]

Klassifizierung nach DSM und ICD[Bearbeiten]

DSM-IV[Bearbeiten]

A. Ein tiefgreifendes Muster sozialer und zwischenmenschlicher Defizite, das durch mangelnde Fähigkeit zu engen Beziehungen oder akutes Unbehagen darin gekennzeichnet ist. Weiterhin treten Verzerrungen der Wahrnehmung oder des Denkens und eigentümliches Verhalten auf. Die Störung beginnt im frühen Erwachsenenalter und zeigt sich in verschiedenen Situationen. Wenigstens fünf der folgenden Kriterien müssen erfüllt sein:

  1. Beziehungsideen (jedoch kein Beziehungswahn),
  2. seltsame Überzeugungen oder magische Denkinhalte, die das Verhalten beeinflussen und nicht mit den Normen der jeweiligen subkulturellen Gruppen übereinstimmen (z. B. Aberglaube, Glaube an Hellseherei, Telepathie oder an den sechsten Sinn; bei Kindern und Heranwachsenden bizarre Phantasien und Beschäftigungen),
  3. ungewöhnliche Wahrnehmungserfahrungen einschließlich körperbezogener Illusionen,
  4. seltsame Denk- und Sprechweise (z. B. vage, umständlich, metaphorisch, übergenau, stereotyp),
  5. Argwohn oder paranoide Vorstellungen,
  6. inadäquater oder eingeschränkter Affekt,
  7. Verhalten oder äußere Erscheinung sind seltsam, exzentrisch oder merkwürdig,
  8. Mangel an engen Freunden oder Vertrauten außer Verwandten ersten Grades,
  9. ausgeprägte soziale Angst, die nicht in zunehmender Vertrautheit abnimmt und die eher mit paranoiden Befürchtungen als mit negativer Selbstbeurteilung zusammenhängt.

B. Tritt nicht ausschließlich im Verlauf einer Schizophrenie, einer affektiven Störung mit psychotischen Merkmalen, einer anderen psychotischen Störung oder einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung auf.

ICD-10[Bearbeiten]

(F21; dort im Bereich F2: Schizophrenie)
Eine Störung mit exzentrischem Verhalten und Anomalien des Denkens und der Stimmung, die schizophren wirkt, obwohl nie eindeutige und charakteristische Symptome aufgetreten sind. Es gibt kein beherrschendes oder typisches Merkmal; jedes der folgenden kann vorhanden sein:

  1. Inadäquater oder eingeschränkter Affekt (der Patient erscheint kalt und unnahbar).
  2. Seltsame(s), exzentrische(s) und eigentümliche(s) Verhalten und Erscheinung.
  3. Wenig soziale Bezüge und Tendenz zu sozialem Rückzug.
  4. Seltsame Glaubensinhalte und magisches Denken, die das Verhalten beeinflussen und im Widerspruch zu (sub)kulturellen Normen stehen.
  5. Misstrauen oder paranoide Ideen.
  6. Zwanghaftes Grübeln ohne inneren Widerstand, oft mit dysmorphophoben, sexuellen oder aggressiven Inhalten.
  7. Ungewöhnliche Wahrnehmungsinhalte mit Körpergefühlsstörungen oder anderen Illusionen, mit Depersonalisations- oder Derealisationserleben.
  8. Denken und Sprechen vage, umständlich, metaphorisch, gekünstelt, stereotyp oder anders seltsam, ohne ausgeprägte Zerfahrenheit.
  9. Gelegentlich vorübergehende quasi-psychotische Episoden mit intensiven Illusionen, akustischen und anderen Halluzinationen und wahnähnlichen Ideen; diese Episoden treten im Allgemeinen ohne äußere Veranlassung auf.

Die Störung zeigt einen chronischen Verlauf mit unterschiedlicher Intensität. Gelegentlich entwickelt sich eine eindeutige Schizophrenie. Es lässt sich kein exakter Beginn feststellen; Entwicklung und Verlauf entsprechen gewöhnlich einer Persönlichkeitsstörung. Sie findet sich häufiger bei Personen mit manifest schizophren Erkrankten in der Familie. Man nimmt an, dass sie einen Teil des genetischen Spektrums der Schizophrenie verkörpert.

Korrelation zu anderen Krankheiten[Bearbeiten]

Ein großes Problem bei der Diagnose ist die Überlappung mit anderen Krankheiten. Schizotypische Personen haben die gleichen zwischenmenschlichen Probleme wie schizoide Personen, allerdings mit dem Unterschied, dass Schizotypische unter der sozialen Isoliertheit leiden, während Schizoide augenscheinlich keinen Wert auf zwischenmenschliche Kontakte legen. Zudem zeigen Schizoide in der Regel nicht solche Auffälligkeiten wie magisches Denken, bizarre Überzeugungen und seltsame Sprechweisen. Schizophrene Störungen können ähnliche Symptome aufweisen, aber mit stärkerer Ausprägung in Form von Wahnvorstellungen und Halluzinationen. Der größte Unterschied zur Borderline-Persönlichkeitsstörung ist die fehlende Impulsivität und Stimmungslabilität. Auch sind Borderliner eher extrovertiert und kontaktfreudig, wenngleich ihre Beziehungen selten stabil sind. Narzisstische Persönlichkeiten weisen ein ausgeprägteres Selbstbewusstsein auf, jedenfalls nach außen hin, und sind viel eher in der Lage, Kontakte herzustellen, wenngleich diese häufig eine egoistische Ausprägung haben. Bei sozialer Phobie und ängstlich-vermeidender Persönlichkeitsstörung ist es die Angst vor dem Werturteil der anderen, die den Betroffenen den Kontakt erschwert. Schizotypische hingegen sorgen sich eher darum, dass Andere sie ausnutzen oder ihnen schaden wollen. Auch die Abgrenzung von dem in der Kindheit beginnenden Asperger-Syndrom ist nicht einfach und wird zumeist anhand neurobiologischer Diagnoseverfahren geklärt.

Behandlung[Bearbeiten]

Schizotypische Personen suchen aus Eigeninitiative selten eine Behandlung auf. Oft sträuben sie sich anfangs sogar dagegen. Sie lassen sich meist nur dann auf eine Therapie ein, wenn sie dazu überredet oder gezwungen werden oder wenn sie zusätzliche Probleme entwickeln, wie Depressionen oder Sucht.

Im Falle einer medikamentösen Behandlung greift man grundsätzlich immer zu Medikamenten aus der Gruppe der sogenannten atypischen Neuroleptika zurück wie z.B.: Risperidon/Risperdal, Abilify (Aripiprazol), Zyprexa (Olanzapin) und Seroquel (Quetiapin). Diese Medikamente gelten laut aktuellem Stand der Wissenschaft (August 2013) als das Modernste, was zur Behandlung einer Schizotypischen Persönlichkeitsstörung momentan zur Verfügung steht, trotzdem muss erwähnt werden, dass selbst diese modernen Medikamente nicht bei jedem Patienten wirken und es durchaus zu einigen Nebenwirkungen kommen kann.

Des Weiteren werden bei akuten Angst und Panik-Attacken Tranquilizer (Beruhigungsmittel) aus der Gruppe der Benzodiazepine verwendet, wie z.B.: Xanor/Xanax (Alprazolam) oder Tranxilium (Dikaliumclorazepat), die jedoch aufgrund des Suchtpotentials nur für den kurzfristigen Einsatz gedacht sind.

Ebenfalls ist es in den meisten Fällen erforderlich, frühestmöglich eine umfassende und langfristige psychotherapeutische Behandlung durch hochqualifizierte Psychologen/Psychotherapeuten zu beginnen. Zumindest in Österreich werden die Kosten dafür von den Krankenkassen oder anderen öffentlichen Leistungsträgern (zum größten Teil) übernommen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Burghard Andresen und Reinhard Maß (Hg.) (2001). Schizotypie: Psychometrische Entwicklungen und biopsychologische Forschungsansätze. Göttingen [u.a.]: Hogrefe. ISBN 3-8017-1015-7
  • Kurt-Heinrich Weshavel (2003). Schizotypische Persönlichkeitsstörung, Borderline-Persönlichkeitsstörung, soziale Phobie. Mit vergleichender Gegenüberstellung. Münster: Selbstverlag. ISBN 3-8330-0382-0

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://psychiatrie-heute.net/psychiatrie/schizotyp.html
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