Schkeuditz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Schkeuditz
Schkeuditz
Deutschlandkarte, Position der Stadt Schkeuditz hervorgehoben
51.39583333333312.22166666666791–148Koordinaten: 51° 24′ N, 12° 13′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Direktionsbezirk: Leipzig
Landkreis: Nordsachsen
Höhe: 91–148 m ü. NN
Fläche: 80,91 km²
Einwohner: 18 150 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 224 Einwohner je km²
Postleitzahl: 04435
Vorwahl: 034204
Kfz-Kennzeichen: TDO (früher DZ, teilweise L)
Gemeindeschlüssel: 14 7 30 270
Stadtgliederung: 10 Ortsteile
Adresse der Stadtverwaltung: Rathausplatz 3
04435 Schkeuditz
Webpräsenz:
Oberbürgermeister: Jörg Enke
Lage der Stadt Schkeuditz im Landkreis Nordsachsen
Karte

Schkeuditz ist eine Große Kreisstadt im Landkreis Nordsachsen im Nordwesten von Sachsen. Sie liegt auf halbem Wege zwischen Leipzig im Südosten und Halle im Nordwesten und ist die drittgrößte Stadt des Landkreises. Bekannt ist Schkeuditz vor allem als Standort des Flughafens Leipzig-Halle, der sich nördlich der Stadt befindet, sowie für das Schkeuditzer Kreuz, das erste Autobahnkreuz Deutschlands.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

Schkeuditz liegt an der Weißen Elster zwischen Leipzig und Halle in der Leipziger Tieflandsbucht. Die Umgebung ist flach, waldfrei und wird landwirtschaftlich intensiv genutzt. Südlich der Stadt erstrecken sich die Elsterauen als natürliche Flusslandschaft. Schkeuditz liegt in etwa 100 Metern Höhe. Im Nordosten der Stadt liegt der Schladitzer See, ein gefluteter Braunkohletagebau. Schkeuditz ist Mitglied im Verband Grüner Ring Leipzig.

Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 8,4 °C und die mittlere jährliche Niederschlagsmenge 556,8 mm (Mittel 1972–2001).

Schkeuditz ist in der Landesplanung als Mittelzentrum eingestuft und übernimmt diese Funktion für die umliegenden Orte zwischen Halle und Leipzig.

[Bearbeiten] Stadtgliederung

Die Stadtgemeinde Schkeuditz besteht aus der Kernstadt sowie neun Dörfern der Umgebung.

Ortsteil Einwohner
Schkeuditz 12.635
Dölzig 1.835
Freiroda 361
Gerbisdorf 132
Glesien 1.451
Hayna 222
Kleinliebenau 144
Kursdorf 119
Radefeld 1.252
Wolteritz 327

(Stand 30. Juni 2006)

[Bearbeiten] Geschichte

Schkeuditz wurde im Jahre 981 erstmals unter dem Namen „scudici“ als Pfarrkirche im Bistum Merseburg urkundlich erwähnt. 1271 wurde Schkeuditz vom Markgrafen von Landsberg an das Bistum Merseburg verkauft, welches dem Ort 1436 auch die Stadtrechte verliehen hat.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Schkeuditz zwölfmal niedergebrannt und neunmal geplündert. Ende des 17. Jahrhunderts erfolgte der Rückbau der Stadtbefestigung. Im Siebenjährigen Krieg war die Stadt von Preußen besetzt und hatte Abgaben an das preußische Militär zu entrichten. 1813 war der Leipziger Raum ein wichtiger Schauplatz der Befreiungskriege, weshalb Schkeuditz mehrfach von Preußen, Franzosen oder Russen belagert wurde. 1815 ging es infolge des Wiener Kongresses von Kursachsen an die Provinz Sachsen im Königreich Preußen über und wurde Teil des Kreises Delitzsch.

1840 begann mit dem Anschluss an die Magdeburg-Leipziger Eisenbahn die Industrialisierung in der Stadt. 1845 erfolgte der Erlass der Gewerbefreiheit, der das wirtschaftliche Wachstum förderte. Die größte Malzfabrik Europas entstand 1873 in Schkeuditz. Der Aufschwung setzte sich fort, sodass der Anschluss an das Stromnetz 1901 erfolgte und ab 1910 eine Straßenbahnverbindung nach Leipzig bestand. Im selben Jahr verschwanden die Brunnen aus der Stadt und eine Wasserleitung nahm den Betrieb auf. Der Flughafen Leipzig/Halle entstand 1927 auf Schkeuditzer Gebiet. Er ist seitdem für die Stadt von großer Bedeutung und gilt als wichtigster Flughafen der neuen Bundesländer außerhalb Berlins.

Das südöstlich der Stadt gelegene frühere Rittergut Altscherbitz stand im 19. Jahrhundert unter anderem im Besitz von Albert von Carlowitz. Seit 1876 wurde es als Provinzial-Irrenanstalt Altscherbitz genutzt. Diese erlangte in den 1930er und 1940er Jahren traurige Berühmtheit als „Zwischenanstalt“ für die NS-Tötungsanstalt Bernburg im Rahmen der Aktion T4.

Am 18. April 1945 zogen Amerikanische Truppen in die Stadt ein, bevor sie am 2. Juli von der Roten Armee abgelöst wurden. Nach Ende des Krieges kamen etwa 4.500 Flüchtlinge in die Stadt. Das bislang zu Sachsen-Anhalt (Landkreis Merseburg) gehörende Schkeuditz kam im Zuge der Kommunalreform in der DDR 1952 zum Kreis Leipzig-Land im Bezirk Leipzig. Die nächste Kommunalreform wurde 1999 durchgeführt. Hierbei wurden die Orte Freiroda, Gerbisdorf, Glesien, Hayna, Radefeld und Wolteritz eingemeindet und die Stadt wechselte vom Landkreis Leipziger Land zum Landkreis Delitzsch über. Ein Jahr später folgte noch die Eingemeindung Dölzigs und Kleinliebenaus.

Zum 1. Januar 2009 erfolgte die Erhebung zur Großen Kreisstadt.

[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung

Entwicklung der Einwohnerzahl:

  • 1885 – 4592
  • 1910 – 7462
  • 1925 – 7936
  • 1933 – 13.548
  • 1939 – 14.846
  • 1950 – 18.913
  • 1971 – 16.392
  • 1981 – 14.208
  • 1988 – 15.173
  • 1990 – 19.473*
  • 1998 – 17.285
  • 2001 – 19.027
  • 2003 – 18.702
  • 2005 – 18.594
  • 2006 – 18.449
  • 2007 − 18.150

* nach heutigem Gebietsstand

[Bearbeiten] Gedenkstätten

[Bearbeiten] Politik

[Bearbeiten] Städtepartnerschaften

[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • kleines Stadt- und Heimatmuseum
  • Ein besonderer Lebensraum für Tiere und Pflanzen sind die Lehmlachen bei Schkeuditz Papitz. In diesem Gebiet wurde Lehm zur Ziegelherstellung gewonnen. Nach dem angebrochenen Betonzeitalter beendeten um 1960 die Altscherbitzer und 1974 die Modelwitzer Ziegelei ihren Betrieb. Die jüngsten Lehmabbaugebiete – die „Papitzer Lehmlachen“ und das „Große Gehege“ – sind Teil des 1990 festgesetzten Naturschutzgebietes „Luppenaue“.
  • Darüber hinaus befindet sich in Schkeuditz seit 1978 das Astronomische Zentrum, welches unter anderem ein Planetarium umfasst.

[Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur

Zentralterminal des Flughafens Leipzig/Halle

Die Wirtschaft der Stadt ist vom Flughafen Leipzig/Halle dominiert. Daraus resultiert auch eine sehr gute Quote von 814 Arbeitsplätzen je 1000 Einwohner, was bedeutet, dass es in Schkeuditz mehr Arbeitsplätze als erwerbsfähige Personen gibt. Deshalb ist die Stadt eine Einpendlerstadt. In Schkeuditz befinden sich zahlreiche Unternehmen der Logistikbranche, so betreibt etwa die Deutsche Post hier ein Brief- und ein Paketzentrum. Die Posttochter DHL hat mit dem DHL Hub Leipzig ihr europäisches Luftfrachtdrehkreuz samt des Flugzeugwartungsbetriebs European Air Transport Leipzig hier angesiedelt, und die Stadt ist Firmensitz der Frachtfluggesellschaft Aerologic, einem gemeinsamen Unternehmen von DHL und Lufthansa Cargo.

[Bearbeiten] Verkehr

Schkeuditz ist ein Verkehrsknotenpunkt. Am Schkeuditzer Kreuz, unmittelbar nordwestlich der Stadt gelegen, treffen die Bundesautobahn 9 (BerlinMünchen) und die Bundesautobahn 14 (MagdeburgDresden) aufeinander. An der A 9 ist die Stadt über die Anschlussstelle Großkugel (16) und an der A 14 über die Anschlussstelle Schkeuditz (21) zu erreichen. Der Ortsteil Dölzig ist über die im direkt angrenzenden Sachsen-Anhalt gelegene Anschlussstelle Leipzig-West (17) der A 9 zu erreichen.

Durch die Stadt führen in Ost-West-Richtung die Bundesstraße 6 von Halle nach Leipzig und in Nord-Süd-Richtung die Bundesstraße 186 von Schkeuditz nach Markranstädt.

An das Eisenbahnnetz ist Schkeuditz über die Magdeburg-Leipziger Eisenbahn und die Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle angebunden. An ersterer liegen die Bahnhöfe Schkeuditz und Schkeuditz West, die von der S10 der S-Bahn Leipzig-Halle angefahren werden. An letzterer Strecke liegt der Bahnhof Leipzig/Halle Flughafen, der von Regionalexpress- und Fernverkehrzügen bedient wird. Durch den Ortsteil Dölzig führen die 1998 eingestellte Bahnstrecke Leipzig–Merseburg sowie der unfertige Elster-Saale-Kanal.

An den ÖPNV ist die Stadt durch die Straßenbahnlinie 11 der Leipziger Verkehrsbetriebe angebunden. Eröffnet wurde die Strecke 1910 von der Leipziger Außenbahn AG (LAAG).

Nördlich des alten Stadtkerns und damit im nördlichen Stadtgebiet liegt der Flughafen Leipzig/Halle.

[Bearbeiten] Persönlichkeiten

[Bearbeiten] Söhne und Töchter der Stadt

Darüber hinaus stammt die Familie Lessing aus Schkeuditz. Eine von den Lessings privat herausgegebene Familienhistorie sowie das Gesamtwerk Gotthold Ephraim Lessings in Erstausgaben ist im Schkeuditzer Heimatmuseum vorhanden.

[Bearbeiten] Personen, die mit Schkeuditz in Verbindung stehen

  • Hans Ticha (* 1940), Maler, Grafiker und Buchillustrator, ging von 1946 bis 1958 in Schkeuditz zur Schule

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Bevölkerungsentwicklung

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Schkeuditz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen