Schlacht bei Verchen

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Die Schlacht bei Verchen fand 1164 am nordöstlichen Ufer des Kummerower Sees statt.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Im Jahre 1164 brach in Mecklenburg ein Aufstand gegen Herzog Heinrich den Löwen aus, angeführt durch den Fürsten der Obodriten Pribislaw. Nachdem es Pribislaw 1164 gelungen war, die Burg Mecklenburg und weitere Befestigungen zu erobern, unternahm Heinrich der Löwe einen Feldzug gegen ihn. Pribislaw wurde in den östlichen Teil Mecklenburgs abgedrängt und musste schließlich auf pommersches Gebiet ausweichen. Der mit Heinrich verbündete Dänenkönig Waldemar der Große verhinderte, dass sich das auf Rügen lebende Volk der Ranen dem Aufstand anschließen konnte. Die pommerschen Fürsten Kasimir I. und Bogislaw I. unterstützten Pribislaw.

Der Verlauf der Schlacht[Bearbeiten]

Ein Teil der Truppen Heinrichs des Löwen unter Führung der Grafen Adolf II. von Holstein, Reinhold von Dithmarschen, Gunzelin von Schwerin und Christian I. von Oldenburg zog voraus in Richtung Demmin und schlug Anfang Juli 1164 bei Verchen am Kummerower See ein Lager auf. Heinrich der Löwe war mit der Hauptmacht seines Heers zunächst zurückgeblieben. Die bei Verchen lagernde Vorhut wurde von Unterhändlern der slawischen Fürsten aufgesucht, die die Gelegenheit nutzten, sich Informationen über die gegnerischen Truppen zu verschaffen.

Am Morgen des 6. Juli 1164 bewegten sich die Truppen der Slawenfürsten auf das Verchener Lager zu, um einen Überraschungsangriff durchzuführen, bevor das Heer Heinrichs zur Vorhut nachrücken konnte. Es gelang ihnen zwar nicht, völlig unbemerkt das Lager zu erreichen, da sie vorher entdeckt wurden. Trotzdem eroberten sie das Lager, da es den sächsischen und holsteinischen Truppen nicht gelang, sich zu sammeln. Adolf II. von Holstein und Reinhold von Dithmarschen fielen. In der Annahme ihres Sieges begannen die Slawen, das Lager zu plündern.

Inzwischen gelang es Gunzelin von Schwerin und Christian I. von Oldenburg, etwa 300 Mann ihrer versprengten Truppe um sich zu sammeln. Mit diesen stürmten sie das Lager, wo noch einige Reste der eigenen Truppe Widerstand leisteten. Es gelang ihnen, die Slawen aus dem Lager zu drängen und vernichtend zu schlagen. Dabei wurden auf slawischer Seite etwa 2.500 Mann getötet. Die Überlebenden flüchteten nach Demmin.

Die Folgen[Bearbeiten]

Als Heinrich der Löwe Verchen erreichte, war die Schlacht bereits beendet. Er zog mit seinem Heer weiter nach Demmin. Die Slawen hatten den befestigten Ort aber bereits in Brand gesteckt und sich ins Landesinnere zurückgezogen. Ohne nennenswerten Widerstand zogen Heinrichs Truppen an der Peene entlang weiter bis zum Kloster Stolpe. Dort traf er mit König Waldemar dem Großen, seinem Verbündeten, zusammen und beendete seinen Kriegszug. Die verfeindeten Fürsten hatten sich das Kloster Stolpe wegen seiner Relevanz im Territorium als Verhandlungsort ausgewählt und unterzeichneten dort den Friedensvertrag. Das Zustandekommen lag sicherlich in dem diplomatischen Geschick des damaligen Stolper Priors Helmvig, der seinerzeit dem Kloster vorstand. Neben der Aufteilung der Kriegsbeute zwischen König Waldemar I. und dem Sachsenherzog Heinrich den Löwen wurde zur Stärkung ihres Bündnisses im Kloster Stolpe zugleich die Verlobung von Waldemars I. Sohn, dem späteren König Knut VI., mit der Tochter Heinrichs des Löwen, Prinzessin Gertrud, beschlossen.

Die pommerschen Fürsten Kasimir I. und Bogislaw I. wurden daraufhin Lehnsleute Heinrichs des Löwen und erhielten von ihm Demmin. Kasimir I. fiel im Jahre 1180 für die Sache Heinrichs des Löwen. Auch Bogislaw I. blieb Heinrich dem Löwen bis zu dessen Sturz im Jahre 1181 treu.

Pribislaw unterwarf sich erst 1167 Heinrich dem Löwen. Pribislaw erhielt daraufhin den größten Teil seines väterlichen Erbes zurück. Auch er wurde ein treuer Lehnsmann Heinrichs des Löwen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Buchholz (Hrsg.): Deutsche Geschichte im Osten Europas. Pommern. Siedler Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-88680-272-8, S. 32−34.
  • Karl Goetze: Geschichte der Stadt Demmin auf Grund des Demminer Ratsarchivs, der Stolleschen Chronik und anderer Quellen bearbeitet. Verlag Frantz, Demmin 1903. Neudruck: Verlag Steinke, Demmin 1997, ISBN 3-89557-077-X.
  • Lutz Mohr: Klosterruine Stolpe und Burg Spantekow im Umfeld von Anklam. Zwei markante geschichtsträchtige Stätten aus dem mittelalterlichen Pommern. In: Stier und Greif. Blätter zur Kultur- und Landesgeschichte in Mecklenburg-Vorpommern, Jahrg. 17, Schwerin 2007, S. 46−65
  • Martin Wehrmann: Geschichte von Pommern, 2. Aufl., Bd. 1. Verlag Andreas Perthes, Gotha 1919. Neudruck: Weltbild Verlag, Augsburg 1992, ISBN 3-89350-112-6, S. 81−82.

Weblinks[Bearbeiten]