Schlüsselkind

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Schlüsselkind

Als Schlüsselkind wird ein Kind bezeichnet, das nach Schulschluss regelmäßig ohne Betreuung ist, zum Beispiel weil seine Eltern berufstätig sind. Der heute eher selten verwendete Begriff wurde 1956 vom Münchner Pädagogen und Psychologen Otto Speck geprägt. In den USA gibt es den entsprechenden Begriff Latchkey Child schon seit 1944.[1] Das vor allem im westdeutschen Sprachgebrauch negativ besetzte Wort spielt darauf an, dass solche Kinder damals meist einen eigenen Wohnungsschlüssel hatten, der nicht selten offen sichtbar an einer Schnur um den Hals baumelte.

Betroffen waren und sind in der Regel 9- bis 14-jährige Kinder, denn für sie waren die Schul/Kita-Horte schon geschlossen, während die Jugendfreizeitstätten für sie noch keine Angebote lieferten.

Die fehlende nachschulische Betreuung und Erziehung wurde und wird vielfach als ungünstig für die Entwicklung von Kindern angesehen und für Probleme wie schlechte Schulleistungen und jugendliche Delinquenz verantwortlich gemacht. Für die Entwicklung eines Kindes ist aber nicht entscheidend, ob ein Elternteil unmittelbar nach der Schule zuhause ist, sondern wie intensiv und regelmäßig man sich um die betroffenen Kinder kümmert. Das können Elternteile, Horterzieher, Schulsozialpädagogen, Nachbarn oder andere Verwandte sein. Schlüsselkinder verfügen nicht selten über eine große Selbstständigkeit.

In der DDR hatte der Begriff Schlüsselkind auf Grund der nahezu vollständigen Versorgung mit Schulhortplätzen keine negative Bedeutung. Im Gegenteil, so war es für viele Kinder ein Statusgewinn, im Laufe der vier möglichen Hortjahre Schlüsselkind zu werden und gleich nach der Schule oder früher vom Hort allein nach Hause gehen zu dürfen.

Im Rahmen der PISA-Studie 2000 wurden beim Bildungserfolg 15-jähriger deutscher Schüler keine wesentlichen Unterschiede zwischen Schlüsselkindern und Kindern, bei denen mindestens ein Elternteil ganztags zu Hause ist, festgestellt.[2] Die Schlüsselkind-Debatte spielt auch in der Diskussion um Ganztagsschulen eine Rolle.

1996 hatte die deutsche Rapperin Cora E.[3]einen Hit mit dem Lied Schlüsselkind, in dem sie die Problematik differenzierend popularisierte:

Ich wurd zum Schlüsselkind. Das sind die Kinder, wo die Eltern nicht zuhause sind,

die Mutter nicht am Fenster steht und winkt, denn sie ging zum Dienst, Tag für Tag.

Es war bestimmt nicht leicht für sie uns zu erklären, dass sie uns trotzdem mag.

Vermisst hab ich nichts, doch Du fragst Dich, wer Dein Vater ist, wenn Du nur zweimal im Jahr Post kriegst.

Doch heute ist mir klar, es wäre nichts so, wie es ist, wär es nicht gewesen, wie es war!

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Latch-key children, Word of the Day, Randomhouse.
  2. J. Baumert et al. (Hrsg.): Pisa 2000 – Ein differenzierter Blick auf die Länder der Bundesrepublik Deutschland: Zusammenfassung zentraler Befunde. Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin 2003. Zitat: „… Familientyp ['Kernfamilie' bzw. alleinerziehende Eltern] und mütterliche Erwerbstätigkeit stehen in keinem durchgängigen Zusammenhang zu den Merkmalen des Bildungserfolgs der 15-Jährigen. Weder die gymnasiale Bildungsbeteiligung noch der Erwerb der Lesekompetenz scheinen davon unmittelbar beeinflusst zu werden.“
    Alternativer Link für diese Veröffentlichung: http://www.kmk.org/fileadmin/pdf/PresseUndAktuelles/2003/PISA3.pdf ab Seite 78.
  3. Manfred Günther: Lexikon Jugend – Alter. Berlin 2010.