Schlacht bei den Thermopylen (Perserkriege)

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Erste Schlacht bei den Thermopylen
Teil von: Perserkriege
Die Thermopylen heute (in der Antike reichte das Meer über die Straße hinaus)
Die Thermopylen heute (in der Antike reichte das Meer über die Straße hinaus)
Datum 11. August 480 v. Chr.
Ort Thermopylen, Mittelgriechenland
Ausgang Sieg der Perser
Konfliktparteien
Mitglieder des Hellenenbundes: Spartiaten, Arkadier, weitere Peloponnesier, Phoker, Lokrer, Thespier, Thebaner Perser und Vasallen
Befehlshaber
Leonidas I. Xerxes I.
Truppenstärke
ca. 6.200 Schwerbewaffnete zzgl. Hilfstruppen[1] unbekannt, moderne Schätzungen unter 50.000 bis 250.000
Verluste
um 1.000 Schwerbewaffnete (300 Spartiaten und 700 Thespier), insg. um 4.000[2] unbekannt und strittig

Die mehrtägige Schlacht bei den Thermopylen fand zu Beginn des Zweiten Perserkrieges, vermutlich um den 11. August 480 v. Chr., statt.

Die Thermopylen, der Engpass zwischen Kallidromos-Gebirge und dem Golf von Malia, waren seit jeher von hoher strategischer Bedeutung. In der Antike maß der durchschnittlich 15 Meter breite Durchgang an den beiden engsten Stellen nur wenige Meter. Infolge von Versandung hat er sich bis heute auf mehrere Kilometer ausgedehnt.

480 v. Chr. stand ein großes persisches Heer unter König Xerxes I. vor diesem Durchgang. Die weit zahlreicheren Perser konnten den Durchbruch erzwingen und die verbliebenen griechischen Kräfte aufreiben. Der Großteil der Griechen zog sich rechtzeitig zurück.

Hintergrund und Hergang der Schlacht[Bearbeiten]

Nachdem eine erste Stellung im nordgriechischen Tempetal kampflos geräumt worden war, gab es innerhalb des griechischen Bündnisses große Meinungsverschiedenheiten über die zu errichtenden Verteidigungsstellungen gegen die heranrückenden Perser. Während Sparta und einige seiner Bündnispartner auf dem Peloponnes offenbar Griechenland weitgehend preisgeben wollten und planten, den persischen Angriff erst am Isthmus von Korinth aufzuhalten, waren die Bündnispartner aus Mittelgriechenland, vor allem Athen, anderer Meinung. Der fragile Hellenenbund konnte nur zusammengehalten werden, wenn die nächste Verteidigungslinie bereits an den Thermopylen aufgebaut wurde. Gleichzeitig sollte die persische Flotte bei Artemision aufgehalten werden, was auch zunächst gelang.

Truppenstärken[Bearbeiten]

Nach dem Bericht von Herodot, der einzigen Quelle aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., soll Xerxes' Armee wie folgt ausgesehen haben:

Flotte: 517.610, Infanterie: 1.700.000 (VII, 60), Kavallerie: 80.000 (VII, 87), Araber und Libyer: 20.000 (VII, 184), griechische Alliierte: 324.000.

Herodot geht noch von einer gleich großen Anzahl an Unterstützungstruppen aus und kommt damit auf über 5 Millionen (VII, 186). Auf Grund des Militärsystems und der logistischen Fähigkeiten der Perser, besonders der Versorgung, aber auch aufgrund der Tendenz vieler antiker Historiker, überzogene Zahlenangaben zu machen, werden diese Zahlen als weit übertrieben erachtet. Der Militärhistoriker Hans Delbrück berechnete in einer niedrigen Schätzung die Zahl der von Xerxes insgesamt in Griechenland eingesetzten, kämpfenden Truppen auf 40.000 bis 50.000 Soldaten[3], während der US-amerikanische Militärhistoriker Victor Davis Hanson in einer höheren Annahme von mehr als einer Viertelmillion Soldaten ausgeht.[4]

Auf Seiten des griechischen Bündnisses soll nach Herodot (VII, 202 f.) ein Hoplitenheer mit folgenden Kontingenten am Pass in Stellung gegangen sein:

300 spartanische Hopliten, 1000 Tegeaten und Mantineer, 120 aus Orchomenos, 1000 aus dem restlichen Arkadien, 400 aus Korinth, 200 aus Phleius, 80 aus Mykene, 700 aus Böotien und Thespiai, 1000 aus Phokis, eine unbekannte (vermutlich aber eher geringe) Anzahl an Männern aus der opuntischen Lokris und 400 Thebaner.

Dieser Bericht ist umstritten: Während die Polis Theben mehr oder weniger offen propersische Politik betrieb, sollen Thebaner auf Seiten des griechischen Bündnisses mitgekämpft haben – es bleibt unklar, ob es sich um exilierte Regimegegner oder aber um ein vom Hellenenbund erzwungenes Kontingent handelte. Auch die Anzahl von 300 Spartiaten ist, da hier wahrscheinlich nur die Vollbürger gezählt wurden, wohl unvollständig, so dass das griechische Kontingent insgesamt größer gewesen sein wird, als es die Angaben Herodots nahelegen. Die Truppen des Hellenenbundes hatten in jedem Fall ein zahlenmäßig weit unterlegenes Heer von etwa 5200 Kämpfern (nach anderen Angaben können es insgesamt aber auch bis zu 6700 Kämpfer gewesen sein; vgl. auch die abweichenden Angaben bei Herodot zu den Peloponnesiern: VII 202f. zu VII 228; allerdings wäre auch in diesem Fall das griechische Heer den Persern weit unterlegen gewesen). Eine offene Feldschlacht stand nicht zur Diskussion, vielmehr war der Sinn der Positionierung der Truppen der, einen raschen Vormarsch Xerxes' aufzuhalten.

Verlauf[Bearbeiten]

Schlacht bei den Thermopylen und ihre Folgen

Das Kommando über die Truppen hatte der spartanische König Leonidas. Der Großteil der spartanischen Truppen war nicht ausgerückt. Xerxes schickte die Meder und Kissianer als erstes gegen die Spartaner (Herodot 7, 211). Nachdem diese nach einer Schlacht, die einen ganzen Tag dauerte, erfolglos blieben, folgten die Unsterblichen. Nach Herodot wichen die Griechen tagelang nicht von ihrer Stellung und fügten den Persern hohe Verluste zu.

Erst der Verrat durch Ephialtes von Trachis (Herodot VII, 213f.) erlaubte es den Persern, die griechischen Linien über das Gebirge, den Anopaiapfad südlich des Küstenkamms, zu umgehen, und die griechischen Truppen einzukesseln. Leonidas hatte dieses Manöver in Betracht gezogen und einen Teil seiner Truppen mit der Bewachung des Umgehungspasses beauftragt. Als diese die Perser herankommen sahen, zogen sie sich in eine nahegelegene Befestigungsanlage zurück. Dessen ungeachtet führten die Perser ihr Umgehungsmanöver weiter durch.

Am Morgen des dritten Tages erreichten Spähläufer das Lager Leonidas', die ihm von der Umgehung berichteten. Leonidas handelte von nun an in dem Bewusstsein, dass ein vollkommener Rückzug die Vernichtung durch die persische Reiterei nach sich ziehen würde. Er beschloss, mit seinen 300 Spartanern den Engpass zu halten, um den Abzug des griechischen Hauptheers zu decken. Weitere Truppen, deren Heimatländer direkt hinter dem Pass lagen und daher unmittelbar der Plünderung durch die Perser ausgesetzt sein würden, schlossen sich Leonidas an. Insgesamt scheinen um die 1000 Griechen geblieben zu sein, um den Rückzug zu decken – nach Herodot die Thespier und die Thebaner.

Verluste[Bearbeiten]

Die Perser erlitten nach Herodot „schwere Verluste“ von an die 20.000 Soldaten.[5] Unter den Toten waren nach seiner Aufzählung auch zwei von Xerxes' Brüdern und zwei seiner Halbbrüder.[6] Nachdem Leonidas gefallen war, fanden alle verbliebenen Spartiaten und Thespier den Tod. Die Thebaner hatten sich noch rechtzeitig ergeben. Herodot[7] berichtet über insgesamt 4000 tote Griechen, wobei die Verluste an Schwerbewaffneten wohl einiges über 1000 betrugen: die 300 Spartiaten, die 700 Thespier, einige der Thebaner und die Verluste der beiden ersten Tage, die jedoch eher gering gewesen zu sein scheinen.

Moderne Autoren relativieren die Zahlen Herodots. Insbesondere die Zahl der gefallenen Perser scheint ihnen sehr hoch gegriffen. Selbst Herodot vermeldet, dass auf dem Schlachtfeld „nur“ 1000 Tote aus Xerxes’ Armee zu finden waren, die restlichen habe er schnell verscharren lassen, damit niemand seine wirklichen Verluste sehen konnte.[8] Damit stellt sich nicht nur erneut die Frage nach der Genauigkeit von Herodots Bericht und Zahlen, sondern auch nach der Vertrauenswürdigkeit seiner Quellen.

Folgen der Schlacht[Bearbeiten]

Xerxes I. konnte nun ungehindert nach Athen marschieren, das aber auf Antrag des Themistokles zwischenzeitlich evakuiert worden war. Mit den siegreichen Schlachten bei Salamis und Plataiai konnten die griechischen Staaten ihre Unabhängigkeit erfolgreich gegen das Perserreich verteidigen.

Diese Schlacht begründete den späteren Ruhm Spartas, dass seine Soldaten im Kampf nie weichen würden.

Rezeption[Bearbeiten]

Leonidas I. an den Thermopylen (idealisierende Darstellung, Jacques-Louis David, 1814)

Zeitgenössisch[Bearbeiten]

Während die Thermopylenschlacht von Sparta später als Beispiel singulären Heldenmutes dargestellt und gefeiert wurde, finden sich bei Autoren aus Athen, insbesondere in den jährlichen Gefallenenreden, deutlich andere Wertungen: Mit den Thermopylen habe Sparta eine der schlimmen Niederlagen gegen die Perser zu verantworten, während Athen in Marathon und auf Salamis glänzende Siege erfochten habe.

Neuzeitlich[Bearbeiten]

Auch in der Neuzeit wurde die Thermopylenschlacht immer wieder als Beispiel für einen heroischen Opfertod in Anspruch genommen. So zog Hermann Göring Ende Januar 1943 einen Vergleich zur noch andauernden Schlacht von Stalingrad, um damit die Befehle Hitlers zum Kampf ohne Kapitulation ideologisch und historisch zu legitimieren.[9]

Wanderer, kommst du nach Spa… ist eine Kurzgeschichte von Heinrich Böll, veröffentlicht erstmals 1950.

Im Jahr 1962 verfilmte Rudolph Maté in den USA die Schlacht unter dem Titel Der Löwe von Sparta (The 300 Spartans).

2007 entstand in den Warner Bros. Studios unter der Regie von Zack Snyder der Spielfilm 300, der auf der Graphic Novel 300 von Frank Miller aufbaut.

Inschrift am Thermopylen-Denkmal[Bearbeiten]

Das heutige Denkmal in Thermopylae
Gedenktafel

An diesem Ort steht ein oft als „Grab des Leonidas“ bezeichnetes Denkmal; Leonidas wurde allerdings in Sparta begraben. Es handelt sich vielmehr um eine Siegesstele. Es trug der Überlieferung nach als Inschrift (Epigramm) ein Distichon des Simonides von Keos:

Altgriechisch:

„Ὦ ξεῖν᾿, ἀγγέλλειν Λακεδαιμονίοις ὅτι τῇδε
κείμεθα τοῖς κείνων ῥήμασι πειθόμενοι.“

„Ō xeîn angéllein Lakedaimoníois hóti tēde
keímetha toîs keínōn rhēmasi peithómenoi.“

„Fremder, melde den Lakedämoniern, dass wir hier
liegen, den Worten jener gehorchend.“

Simonides

Lateinisch:

Dic hospes Spartae nos te hic vidisse iacentes,
dum sanctis patriae legibus obsequimur.

„Sag, Fremdling, zu Sparta, du habest uns hier liegen sehen,
wie wir die heiligen Gesetze des Vaterlands befolgten.“

Marcus Tullius Cicero: Gespräche in Tusculum 1, 101.

Deutsch:

„Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest
uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl.“

Friedrich Schiller: Der Spaziergang, 1795.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Herodot: Historien Buch VII, S. 202 f.
  2. Herodot: Historien Buch VIII, S. 25.
  3. Hans Delbrück, Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte, allgemein: Band 1: Das Altertum, 1. Buch: Die Perserkriege. Konkrete Rückrechnung im neunten Kapitel über die Schlacht bei Plataia „Aus der Stärke des Mardonius dürfen wir jetzt nachträglich schließen, daß auch Xerxes ein Jahr vorher etwa ebenso viel Krieger gehabt hat“. Online einzusehen.
  4. Victor Davis Hanson, Die Kriege der griechischen Antike, Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 2001 ISBN 3-89488-140-2.
  5. Herodot: Historien VIII, 24.
  6. Herodot: Historien VII, 224 f.
  7. Herodot: Historien VIII, 25.
  8. Herodot: Historien VIII, 24 f.
  9. Albertz, A.: Exemplarisches Heldentum. Die Rezeptionsgeschichte der Schlacht an den Thermopylen von der Antike bis zur Gegenwart. Oldenbourg Verlag, München: 2006. ISBN 978-3-486-57985-7.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Ernle Bradford: Leonidas: Held der Thermopylen. Ullstein, 1991, ISBN 3-548-34764-9.
  •  Karl-Wilhelm Welwei: Sparta. Stuttgart 2004.
  • Albertz, Anuschka: Exemplarisches Heldentum. Die Rezeptionsgeschichte der Schlacht an den Thermopylen von der Antike bis zur Gegenwart, München 2006.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Erste Schlacht bei den Thermopylen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

38.79666666666722.536555555556Koordinaten: 38° 47′ 48″ N, 22° 32′ 11,6″ O