Schlacht um Tichwin

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Die Schlacht um Tichwin war eine militärische Auseinandersetzung im Norden der Deutsch-Sowjetischen Front während des Zweiten Weltkrieges und dauerte insgesamt vom 16. Oktober bis 30. Dezember 1941.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Nach der Einschließung Leningrads (Leningrader Blockade) stieß die deutsche Heeresgruppe Nord weiter nach Osten vor.

Die Kämpfe begannen am 16. Oktober 1941 mit einer Offensive der deutschen Truppen über den Wolchow hinweg, die das Ziel verfolgte, die Stadt Tichwin zu erobern. Nachdem das XXXIX. Armeekorps (mot.) der Wehrmacht die Stadt am 8. November eingenommen hatte, konnte es wegen des Wintereinbruchs und fehlender Versorgung nicht weiter vordringen.

Die eigentliche Schlacht[Bearbeiten]

Karte der Schlacht

Sowjetische Verbände traten im Rahmen der Tichwiner Angriffsoperation (russisch Тихвинская наступательная операция) zum Gegenangriff an. Die 4., 52. und 54. Armee hatten 186.000 Mann, 374 Geschütze und Mörser und 154 Panzer (26 davon schwere und mittlere).

Die 18. Armee der Heeresgruppe Nord unter Generaloberst Georg von Küchler hatte zwischen Ladogasee und dem Ilmensee 14 Divisionen mit 140.000 Mann, 1.000 Geschützen und Mörsern und 200 Panzern (sie hatten nicht mehr als 60 % ihrer Sollstärke). Die deutschen Truppen befanden sich hier in einem Frontvorsprung.

Am 10. November griff die sowjetische Nowgoroder Armeegruppe nördlich von Nowgorod an, am 12. November die 52. Armee nördlich und südlich von Malaja Wischera, am 19. November die 4. Armee nordöstlich von Tichwin und am 2. Dezember die 54. Armee westlich von der Stadt Wolchow. Der 52. Armee gelang der Durchbruch erst am 18. November; sie eroberte am 20. November die Stadt Malaja Wischera zurück. Am 7. Dezember durchbrach die 4. Armee westlich von Tichwin die deutschen Linien und erreichte Sitomlja; hier drohte sie die rückwärtigen Verbindungen der Wehrmacht abzuschneiden. Die deutschen Truppen begannen sich hinter den Fluss Wolchow zurückzuziehen. Am 9. Dezember nahmen sowjetische Truppen Tichwin wieder ein und zerschlugen die deutsche Garnison in Bolschaja Wischera am 16. Dezember. Zeitgleich begann die Wehrmacht mit dem Rückzug, weil ihren Truppen hier die Einschließung durch sowjetische Verbände drohte. Am 28. Dezember warf die 52. Armee deutsche Truppen hinter die Eisenbahnlinie MgaKirischi zurück. Ende Dezember erreichte die sowjetische Wolchow-Front unter Kirill Afanassjewitsch Merezkow, die am 17. Dezember gebildet worden war (4. und 52. Armeen) den Fluss Wolchow und eroberte einige Brückenköpfe am linken Ufer.

Die Rote Armee stieß rund 100 bis 120 km vor, fügte zehn deutschen Divisionen hohe Verluste zu und zwang die Wehrmacht, zusätzliche fünf Divisionen an diesen Teil der Front zu verlegen. Insgesamt verlor sie dabei rund 49.000 Mann (18.000 davon Tote und Vermisste).

Die deutschen Truppen wurden bis zum 30. Dezember 1941 in ihre Ausgangsstellung am Wolchow zurückgedrängt.

Folgen[Bearbeiten]

Der deutsche Vormarsch im Norden Russlands war beendet, die Leningrader Blockade wurde jedoch aufrechterhalten. Die Sowjets versuchten bereits wieder Anfang Januar 1942 in der Schlacht am Wolchow – erfolglos – diese Belagerung zu durchbrechen.

Literatur[Bearbeiten]

  • John Erickson: The Road to Stalingrad. Cassell Publ., London 2003, ISBN 978-0-3043-6541-8.
  • David M. Glantz: The Battle for Leningrad 1941–1944. University Press of Kansas, Lawrence /Kansas 2002, ISBN 0-7006-1208-4.
  • Joachim Hoffmann: Die Kriegführung aus der Sicht der Sowjetunion. in:  Horst Boog, Jürgen Förster, Joachim Hoffmann, Ernst Klink, Rolf-Dieter Müller, Gerd R. Ueberschär: Der Angriff auf die Sowjetunion. (= Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 4). 2. Auflage. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1987, ISBN 3-421-06098-3, S. 713–809 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)..
  • Ernst Klink: Die Operationsführung. in:  Horst Boog, Jürgen Förster, Joachim Hoffmann, Ernst Klink, Rolf-Dieter Müller, Gerd R. Ueberschär: Der Angriff auf die Sowjetunion. (= Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 4). 2. Auflage. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1987, ISBN 3-421-06098-3, S. 451–712 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)..
  • Григорий Ф. Кривошеев: Россия и СССР в войнах ХХ века. Олма-Пресс, Москва 2001. (dt.: G. F. Kriwoschejew: Russland und die UdSSR in den Kriegen des 20. Jahrhunderts) (Online Version).
  • K. A. Merezkow: Im Dienste des Volkes. Militärverlag der DDR, Berlin (Ost) 1972.
  • P. N. Pospelow (Hrsg.): Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges der Sowjetunion. Bd. 2, Deutscher Militärverlag, Berlin (Ost) 1963.
  • Alexander Stahlberg: Die verdammte Pflicht – Erinnerungen 1932 bis 1945. S. 194–202, Ullstein, Berlin 2000, ISBN 3-548-33129-7. Der Autor, damals Adjutant bei der Divisionsführung, beschreibt die Operation aus persönlicher Sicht.