Schlacht um Ostpommern

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Die Schlacht um Ostpommern 1945 (russisch Восточно-Померанская операция) fand während des Zweiten Weltkrieges vom 10. Februar bis zum 4. April 1945 in Polen und im Deutschen Reich statt.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Infolge der erfolgreichen Weichsel-Oder-Operation hatten die sowjetischen Truppen Anfang Februar 1945 Brückenköpfe am westlichen Ufer der Oder erobert und standen etwa 60 Kilometer vor Berlin. Das deutsche Oberkommando der Wehrmacht begann mit der Verlegung von Teilen der neu aufgestellten Heeresgruppe Weichsel unter Reichsführer-SS Heinrich Himmler nach Ostpommern. Damit sollte die rechte Flanke der 1. Weißrussischen Front gebunden und die Gefahr für Berlin abgewendet werden. Die Heeresgruppe umfasste die 2., 9. und 11. Armee und insgesamt bis zu 26 Divisionen (davon vier Panzerdivisionen). Der 2. Weißrussischen Front unter Marschall der Sowjetunion Konstantin Rokossowski wurde befohlen, die Heeresgruppe anzugreifen und zu zerschlagen.

Erste Etappe[Bearbeiten]

Am 10. Februar begann der Angriff. In zehn Tagen erbitterter Kämpfe gelang der Roten Armee nur ein verhältnismäßig begrenzter Einbruch von 40 bis 60 Kilometern in die deutschen Verteidigungslinien. Am 17. Februar erfolgte mit der Operation Sonnenwende ein Gegenangriff der 11. SS-Panzerarmee mit sechs Divisionen auf die 47. Armee der 1. Weißrussischen Front, die innerhalb von vier Tagen acht bis zwölf Kilometer zurückgeworfen wurde. Sodann wurde ersichtlich, dass die Kräfte der 2. Weißrussischen Front nicht ausreichten, um einen Erfolg der Operation, nämlich die Zerschlagung der deutschen Verbände in Ostpommern, zu garantieren. Das sowjetische Oberkommando STAWKA befahl daraufhin das Eingreifen der 1. Weißrussischen Front in die Kämpfe.[1]

Zweite Etappe[Bearbeiten]

Am 24. Februar rückten die beiden sowjetischen Fronten vor: die 2. Weißrussische in Richtung Küstrin und die 1. Weißrussische in Richtung Kolberg. Bis zum 5. März wurden die deutschen Verbände in zwei Teile zerschnitten; die Rote Armee erreichte die Ostsee. Am 10. März kontrollierten die Truppen der 1. Weißrussischen Front die Ostseeküste von Kolberg bis zur Odermündung. Am 18. März fiel Kolberg selbst in polnische Hand. Am 28. März nahm die Rote Armee Gotenhafen (9.000 deutsche Kriegsgefangene) und am 30. März Danzig (10.000 deutsche Kriegsgefangene) ein. Die Reste der deutschen 2. Armee wurden am 4. April in der Nähe Danzigs zerschlagen. Die nordwestlich von Danzig auf der Oxhöfter Kämpe liegenden deutschen Verbände leisteten bis zum 9. April 1945 anhaltenden Widerstand.[1]

Folgen[Bearbeiten]

Die Rote Armee beschreibt ihre Erfolge selbst so: Sie stieß auf einer 460 Kilometer breiten Front 130 bis 150 Kilometer nach Westen vor und zerschlug 20 Divisionen und acht Brigaden der Wehrmacht (6 Divisionen und 3 Brigaden vollständig). 100.000 deutsche Soldaten seien in sowjetische Kriegsgefangenschaft geraten; 680 Panzer, 3470 Geschütze, 431 Flugzeuge und 277 Schiffe der Wehrmacht wurden alleine von der 2. Weißrussischen Front erbeutet. Gegenüber solchen von der Roten Armee gemachten Angaben über die Höhe der gegnerischen Verluste ist aber grundsätzlich Vorsicht angebracht. Die sowjetischen Verluste betrugen, ebenfalls nach eigenen Angaben, 226.000 Soldaten (davon 53.000 Tote und Vermisste); die Verluste der polnischen Einheiten beliefen sich demnach auf 8.668 Soldaten (davon 2.575 Tote und Vermisste). Zudem habe die Rote Armee in den Kämpfen in Ostpommern 1027 Panzer, 1005 Geschütze und 1073 Flugzeuge verloren.[2]

Die Angst der deutschen Bevölkerung in den eroberten Gebieten vor sowjetischer Besetzung und vor der "Rache der Eroberer" führte zu einer Massenflucht der deutschen und kaschubischen Bevölkerung Richtung Westen; sie konnten nach Kriegsende nicht zurückkehren und wurden Heimatvertriebene.

Rotarmisten begingen zahlreiche Kriegsverbrechen (Plünderungen, Morde, Vergewaltigungen).

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b David M. Glantz: When Titans clashed. Lawrence, University of Kansas Press 1995, S. 250.
  2. David M. Glantz: When Titans clashed. Lawrence, University of Kansas Press 1995, S. 300.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schlacht um Ostpommern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien