Schlacht bei Amiens (1918)

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Schlacht bei Amiens
Karte der Schlacht
Karte der Schlacht
Datum 8. August bis 11. August 1918
Ort östlich von Amiens, Frankreich
Ausgang Sieg der Alliierten
Konfliktparteien
Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Vereinigtes Königreich
FrankreichFrankreich Frankreich
AustralienAustralien Australien
Kanada 1868Kanada Kanada
Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich
Befehlshaber
Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Douglas Haig
Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Henry Rawlinson
FrankreichFrankreich Ferdinand Foch
FrankreichFrankreich Marie-Eugène Debeney
Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten John Pershing
Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Georg von der Marwitz
Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Oskar von Hutier
Truppenstärke
ca. 29 Divisionen ca. 15 Divisionen
Verluste
unbekannt mindestens 30.000

Die Schlacht bei Amiens fand im August 1918 während des Ersten Weltkriegs statt. Sie folgte auf die Zweite Schlacht an der Marne und leitete die alliierte Hunderttageoffensive ein.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die Deutsche Frühjahrsoffensive 1918 an der Somme („Operation Michael“) war im April vor Arras sowie bei Albert und Villers-Bretonneux zum Erliegen gekommen, ohne das Ziel Amiens zu erreichen. Weitere deutsche Offensiven wie die Vierte Flandernschlacht hatten ebenfalls zwar Geländegewinne, aber keine entscheidenden Erfolge gebracht. In der Zweiten Schlacht an der Marne von Mitte Juli bis Anfang August hatten die französischen und verbündeten Truppen einen deutschen Angriff bei Reims aufgehalten und waren zur Gegenoffensive übergegangen.

Der anfängliche Plan des britischen Feldmarschalls Douglas Haig für die Offensive bei Amiens sah den Angriff der britischen 4. Armee unter General Henry Rawlinson zu beiden Seiten der Somme vor. Die beteiligten Truppen waren das britische III. Korps unter Richard Butler, das australische Korps unter John Monash sowie das kanadische Korps unter Arthur Currie. Der alliierte Oberbefehlshaber Marschall Ferdinand Foch setzte durch, dass die südlich stehende französische 1. Armee unter Marie-Eugène Debeney ebenfalls im Raum Moreuil an der Offensive teilnahm. Der Angriff sollte dem von Monash am 4. Juli in der Schlacht von Hamel erfolgreich erprobten Muster des überraschenden und koordinierten Vorgehens von Infanterie und Panzern folgen, von denen annähernd 600 bereitstanden (darunter viele Renault FT-17). 29 Divisionen nahmen auf der alliierten Seite an der Offensive teil, wodurch bei 10 deutschen Divisionen in erster Linie und 5 Eingreifdivisionen eine Überlegenheit von 2:1 hergestellt war. Hinzu kam, dass die im Verband der deutschen 2. Armee eingesetzten Truppen abgekämpft waren. Die Grabenstärke der Infanteriebataillone war teilweise auf unter 300 abgesunken, beim Infanterie-Regiment 18 (41. Infanterie-Division) beispielsweise auf 255 Gewehre.[1] Die deutschen Stellungen in diesem Sektor waren zudem nicht vollständig ausgebaut. Der Erfolg des Plans hing vom Überraschungseffekt ab; der Gegner wurde nicht durch das übliche vorbereitende Artilleriefeuer vor der bevorstehenden Offensive gewarnt. Stattdessen war der Einsatz einer Feuerwalze vor den vorrückenden Truppen vorgesehen.

Die Schlacht[Bearbeiten]

8th August, 1918
Gemälde des australischen Kriegsmalers Will Longstaff

Der Angriff begann um 5:20 Uhr Ortszeit am 8. August[2]. Bis 11:00 war insbesondere im kanadischen und australischen Sektor auf einer Breite von über 20 Kilometern ein Einbruch von 5 Kilometern Tiefe erzielt, der bis zum Abend auf durchschnittlich 10 Kilometer anwuchs. Das deutsche Generalkommando 51 unter General von Hofacker lag zusammen mit dem XI. Armee-Korps im Hauptangriffsfeld der britischen 4. Armee. Der Durchbruch der Australier und Kanadier bei der 13., 41., 117. und 225. Division beiderseits von Villers-Bretonneux erreichte noch am gleichen Tag Harbonnieres. Die deutschen Verluste am 8. August betrugen rund 30.000 Mann, davon etwa die Hälfte Gefangene. Der Erste Generalquartiermeister der deutschen OHL Erich Ludendorff bezeichnete diesen Tag später als „Schwarzen Tag des deutschen Heeres“.

Die Offensive wurde an den folgenden drei Tagen fortgeführt, brachte aber aufgrund der nun fehlenden Unterstützung durch Artillerie und Panzer nur noch begrenzte Erfolge. Am 21. August begann die 3. britische Armee zwischen Albert und Arras einen ähnlichen Angriff, der ebenfalls erfolgreich war.

Der Australier Monash wurde für seinen Erfolg in der Schlacht am 12. August von König Georg V. auf dem Schlachtfeld zum Ritter geschlagen.

Verluste[Bearbeiten]

Deutsche Gefangene nach der Schlacht

Die deutschen Verluste liegen detailliert nur für die 2. Armee vor, jedoch nicht für die 18. Armee. Nach dem Sanitätsbericht über das deutsche Heer [3] werden die Verluste der 2. Armee für den Zeitraum vom 1. bis 20. August 1918 wie folgt angegeben:

  • Erkrankt: 20.065
  • Verwundet: 14.533
  • Gefallen: 2.596
  • Vermisst: 26.492

Dies ergibt eine Summe von 63.686 (43.621 ohne Berücksichtigung der Erkrankten). An der Schlacht waren 28 Divisionen mit einer durchschnittlichen Ist-Stärke von 316.756 Mann beteiligt.

Das Werk des britischen Kriegsministeriums meldet 22.122 Gefangene für den Zeitraum vom 30. Juli bis 19. August 1918, davon alleine 19.533 Gefangene vom 6. bis 12. August 1918[4]. Diese Zahlen zeigen, dass der größte Teil der Verluste der 2. Armee im Zeitraum 8. bis 11. August aufgetreten sind.

Folgen[Bearbeiten]

Durch die erfolgreiche Offensive konnten die Alliierten in diesem Frontabschnitt und nachfolgend an der gesamten Front die Initiative übernehmen. Ende August und Anfang September wurden die deutschen Truppen im Sommeabschnitt auf ihre Ausgangsstellungen vor der Frühjahrsoffensive (Hindenburglinie) um St. Quentin zurückgedrängt. Ende September begann, eingeleitet durch die amerikanische Meuse-Argonne-Offensive, der Angriff auf diese letzte deutsche Verteidigungslinie, mit deren Fall im Oktober der Krieg für Deutschland verloren war.

Literatur[Bearbeiten]

  • James L. McWilliams, R. James Steel: Amiens 1918: The Last Great Battle. Tempus, 2007. ISBN 0-7524-4426-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schlacht bei Amiens (1918) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reichsarchiv, Schlachten des Weltkrieges, Band 36, Stalling, Oldenburg i. O. / Berlin, 1930, Seite 28
  2. Reichsarchiv, Schlachten des Weltkrieges, Band 36, Stalling, Oldenburg i. O. / Berlin, 1930, Seite 21
  3. Sanitätsbericht über das deutsche Heer im Weltkriege 1914/1918, III. Band, Berlin 1934, S. 60
  4. The War Office: Statistics of the Military Effort of the British Empire During the Great War 1914-1920, London March, 1922, S. 632