Schlacht um Timor

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Schlacht um Timor
Australisches Küstengeschütz bei Kalapa Lima/Westtimor
Australisches Küstengeschütz bei Kalapa Lima/Westtimor
Datum 19./20. Februar 1942 bis 10. Februar 1943
Ort Timor
Ausgang Rückzug der Alliierten, aber übermäßige Bindung militärischer Kräfte Japans
Konfliktparteien
Flag of Australia.svg Australien
Flag of the Netherlands.svg Niederlande
timoresische und portugiesische Partisanen (Creados)
Naval Ensign of Japan.svg Japan
timoresische Freischärler (Colunas Negras)
Befehlshaber
William Leggatt;
William Veale;
Alexander Spence;
Bernard Callinan
Sadashichi Doi (Invasion);
Yuichi Tsuchihashi (später)
Truppenstärke
etwa 2.050 (Februar 1942); etwa 1.000 (Oktober 1942) etwa 12.000 (Ende 1942 bis Anfang 1943)
Verluste
Niederlande: etwa 300 Tote;
Australien: 151 Tote der Sparrow Force;
Großbritannien: 5 Tote
etwa 2.000 Tote
Bevölkerung Portugiesisch-Timors:
40.000–70.000 tote Zivilisten

Die Schlacht um Timor (engl. Battle of Timor) fand im Pazifikkrieg 1942 bis 1943 während des Zweiten Weltkrieges statt. Auf der südostasiatischen Insel Timor kämpften die Alliierten, hauptsächlich australische und niederländische Truppen, in einem Guerillakrieg gegen die japanischen Invasoren. Viele Einheimische und portugiesische Kolonisten unterstützten die Alliierten als creados (Guerilleros), versorgten sie mit Lebensmitteln oder boten Obdach.

Die Versorgung der alliierten Truppen erfolgte durch Flugzeuge und Boote, die in Darwin, 650 Kilometer jenseits der Timorsee, stationiert waren. Durch die Kämpfe wurde eine komplette japanische Division für mehr als sechs Monate auf Timor gebunden. Die Kommandoaktionen der Alliierten wurden am 10. Februar 1943 beendet, als der letzte australische Soldat aus Timor evakuiert wurde. Die Timoresen führten den Widerstand weiter. Den Vergeltungsmaßnahmen der Japaner fielen Zehntausende von Timoresen zum Opfer.

Vorbereitungen[Bearbeiten]

Westtimor war 1941 Teil Niederländisch-Indiens, während der Osten die Kolonie Portugiesisch-Timor bildete. Portugal hatte sich im Zweiten Weltkrieg für neutral erklärt.

Im Dezember 1941 baten die Niederlande um die Entsendung australischer Truppen nach Kupang, der Hauptstadt des niederländischen Westteils der Insel, und auf die Insel Ambon, entsprechend der Vereinbarungen, die im selben Jahr in Singapur getroffen worden waren. Diese Vereinbarungen trugen den Namen Plenaps für „Plans for the employment of naval and air forces of the associated powers in the eastern theatre in the event of war with Japan“ (deutsch Pläne zur Entsendung von Marine und Luftwaffe der verbündeten Streitkräfte am östlichen Kriegsschauplatz im Falle eines Krieges mit Japan). Aufgrund von Plenaps waren bereits Truppen, inklusive einiger US-amerikanischer Flottenverbände, im November 1941 in Marsch gesetzt worden. Am 7. Dezember verließ eine australische Einheit mit 1402 Mann, die den Namen „Sparrow Force“ erhielt, den Hafen von Darwin an Bord der SS Zealandia und des Kreuzers HMAS Westralia in Richtung Kupang, wo sie am 12. Dezember ankam.[1] Erst kurzfristig entschied man sich, auch nach Ambon Truppen zu entsenden. Die 1090 Mann der „Gull Force“ (deutsch Möwen-Streitkräfte) verließen Darwin am 14. Dezember auf drei niederländischen Frachtern.[2]

Die aus dem 2/40th Battalion der Australian 8th Division (aus Tasmanien) und der 2/2nd Australian Army Independent Company (Western Australia) bestehende Einheit wurde von Lieutenant Colonel William Leggatt kommandiert. Zu der Sparrow Force kamen noch 650 Mann der Königlich Niederländisch-Indischen Armee (Koninklijk Nederlandsch-Indisch Leger KNIL) unter Lt. Col. Nico van Straten inklusive des Timor-und-Dependenzen-Garnisonsbataillons, einer Kompanie des VIII. Infanteriebataillons, einer Reserveinfanteriekompanie, eines Maschinengewehrzugs des XIII. Infanteriebataillons und einer Artilleriebatterie. Die Landstreitkräfte wurden durch 12 leichte Bomber vom Typ Lockheed Hudson des No. 2 Squadron der Royal Australian Air Force (RAAF) und ein 189 Mann starkes Kontingent der britischen 79th Light Anti-Aircraft Battery der Royal Artillery ergänzt, die bereits bei der Luftschlacht um England gekämpft hatten. Die alliierten Truppen waren um das strategisch wichtige Flugfeld von Penfui stationiert. Einige Einheiten waren auch in Klapalima, Usapa Besar, Babau stationiert. Die Versorgungsbasis der Sparrow Force lag weiter östlich in Champlong.

Der Strand bei Usapa Besar. Hier ging die australische Sparrow Force am 12. Dezember 1941 an Land.

Portugal hatte bis zu diesem Zeitpunkt jegliche Zusammenarbeit mit den Alliierten abgelehnt und plante, 800 seiner Soldaten aus Mosambik nach Portugiesisch-Timor zu bringen, um die Kolonie gegen eine mögliche japanische Invasion zu schützen. Die Alliierten sahen dadurch ihre Flanke gefährdet und besetzten daher mit einer 400 Mann starken Streitmacht aus Australiern und Holländern Portugiesisch-Timor. Manuel de Abreu Ferreira de Carvalho, der Gouverneur Portugiesisch-Timors, erklärte sich selbst zum Gefangenen, um das Erscheinungsbild der Neutralität zu wahren, während Portugals Diktator António de Oliveira Salazar gegen die Besetzung bei den alliierten Regierungen protestierte. Die 500 Soldaten der portugiesischen Armee leisteten keinen Widerstand gegen die Alliierten. Lokale Behörden kooperierten sogar heimlich mit ihnen. Der Großteil der niederländischen Truppen unter van Straten und die gesamte 2/2nd Independent Company wurde nach Portugiesisch-Timor verlegt. Dort wurden sie in kleinere Einheiten auf das Territorium verteilt. Im Januar 1942 bildeten die Truppen auf Timor eine Schlüsselposition in der sogenannten Malay Barrier unter dem American-British-Dutch-Australian Command unter General Archibald Wavell. Weitere australische Unterstützungseinheiten erreichten Kupang am 12. Februar. Mit dabei war Brigadier William Veale, der kommandierender Offizier (CO) der alliierten Truppen auf Timor wurde. Zu diesem Zeitpunkt litten viele Mitglieder der Sparrow Force unter den tropischen Bedingungen und Krankheiten wie Malaria.[3]

