Schlacht bei Königgrätz

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Dieser Artikel behandelt das Ereignis; zum Gemälde siehe Schlacht bei Königgrätz (Gemälde).
Schlacht bei Königgrätz
Teil von: Deutscher Krieg
Schlacht von Königgrätz (Gemälde von Georg Bleibtreu)
Schlacht von Königgrätz (Gemälde von Georg Bleibtreu)
Datum 3. Juli 1866
Ort Sadowa, Maslowed, Chlum in Böhmen
Ausgang entscheidender Sieg der Preußen
Konfliktparteien
Preussen KonigreichKönigreich Preußen Preußen Osterreich KaisertumKaisertum Österreich Österreich
Königreich SachsenKönigreich Sachsen Sachsen
Befehlshaber
Preussen KonigreichKönigreich Preußen Helmuth von Moltke
Preussen KonigreichKönigreich Preußen Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen
# Karl von Bittenfeld
Osterreich KaisertumKaisertum Österreich Ludwig von Benedek
Truppenstärke
221.000 Soldaten[1]
702 Kanonen
215.000 Soldaten[1] (22.000 Sachsen)
650 Kanonen
Verluste
1.929 Tote
276 Vermisste
6.948 Verletzte
940 Pferde
5.658 Tote
7.410 Vermisste
7.574 Verletzte
22.170 Gefangene
6.000 Pferde
116 Kanonen

In der Schlacht bei Königgrätz trafen im Deutschen Krieg die Truppen Preußens beim Dorf Sadowa am 3. Juli 1866 auf die Armeen Österreichs und Sachsens. In einem Gelände von etwa zehn Kilometer Breite und fünf Kilometer Tiefe bekämpften sich über 400.000 Soldaten in einer verlustreichen Schlacht. Zentren der Kämpfe bildeten die strategisch wichtigen Hügel Svíb bei Maslojed und Chlum bei Schestar. Durch den Sieg in dieser kriegsentscheidenden Schlacht wurde Preußen Führungsmacht in Deutschland und Bismarck setzte damit die kleindeutsche Lösung durch. Die Schlacht gilt als einer der Wegbereiter für die Deutsche Reichsgründung 1871.

Während die Schlacht im Deutschen und den meisten anderen Sprachen nach Königgrätz benannt wurde wird sie in Frankreich meist korrekter nach dem Ort Sadowa benannt.

Vorgeschichte des Krieges von 1866[Bearbeiten]

Nach den napoleonischen Kriegen wurde zwischen den europäischen Mächten auf dem Wiener Kongress die alte zwischenstaatliche Ordnung in Europa weitgehend wiederhergestellt. Aus den Trümmern des Heiligen Römischen Reiches war der Deutsche Bund als loser Staatenbund hervorgegangen, der Teile Preußens und Österreichs beinhaltete. Die Ursache des preußisch-österreichischen Kriegs lag in den Spannungen zwischen den Mächten Preußen und Österreich, die im Kampf um die Vorherrschaft im Deutschen Bund (unter anderem infolge der Unionspolitik Preußens) immer größer wurden. Den Anlass zum Krieg gab der Konflikt um den Besitz der von Österreich und Preußen gemeinsam verwalteten Gebiete Schleswig und Holstein im Anschluss an den deutsch-dänischen Krieg. 1865 konnten die Gegensätze noch einmal in der Gasteiner Konvention beigelegt werden, indem sich Österreich auf die Verwaltung von Holstein beschränkte. Als aber Preußen entgegen den Bestimmungen dieses Abkommens Holstein besetzte, erklärte Österreich die Mobilmachung der Bundesarmee. Darauf trat Preußen aus dem Deutschen Bund aus und erklärte am 19. Juni 1866 Österreich den Krieg.

Auf Seiten Österreichs standen die deutschen Mittelstaaten mit Bayern, Hannover, Sachsen, Württemberg, Baden sowie diverse deutsche Kleinstaaten.

