Schlacht bei Custozza (1866)

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Schlacht bei Custozza (1866)
Teil von: Dritter Italienischer Unabhängigkeitskrieg
Datum 24. Juni 1866
Ort bei Custozza, bei Verona, Italien
Ausgang Sieg der Österreicher
Konfliktparteien
Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien Osterreich KaisertumKaisertum Österreich Österreich
Befehlshaber
Alfonso La Marmora Albrecht Friedrich von Österreich
Truppenstärke
84.000 Soldaten 74.000 Soldaten
Verluste
8.147 Tote, Verwundete und Gefangene 4.650 Tote, Verwundete und Gefangene

Im Dritten Italienischen Unabhängigkeitskrieg kam es am 24. Juni 1866 zur zweiten Schlacht bei Custozza zwischen Italien und dem Kaisertum Österreich.

Italien versuchte das nach der Schlacht von Solferino und dem Waffenstillstand von Villafranca bei Österreich verbliebene Venetien und auch das Trentino militärisch zu erobern. Bei Custozza kam es am 24. Juni 1866 zu einem unvermittelten Aufeinandertreffen der beiden Heere.

Der Aufmarsch[Bearbeiten]

Feldmarschall Erzherzog Albrecht

Die Operationsbasis der österreichischen Südarmee war das überaus starke Festungsviereck Peschiera -Verona-Legnago-Mantua, unter dessen Schutz man den Anmarsch des weit überlegenen Gegners erwartete. Die einzige Hoffnung lag für österreichischen Oberbefehlshaber Erzherzog Albrecht von Österreich-Teschen in der Trennung der feindlichen Streitkräfte. Der Plan des kaiserlichen Generalstabschef Franz von John sah vor, den am 23. Juni auf 50 Kilometer Breite an drei Stellen vollzogenen Mincioübergang des Feindes auszunutzen, dessen dadurch aufgeteilte Truppenmasse durch seinen verstärkten rechten Flügel anzugreifen, und dadurch auch das feindliche Vordringen auf Verona aufzuhalten. Die österreichische Front war nach Süden - also gegen die rechte Flanke der im Anmarsch gesichteten Italiener gerichtet, welche mit dem rechten Flügel ohne Vorsichtsmaßnahmen auf Villafranca vorgingen. Den linken Flügel der Österreicher, der etwa drei Kilometer westlich Verona stand, bildete das IX. Korps, und an dieses schloss die österreichische Kavallerie-Reserve (General Ludwig Freiherr von Pulz) auf. Das IX. Korps (FML Gabriel Ritter von Hartung) sollte Sommacampagna, von dessen Besitz die Ausführbarkeit des eigenen Angriffs abhing, eisern festhalten. Das VII. Korps (FML Maroicic) sollte mit 25000 Mann hinter dem Zentrum vorerst als Armee-Reserve bei Sona und Casazze Stellung nehmen und später bei Custozza eingreifen. Den nördlichen rechten Flügel bildete das V. Korps (Rodich), die Festung Peschiera am Gardasee deckte dabei den Aufmarsch der Reserve-Division des Generals Friedrich Rupprecht.

Am 24. Juni früh war der italienische Mincio-Übergang beendet, der rechte Flügel - mit dem 3. Corps stand zwischen Villafranca und Sommacampagna, der linke Flügel - das 1. Corps rückte auf den Höhen von Sommacampagna bis San Giustina vor und bedrohte Verona. Die Spitze der nordwärts vorgehenden italienischen Kolonnen bildete das 1. Corps (General Giovanni Durando) mit den Divisionen der Generale Sirtori (5.)., Cerale (1.) Pianell (2.) und Brignone (3.). Dieser Verband marschierte zwischen Monzambano und Custozza als linker Flügel auf, dabei sicherte die Division Pianell am westlichen Mincio-Ufer gegen Angriffe aus Peschiera. Die über Valeggio und Pozzolo nachfolgenden Verbände – das 3. Corps (General della Rocca) mit der 16. Division des Kronprinzen Humbert, den Divisionen Bixio (7.), Cugia (8.) und Govone (9.) schlossen zügig gegen die Linie Custozza - Villafranca auf und bildeten den rechten Flügel. Die italienische Kavallerie-Division des Generalleutnant Sonnaz war bereits über Mozzecane auf Villafranca vorgeschoben. Das 2. Korps unter General Cucchiari folgte als Nachhut mit weiteren 36.000 Mann auf größerer Distanz und wurde vorerst bei Goito auf dem rechten Mincio-Ufer als Reserve zurückgehalten. Die 6. Division (Longoni) und die 4. Division (Angioletti) des 2. Corps waren auf dem rechten Mincio-Ufer im Marsche auf Goito, gelangten jedoch diesen Tag nicht über Roverbella hinaus, zwei weitere (10. und 19. Division) beobachteten die Festung Mantua und den Platz Borgoforte.

Truppenstärken[Bearbeiten]

Auf Seite der Italiener unter General Alfonso La Marmora standen anfangs für die Schlacht neun Divisionen mit 83.969 Mann und 246 Geschützen zur Verfügung. Die Überlegenheit der Italiener gegenüber den kaiserlichen Truppen betrug etwa an ein Fünftel an Truppenzahl und wäre noch größer gewesen sein, wenn La Marmora nicht Dispositionen getroffen hätte, welche seine gesamte Heeresmacht (siebzehn Divisionen mit 174.000 Mann) unnötig zersplitterte. Am Po stand noch das starke 4. Korps (fünf weitere Divisionen) unter General Enrico Cialdini und war ebenfalls im Vorgehen zur Etsch, gegen Südtirol operierte ein weiteres separates Corps unter Giuseppe Garibaldi. Die sich zwischen Etsch und den Mincio bildende Front der österreichischen Südarmee unter Erzherzog Albrecht zählte 147 Bataillone, 36 Eskadronen und 33 Batterien, zusammen 138.000 Mann. Nach Abrechnung der Festungsbesatzungen, nach Detachierung einer Brigade nach Padua und nach Abzug des Schutzkorps für Tirol unter Generalmajor Freiherr von Kuhn (13.000 Mann) blieben nur etwa 74.000 Mann, davon 70.860 Mann, 2936 Reiter und 168. Kanonen für die operierende Hauptarmee übrig.

Die Schlacht[Bearbeiten]

Alfonso La Marmora
Karte der Schlacht bei Custozza

Die Kämpfe fanden an der Linie Monte Cricol, Monte Vento, in der Mitte bei St. Lucia - Custoza und am westlichen Flügel am Monte della Croce und dem Monte Belvedere statt. Am nordwestlichen Abschnitt des beginnenden Schlachtgeschehens kann das österreichische V. Korps (FML. Rodich) Castelnuovo besetzten. Die österreichische Reserve-Division des Generals Rupprecht, welche sich um 7 Uhr früh bei Castelnuovo vereinigt hatte, setzte ihren Vormarsch auf Salionze und Oliesi ungesäumt fort. Die italienische 1. Division (Cerale) hatte den Mincioübergang bei Valeggio gerade beendet, als sie von der Reservedivision angefallen wurde und nach einem heißen Kampfe auf Oliosi zurückgeworfen wurde. Die Brigade Piret (V. Korps) versucht nachfolgend bis 9. Uhr die Mincioübergänge bei Monzambano in die Hände zu bekommen und wirft die italienische Division Sirtori bei Pernisa zurück Das Eingreifen der Kavallerie unter Anton Freiherr von Bechtoldsheim (1834-1904) brachte den italienischen linken Flügel – die 1. Division und 5. Division vollständig zum Wanken, ihren Rückzug hinter den Tione über den Mincio kann sie aber nicht abschneiden. Um 8.00 Uhr durchbricht eine kaiserliche Husarenbrigade unter Oberst Bujanovic die Schützenlinie der Bersaglieri bei Villafranca, dahinter hielt die italienische 16. Division (Kronprinz Humbert) und die 7. Division (Bixio) aber unter Mithilfe ihrer Artillerie stand. Im Zentrum konnten die Italiener am Beginn der Schlacht die Höhen von Monte Torre und Monte Croce südlich von Sommacampagna besetzen. FML von Hartung setzte seine Brigaden unter Oberst Weckerbecker und Böck gegen diese wichtigen Positionen an, konnte sie auch bis 9.00 Uhr zurückerobern, musste aber durch den Gegenstoß der italienischen 8. Division (Cugia) eine Stunde darauf wieder in das Staffolo Tal zurückgehen. Das jetzt in der Mitte einrückende österreichische VII. Korps unter FML Joseph Freiherr von Maroicic konnte derweil über den Monte Belvedere vorgehend mit seiner Brigade Möhring die gegenüberliegenden Feindtruppen unter General Brignone (3. Division) aus Custozza hinausdrängen und nach Valeggio zurückwerfen. Von dorther setzten darauf sofort Gegenangriffe der italienischen 8. und 9. Division ein. Die Division des Generals Govone konnte die österreichische Brigade des Obersten Anton von Scudier nach Bogolina zurücktreiben, auch der verlorene Monte Belvedere ging verloren. Um 9.00 Uhr griff FML Hartung abermals gegen den Monte Croce an, den die italienische Division Brignone aber halten konnte, dabei wurde Prinz Amadeus von Savoyen verwundet. Zwischen Zentrum und linken Flügel drohte bereits eine Frontlücke, doch nachdem die Truppen des Korps unter General della Rocca darauf in Defensivstellung gingen, musste Erzherzog Albrecht keine weitere Kräfte von seinem Angriffsflügel abziehen. Die 2. Division (Pianell) deckte den Rückzug der 1. und 5. Division über den Mincio bei Monzambano, ihr Gegenstoß vermochte sogar das Vorgehen des V. Korps (Rodich) an der Linie Salizone - Marzago zum Stehen zu bringen.

Gegen 14.00 Uhr erneuerte Erzherzog Albrecht an beiden Flügeln seine Angriffe, entweder konnte er doch noch erfolgreich durchbrechen oder er werde gezwungen sein, selbst auf seine Festungslinie zurückzugehen. Um 15.30 Uhr erstürmte die österreichische Brigade Piret den Monte Vento und bedrohte damit die italienische Rückzugslinie bei Valeggio. Im Zentrum griffen die Reserven – die Brigaden Welsersheimb und Tölpy – in den Gegenangriff des jetzt 25.000 Mann starken VII. Korps ein. Die frischen Truppen warfen 15.000 Italiener (3. und 5. Division) vom Höhenzug am Monte Croce und vom Belvedere hinunter, die dadurch am linken Flügel schwer bedrängte italienische 9. Division (Govone) musste darauf Custozza wieder aufgeben.

Enrico Cialdini

Gegen 16.30 Uhr brachte der erfolgreiche Angriff des rechten Flügels den österreichischen Sieg an der gesamten Front. Der Angriff der kaiserlichen Kavallerie-Reserve unter General Pulz drängte die italienische 16. Division aus Villafranca heraus, dabei wurde auch die tapfer aushaltende Division Bixio durch Flankenangriffe aus ihren Stellungen am Tione geworfen. Gegen 22.00 Uhr war Villafranca gänzlich von italienischen Truppen geräumt. General Enrico Cialdini hatte auf die Nachricht von der Niederlage La Marmoras den Po-Übergang an der Panaro-Mündung mit seinem 4. Corps vollzogen und marschierte der geschlagenen Hauptarmee am rechten Flussufer hilfreich entgegen. Die vorderen Divisionen unter Cucchiari deckten am Abend den Rückzug des geschlagenen 3. Corps (della Rocca) über den Mincio bei Goito.

Folgen[Bearbeiten]

Den Österreichern gelang bei Custozza ein glücklicher Sieg, da die Italiener zersplittert kämpften und nach diesem Misserfolg auf einen neuerlichen Gegenangriff verzichteten. Aus ganz ähnlichen Gründen verloren die Italiener auch die anschließende Seeschlacht von Lissa. Den einzigen italienischen Erfolg im Krieg von 1866 erfocht Garibaldi beim nordwestlich des Gardasees gelegenen Bezzecca.

Da das mit Italien verbündete Preußen Österreich kurz darauf in der Schlacht von Königgrätz besiegte, musste Österreich Venetien trotz seiner militärischen Erfolge im Süden an Italien abtreten.

Im Jahr 1866 wurde das Erzherzog Albrecht-Denkmal auf der Albrechtrampe in Wien zum Gedenken an den siegreichen Befehlshaber aufgestellt. Ein Jahr später wurde die Custozzagasse im 3. Bezirk Wiens nach den beiden Schlachten von Custozza benannt.

Kriegsgliederung[Bearbeiten]

Österreichische Südarmee (Feldmarschall Erzherzog Albrecht von Österreich)

74.000 Mann
V. Korps (General Gabriel Freiherr von Rodich)
Brigade Moering, Brigade Piret
Reserve-Division (General Friedrich Rupprecht)
VII. Korps (General Joseph Freiherr von Maroicic)
Brigade Scudier, Töply, Welsersheimb
IX. Korps (General Ernst Ritter von Hartung)
Brigade Böck, Kirchsberg, Weckbecker
Reserve-Kavallerie-Division (General Ludwig Freiherr von Pulz)
Husarenbrigade Bujanovic

Italienische Mincio- Armee (General Alfonso La Marmora)

124.000 Mann, davon 84.000 Mann im Kampf
I. Corps (General Giovanni Durando)
1. Division (General Enrico Cerale)
2. Division (General Giuseppe Salvatore Pianell)
3. Division (General Filippo Brignone)
5. Division (General Giuseppe Sirtori)
III. Corps (General Enrico Morozzo della Rocca)
7. Division (General Nino Bixio)
8. Division (General Efinio Cugia)
9. Division (General Giuseppe Govone)
16. Division (General Kronprinz Umberto von Italien)
Cavallerie- Division (General Maurizio Sonnaz)

Reserve: (nicht im Kampf)

II. Corps (General Domenico Cucchiari)
4. Division (General Diego Angioletti)
6. Division (General Longoni)
10. und 19. Division (nicht im Kampf)

Quellen[Bearbeiten]

  • Albrecht Friedrich von Österreich: Erster offizieller Bericht über die Schlacht bei Custozza am 24. Juni 1866, in: Österreichische Militärische Zeitschrift, Jahrgang 1866, Nr. 2.
  • Alberto Pollio: Custoza (1866). Stab. Poligr. per l' Amministrazione della Guerra, Rom 1923.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Friedjung: Custoza und Lissa. Insel Verlag, Leipzig 1916 (Österreichische Bibliothek Nr. 3)
  • Georg Bruce: Lexikon der Schlachten Verlag Styria Graz 1984
  • Allgemeine Militär-Enzyklopädie, J. H. Webel Verlag, Leipzig 1869