Schlacht bei Nikopol (1396)

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Schlacht bei Nikopolis
Teil von: Kreuzzüge
Oben: Die Schlacht von Nikopolis dargestellt auf einer osmanischen Miniatur
Oben: Die Schlacht von Nikopolis dargestellt auf einer osmanischen Miniatur
Datum 25. September 1396
Ort Nikopolis, heutiges Bulgarien
Ausgang Sieg der Osmanen und Serben
Konfliktparteien
Cross of the Knights Templar.svg Kreuzfahrer
Hungary Arms.svg Königreich Ungarn
Coat of arms of Wallachia.svg Walachei
Armoiries d'Aspremont.svg Johanniterorden
Flag of the Ottoman Sultanate (1299-1453).svg Osmanisches Reich
Civil Flag of Serbia.svg Serbien
Befehlshaber
Blason comte fr Nevers.svg Johann Ohnefurcht
Luxembourg New Arms.svg Sigismund
Boucicaut.svg Jean II. Le Maingre
Enguerrand VII. de Coucy
Philippe Graf d´Eu
Tughra of Bayezid I.JPG Bayezit I.
Stefan Lazarević
Truppenstärke
12.000 Mann[1] 15.000 Mann[1]
Verluste
der Großteil der Armee wurde aufgerieben hohe Verluste
Frühere Vermutungen von etwa 100.000 Mann in den jeweiligen Armeen gelten heute als stark überzogen. Auch die genauen Verlustzahlen lassen sich heute nicht mehr nachvollziehen, waren aber auf beiden Seiten sehr hoch.[1]

In der Schlacht bei Nikopolis (bulgarisch Битка при Никопол) am 25./28. September 1396 wurde ein mehrheitlich aus ungarischen und französisch-burgundischen Kreuzfahrern bestehendes Heer durch eine osmanische Streitmacht vernichtend geschlagen.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Seit seiner Thronbesteigung 1387 bemühte sich der ungarische König Sigismund in der abendländischen Welt um Unterstützung im Kampf gegen die Osmanen, die seit einem halben Jahrhundert stetig nach Norden, bereits bis an die ungarische Grenze vorgerückt waren. Nach langwierigen Bemühungen auch seitens des Papstes Bonifatius IX. und des Gegenpapstes Benedikt XIII., sammelte sich ein Kreuzzugsheer unter Johann Ohnefurcht und Marschall Boucicaut in Buda. Die mehrheitlich burgundischen Kreuzfahrer marschierten an der Seite des ungarischen Heeres in Bulgarien ein und erreichten am 10. September 1396 Nikopolis, das heutige Nikopol in Bulgarien. Zwei Wochen lang berannten sie die Festung vergeblich, auch die Verstärkung durch die über die Donau angerückten Johanniter wendete das Blatt nicht. Dann erreichte das osmanische Heer von Bayezid I. zusammen mit den Panzerreitern seines serbischen Vasallen Stefan Lazarević Nikopolis.

Die Schlacht[Bearbeiten]

Karte der Schlacht von Nikopolis mit den Anmarschwegen der beteiligten Heere (bei den Heeresstärken handelt es sich um die in den Quellen genannten Höchstzahlen).
Ablauf der Schlacht bei Nikopolis

Am 25./28. September 1396 standen sich die beiden etwa gleich starken Armeen gegenüber. Sigismund wollte seine Hilfskontingente aus Siebenbürgen und der Walachei in der Vorhut einsetzen, da er deren Kampfmoral niedrig einstufte und sie so besser beobachten konnte. Die französischen Ritter schmetterten dies erbost ab und bestanden auf ihrem Vorkampfrecht, das heißt, auf der Ehre, als erste in die Schlacht reiten zu dürfen.

Die schwer gepanzerten Ritter preschten sogleich auf das Plateau vor, auf dem Bayezid seine Armee aufgestellt hatte. Sigismund versuchte mit der Infanterie zu folgen. Genau das hatte Bayezid gewollt. Er ließ die in der Vorhut postierten Akıncı, eine leichte und wendige Reiterei seitlich zu den Janitscharen ausweichen und die Ritter durch seine Bogenschützen unter Beschuss nehmen. Die Ritter wandten sich nun gegen die neue Bedrohung. Diese war aber hinter einem mit Pfählen verhauenen Feld postiert, so dass die Ritter von ihren Pferden absaßen und zu Fuß weiterkämpften. Trotz ihrer schweren Rüstungen erreichten sie die Bogenschützen und Janitscharen und setzten diesen schwer zu. Marschall Coucy und Admiral de Vienne versuchten, eine geordnete Kampfformation herzustellen und ermahnten die Ritter, die nachrückenden Ungarn abzuwarten. Diese aber waren bereits ebenfalls von den mit den Osmanen verbündeten serbischen Rittern im Stich gelassen und in die Flucht geschlagen. Die Franzosen versuchten in ihren schweren Rüstungen zu Fuß einen Hügel zu erstürmten, auf dem sie die Reste des türkischen Heeres vermuteten. Nun setzte Bayezid seine schwere Reiterei der Sipahi gegen die inzwischen erschöpften Ritter ein. Mit eingelegter Lanze und in Formation machten sie die einzeln und zu Fuß kämpfenden Ritter nieder. Die siebenbürgischen und walachischen Einheiten desertierten. Die Reihen der Ungarn wurden durch die zurückeilenden Ritter durcheinandergebracht und konnten den Osmanen nicht lange standhalten. Das christliche Heer befand sich schließlich in der Zange zwischen den türkischen Sipahi und den serbischen Panzerreitern und verlor die Schlacht. Als Vasall des Sultans hätte Stefan Lazarević auch die passive Neutralität wählen können, wie die Bulgaren dies getan hatten, in deren Land die Schlacht geführt wurde. Aber er hasste die Ungarn mehr als die Türken und wählte die aktive Form der Treue gegenüber seinem muslimischen Herrn. Sein Eingreifen in einem wichtigen Moment der Schlacht trug zweifellos zum türkischen Sieg bei. Admiral de Vienne wurde getötet, die Grafen von Nevers, Eu, La Marche und Bar, sowie die Marschälle Boucicaut und Coucy wurden gefangen genommen. Sie entgingen dem vom Sultan angeordneten Massaker unter den gefangenen Christen nur, weil sie ein hohes Lösegeld versprachen.

Folgen[Bearbeiten]

Entweder aus persönlicher Wut über den mit hohen Verlusten erkauften Sieg oder aber um seinen Soldaten ein Ventil für ihre Rachegelüste zu verschaffen, ließ Bayezid viele der gefangenen Kreuzfahrer, für die kein Lösegeld zu erwarten war, töten. Die Quellen sprechen hier von 300 bis 3.000 Männern. Die Gefangenen von hohem Stand, wie beispielsweise Johann Ohnefurcht und Jean II. Le Maingre, wurden von den Türken bewusst von diesem Massaker ausgespart, weil man hier auf ein stattliches Lösegeld hoffen konnte, das von deren Angehörigen in den meisten Fällen auch bezahlt wurde. Manche der Gefangenen, wie zum Beispiel Johannes Schiltberger, überlebten, weil sie aufgrund ihres jugendlichen Alters verschont worden waren. Die zahlreichen Flüchtlinge der Schlacht versuchten vielfach, auf eigene Faust wieder ihre Heimat zu erreichen, doch kamen viele von ihnen auf dem Heimweg ums Leben. Sigismund und der Großmeister der Johanniter konnten mit Hilfe von Hermann II. von Cilli ebenfalls über die Donau fliehen. Sie nahmen die Seeroute über das Schwarze Meer in das Mittelmeer, da sie fürchteten, vom ihrer Ansicht nach verräterischen walachischen Woiwoden Mircea dem Alten gefangen genommen zu werden.[2]

Rache an den Gefangenen der Schlacht von Nikopolis (Jean Froissart, Chroniques, Brügge, Handschrift des Ludwig von Brügge, nach 1470)

Die schwere Niederlage der Kreuzfahrer hinterließ im westlichen Abendland einen nachhaltigen Eindruck, nicht nur bei den unmittelbar Betroffenen, sondern auch bei jenen, die nur indirekt oder kaum mit dem Geschehen zu tun hatten. Zu einem erneuten Kreuzzug, den manche forderten, um die Scharte von Nikopolis auszuwetzen, kam es zunächst aber nicht. Gründe dafür waren vor allem das Wiederaufflammen des Hundertjährigen Krieges in Westeuropa sowie die Konflikte Sigismunds mit der Republik Venedig und den Hussiten. Da durch diese kriegerischen Ereignisse nahezu alle wesentlichen Mächte Europas anderweitig militärisch gebunden waren, blieb der Kampf gegen die Muslime daher zunächst vor allem auf Spanien (Reconquista) und auf das Mittelmeer beschränkt und die Balkanländer in ihren Bestrebungen, die osmanische Expansion abzuwehren, auf sich allein gestellt.[2]

Aber auch das Osmanische Reich konnte aus seinem Sieg nur wenig Nutzen ziehen, da Sultan Beyazid in der Schlacht bei Ankara (1402) gegen Timur Lenk eine schwere Niederlage erlitt und selbst in Gefangenschaft geriet. Dieses Ereignis eröffnete eine Periode der Anarchie im Osmanischen Reich, die vor allem dem militärisch von den Türken hart bedrängten Konstantinopel eine Atempause gewährte. Erst in den 1440er Jahren wurde das mittlerweile mit Polen in Personalunion verbundene Königreich Ungarn unter Johann Hunyadi wieder in großem Maßstab gegen die Osmanen offensiv. Nach den Niederlagen bei Warna (1444) und auf dem Amselfeld (1448) ging die Initiative aber endgültig auf die Osmanen über, die schon bald darauf Konstantinopel einnahmen (1453) und lediglich bei Belgrad (1456) vorübergehend noch einmal gestoppt werden konnten. Die europäischen Mächte, allen voran das Heilige Römische Reich, welche die Osmanen zu lange nicht als ernstzunehmende Gefahr betrachtet hatten, standen spätestens mit dem Untergang des mittelalterlichen Königreichs Ungarn (1526) vor den Trümmern ihrer das Osmanische Reich betreffenden Politik. In den folgenden Jahrzehnten konnte es daher nur mehr darum gehen, ein weiteres Vordringen der Osmanen in Richtung Mitteleuropa möglichst zu verhindern.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Aziz Suryal Atiya: The crusade of Nicopolis. Reprinted from the edition of London 1934. AMS Press, New York NY 1978, ISBN 0-404-15410-7.
  • Barbara Tuchman: Der ferne Spiegel. Das dramatische 14. Jahrhundert. Leicht gekürzte Ausgabe. Spiegel-Verlag, Hamburg 2007, ISBN 978-3-87763-032-7, Kapitel 26 (Spiegel-Edition 32).
  • Johannes Schiltberger: Als Sklave im Osmanischen Reich und bei den Tartaren 1394–1427. Aus dem Mittelhochdeutschen übertragen und herausgegeben von Ulrich Schlemmer. Thienemann – Edition Erdmann, Stuttgart 1983, ISBN 3-522-60440-7.
  • Markus Tremmel (Hrsg.): Johann Schiltbergers Irrfahrt durch den Orient. Der aufsehenerregende Bericht einer Reise, die 1394 begann und erst nach über 30 Jahren ein Ende fand. Via Verbis Bavarica, Taufkirchen 2000, ISBN 3-935115-03-2 (Bayerische Abenteurer).
  • Michael Weithmann: Ein Baier unter „Türcken und Tataren“. Hans Schiltbergers unfreiwillige Reise in den Orient. In: Literatur in Bayern. 81, 2005, ISSN 0178-6857, S. 2–15.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Kelly DeVries: The Lack of a Western European Military Response to the Ottoman Invasions of Eastern Europe from Nicopolis (1396) to Mohács (1526). in: The Journal of Military History, Vol. 63, Nr. 3 (Jul., 1999), S. 539-559.
  2. a b c Vgl. dazu: Klaus-Peter Matschke: Das Kreuz und der Halbmond. Die Geschichte der Türkenkriege. Artemis & Winkler, Düsseldorf-Zürich 2004, ISBN 3-538-07178-0, S. 94–112.