An Preußens Seite standen die meisten thüringischen Kleinstaaten (Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach war die Ehefrau des preußischen Königs), einige norddeutsche Länder sowie Italien, welches im Falle eines Sieges Venetien von Österreich erhalten sollte.

Militärgeschichtliche Bedeutung[Bearbeiten]

Prinz Friedrich Karl befehligt preußische Truppen

Die Bedeutung der Schlacht bei Königgrätz ist sowohl im allgemeinen politischen Zusammenhang als auch als Markstein der militärstrategischen Entwicklung in Europa zu sehen. Mit Königgrätz beginnt das Zeitalter der großen Manöver von Massenheeren, die mit der nun ausgebauten Eisenbahn schnell und einzeln bewegt wurden und im Unterschied etwa zur napoleonischen Epoche reine Feuergefechte (Feuertaktik) führten. Das Bajonett als kampfentscheidende, weil in der konkreten Gefechtssituation Mann gegen Mann einzusetzende Waffe (Stoßtaktik) wurde durch die ansatzweise Automatisierung der Handfeuerwaffen endgültig historisch. Zugleich wurde hier jedoch die Auftragstaktik erstmals in großem Stil angewandt, jene auf Friedrich II. und Napoleon gleichermaßen zurückgehende Weiterentwicklung der ursprünglich durch die Lineartaktik bedingten engen Bindung auch der mittleren Truppenoffiziere an die strikten operativen Vorgaben der Armeebefehlshaber zu selbstständiger, eigenverantwortlicher und den jeweiligen Geländeverhältnissen flexibel anzupassender Truppenführung. Nun konnten bereits Kompaniechefs, also Offiziere im Hauptmanns- oder auch Leutnantsrang, im Zweifelsfall nach eigenem Ermessen Entscheidungen treffen, ohne eine Abstrafung durch vorgesetzte Kommandos wegen Ungehorsams befürchten zu müssen.

Fast noch wichtiger nimmt sich die Mobilisierung großer Truppenmassen durch den modernen Eisenbahnverkehr aus: Der Generalstabschef Helmuth von Moltke nutzte konsequent die Mittel des maschinenbetriebenen Fernverkehrs, um seine komplizierten, auf exakte Einhaltung des Zeitrahmens angewiesenen Aufmarschpläne verwirklichen zu können. Clark[2] meint aber dazu, dass Moltkes aufwändige logistische Planung Preußen um ein Haar ins Verderben gestürzt hätte, da die Nachschubzüge erst eintrafen, als die Schlacht von Königgrätz schon gewonnen war.

Insofern hatte die Eisenbahn (noch) keine wirkliche Bedeutung für die Schlacht, zumal die sächsischen Lokomotivführer einen Einsatz von sächsischen Lokomotiven verhinderten, indem sie massenweise Lokomotiven nach Eger verbrachten, um sie den Preußen zu entziehen.

Die sogenannte Lokomotivflucht nach Eger

Ebenso bahnbrechend wirkte die Überholung traditioneller militärischer Kommunikation. Der Meldereiter der vorindustriellen Epoche wurde mehr und mehr durch Telegrafie ersetzt. Diese Faktoren fanden in der politisch bedeutungsvollen Schlacht von Königgrätz ihre erstmalige Anwendung und Bestätigung in Europa.

All diese Entwicklungen hatten sich schon im Sezessionskrieg (1861–1865) abgezeichnet. Im Vorfeld des preußisch-österreichischen Krieges hatte Preußen Militärbeobachter auf Seiten der Nordstaaten in den Sezessionskrieg geschickt, die dort den Einsatz von Eisenbahn, Telegraph und moderner Kriegstechnik beobachteten.

Das preußische Zündnadelgewehr konnte im Vergleich zu den bis dahin gebräuchlichen Vorderladern nicht nur wesentlich schneller, sondern auch im Liegen, also in Deckung, nachgeladen werden. Der damalige Sekondelieutenant des 3. Garde-Regiments zu Fuß Paul von Hindenburg bezeichnete in seinem Augenzeugenbericht die Wirkung der Zündnadelgewehre als „fürchterlich“.[3]

Verlauf[Bearbeiten]

Historische Karte der gegnerischen Schlachtordnungen am Nachmittag, kurz vor der Entscheidung der Schlacht von Königgrätz
Verlauf der Schlacht

Drei Wochen nach dem Einmarsch der Preußen in Böhmen benötigte die Nordarmee des Kaisertums Österreich dringend einen größeren Sieg. Bei Sadowa versuchte der österreichische Oberbefehlshaber Ludwig von Benedek, einen solchen zu erringen. Benedek hatte bereits Erfahrungen mit dem preußischen Zündnadelgewehr gemacht und entschied sich daher dafür, auf einer Reihe kleiner Hügel zwischen der Bistritz und der Elbe nahe der Festung Königgrätz Stellungen zu errichten. Er verließ sich darauf, dass in Stellung gegangene Infanterie und Artillerie, die über feste Distanzen feuerte, den preußischen Vormarsch aufhalten könnte, und behielt ein Drittel seiner Armee – fast 60.000 Männer und 320 Geschütze – für einen Gegenschlag in Reserve. Diesen wollte er führen, sobald der preußische Angriff an der Verteidigung gescheitert war.

Auf preußischer Seite hatte Moltke, Führer des Generalstabs, ein Zangenmanöver geplant. Moltkes Schlachtplan basierte auf dem simplen, aber in der Ausführung durchaus problematischen Prinzip: „Getrennt marschieren – vereint schlagen“, das heisst einem Aufmarsch entgegen der traditionellen strategischen Lehre auf den „äußeren Linien“ und nicht den inneren Linien mit ihrem Vorteil kürzerer Wege und leichterer gegenseitiger Verstärkung. So setzte das preußische Oberkommando Ende Juni 1866 drei Armeen in Marsch – die Erste unter Prinz Friedrich Karl Nikolaus von Preußen, die Zweite unter dessen Vetter, dem Kronprinzen Friedrich-Wilhelm, und die Elbarmee unter General Herwarth von Bittenfeld –, die in einer groß angelegten Umfassungsbewegung die österreichische Streitmacht einkesseln und aufreiben sollten: die preußische Erste Armee würde demnach die Österreicher von Westen her binden, dann würden die Zweite und die Elbarmee die Österreicher vom Norden bzw. Süden aus einschließen.

Nach mehreren in der Mehrzahl von den preußischen Truppen siegreich bestandenen Gefechten im böhmischen Hochland vor Prag zwischen dem 26. Juni und 3. Juli kam es in den frühen Morgenstunden des 3. Juli zum Zusammentreffen der verfeindeten Heere am Swiep (Svíb) bei Sadová.

Die Schlacht begann bei starkem Regen. Die Vorhut der Ersten Armee wurde in einen Artillerieschusswechsel mit der Artillerie des X. Österreichischen Korps verwickelt. Als die Preußen versuchten, die Bistritz zu überqueren, beschlossen zwei österreichische Korpskommandanten an der rechten Flanke, sich in der Schlacht zu profilieren. Ohne die herannahende Zweite Preußische Armee zu bemerken, verließen Tassilo Festetics mit dem IV. Korps und Thun mit dem II. Korps ihre Stellungen und rückten nach Westen vor, wodurch eine Lücke in der österreichischen Verteidigung in nördlicher Richtung klaffte; dort, wo sich die Zweite Armee näherte. Am südlichen Ende der Front überquerte die Elbarmee am Morgen die Bistritz und stieß dann nach Osten vor, wobei Teile des VIII. Österreichischen Korps in die Flucht geschlagen und die Sächsische Armee am Nachmittag zurückgedrängt wurde, bevor der Schwung nachließ.

In der Mitte wurden Thun und Festetics in schwere Kämpfe im Swiepwald verwickelt. Zu Anfang hatten die Österreicher lediglich die Erste Preußische Armee vor sich – die Einheiten des Kronprinzen befanden sich noch im Anmarsch. Folglich erhöhte sich der Druck auf die zahlenmäßig unterlegenen preußischen Truppen vor Ort. Die 7. preußische Infanteriedivision unter Generalmajor Eduard Friedrich Karl von Fransecky, darunter insbesondere das 2. Magdeburgische Infanterieregiment Nr. 27, verschanzte sich im Swiepwald und versuchte in einem fürchterlichen Gemetzel, die Offensive zweier österreichischer Korps abzuwehren. An den Flügeln besetzten die Preußen den Wald bei Swiep. Ohne Artillerievorbereitung und Wissen der Heeresleitung versuchten die Österreicher unter Graf Festetics den Wald zurückzuerobern. Um diesen Wald entbrannte ein schwerer Kampf, wobei die 7. preußische Division unter hohen österreichischen Verlusten aufgerieben wurde und der rechte österreichische Flügel entblößt wurde. Schon wiegten sich die österreichischen Generäle im Gefühl eines sicheren Sieges, und im preußischen Hauptquartier entstand der erste Unmut gegen den unorthodoxen Aufmarschplan des exzentrischen Moltke. Selbst König Wilhelm I. und sein Ministerpräsident Bismarck befürchteten eine Niederlage. Da tauchte gegen Mittag, auf Höhe des gegenüber dem preußischen Generalstab liegenden Dorfes Horenowes, das 1. Garderegiment zu Fuß auf. Es bildete die Avantgarde des zur Zweiten Armee gehörenden preußischen Gardekorps – die Armee des Kronprinzen war da und nahm gemeinsam mit den von Südwesten her angreifenden Elbdivisionen Nr. 14, 15 und 16 die in die einsame Division im Swiepwald verbissenen österreichischen Truppen in die Zange.

Gefecht zwischen k.k. Husaren und preussischen Kürassieren in der Schlacht von Königgrätz (Alexander von Bensa, 1866)

Gegen ein Uhr, als Benedek den Befehl zum Einsatz der Reserve geben wollte, erhielt er eine Nachricht vom Norden. Die preußische Garde – Teile der Zweiten Armee – griff Chlum an. Die österreichischen Stellungen im Swiepwald brachen zusammen. Thun ordnete den Rückzug seines Korps über die Elbe an, wodurch die österreichische Lage noch exponierter wurde. Benedek selbst führte eine Infanteriebrigade in einen wirkungslosen Gegenangriff. Die österreichische Reserve attackierte im Norden und konnte beinahe Chlum im Nahkampf erobern, wurde jedoch kurz vor dem Ziel aufgehalten. Zuletzt attackierte die österreichische Kavallerie ohne Erfolg. Der Gegenangriff war damit beendet. Da eine Einkesselung der gesamten österreichischen Armee drohte, gab von Benedek gegen vier Uhr die Schlacht auf und befahl den Rückzug auf Königgrätz. Die Truppen wurden durch preußische Kavallerie verfolgt. Die österreichische Artillerie feuerte massiv über die Straße nach Königgrätz und deckte damit den Rückzug der Armee in den Donauraum. Die preußische Armee stieß danach ohne weiteren nennenswerten Widerstand bis Stockerau und Gänserndorf, knapp vor Wien, vor.

Folgen[Bearbeiten]

Der 3. Juli 1886 auf dem Wandgemälde von Emil Hünten für die Berliner Ruhmeshalle

Die Bedeutung der Schlacht blieb auch den Zeitgenossen nicht verborgen. Auch im Paris des Zweiten Kaiserreiches fürchtete man, dass sich an der Ostgrenze ein mächtiger, geeinter Nachbar unter preußischer Vormachtstellung bildete. Um Preußen an der weiteren Einigung deutscher Staaten zu hindern, kam schon bald der Schlachtruf Revanche pour Sadowa! („Rache für Sadowa!“) auf. Ziel war es, den neuen Nachbarn „im Keim zu ersticken“. Als eine der Rüstungsmaßnahmen führte man noch 1866 das Chassepotgewehr ein, obwohl man sich in Paris darüber im Klaren war, dass eigentlich ein Gewehr mit Metallpatrone wünschenswert gewesen wäre, weil das Chassepotsystem mit verschiedenen Nachteilen behaftet war. Jedoch war das Chassepotgewehr rasch und zu einem vergleichsweise günstigen Preis verfügbar.

Die Schlacht hatte auch für das Habsburger Kaiserreich Österreich weitreichende Folgen. Trotz der erfolgreichen Schlachten bei Custoza (24. Juni) und Lissa (20. Juli) gegen die auf Seiten der Preußen in den Krieg eingetretenen Italiener sah sich Kaiser Franz Joseph nach der verheerenden Niederlage bei Königgrätz zur Kapitulation und zur Abtretung Venetiens an Italien im Frieden von Wien gezwungen.[4] Weiter löste sich der bisherige Deutsche Bund auf; Preußen annektierte Schleswig-Holstein, Hannover, Kurhessen, Nassau und die Freie Stadt Frankfurt und schuf den Norddeutschen Bund. Am 26. Juli 1866 wurde der Vorfrieden von Nikolsburg geschlossen, dem der endgültige Friedensschluss von Prag am 23. August folgte.

Die Batterie der Toten. Monumentalgemälde von Václav Sochor im Heeresgeschichtlichen Museum.

Der österreichische Oberbefehlshaber Ludwig von Benedek war zwar ein geschickter Stratege, hatte zuvor jedoch versucht, das Amt des Oberbefehlshabers der Nordarmee abzulehnen, da er auf dem böhmischen Schauplatz keinerlei Erfahrung besaß und sich die Nordarmee in einem äußerst desolaten Zustand befand, was auch die Schlacht mitentscheiden sollte. Nach der Schlacht von Königgrätz wurde er seines Amtes enthoben und vor ein Kriegsgericht gestellt. Das Verfahren wurde jedoch auf kaiserlichen Druck eingestellt und Benedek befohlen, bis an sein Lebensende über die Schlacht zu schweigen, woran er sich auch hielt. Heutige Historiker sind der Ansicht, dass Benedek zwar einige Missgeschicke unterliefen, die Niederlage aber durch ungarische Offiziere verschuldet gewesen sei, die entgegen Benedeks Befehlen zu einem Gegenangriff im Swiepwald ansetzten, die österreichische Front damit zerrissen und so von dem „verspäteten“ 1. preußischen Garderegiment überrumpelt wurden. Über die Überlegenheit der Zündnadelgewehre war Benedek jedoch ziemlich gut informiert, nicht zuletzt weil der Leiter des militärischen Nachrichtendienstes, Georg von Kees, zu seinem Stab gehörte. Daher wählte er für die österreichischen Stellungen meist dichtes Waldgelände (wie im Swiepwald), um die Preußen in den Nahkampf zu zwingen, bei dem ihnen ihre moderneren Gewehre kaum von Nutzen waren. Diese Taktik funktionierte auch ziemlich gut, bis zu jenem für die Österreicher verhängnisvollen Gegenangriff.

In der Innenpolitik geriet Kaiser Franz Joseph ebenfalls unter Druck. Die österreichische Monarchie war außenpolitisch geschwächt, und am 21. Dezember 1867 wurde der Ausgleich mit Ungarn sowie die Dezemberverfassung im Reichsrat beschlossen.

