Schlacht am Schipkapass

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Schlacht von Schipkapass
Verteidigung der Stellungen am Gipfel Orlowo gnesdo
Verteidigung der Stellungen am Gipfel Orlowo gnesdo
Datum Sommer-Winter 1878
Ort Schipkapass (damals Osmanisches Reich, heute in Bulgarien)
Ausgang Sieg der Russen
Territoriale Änderungen Balkangebirge, Schipkapss
Folgen Vorrücken vom General Josef Gurko nach Rumelien und Edirne
Konfliktparteien
Russisches Kaiserreich
Bulgarischer Freiwilligen-Korps
Osmanisches Reich
Befehlshaber
Josef Gurko (1. Schlacht)
Nikolai Stoletow (2. Schlacht)
Fjodor Radezki (3-4. Schlacht)
Süleiman Pascha (1-3. Schlacht)
Veissel Pascha (4. Schlacht)
Truppenstärke
5000 (1. Schlacht)
7500[1] (2. Schlacht)
8000 (3. Schlacht)
66.000[2] (4. Schlacht)
30.000 (1. Schlacht)
30.000[1] (2. Schlacht)
25.000 (3. Schlacht)
40.000 (4. Schlacht)

Als Schlacht am Schipkapass, auch Schlacht von Schipka genannt, werden mehrere Schlachten bezeichnet, die zwischen Sommer 1877 und Frühjahr 1878 im Zuge des Russisch-Osmanischen Krieges von 1877–1878 geführt wurden. Die Schlachten fanden am gleichnamigen Schipkapass statt, im zentralen Teil des Balkangebirges unweit der Stadt Schipka im heutigen Bulgarien.

Lage[Bearbeiten]

Schipkapass (rotes Viereck)
Hauptartikel: Schipkapass

Das Balkangebirge erstreckt sich über 600 km in Ost-West-Richtung durch das heutige Bulgarien und Serbien. Für einen Feldzug gegen die Hauptstadt des Osmanischen Reiches mussten die russischen Truppen unbedingt die Balkanpässe überqueren.

Der Schipkapass ist ein Knotenpunkt zwischen Nord- und Südbulgarien an der Grenze der Regionen Lowetsch und Kaschkowo beziehungsweise den Städten Gabrowo in Nordbulgarien und Kasanlak in Südbulgarien. Kasanlak wurde im 14. Jahrhundert sogar eigens zum Schutz des Passes gegründet. Die über den Pass verlaufende Straße wurde bereits in früheren Jahrtausenden angelegt und verbindet Thrakien mit der Donauebene.

In unmittelbarer Nähe zum Schipkapass verläuft heute die Europastraße 85 und zweigen die nach Plewen, Lowetsch, Sewliewo, Russe über Weliko Tarnowo und Schumen nach Edirne (heute Türkei) führenden Verkehrswege ab. Die relativ gut ausgebaute Passstraße ist leicht passierbar und verkehrsmäßig, vor allem jedoch militärisch, von hoher strategischer Bedeutung.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Im Züge der Russisch-Osmanischen Krieges (1877–1878) gelang es den vordersten russischen Truppen, geführt von General Gurko Weliko Tarnowo auf der Nordseite des Balkangebirges am 7. Juli 1877 einzunehmen. Die Stadt hat eine strategische Schlüsselposition, da sie im mittleren Teil Nordbulgariens lag (damals Vilâyet Tuna) und nördlich des Balkangebirges in der Nähe mehrere Pässe des zentralen Balkangebirges. Dadurch sicherte Gurko seinen Truppen (rund 12.500 Soldaten mit 40 Geschützen, unterstützt durch bulgarische Freiwillige) einen wichtigen Stützpunkt für weitere Angriffe auf der Südseite des Gebirges in Richtung Thrakien. Alle größeren und wichtigeren Pässe des Balkangebirges wurden jedoch von osmanischen Truppen bewacht. Deshalb beschloss Gurko, seinen Vormarsch nach Stara Sagora und über den kleineren, unbewachten Balkanpass Chainboas fortzusetzen.

Am 22. Juli nahm General Gurko mit seinen Truppen Stara Sagora ein, womit ein wichtiger Brückenkopf über das Balkangebirge geschaffen wurden. Die Stadt wurde nach schweren, blutigen Kämpfen am 31. Juli von den Türken unter dem türkischen Feldherren Süleiman Pascha zurückerobert. Süleiman Pascha setzte mit seinen Truppen den geschlagenen und sich zurückziehenden russischen Truppen nach. Nach der Einnahme von Kasanlak am 18. August und des Dorfes Schipka am 19. August, wandten sich die türkischen Truppen von Süleiman Pascha dem nahegelegenen, strategisch wichtigen Schipkapass zu, um das Balkangebirge Richtung Norden zu überqueren und den eingekesselten Truppen Osman Paschas bei Plewen zu Hilfe zu kommen.

Schlachtverlauf[Bearbeiten]

Der Gipfel Orlowo gnesdo
W. W. Wereschtschagin: Schlachtfeld nahe Schipka

Nach der Einnahme von Stara Sagora konnten Gurkos Truppen unterstützt durch bulgarische Freiwillige den Schipkapass zwischen 17. und 19. Juli 1877 besetzen und den südlichen Ausgang befestigen. Auf russischer Seite wurde der Pass von 10 Kompanien des 36. Orlowski-Infanterieregiments, 4 Kosaken-Hundertschaften, sowie den ersten 5 Kompanien des bulgarischen Freiwilligen-Korps verteidigt. Das ergab auf russischer Seite insgesamt 6000 Kämpfer und 25 Kanonen. Die Verteidigung des Schipkapasses wurde von General Stoletow kommandiert.