Das dortige Flugfeld von Penfui diente als zentrales Verbindungsglied zwischen Australien und den amerikanischen Truppen, die auf den Philippinen unter General Douglas MacArthur kämpften.[4] Am 26. und 30. Januar kam es zu ersten Angriffen durch japanische Flugzeuge auf Penfui. Neben der britischen Flak setzte man auch elf Curtiss P-40 der 33rd Pursuit Squadron der United States Army Air Forces von Darwin aus gegen die Angreifer ein.[5] Am 8. Februar wurde Dili, die Hauptstadt Portugiesisch-Timors, erstmals von japanischen Bombern angegriffen.[6]

Am 16. Februar geriet ein alliierter Schiffskonvoi mit Nachschub und Truppen für Kupang in einen schweren japanischen Luftangriff und musste daher umkehren. Unter den Schiffen des Konvois waren der schwere Kreuzer USS Houston, der Zerstörer USS Peary und die Sloops HMAS Swan und HMAS Warrego. An Bord befand sich unter anderem ein australisches Pionierbataillon und ein Artilleriebataillon der US Army.

Nachdem die Lark Force (deutsch Lerchen-Streitkräfte) am 23. Januar 1942 in Rabaul (Neubritannien) und die Gull Force auf Ambon am 3. Februar durch die Japaner vernichtet worden waren,[7] verstärkte man die Sparrow Force am 16. Februar nochmals mit 189 britischen Mann der Flugzeugabwehr der A & C Troops der 79th Light Anti-Aircraft Battery (Royal Artillery). Die meisten von ihnen waren Veteranen der Luftschlacht um England. Am selben Tag fuhr ein Konvoi in Richtung Kupang, eskortiert von den Kriegsschiffen USS Houston, USS Peary, HMAS Swan und HMAS Warrego. Auch er geriet in einen Luftangriff durch 54 japanische Flugzeuge und musste daher nach Darwin umkehren, ohne Verstärkung und Vorräte in Kupang ausladen zu können.[5] An Bord waren unter anderem das australische 2/4th Pioneer Battalion und das 49th American Artillery Battalion.[8][9] Weitere Verstärkung für die Sparrow Force blieb nun aus, und Timor war das nächste logische Ziel für die japanische Expansion in Niederländisch-Indien.[10]

Der japanische Angriff[Bearbeiten]

Portugiesisch-Timor[Bearbeiten]

Die USS Houston wurde wenige Wochen vor ihrer Versenkung vor Timor eingesetzt.

In der Nacht vom 19. zum 20. Februar begannen 1500 Mann des 228. Infanterieregiments der Kaiserlich Japanischen Armee (38. Division der XVI. Armee) mit der Landung auf Timor unter dem Kommando von Oberst Sadashichi Doi. Zuerst tauchten japanische Schiffe vor Dili auf. Fälschlicherweise hielten die Alliierten diese Schiffe für die erwartete portugiesische Verstärkung, so dass sie vom Angriff vollkommen überrascht wurden. Trotzdem konnte sich die Garnison geordnet zurückziehen. Das Kommando No. 2 Section aus 18 australischen Soldaten tötete am Flugfeld Dilis in den ersten Stunden der Schlacht nach eigenen Angaben etwa 200 Japaner.[11] Die japanische Armee gab ihre Opferzahl mit sieben Gefallenen an.[12] Angaben der einheimischen Bevölkerung unterstützen die australischen Zahlen.[11] Das Fukumi Butai Corps wird beschuldigt, 16 australische Soldaten der No. 7 Section am Tag der Landung der Japaner in Dili ermordet zu haben. Nach Gefangennahme der Australier an einer japanischen Straßensperre wurden vier sofort erschossen, die anderen zwölf mit dem Schwert hingerichtet. Ein Soldat überlebte die Bajonettstiche, die ihn töten sollten.[11]

Die Australier zogen sich nach Süden in die Berge zurück, und etwa 200 niederländische Soldaten zogen unter van Straten nach Südwesten in Richtung Grenze.[13]

Niederländisch-Timor[Bearbeiten]

Verlauf der Gefechte im Februar 1942 in der Umgebung von Kupang

In derselben Nacht gerieten die alliierten Truppen in Westtimor unter schwere Luftangriffe, die die RAAF zum Rückzug nach Australien zwang. Dem Bombardement folgte die Landung der Hauptmacht des 228. Regimentes mit zwei Bataillonen und 4000 Mann im nicht gesicherten Südwesten der Insel am Pahafluss. Leichte Panzer vom Typ 94 unterstützten die japanische Infanterie auf ihrem Weg nach Norden, wo sie die niederländischen Stellungen im Westen abschnitten und das 2/40th Battalion in Penfui angriffen. Lt. Col. Legatt befahl die Zerstörung des Flugfeldes und die sofortige Verlegung des Sparrow-Force-Hauptquartiers nach Osten Richtung Champlong, aber ein Vorstoß nach Nordosten durch 500 japanische Fallschirmjäger der 3. Yokosuka Marine-Speziallandungstruppe, einer Fallschirmjägereinheit der Marineinfanterie, hielt den alliierten Rückzug bei Usua auf, 22 km östlich von Kupang.[11]

Nach längerem Widerstand um das Dorf Babau und der Landung weiterer 300 Fallschirmjäger gab die Sparrow Force das Dorf in der Nacht zum 21. Februar auf und plante, am Morgen nach Osten abzuziehen. In dieser Zeit hatten die Japaner Verteidigungsstellungen mit Gebirgshaubitzen und schweren Maschinengewehren in den Hügeln von Usua errichtet. Nach Beschuss mit Mörsern und Maschinengewehren griffen die Australier die japanischen Stellungen direkt an. Im direkten Nahkampf mit Bajonetten wurden von den 850 japanischen Fallschirmjägern alle bis auf 78 getötet. Die Sparrow Force hatte nur Verluste von einigen Dutzend Mann zu beklagen.

Die Sparrow Force wurde dann von der japanischen Hauptstreitmacht mit 3000 Mann, Panzern und Artillerie angegriffen. Durch Zerstörung der Brücken konnten sich die Australier auf ihrem Rückzug nach Osten nur eine kurze Atempause verschaffen.[14] Am 23. Februar hatte die Sparrow Force wieder Feindkontakt mit der japanischen Hauptstreitmacht. Beide Seiten gerieten in zwei Bombenangriffe durch japanische Flugzeuge, die bei Australiern und Japanern Tote forderten. Aufgrund Munitionsmangels, fehlender Wasser- und Lebensmittelvorräte und übermüdeter Männer sah sich Leggatt gezwungen, sich bei Irekum am selben Tag zu ergeben. Weitere japanische Truppen landeten schließlich bei Kupang, so dass ihre Zahl in Westtimor auf 22.000 anwuchs.

Das 2/40th Battalion hatte 84 Tote und 132 Verwundete zu beklagen. Doppelt so viele von ihnen sollten bis Kriegsende in Kriegsgefangenschaft ums Leben kommen.[11] Veale und das Hauptquartier der Sparrow Force waren zum Zeitpunkt der Kapitulation in Tjamplong, zusammen mit 290 australischen und niederländischen Soldaten, und zogen in Richtung Osten, um sich dort mit der 2/2nd Independent Company zu vereinigen.[8]

Die Kommandoaktionen[Bearbeiten]

Lockheed-Hudson-Bomber waren anfangs Teil der alliierten Streitkräfte auf Timor

Zwischen der Kapitulation in Irekum und dem 19. April 1942 war die Verbindung der Sparrow Force nach Australien abgebrochen. Ende Februar kontrollierte Japan den Großteil Westtimors und das Gebiet um Dili im Nordosten. Der Süden und der Osten blieben aber für die Japaner ein gefährliches Gebiet, da die 2/2nd Independent Company in den Bergen Portugiesisch-Timors damit begonnen hatte, Angriffe auf die Japaner auszuführen.[15] Unterstützt wurden die Australier durch timoresische Führer, Träger und Kämpfer, die criados genannt wurden.[16] Timoresische Bergponys wurden als Lasttiere verwendet. Schwere Waffen und Fahrzeuge fehlten.[17] Obwohl portugiesische Beamte offiziell neutral und zunächst für die Zivilverwaltung weiter im Amt blieben, lag ihre Sympathie bei den Alliierten. So konnten diese auf das lokale Telefonnetz zurückgreifen, um zu kommunizieren und Informationen über japanische Bewegungen zu sammeln. Anfangs fehlten den australischen Truppen funktionierende Funkgeräte, und sie konnten Australien nicht über ihren weitergehenden Widerstand informieren.[18]

Der japanische Kommandeur Doi schickte den australischen Honorarkonsul und Qantasvertreter David Ross in die Berge, um die Kommandos zur Aufgabe zu überreden. Die Antwort Spences war eindeutig: „Surrender? Surrender be fucked!“ Ross nutzte die Gelegenheit, den Kommandos Informationen über die Aufstellung der japanischen Streitkräfte zu geben, und übergab auch eine Urkunde auf Portugiesisch, die jenen, die die Alliierten unterstützten, Erstattung von der australischen Regierung versprach.[19]

Im frühen März vereinigten sich Veale und van Straten mit ihren Truppen mit der 2/2nd Company. Indem einige Bauteile wiederverwertet wurden, konnte ein Funkgerät gebaut und Verbindung mit Darwin aufgenommen werden. Die Australier gaben dem Funkgerät den Spitznamen „Winnie the War Winner“.[13] Ende März gelangen sogar Einfälle und Hinterhalte in Dili aufgrund japanischer Truppenrotation. Ab Mai warfen australische Flugzeuge Versorgungsgüter für die Kommandos und ihre Verbündeten ab.[20]

Der „Tiger von Singapur“, ein japanischer Major, dessen wirklicher Name unbekannt ist, wurde nach Timor geschickt. Er war ein hoch geachteter Veteran des malaiischen Feldzuges und der Schlacht um Singapur. Am 22. Mai führte der „Tiger“ auf einem weißen Pferd eine japanische Einheit nach Remexio, zehn Kilometer südöstlich von Dili. Dort gerieten sie in zwei Hinterhalte einer australischen Patrouille und ihrer portugiesischen und timoresischen Helfer. Neben etwa 30 anderen japanischen Soldaten fiel auch der „Tiger“ einem australischen Scharfschützen zum Opfer. Der Schimmel und die Orden des Japaners hatten ihn zu einem attraktiven Ziel gemacht. Die japanische Einheit musste sich nach Dili zurückziehen.[20]

Portugiesisch-Timor 1942/43

Am 24. Mai wurden Veale und van Straten an der Südostküste mit einer RAAF-Catalina ausgeflogen. Spence wurde zum Lieutenant Colonel befördert und zum neuen Oberbefehlshaber aller alliierten Truppen auf Timor ernannt. Am 27. Mai führte das Landungsboot der Royal Australian Navy HMAS Kuru erstmals eine Versorgungsmission von Darwin nach Betano in Osttimor aus.[20] Kleine Schiffe und Korvetten fuhren nun immer wieder zur Versorgung der Alliierten diese Route. Allein die Kuru steuerte Betano bis zum 1. Dezember 1942 neunmal an.[21]

Im Juni erhielt General Douglas MacArthur, der alliierte Oberbefehlshaber im Südwestpazifik, einen Bericht von seinem australischen Kollegen General Thomas Blamey. Darin betonte dieser, dass eine alliierte Offensive auf Timor eine große amphibische Landungsaktion mit mindestens einer kompletten Infanteriedivision (etwa 15.000 Mann) benötigen werde. Allerdings waren die dafür benötigten Truppen in die Rückeroberung Neuguineas und die bevorstehende Salomonen-Operationen gebunden. Daher entschied sich Blamey, die Kommandoaktionen auf Timor in dem bisherigen Rahmen weiterzuführen, obwohl MacArthur deren Sinn stets anzweifelte.[20]

Der japanische Kommandeur Doi schickte David Ross ein weiteres Mal zur Sparrow Force, um sie zur Aufgabe zu überreden. Doi zog Vergleiche mit den Leistungen der Kommandos der Afrikander im Zweiten Burenkrieg und schloss daraus, dass die Alliierten zehnmal so viele Männer bräuchten, um zu siegen. Doi kündigte an, er erwarte Verstärkung und werde nötigenfalls weitere Einheiten aufstellen. Dieses Mal kehrte Ross nicht nach Dili zurück, sondern wurde am 16. Juli nach Australien abkommandiert.[20]

Die japanische Offensive[Bearbeiten]

Im August 1942 begannen japanische Streitkräfte, timoresische Dörfer, die unter dem Verdacht standen, die Alliierten zu unterstützen, zu bombardieren und niederzubrennen. Eine große Zahl ziviler Opfer war die Folge. Der Kommandant der 48. japanischen Division, Generalleutnant Yuichi Tsuchihashi, übernahm die Kontrolle über die Operationen auf Timor.[22] Starke japanische Verbände stießen nach Süden vor, zwei von Dili, eine von Manatuto aus. Ein weiterer Verband griff von Westtimor aus niederländische Stellungen im südlichen Zentrum der Insel an. Die Offensive endete am 19. August. Die Japaner hatten nun den Bergort Maubisse im Zentrum Timors und den südlichen Hafen Beco unter ihre Kontrolle gebracht.

Situation in Südostasien 1941–1942

Im September 1942 trafen die Hauptkräfte der 48. japanischen Division ein und übernahmen in Timor die führende Rolle. Auch Australien wollte seine Truppen auffrischen. Am 23. September 1942 sollte die 2/2nd Independent Company durch die 2/4th Independent Company (Lancer Force) ersetzt werden. Der Zerstörer HMAS Voyager brachte 450 Soldaten nach Betano und sollte 600 Mann aufnehmen. Durch starke Strömung lief die Voyager aber am Strand auf Grund. Die Bergung war unmöglich. Nachdem ein japanisches Flugzeug abgeschossen worden war und Bomber am nächsten Tag angegriffen hatten, wurde die Besatzung der Voyager in der Nacht darauf an Bord der Korvetten HMAS Kalgoorlie und HMAS Warrnambool gebracht. Die Voyager wurde gesprengt. Ihre Überreste liegen noch heute bei Betano.[23] Ein Vorstoß der Japaner von Dili aus erreichte am 27. September Betano, konnte dort aber nichts mehr ausrichten.[20]

Im November drehten der Filmemacher Damien Parer und der Kriegsberichterstatter Bill Marien den Film Men of Timor, der viel Aufsehen in den verbündeten Ländern erregte. Lt. Col. Spence wurde am 11. November abkommandiert, und der Kommandant der 2/2nd, Major Bernard Callinan, wurde zum Kommandeur der Alliierten auf Timor.[24] In der Nacht vom 30. November zum 1. Dezember führte die australische Marine eine Landungsaktion bei Betano durch. Frische niederländische Truppen sollten an Land gesetzt und 190 niederländische Soldaten und 150 portugiesische Zivilisten in Sicherheit gebracht werden. Das Landungsboot Kuru diente als Fähre zwischen dem Ufer und den beiden Korvetten HMAS Armidale und HMAS Castlemaine. Die Armidale wurde dabei von japanischen Flugzeugen bei Betano versenkt. 40 australische Besatzungsmitglieder und 60 Soldaten der niederländischen Ostindienarmee starben dabei. Insgesamt wurden während des Krieges 300 portugiesische Frauen und Kinder von der alliierten Marine von Timor nach Australien gebracht.[20]

Australische Guerrilleros in einem Lager im Dschungel von Timor

Ende 1942 hatte Japan 12.000 Soldaten auf Timor, was eine Rückeroberung durch die Alliierten unmöglich machte. Das australische Oberkommando schätzte, dass man nun dafür drei Divisionen und starke Unterstützung von See- und Luftstreitkräften brauchte.[20] Die australischen Kommandoeinheiten hatten zudem immer öfter Feindkontakt, und den Japanern gelang es immer mehr, sie von den einheimischen Unterstützern abzuschneiden. Außerdem war die australische Armee in eine Reihe verlustreicher Schlachten bei Buna in Neuguinea verwickelt. Es fehlten die Ressourcen, die Operationen auf Timor weiterzuführen. Man begann daher Anfang Dezember die Aktionen dort nach und nach einzustellen.[17]

Die Letzten der ursprünglichen Sparrow Force wurden, bis auf einige wenige Offiziere, zusammen mit portugiesischen Zivilisten am 11. und 12. Dezember durch den niederländischen Zerstörer Hr. Ms. Tjerk Hiddes in Sicherheit gebracht.[25] Damit gab es für die Alliierten keine Möglichkeit mehr, Timor zurückzuerobern. Die Japaner hatten alle Ankerplätze an der Nord- und der Südküste Timors, inklusive Betano, unter ihre Kontrolle gebracht. Inzwischen waren 12.000 japanische Soldaten auf der Insel stationiert. Die alliierten Kommandos gerieten immer häufiger in Feindkontakt. Mit der Fertigstellung des Flugfeldes in Vila de Aviz (heute Fuiloro) konnte Japan nun seine Luftüberwachung bis nach Australien ausdehnen.

In der Nacht vom 9. zum 10. Januar wurde der Großteil der 2/4th zusammen mit 50 Portugiesen vom Zerstörer HMAS Arunta von Kicras in Sicherheit gebracht. Nur die S Force, ein kleines Aufklärungsteam, wurde zurückgelassen, wurde aber schnell von den Japanern entdeckt. Zusammen mit den Letzten der Lancer Force schaffte die S Force es, sich bis zur Ostspitze Timors durchzuschlagen, wo auch die australisch-britische Z Special Unit operierte. Die verbliebenen alliierten Truppen wurden schließlich am 10. Februar durch das amerikanische U-Boot USS Gudgeon von Timor gebracht.[20]

In der Guerillaphase kamen 40 Australier ums Leben. Die Verluste der Japaner werden mit 1500 Mann angegeben.[18]

Die portugiesische Kolonialverwaltung und die timoresische Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Kirche von Ermera nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg (Okt. 1945) und nach dem Wiederaufbau (Juni 1970)

Portugal blieb während des Kriegs weiterhin neutral, und die portugiesischen Behörden waren bis zum 9. August 1942 für die Zivilverwaltung in ihrer Kolonie zuständig.[26] Jedoch sympathisierten Portugiesen und Timoresen mit den Alliierten. Über das lokale Telefonnetz wurden Verbindungen gehalten und Informationen über japanische Truppenbewegungen weitergegeben. Weitere Verbindungen zur Außenwelt bestanden für die alliierten Truppen aufgrund des Mangels an funktionierenden Funkgeräten nicht. Andere nahmen direkt an den Kämpfen teil, so die Internationale Brigade, eine antifaschistische Gruppe aus Deportierten, oder die Red Brigade, die aus ehemaligen Zeitungsredakteuren, Armeeoffizieren, Kommunisten, Sozialisten und sogar Liberalen bestand. Ein bekanntes Beispiel für einheimische Widerständler war der portugiesische Deportierte Manuel Viegas Carrascalão, der wegen seines Kampfes gegen die Japaner zwei Jahre in ein Gefangenenlager kam. Zur Belohnung erhielt Carrascalão nach dem Krieg eine Kaffeeplantage, die heute noch im Familienbesitz ist.

Bei der Landung beschädigter Bomber General Yamadas, mit dem er zur Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde anreiste

In der australischen Militärmythologie wurde die Neutralität des portugiesischen Gouverneurs Carvalho oft in Frage gestellt. Die Japaner machten sich aber gar nicht erst lange Gedanken über die Neutralität des Gouverneurs. Sie entmachteten ihn einfach, indem seine Autorität umgangen und die Telegrafenleitung nach Lissabon unterbrochen wurde. Ein japanischer Aktenvermerk vom Juni 1942 beschreibt Gouverneur Ferreira de Carvalho als stur und kompromisslos, da er sich weigerte, auf Forderung der Japaner portugiesische Beamte und timoresische Dienstboten zu bestrafen, und weil er die „Invasionsarmee“ unterstützte, wie die Japaner die Alliierteneinheiten bezeichneten. Der Gouverneur wurde zusammenfassend als großes Hindernis beim Luftkrieg und bei den Verteidigungsoperationen der Japaner angesehen. Am 24. Juni brachten solche Behinderungen Tokio dazu, sich bei Portugals Diktator Salazar zu beschweren, wobei eine Liste der feindlichen Akte, die von portugiesischen Offiziellen und Timoresen verübt worden seien, abgegeben wurde. Doch auch zwei Monate später konnte die lokale japanische Verwaltung keine Veränderung der Situation feststellen.[26]

Australische Quellen geben an, dass Japan Anfang August 1942 damit begann, die portugiesische Herrschaft über Osttimor zu zerstören. Portugiesische Posten wurden systematisch bombardiert, mit Japan verbündete Timoresen aus Westtimor wurden ins Land gebracht und trainiert, Propaganda bei der einheimischen Bevölkerung wurde betrieben, proaustralische portugiesische Beamte und Timoresen wurden getötet, eigenes Papiergeld wurde ausgegeben und die Kolonialverwaltung eliminiert.[26] In den Schulen wurde Unterricht auf Japanisch eingeführt. Einige Liurai verloren ihre soziale Stellung, andere wurden verfolgt, ebenso die chinesische Minderheit auf Timor. 60 Chinesen wurden getötet, 200 starben aufgrund von Hunger und Misshandlungen. Kollaboration mit den Japanern wurde unterstützt. Beispielsweise erhielten einige Mitglieder der arabischen Gemeinde von Dili Verwaltungsposten oder Anstellungen bei der japanischen Militärpolizei (Kempeitai).[26]

Ruine der Chinesischen Schule in Aileu/Portugiesisch-Timor (1970)

Timoresen wurden zum Bau von Straßen oder Großprojekten wie dem Flugfeld von Lautém (damals Vila Nova de Malaca) herangezogen. Chinesen wurden getrennt von den Timoresen zur Arbeit geschickt. Unter den Arbeitern waren auch Bewohner der heute indonesischen Insel Kisar. Frauen von Kisar mussten in einem so genannten „japanischen Restaurant“ in Lautém arbeiten. Zeugen berichten, dass auch timoresische Liurai dazu gezwungen wurden, Mädchen für japanische Bordelle zur Verfügung zu stellen. Ebenso wurden viele Chinesinnen zur Prostitution gezwungen. Ein portugiesischer Arzt, der Zeuge war, berichtete im Juni 1946: „Ich kenne viele Orte, wo die Japaner die Chefs der Gebiete zwangen, Mädchen für die Bordelle zu schicken. Sie erpressten die Chefs, indem sie drohten, weibliche Verwandte des Chefs in die Bordelle zu schicken, falls diese nicht kooperieren.“[27]

Australisches Propagandaplakat

Ende August kam es zu Angriffen durch Timoresen auf Portugiesen. Einige Portugiesen und Chinesen wurden dabei getötet, was zu Unruhe unter der portugiesischen Bevölkerung führte. Japan schob die Vorfälle auf eine „Gruppe Westtimoresen“, die für die Japaner kämpfen und sich im Osten neu ansiedeln wollten. Sie seien aufgrund vorhergehender Misshandlungen gegen die Portugiesen vorgegangen. Vielmehr wurde der Angriff auf Aileu (damals Vila General Carmona) am 31. August 1942, der den Tod von fünf portugiesischen Soldaten, mehreren Beamten und Missionaren forderte, von den Colunas Negras (die schwarzen Säulen) ausgeführt. Sie bestanden aus unzufriedenen Timoresen, die von den Japanern rekrutiert und bewaffnet worden waren, um Angst und Schrecken unter der Bevölkerung zu verbreiten. Sie terrorisierten die Zivilbevölkerung bis zum Ende der japanischen Besatzung und versorgten die Japaner auch mit Informationen über alliierte Truppenbewegungen. Japan nutzte alte Wunden, die zuvor durch die von den Portugiesen 1912 niedergeschlagene Rebellion von Manufahi entstanden waren.[17][20][26]

Auch innertimoresische Rivalitäten wurden durch die Besatzer geschürt. So kam es im August 1942 zur Rebellion von Maubisse, in der die dort ansässige nichtchristliche Bevölkerung sich gegen die Portugiesen und christianisierten, pro-portugiesischen Timoresen von Ainaro und Same, und hier gegen Dom Aleixo Corte-Real, Liurai von Soro, wandte. Dom Aleixo war der Neffe von Nai-Cau, dem Verräter-Liurai, der während der Manufahi-Rebellion auf der Seite Portugals stand. Ein Krieg im Krieg brach aus. Dom Aleixo führte mit seinen Söhnen und Anhängern seinerseits eine große Revolte gegen die Japaner an. Schließlich wurde Dom Aleixo im Mai 1943 von den Colunas Negras und regulären japanischen Truppen eingekesselt und, als die Munition zu Ende war, gefangen genommen. Kurz darauf wurden Dom Aleixo und seine gesamte Familie erschossen. Dom Aleixo wird heute in Osttimor als Volksheld verehrt.

Die Kemak von Atsabe leisteten passiven Widerstand, indem sie sich weigerten, Zwangsarbeit zu leisten oder Lebensmittel an die Japaner zu liefern. Die Besatzer inhaftierten daher den Liurai Dom Siprianu und sechs seiner Verwandten, die in Erbfolge zu ihm standen. Waren die Besatzer mit dem Verhalten der Bevölkerung unzufrieden, wurden die Geiseln an einen Baum im Dorf angebunden und eine hingerichtet. Alle sieben Geiseln fanden auf diese Weise den Tod. Trotzdem widersetzten sich die Bewohner Atsabes weiterhin und versteckten zum Beispiel auch australische Soldaten.[28]

Aufgrund der Ereignisse schickte Gouverneur Ferreira de Carvalho eine Nachricht nach Lissabon mit der Bitte, die portugiesischstämmige Bevölkerung zur vorgelagerten Insel Atauro evakuieren zu dürfen. Doch das Schiff mit der Antwort kam nie auf Timor an, und so wurde der Plan nicht umgesetzt.[26] Im Oktober war es den Japanern gelungen, eine größere Zahl von Timoresen zu rekrutieren. Die timoresischen Hilfstruppen erlitten schwere Verluste im Kampf, da sie oft in vorderster Linie eingesetzt wurden. Auch die Portugiesen wurden immer mehr zur Zusammenarbeit mit Japan gezwungen. Mindestens 26 portugiesische Zivilisten wurden bereits in den ersten sechs Monaten der Besatzung getötet, darunter örtliche Beamte und ein katholischer Priester.[20][29]

Timoresische Verbündete der Australier haben projapanische Timoresen gefangen genommen (Dez. 1942)

Am 24. Oktober 1942 wurden portugiesische Beamte und ihre Familien (etwa 600 Personen) in Liquiçá und Maubara in Lagern interniert. Nur dem Gouverneur und dem Bürgermeister von Dili wurde eine Gnadenfrist eingeräumt. Die letzten Portugiesen wurden entwaffnet. Die Bedingungen in dem Camp waren schlecht, Nahrungsmittel knapp und die Hygienebedingungen aufgrund von Wassermangel unzureichend. Zwar gab es einen portugiesischen Arzt, dem später zwei japanische Ärzte zugeteilt wurden, aber es fehlte an Medikamenten, weswegen viele Portugiesen starben. Im ersten Jahr bewachten japanische Soldaten das Lager, später japanische Kempeitai zusammen mit timoresischen Wachen und Spionen.[26]

Erst am 1. November überlegte das Alliierte Oberkommando, ob man portugiesische Beamte bewaffnen solle. Dies war zuvor nur inoffiziell geschehen. Ab dem 15. November ordneten die Japaner an, dass alle portugiesischen Zivilisten in neutrale Zonen ziehen sollten. Jene, die sich weigerten, wurden als Verbündete der Alliierten betrachtet. Folge war, dass die Portugiesen verstärkt mit den Alliierten zusammenarbeiteten.

Während in Portugiesisch-Timor die einheimische Bevölkerung in Unterstützer für Japan und Unterstützer für Australien und Portugal tief gespalten war, beklagten australische Quellen, in Westtimor seien die Alliierten nicht unterstützt und sogar verraten worden. Dies scheint mit ein Grund für den alliierten Rückzug aus dem Westteil der Insel gewesen zu sein. Im Westen wurden die Japaner oft als Befreier von der holländischen Kolonialherrschaft empfangen.[26]

Kriegsende[Bearbeiten]

Der japanische Befehlshaber Oberst Kaida Tatsuichi und sein Stabschef Major Muiosu Shijo kurz vor der Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde an Bord der HMAS Moresby

Japan befürchtete, dass im Falle eines Verlustes von Timor die Alliierten die Insel strategisch nutzen könnten. Spekulationen wurden betrieben, dass die Alliierten im Falle eines japanischen Abzugs Portugal die Kolonie nicht mehr zurückgeben würden. Doch erst kurz vor der Kapitulation begann Japan die Souveränität Portugals über seine Kolonie wiederherzustellen, um alliierte Vorteile zu verhindern. Anfang 1945 wurde Portugal mitgeteilt, Japan werde in den südlichen Gebieten zuerst das Hinterland räumen. Frontgebiete, wie Timor, würden erst zuletzt aufgegeben. Dieses rationale Vorgehen führte aber gleichzeitig zu äußerst schwierigen Operationen.

Am 16. Mai 1945 stimmte Japans Premierminister Hideki Tojo Verhandlungen mit Portugal über die Wege eines Rückzugs aus Portugiesisch-Timor zu. Die Bedingungen waren, dass Portugal neutral bleiben, die Kolonie nicht erneut durch die Alliierten besetzt werden und Portugal für die Sicherheit der sich zurückziehenden japanischen Soldaten garantieren solle. Am 28. Mai meldeten die japanischen Diplomaten nach Tokio, dass Salazar beabsichtige, neutral zu bleiben, und beide Parteien vereinbarten, dass der japanische Rückzug nicht vor Eintreffen portugiesischer Streitkräfte auf Timor stattfinden werde. Zwar befürchtete Tojo, dass es dabei zu Auseinandersetzungen zwischen japanischen und portugiesischen Soldaten kommen könne, doch Japan hoffte, dass ein portugiesisches Kontingent die Gefahr einer alliierten Invasion abwenden könne.

Am 6. und 9. August wurden die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen. Am 15. August folgte die Bekanntgabe der Kapitulation Japans. Am selben Tag teilte Tokio seinen Diplomaten in Lissabon mit, dass Japan nun die Kontrolle über Portugiesisch-Timor an Portugal zurückgeben wolle. Am 1. September trafen sich japanische Vertreter mit Gouverneur Ferreira de Carvalho, um ein Ende der Feindseligkeiten zu vereinbaren. Am 5. September, drei Tage nach der Kapitulationszeremonie auf dem Schlachtschiff USS Missouri, erklärte Japan offiziell die Rückgabe der Kolonie. Ferreira de Carvalho erhielt die Befehlsgewalt über ein bewaffnetes japanisches Kontingent, um die Ordnung weiter aufrechtzuerhalten. Die Waffen der japanischen Soldaten wurden an Portugal übergeben. Die Weitergabe der Waffen an die Alliierten sollte nicht in Tokio, sondern in Lissabon verhandelt werden. Das japanische Militär- und Zivilpersonal sollte in Sammellagern der Vereinten Nationen oder zu Häfen, die die Alliierten auswählten, gebracht werden. Die Telegrafenverbindung von Lissabon nach Dili wurde am 12. September wiederhergestellt.

Brigadegeneral Dyke unterzeichnet die Kapitulationserklärung der Japaner in Kupang

Portugal forderte von den Alliierten aufgrund der vorangegangenen Besetzung Portugiesisch-Timors durch Australier und Holländer, dass sie die Kriegsschäden beseitigen sollten. Die Alliierten und vor allem Australien wichen indes der Frage der Rückgabe der Souveränität aus. Die USA nutzten angeblich die Timorfrage als Druckmittel bei den Verhandlungen über die Erhaltung amerikanischer Stützpunkte auf den Azoren. Obwohl sie über die Machtübergabe am 10. September informiert wurden, erklärten sie Timor erneut zum von Japan besetzten Gebiet, bevor das portugiesische Kontingent eintraf. Australien bot Portugal eine Entsendung australischer Truppen nach Osttimor an, doch Lissabon lehnte das Angebot bereits zwei Tage später ab. Nur unter massivem Druck ließ Ferreira de Carvalho zu, dass eine australische Militärmission, unterstützt von einem portugiesischen Beamten, die Kapitulationsbedingungen mit den Japanern aushandelte. Es schien, als ob Portugals angebliches Entgegenkommen bei japanischen Forderungen bestraft werden sollte. Streit entbrannte, wer die Kapitulationserklärung der Japaner auf Timor entgegennehmen solle. Waren ursprünglich zwei Zeremonien, jeweils in Dili und Kupang, geplant, forderte Australien nun eine einzige Zeremonie, in der die Erklärung nur an einen australischen Vertreter übergeben werden sollte. Dies sollte demonstrieren, dass nur die Australier den Japanern Widerstand geleistet und die Portugiesen, die mit ihrer „Neutralität“ den Japanern ermöglichten, Timor zu einer Basis zu machen, keinen Anteil an dem Kriegsende gehabt hätten. Bereits am 28. August verlangte die australische Regierung von Großbritannien, Portugal keine Unterstützung zur Rückerlangung der Kontrolle über Portugiesisch-Timor zu gewähren. Großbritannien lehnte dies, ebenso wie eine zweite Besetzung Timors durch australische Truppen, aufgrund seiner guten Beziehungen zu Portugal ab. Unabhängig davon hätten portugiesische Kriegsschiffe nicht davon abgehalten werden können, von Mosambik oder Ceylon aus Richtung Timor auszulaufen.

Als Auftakt der Kapitulationszeremonien nahm Brigadegeneral Lewis Dyke am 11. September 1945 für Australien die Erklärung der Japaner in Westtimor auf der australischen HMAS Moresby entgegen. Vertreter der Niederlande wurden zu der Zeremonie, sehr zu ihrem Missfallen, nicht zugelassen. Am 19. September stimmte das australische Kabinett einer getrennten Kapitulationszeremonie für Osttimor in Dili zu. Das australische Kontingent verließ daraufhin Kupang in Richtung Dili. Dyke gratulierte am 23. September Ferreira de Carvalho zur Wiederherstellung der portugiesischen Herrschaft. Am 26. September fand dazu die offizielle Zeremonie in Dili statt. Bereits am nächsten Tag trafen die langerwarteten portugiesischen Schiffe Bartolomeu Dias und Gonçalves Zarco in Dili ein. Weitere zwei Tage später erreichten portugiesische Truppentransporter mit über 2000 Soldaten (Infanterie, Pioniere und Artillerie) die Kolonie. Mit an Bord waren Nahrungsmittel und Baumaterial. Die Ankunft der Schiffe wurde in Dili gefeiert. Anwesend waren die meisten der in der Kolonie verbliebenen Portugiesen, viele Timoresen, die Kommandanten von Baucau (damals Vila Salazar) und Manatuto und loyale Liurai und Dorfchefs. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich nur noch 200 japanische Soldaten in der portugiesischen Kolonie. Das Verhalten Australiens gegenüber Portugal und den Niederlanden bei der Abwicklung der Kapitulation Japans wurde allgemein kritisiert.[26]

Die Folgen des Zweiten Weltkrieges auf Timor[Bearbeiten]

Australische Soldaten brennen das timoresische Dorf Mindelo nieder, damit es nicht als japanische Basis genutzt werden kann. (Nov./Dez. 1942)
Bunker in Osttimor
Gedenkstätte für die Opfer der japanischen Besatzung in Aileu

Den Alliierten war es zusammen mit ihren timoresischen Verbündeten gelungen, eine komplette japanische Division zu binden, so dass sie nicht auf Neuguinea eingesetzt werden konnte.[20] Der Preis dafür bezahlte vor allem die einheimische Bevölkerung. Während die Alliierten etwa 450 Tote zählten und die Japaner vermutlich etwa 2000 Gefallene zu beklagen hatten, verloren im Zweiten Weltkrieg insgesamt zwischen 40.000 und 70.000 Timoresen ihr Leben. Die Bevölkerungszahl Portugiesisch-Timors betrug vor dem Krieg etwa 450.000.[30]

Der Zusammenbruch der Landwirtschaft und der traditionellen Gesellschaftsstrukturen führte zu Hungersnöten und Seuchen. Die Brutalität, mit der japanische Soldaten gegen Unterstützer der Australier vorgingen, ist den Osttimoresen noch immer in Erinnerung. Von Folter, Hinrichtungen, systematischen Vergewaltigungen, Prügelstrafen und Zwangsarbeit durch die Japaner wird berichtet. Nahe Kupang wurde ein Massengrab mit 24 exekutierten Australiern und anderen Alliierten gefunden. Ebenfalls nahe Kupang befand sich das Oesapa-Besar-Lager für Kriegsgefangene, bis es August/September 1942 nach Java verlegt wurde.

Portugiesische Quellen listen die Namen von 75 Portugiesen und ihren Verwandten auf, die durch die Besatzung starben. Mindestens zehn starben im Gefecht, 37 wurden ermordet, weitere acht starben in Gefangenschaft. Viele von ihnen waren ehemalige Deportierte, die meisten aber Beamte der portugiesischen Verwaltung. Zur Erinnerung an die Verbrechen gegen die Portugiesen wurde in Aileu ein Steinmonument errichtet. Auch in Dili erinnert ein Denkmal an die Opfer der japanischen Besatzung. Zwar wurden viele Zeugenaussagen betreffs japanischer Verbrechen gegen Portugiesen, Chinesen und Timoresen gesammelt, aber es kam zu keinen Gerichtsverhandlungen. Die Kriegsverbrechen gegen Chinesen und Timoresen waren aus Sicht der australischen Ermittler von geringerem Interesse. Es waren jedoch gerade die einfachen Timoresen, die am meisten unter japanischen Repressalien und Zwangsarbeit leiden mussten.[26]

Timoresische Zivilisten wurden auch Opfer von Luftangriffen beider Seiten. So bombardierten ab Ende 1942 einmal pro Woche zwei bis drei alliierte Flugzeuge Dili, ab November sogar täglich, was sowohl japanische als auch timoresische und chinesische Opfer forderte. Hauptziele waren das japanische Konsulat (November 1942), die Radiostation (März 1943), ein portugiesisches Schiff und das Krankenhaus (Februar 1944). Die Bevölkerung hatte bereits im Juni 1942 die Stadt verlassen. 1944 wurde Lautém von der australischen Luftwaffe bombardiert. Weitere Ziele waren Aileu und Lahane. Im Gegensatz zu anderen Gebieten in Südostasien bekam Portugiesisch-Timor keine Entschädigungszahlungen aus Japan.

Mit Ende des Krieges übernahm Portugal 1945 wieder die Kontrolle über seine Kolonie. Während Westtimor mit Indonesien 1949 seine Unabhängigkeit von der Kolonialmacht erhielt, wurde Osttimor 1951 nur der Status eines portugiesischen Überseegebietes zugesprochen. 300 bis 400 Timoresen, die mit Japan kollaboriert hatten, wurden nach Kriegsende von den Portugiesen kurze Zeit auf der Insel Atauro interniert. José Ramos-Horta gibt allerdings in seinem Buch an, dass Arnaldo dos Reis Araújo der einzige Timorese gewesen sei, der für Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg eine Haftstrafe bekam.[31] Je nach Quelle soll Araújo neun oder 29 Jahre im Gefängnis verbracht haben. Er war Führer der Colunas Negras und ein catequista, ein religiöser Lehrer.[32]

Siehe auch[Bearbeiten]

Reste eines japanischen Bunkers in Parlamento (1970)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schlacht um Timor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten]

  • Geoff Browne: Leggatt, Sir William Watt (Bill) (1894–1968). In: Australian Dictionary of Biography, Volume 15. Melbourne University Press, 2000, S. 77–79.
  • Bernard Callinan: Independent Company: The Australian Army in Portuguese Timor 1941–43. William Heinemann, London 1953, ISBN 0-85859-339-4.
  • Archie Campbell: The Double Reds of Timor. John Burridge Military Antiques, Swanbourne, Western Australia 1994, ISBN 0-646-25825-7.
  • Peter Dennis, et al: The Oxford Companion to Australian Military History, Second, Oxford University Press Australia & New Zealand, Melbourne 2008, ISBN 978-0-19-551784-2.
  • Colin Doig: A History of the 2nd Independent Company and 2/2 Commando Squadron. Selbstverlag, Perth, Western Australia 1986, ISBN 0-7316-0668-X.
  • Tom Frame, Baker, Kevin: Mutiny! Naval Insurrections in Australia and New Zealand. Allen & Unwin, St. Leonards, New South Wales 2000, ISBN 1-86508-351-8.
  • G. Hermon Gill: Royal Australian Navy 1939–1942, 1. Australian War Memorial, Canberra 1957.
  • Mac Grant: Reserve Commandos Inherit a Remarkable Legacy. In: Defence Reserves Support Council (Hrsg.): Defence Reserves Yearbook 2004–2005. , Canberra, Australian Capital Territory2005, S. 24–30.
  • Geoffrey C. Gunn: History of Timor. Technische Universität Lissabon (PDF-Datei; 805 kB)
  • Peter Henning: Doomed Battalion: The Australian 2/40th Battalion 1940–45. Mateship & Leadership in War & Captivity. Allen and Unwin, St Leonards 1995, ISBN 1-86373-763-4.
  • William Bradley Horton: Through the Eyes of Australians: The Timor Area in the Early Postwar Period. In: Ajitaiheiyotokyu. 12, 2009, S. 251–277.
  • George Rottman: World War II Pacific Island Guide: A Geo-Military Study. Greenwood Press, Westport 2002, ISBN 0-313-31395-4.
  • Tony Wheeler: East Timor. Lonely Planet Publications, 2004, ISBN 1-74059-644-7.
  • Ken White: Criado: A Story of East Timor. Indra Publishing, Briar Hill 2002, ISBN 0-9578735-4-9.
  • Lionel Wigmore: The Japanese Thrust. Australian War Memorial, Canberra 1957.
  • Christopher Wray: Timor 1942. Australian Commandos at War with the Japanese. Hutchinson Australia, Hawthorn, Victoria 1987, ISBN 0-09-157480-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gill: Royal Australian Navy 1939–1942. 1957, S. 473–474
  2. Gill: Royal Australian Navy 1939–1942. 1957, S. 496
  3. Henning: Doomed Battalion. 1995, S. 45
  4. Dennis: The Oxford Companion to Australian Military History. 2008, S. 529
  5. a b Fall of Timor. In: Australia’s War of 1939–1945. Australian Department of Veterans Affairs. 2005. Abgerufen am 16. Oktober 2013.
  6. Frédéric Durand: Three centuries of violence and struggle in East Timor (1726–2008), Online Encyclodpedia of Mass Violence
  7. Dennis: The Oxford Companion to Australian Military History. 2008, S. 529
  8. a b L. Klemen: The Japanese Invasion of Dutch West Timor Island, February 1942. 1999–2000. Abgerufen am 16. Oktober 2013.
  9. 2/4th Pioneer Battalion. Australian War Memorial. Abgerufen am 5. Januar 2010.
  10. Dennis: The Oxford Companion to Australian Military History. 2008, S. 25 und 529
  11. a b c d e Australian War Memorial Transcript
  12. 防衛研修所戦史室, 戦史叢書 蘭印攻略作戦, Tokyo: Asagumo-Shimbun, 1967 (Japanese official military history by National Institute for Defense Studies)
  13. a b Fighting in Timor, 1942. Australian War Memorial. 2005. Abgerufen am 16. Oktober 2013.
  14. Henning: Doomed Battalion. 1995, S. 95
  15. Callinan: Independent Company: The Australian Army in Portuguese Timor 1941–43. 1953
  16. Gordon Peake: Timor-Leste: Australia’s unpaid WW2 debt? The Interpreter, 17. Februar 2012
  17. a b c Dennis: The Oxford Companion to Australian Military History. 2008, S. 530
  18. a b Callinan: Independent Company: The Australian Army in Portuguese Timor 1941–43. 1953, S. xxviii
  19. David Ross. The Airways Museum & Civil Aviation Historical Society. Archiviert vom Original am 11.Februar 2010. Abgerufen am 5. Januar 2010.
  20. a b c d e f g h i j k l L. Klemen: The Fighting on the Portuguese East Timor Island, 1942. 2000. Abgerufen am 18. August 2008.
  21. Ian Hodges: 2002 History Conference – Remembering 1942. HMAS Armidale 1942, Australian War Memorial
  22. Rottmann: World War II Pacific Island Guide. 2002, Sp. 211
  23. HMAS Voyager (I). Royal Australian Navy. Abgerufen am 23. August 2008.
  24. Damien Peter Parer. Australian War Memorial. Abgerufen am 5. Januar 2010.
  25. Wheeler: East Timor. 2004, S. 152
  26. a b c d e f g h i j Gunn: History of Timor.
  27. Testimony Shows Comfort Women Were Forcibly Sent to Brothels, Donga, 23. April 2007
  28. Andrea K. Molnar: Died in the service of Portugal.
  29. L. Klemen: The fighting on Portuguese East Timor, 1942. In: The Netherlands East Indies 1941–1942. Abgerufen am 10. Februar 2011.
  30. A Short History of East Timor. Department of Defence. 2002. Archiviert vom Original am 3. Januar 2006. Abgerufen am 3. Januar 2007.
  31. José Ramos-Horta: Funu – Osttimors Freiheitskampf ist nicht vorbei! Ahriman, Freiburg 1997, ISBN 3-89484-556-2
  32. Ernest Patrick Chamberlain: Rebellion, Defeat and Exile: The 1959 Uprising in East Timor, 18. Juni 2009, S. 4, 78 f., 15, 16, 386
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