Gründe für den Ausgang der Schlacht[Bearbeiten]

Die neuere Forschung hat die Bedeutung des Zündnadelgewehres deutlich reduziert. Aumüller gibt die (theoretische) Schusskadenz mit 10 pro Minute an, die Zeitgenossen rechneten in der Praxis eher mit 5 Schuss pro Minute.[5] oder mit 6 Schuss. Von Vorderladern weiß man, dass bis 5 Schuss/Minute durchaus möglich waren,[6] somit ist die Schusskadenz in etwa gleich. Zu bedenken ist ferner, dass die Reichweite der Zündnadelgewehre nur etwa halb so groß war wie die der österreichischen Lorenzgewehre (die preußischen Zündnadel-Gewehre besitzen eine Maximalreichweite von 600 Metern, sind aber ab 300 Metern praktisch nicht mehr treffsicher, da sich die Geschosse auf der Flugbahn aufgrund unzureichender Führung im Gewehrlauf überschlagen. Die Vorderlader vom Typus Miniégewehr haben eine – heute wieder sportlich genutzte – Reichweite von etwa 900 Metern). Die angebliche Überlegenheit wurde sozusagen „errechnet“, denn die Preußen summierten alle abgegebenen Schüsse auf dem Schlachtfeld und stellten sie gegenüber. So wurde vom preußischen Generalstab eine durchschnittliche Trefferquote von 1,5% aller abgegebenen Schüsse errechnet (beim Gefecht von Bad Kissingen im Mainfeldzug waren es sogar nur 0,9%).[7]

Vor allem Peter Aumüller hat in jüngster Zeit noch einmal die einzelnen Faktoren zusammengestellt:[6]

  1. Die österreichische Friedenspolitik im Vorfeld der Schlacht mit massiver Abrüstung der Artillerie und der Kavallerie, denn Österreich rüstete unter dem Finanzminister Ignaz von Plener sichtbar ab. Der Budgetanteil der zivilen Ressorts stieg, dem Militär hingegen wurden permanent Kräfte und Mittel gestrichen. 93 Kavallerie-Eskadronen wurden aufgelöst, ebenso 51 Batterien der Artillerie.
  2. Überlastung der Stäbe durch Wegfallen der Zwischeninstanzen infolge der Sparpolitik.
  3. Kein Ergänzen der Depotvorräte.
  4. Jahrelanges Außerdienststellen von erfahrenen Offizieren.
  5. Verschiebung der Einführung des Zündnadelgewehres aus angeblich budgetären Gründen.
  6. Der seit 1. Juli im Gange befindliche Austausch der operativen Berater Benedeks, der Feldmarschalleutnante Alfred von Henikstein und Gideon von Krismanic.
  7. Nutzlose Gefechte entgegen gegebener Befehle durch die Unterführer, vor allem im Swiep-Wald.

Kuriosa und Sonstiges[Bearbeiten]

Zu den Beobachtern der Schlacht gehörte auch der damals bekannteste Kriegsberichterstatter William Howard Russell von der Londoner The Times, die zudem jeweils einen weiteren Korrespondenten in den beiden Hauptquartieren der gegnerischen Heere hatte. Russell beobachtete die Schlacht vom Kirchturm von Königgrätz aus mit dem Fernrohr.

Effi Briest[Bearbeiten]

In Theodor Fontanes Roman Effi Briest bringt die Titelfigur am Tag von Königgrätz, dem 3. Juli, die Tochter Annie zur Welt, ihr einziges Kind. Zitat aus dem 14. Kapitel: „… und am Morgen des 3. Juli stand neben Effis Bett eine Wiege. Doktor Hannemann patschelte der jungen Frau die Hand und sagte: ‚Wir haben heute den Tag von Königgrätz; schade, dass es ein Mädchen ist. Aber das andere kann ja nachkommen, und die Preußen haben viele Siegestage.‘“

So schnell schießen die Preußen nicht![Bearbeiten]

In den zahlreichen Anekdoten, die über diese denkwürdige Auseinandersetzung zwischen Preußen und Österreich erhalten sind, findet sich auch immer wieder der Ausspruch: „So schnell schießen die Preußen nicht!“ Dies soll eine Anspielung auf die Zündnadelgewehre der Preußen sein, die diesen einen großen Vorteil verschafften, wenn auch keinen schlacht- oder gar kriegsentscheidenden.

Sebastian Haffner widerspricht dieser Herleitung in seinem Buch Preußen ohne Legende:

„Die Redensart … bezieht sich nicht auf ihr (der Preußen) Schießen im Gefecht – da schossen sie sogar besonders schnell … sondern sie schreibt sich daher, dass sie mit dem Erschießen von Deserteuren nicht so schnell bei der Hand waren … In Preußen wurden solche Unglücklichen zwar halbtot geprügelt, aber dann wieder gesund gepflegt, so dass sie wieder dienen konnten. Fürs Erschießen waren sie viel zu wertvoll; preußische Sparsamkeit auch hier.“[8]

Wie auch immer die Interpretation ausfällt, der Ausspruch bleibt in den Augen der Nachwelt mit der Schlacht von Königgrätz und dem damit verbundenen endgültigen Aufstieg Preußens zur dominierenden Macht in der deutschen Politik verbunden.

Eine andere Interpretation leitet sich aus dem Umstand ab, dass nach französischem Vorbild seit 1742 auf allen preußischen Kanonen die Inschrift „Ultima ratio regis“ = „des Königs letztes Mittel“ eingraviert war und sich im Volksmund zu „So schnell schießen die Preußen nicht“ weiterentwickelte.

„Benedek, der Trottel“[Bearbeiten]

Der österreichische Kaiser Franz Joseph soll, nachdem ihm die Nachricht vom Ausgang der Schlacht überbracht worden war, ganz unkaiserlich über seinen Feldherrn geschimpft haben: „Benedek, der Trottel!“.

Fürst Pückler verschläft die Schlacht[Bearbeiten]

Wilhelm I. gestattete dem damals bereits 80-jährigen Fürsten Hermann von Pückler-Muskau, sich dem königlichen Gefolge anzuschließen. Am Tag der Schlacht versäumte man es jedoch, den alten Herrn zu wecken. Obwohl er die Ereignisse verschlief, wurde er für seine Teilnahme später ausgezeichnet.

Künstlerische Rezeption[Bearbeiten]

Der preußische Militärmusiker Gottfried Piefke komponierte zur Erinnerung an die Schlacht noch auf dem Gefechtsfeld den Königgrätzer Marsch (AM II, 197). Der Marsch ist noch heute einer der im In- und Ausland bekanntesten deutschen Militärmärsche, wobei er in Österreich aus naheliegenden Gründen sehr selten aufgeführt wird.

Schlacht bei Königgrätz, Christian Sell, ca. 1867
Ein Ruhmesblatt der österreichischen Artillerie, Rudolf Otto von Ottenfeld, 1897, Heeresgeschichtliches Museum, Wien

Museale Rezeption[Bearbeiten]

Im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien ist die Schlacht bei Königgrätz anhand vielfältiger Objekte ausführlich dokumentiert. So sind mehrere Dreyse-Zündnadelgewehre direkt neben den österreichischen Lorenz-Gewehren ausgestellt. Eine Feldkanone M 1863 dokumentiert die Überlegenheit der österreichischen Artillerie in den Jahren 1864 bis 1866 hinsichtlich Schusspräzision und Beweglichkeit. Am beeindruckendsten ist wohl das Monumentalgemälde von Vaclav Sochor, welches 8×5 Meter misst und das Ende einer Kavalleriebatterie des k.k.-Feldartillerieregiments Nr. 8 zeigt, die den Rückzug der geschlagenen österreichischen Armee über die Elbe deckte und sich dabei völlig aufopferte. Dieser Opfergang wurde auch von Rudolf Otto von Ottenfeld in seinem Gemälde „Ein Ruhmesblatt der österreichischen Artillerie“ thematisiert.[9]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Erinnerungskreuz

Das Erinnerungskreuz für das siegreiche preußische Heer trägt die Inschrift: „Gott war mit uns, ihm sei die Ehre“. Das Kreuz ist aus heller Bronze mit erhöhtem Rand und hat eine mehrfach gerillte Öse mit Bandring. Zwischen den vier Kreuzarmwinkeln ist ein umlaufender Lorbeerkranz. Auf der Vorderseite befindet sich in einem runden Mittelschild die Buchstabenchiffre „WR“ mit bogenförmiger Umschrift „Preussens siegreichem Heere“. Der obere Kreuzarm zeigt die Königskrone, und die drei anderen Kreuzarmen tragen die Inschrift „Gott war mit uns, ihm sei die Ehre“. Auf der Rückseite befindet sich in einem runden Mittelschild der preußische Adler, auf den vier Kreuzarmen die Inschrift „Königgrätz den 3. Juli 1866“.

Literatur[Bearbeiten]

  • Carl Bleibtreu: Schlacht von Königgrätz am 3. Juli 1866, 1903, Reprint 2006 Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, ISBN 978-3-938997-65-9.
  • Roland Krug von Nidda: 1866 – Königgrätz. Zwei Auffassungen von Deutschland. Amalthea-Verlag Wien-München-Zürich 1966.
  • Heinz Helmert, Hans-Jürgen Usczeck: Preußischdeutsche Kriege von 1864 bis 1871. Militärischer Verlauf. 6. überarbeitete Auflage. Militärverlag der deutschen demokratischen Republik, Berlin 1988, ISBN 3-327-00222-3.
  • Frank Zimmer: Bismarcks Kampf gegen Kaiser Franz Joseph. Königgrätz und seine Folgen. Verlag Styria, Köln 1996, ISBN 3-222-12377-2.
  • Gordon A. Craig: Königgrätz. 1866 – eine Schlacht macht Weltgeschichte. 4. Auflage, Zsolnay, Wien 1997, ISBN 3-552-04824-3.[10]
 Wikisource: Bei Königsgrätz am Tage nach der Schlacht – Von einem schlesischen Gutsbesitzer, in Die Gartenlaube (1866), Heft 33, S. 512–514
 Wikisource: Der Dampf auf der Flucht – (Lokomotivenflucht), in Die Gartenlaube (1866), Heft 47, 737–739

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schlacht bei Königgrätz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Eric Dorn Brose: German history, 1789–1871. From the Holy Roman Empire to the Bismarckian Reich. Berghahn, Providence 1997, ISBN 1-57181-056-0, S. 342.
  2. Christopher Clark: Preußen, Aufstieg und Niedergang. 1600–1947. DVA, 7. Auflage, ISBN 978-3-421-05392-3, S. 612 ff.
  3. Paul von Hindenburg: Aus meinem Leben. Hirzel Verlag, Leipzig 1934.
  4. http://www.dhm.de/lemo/html/1866/index.html
  5. Werner Eckhardt, Otto Morawietz: Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640-1945. 2.Auflage, Hamburg 1973, S.113.
  6. a b Peter Aumüller: Feldzeugmeister Benedek und die Schlacht bei Königgrätz. Anatomie einer Niederlage.
  7. Werner Eckhardt und Otto Morawietz, Die Handwaffen des brandenburgisch-preußisch-deutschen Heeres 1640-1945, 2.Auflage, Hamburg 1973, S. 123.
  8. Sebastian Haffner, Ulrich Weiland: Preußen ohne Legende. Verlag RM-Buch-und-Medien-Vertrieb, Gütersloh 1999, S. 106.
  9. Manfried Rauchensteiner, Manfred Litscher (Hrsg.): Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien. Graz, Wien 2000, S. 53 f.
  10. Königgrätz, Eine schöne Schlacht, Der Spiegel Nr. 27, 1966, Rezension des Buchs von Gordon Craig

50.29722222222215.740277777778Koordinaten: 50° 17′ 50″ N, 15° 44′ 25″ O