Schlüsselqualifikation

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Als Schlüsselqualifikationen bezeichnet man überfachliche Qualifikationen, die zum Handeln befähigen sollen. Innerhalb der Personalwirtschaft sind sie neben der Fachkompetenz der zweite zentrale Bereich der Personalentwicklung. Sie sind daher kein Fachwissen, sondern ermöglichen den kompetenten Umgang mit fachlichem Wissen. Dabei setzen sich Schlüsselqualifikationen aus einem breiten Spektrum übergreifender Fähigkeiten zusammen, die sowohl aus dem kognitiven, als auch aus dem affektiven Bereich stammen. Diese Kompetenzen können in verschiedenen Situationen und Funktionen flexibel und innovatorisch eingesetzt und übertragen werden.

Nach Definition der Bildungskommission NRW (1995) sind Schlüsselqualifikationen

„[…] erwerbbare allgemeine Fähigkeiten, Einstellungen und Wissenselemente, die bei der Lösung von Problemen und beim Erwerb neuer Kompetenzen in möglichst vielen Inhaltsbereichen von Nutzen sind, so dass eine Handlungsfähigkeit entsteht, die es ermöglicht, sowohl individuellen als auch gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden.“

Begriffsprägung[Bearbeiten]

Der Begriff wurde zunächst in den 1970er Jahren von Dieter Mertens geprägt. Er verstand unter Schlüsselqualifikationen die Qualifikationen, die als „Schlüssel“ zur Erschließung von sich schnell änderndem Fachwissen dienen können. Treffender als der Begriff der Qualifikation wäre der Begriff Kompetenz, da eine Qualifikation etwas Objektives ist, unter Kompetenz aber eine individuelle Eigenschaft verstanden wird. Hierbei wird deutlich, dass bereits früh mit dem Begriff der Schlüsselqualifikation nicht die Fachkompetenz selbst, sondern die Fähigkeit zur Adaption und zum Transfer von Fachkompetenzen gemeint war.

Aufschlüsselung[Bearbeiten]

Schlüsselqualifikationen sollen und können das Fachwissen nicht ersetzen, sondern in Anbetracht der sich ständig wandelnden Anforderungen im Berufsleben erschließen helfen. Sie sind daher zunächst inhaltsneutral und finden Anwendung im tätigen Berufsleben und in zwischenmenschlichen Beziehungen.

Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen[Bearbeiten]

Der Referenzrahmen der 2006 herausgegebenen Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates zu Schlüsselkompetenzen für lebensbegleitendes Lernen[1][2] umfasst acht Schlüsselkompetenzen:

  1. Muttersprachliche Kompetenz
  2. Fremdsprachliche KompetenzFremdsprachliche Kompetenz;
  3. Mathematische Kompetenz und grundlegende naturwissenschaftlich-technische Kompetenz
  4. Computerkompetenz
  5. Lernkompetenz
  6. Soziale Kompetenz und Bürgerkompetenz
  7. Eigeninitiative und unternehmerische Kompetenz
  8. Kulturbewusstsein und kulturelle Ausdrucksfähigkeit.

Kompetenz des Lesens und Schreibens in einer europäischen Hochsprache wird erkennbar ohne weitere Erwähnung vorausgesetzt. Zu den wichtigsten Zielen des Referenzrahmens gehört, „die Schlüsselkompetenzen zu ermitteln und zu definieren, die in einer Wissensgesellschaft für persönliche Entfaltung, aktive Bürgerschaft, sozialen Zusammenhalt und Beschäftigungsfähigkeit nötig sind“. Jeder dieser Schlüsselkompetenzen wird dabei die gleiche Bedeutung zugewiesen, da jede von ihnen zu einem erfolgreichen Leben in einer Wissensgesellschaft beitragen könne.

Ähnliche Bestrebungen, Schlüsselqualifikationen zu definieren, finden zugleich in einzelnen Staaten statt.

So forderten die sowohl die Kultusministerkonferenz als auch der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK), die Schlüsselqualifikationen um die Medienkompetenz zu erweitern, da die digitalen Medien immer größeren Einzug in die Gesellschaft halten.

Gliederung[Bearbeiten]

Schlüsselqualifikationen lassen sich als Fähigkeiten (in einer möglichen Kategorisierung) in fünf Kompetenzbereiche einordnen:

  1. Handlungskompetenz
  2. Medienkompetenz
  3. Methodenkompetenz
  4. Selbstkompetenz
  5. Sozialkompetenz

Die einzelnen Bestandteile von Schlüsselqualifikationen lassen sich folgendermaßen definieren:

Sozialkompetenz[Bearbeiten]

Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten, die dazu befähigen, in den Beziehungen zu Menschen situationsadäquat zu handeln

Methodenkompetenz[Bearbeiten]

Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten, die es ermöglichen, Aufgaben und Probleme zu bewältigen, indem sie die Auswahl, Planung und Umsetzung sinnvoller Lösungsstrategien ermöglichen

Individualkompetenz/Selbstkompetenz/Personenkompetenz/Humankompetenz[Bearbeiten]

Fähigkeiten und Einstellungen, in denen sich die individuelle Haltung zur Welt und insbesondere zur Arbeit ausdrückt. Persönlichkeitseigenschaften, die nicht nur im Arbeitsprozess Bedeutung haben

Handlungskompetenz[Bearbeiten]

Die Schnittmenge dieser drei Kompetenzbereiche ist die individuelle Handlungskompetenz einer Person. Kompetenz bedeutet in diesem Zusammenhang die Befähigung eines Menschen, sich situativ angemessen zu verhalten, selbstverantwortlich Probleme zu lösen, bestimmte Leistungen zu erbringen und mit anderen Menschen angemessen umzugehen, auf der Basis eines erfolgreichen Lernprozesses. Kompetenz ist immer individuell und wird durch den Erwerb und auf die eigenen Werte und Ziele bezogene Reflexion einzelner, sich gegenseitig beeinflussender Fähigkeiten erworben.

  • die Disposition zum Erwerb aller Fähigkeiten
  • das kognitive Regelsystem, mit dem Handlungen generiert werden können
  • stabile, universell angelegte und empirisch nicht wahrnehmbare Tiefenstruktur

Medienkompetenz[Bearbeiten]

Bei der Medienkompetenz geht es darum, dass sich Personen in der heutigen Wissensgesellschaft als mündige und reflektierte Bürger einbringen können. Digitale und analoge Medien müssen unter der Betrachtung von

  • Analyse
  • Auswahl
  • Bewertung
  • Gestaltung
  • Nutzung

genutzt werden können.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18. Dezember 2006 zu Schlüsselkompetenzen für lebensbegleitendes Lernen (2006/962/EG)
  2. Die Grundlagen für lebenslanges Lernen schaffen, Europäische Kommission

Weblinks[Bearbeiten]