Nach der Einnahme des Dorfes Schipka am 19. August marschierte Süleiman Pascha mit seinen Truppen in Richtung des fünf Kilometer entfernten Passes. Die ersten Kampfhandlungen fanden am 21. August 1877 statt. Nach dem Sieg in Stara Sagora hatte Süleiman Pascha keinen größeren Widerstand erwartet und wollte die höchsten Punkte des Schipkapasses, die Gipfel Hl. Nikola (1.327 m), Schipka (1.335 m) und Orlowo gnesdo, einnehmen. Er bot gegen die Verteidiger des Passes 49 Bataillone, 1300 Mann Kavallerie und 2 Gebirgsbatterien auf. Die türkische Seite hatte damit insgesamt 27.000 Kämpfer und 60 Kanonen und verfügte zudem über die moderneren Waffen.

Am 21. August 1877 begann der türkische Angriff auf die russischen Verteidigungsstellungen von Süden und von Norden. Bis zum Abend wurden zwölf erfolglose Angriffe durchgeführt. Am 22. August versuchte Süleiman Pascha die russischen Stellungen zu umgehen. Aber auch die danach folgenden Angriffe blieben ohne Erfolg für die Türken. Am zweiten Tag wurde die Russen durch Truppen aus dem 35. Brjansker-Infanterieregiment verstärkt. Am 23. August ließ Süleiman Pascha zum Sturm blasen, warf alle seine Reserven in den Kampf und befahl ununterbrochene Angriffe, welche bis in die Nacht anhielten. Die Aufmerksamkeit der Verteidiger sollte durch Scheinattacken abgelenkt werden. Die darauffolgende Nacht markierte den Wendepunkt der Schlacht. Die Verteidiger hielten in erbitterten und verlustreichen Kämpfen stand, obwohl sie weder genügend Munition noch Wasservorräte hatten. Gegen 17 Uhr traf auf russischer Seite ein Bataillon zur Verstärkung ein.

Ein zweiter Versuch zur Einnahme des Schipkapasses vom 9. bis 17. September 1877 misslang ebenfalls. Die Türken mussten sich auf die Beobachtung und gelegentliche Kanonade der russischen Stellung beschränken, bis die Russen Anfang Januar 1878 wieder zum Angriff übergingen.

Am 9. Januar konnte nach heftigem Kampf die ganze türkische Armee (32.000 Mann) gefangengenommen werden und die Russen setzten ihren Vormarsch Richtung Konstantinopel (Istanbul) fort.

Folgen[Bearbeiten]

Die Schlachten am Schipkapass waren militärisch unbedeutender als die Schlacht von Plewen, jedoch stoppten sie den Versuch der Osmanen den eingekesselten Truppen bei Plewen zu Hilfe zu kommen. Nachdem Plewen Anfang Dezember 1877 in russische Hände fiel, konnten die Russen ihre Hauptkräfte am Schipkapass (5. – 9. Januar 1878) und in der Schlacht bei Scheinowo (8. – 9. Januar 1878) einsetzen und ihren Vormarsch Richtung Thrakien fortführen. Vor allem die Augustschlacht ist, auch wegen der Teilnahme des bulgarischen Freiwilligen-Korps, tief im bulgarischen Nationalbewusstsein als der entscheidende Kampf für die Befreiung Bulgariens vom türkischen Joch verankert geblieben.

Medien[Bearbeiten]

Filmografie[Bearbeiten]

  • Es gibt einen im Auftrag der sowjetischen Filmgesellschaft im Jahr 1954 hergestellten vierteiligen Film, der die Kämpfe am Schipkapass in einer Filmhandlung glorifiziert, schließlich spielten die Russen hier eine bedeutende Rolle bei der Befreiung Osteuropas von der Türkenherrschaft: Die Helden vom Schipkapass (Геройте на шипка);
  • Unter dem Titel Entscheidung am Schipkapass findet sich ein weiterer Film, der als Koproduktion Bulgarien – Sowjetunion im Jahr 1978 gedreht wurde.

Belletristik[Bearbeiten]

  • Adda von Liliencron: Wera Paulowna oder die Entscheidung im Schipka-Paß. Christlicher Zeitschriftenverlag, Berlin 1896.
  • Iwan Wasow: Die Landwehrsoldaten auf Schipka im Poem Epopöe der Vergessenen

Literatur[Bearbeiten]

  • Volksblatt. Eine Wochenzeitschrift mit Bildern. Nr. 2 vom 13. Januar 1878 Volltext bei Wikisource
  • Christian von Sarauw: Der russisch-türkische Krieg, 1877 bis 1878. Auf Grundlage der veröffentlichten officiellen russischen Rapporte. Schlicke, Leipzig 1878 (Nachdruck Adamant Media Corporation, 2005. ISBN 0-543-88544-5).
  • G. Schröder: Der Schipka-Pass im Jahre 1877. Seine Befestigung und die Kämpfe um denselben. E. S. Mittler & Sohn, Berlin, 1881.
  • Сб. материалов по Русско-турецкой войне 1877–1878 г.г. на Балканском полуострове. Вып. 36, СПб., 1902.
  • Walter Görlitz: Entscheidung am Schipka-Paß. Vor 100 Jahren brach der Russisch-Türkische Krieg aus. In: Die Welt, Nr. 94 vom 23. April 1977.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Encyclopaedia Britannica, 1911 ed. SHIPKA PASS
  2. Encyclopaedia Britannica, 1911 ed. RUSSO-TURKISH WARS

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schlacht am Schipkapass – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien