Schlacht von Dupplin Moor

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Schlacht von Dupplin Moor
Datum 10. August 1332 bis 11. August 1332
Ort Dupplin Moor, bei Scone
Ausgang Sieg der "Enterbten"
Konfliktparteien
Loyalisten des Hauses Bruce Royal coat of arms of Scotland.svg Partei der "Enterbten"
Befehlshaber
Domhnall, 8. Earl of Mar,
Robert Bruce
Edward Balliol,
Henry de Beaumont
Truppenstärke
einige Tausend einige Hundert bis maximal 3000
Verluste
sehr hoch 33(?), jedenfalls gering


Die Schlacht von Dupplin Moor wurde 1332 in Schottland zwischen den so genannten "Enterbten", einer von Edward Balliol geführten Gruppe von exilierten Engländern und Schotten, und Anhängern des schottischen Königs David II., Sohn von Robert the Bruce, ausgetragen. Es war die erste und zugleich eine der wichtigsten Schlachten des Zweiten Schottischen Unabhängigkeitskrieges.

Hintergrund[Bearbeiten]

Im Ersten Schottischen Unabhängigkeitskrieg hatte eine Koalition, geführt von Robert the Bruce in jahrelangen Auseinandersetzungen, die schließlich in die Schlacht von Bannockburn gipfelten, die Herrschaft des englischen Marionettenkönigs John Balliol gestürzt. Dessen Anhänger wurden schließlich aus Schottland vertrieben und ihre Ländereien neu verteilt, was ihnen die Bezeichnung „Die Enterbten“ (in englisch: The Disinherited) einbrachten. Robert the Bruce wurde zum neuen König Schottlands ernannt. Nach seinem Tod im Jahre 1329 folgte ihm sein erst vierjähriger Sohn David auf den Thron.

Im Jahre 1331 reifte bei vielen „Enterbten“, die im Exil in England oder Frankreich lebten, der Plan, die verlorenen Ländereien mit Waffengewalt zurückzuerobern. Sie beauftragten einen der ihrigen, Henry de Beaumont, einen erfahrenen Ritter, an Edward Balliol, Sohn des letzten „englischen“ Königs von Schottland und legitimer Nachfolger in den Augen der „Enterbten“, heranzutreten. Noch im Winter des gleichen Jahres konnte der hoch verschuldete Edward Balliol für diesen Plan gewonnen werden. Er verließ Frankreich und ließ sich für die Vorbereitung der Expedition zunächst in England im Standal Manor in Yorkshire nieder. Im Frühjahr 1332 hatten er und andere Vertreter der „Enterbten“ eine Unterredung mit dem jungen König Edward III., in dem sie ihm ihren Plan, eine private Armee aufzustellen und in Schottland einzufallen, darlegten. Edward gab ihnen seine Erlaubnis, bestand aber darauf, dass sie über das Meer nach Schottland gelangen sollten, damit der Angriff nicht als von England ausgehend interpretiert werden konnte. Zudem warnte er sie, dass er, sollten sie scheitern, gezwungen sein würde, mit allen rechtlichen Mitteln in England gegen sie vorzugehen, um keinen Krieg mit Schottland zu riskieren.

Im Sommer 1332 waren alle Vorbereitungen für die Expedition abgeschlossen. Die Größe der Truppe, die Balliol und Beaumont zusammenstellten, kann nicht genau angegeben werden, sie scheint aber nicht ganz unerheblich gewesen zu sein. In den Bridlington-Chroniken wird von 500 Gewappneten und 1000 Soldaten gesprochen; Henry Knighton gibt 300 Gewappnete und 3000 Soldaten an, während die Lanercost-Chroniken von insgesamt etwa 1500 bis 2800 Mann berichtet. Der moderne Historiker Sumption spricht von einigen Hundert Männern.[1] Alle Chroniken stimmen darüber ein, dass der größte Anteil der Soldaten aus Langbogenschützen bestand. Mitte Juli hatte Balliol eine Flotte versammelt, die auf das Auslaufen wartete. Zu diesem Zeitpunkt erreichte sie die Nachricht, dass Thomas Randolph, der Guardian of Scotland, am 20. Juli 1332 verstorben war.

Schlacht[Bearbeiten]

Am 31. Juli 1332 machte sich die Flotte der "Enterbten" aus den Häfen um Yorkshire auf den Weg nach Kinghorn in Fife, um die Bestimmung des Abkommens von Edinburgh und Northampton, das es englischen Schiffen verbot, den Tweed zu überqueren, zu umgehen. Von Kinghorn aus marschierten sie nach Dunfermline und dann weiter nach Perth. Am 10. August lagerten sie bei Forteviot, am Südufer des Earn, nur wenige Kilometer von ihrem Ziel entfernt. Nördlich vom Fluss hatte Domhnall, 8. Earl of Mar und neuer Regent Schottlands, sich mit einer wesentlich stärkeren Armee auf den Höhen von Dupplin Moor positioniert. Zudem erschien eine zweite schottische Armee, kommandiert von Patrick de Dunbar, die sich schnell dem Rücken der Armee der Enterbten näherte.

Angesichts dieser Übermacht überrascht es nicht, dass die Moral im Lager der Enterbten schnell sank. Nach Thomas Gray, waren viele der Lords so bestürzt von dieser Entwicklung, dass sie Henry Beaumont des Verrats bezichtigten. Beaumont, der der erfahrenste Soldat unter ihnen war, reagierte kühl und berechnend. Es war klar, dass man nicht darauf warten durfte, dass die beiden schottischen Armeen sich zusammenschlossen. Er entschied, dass man noch in dieser Nacht den Earn überschreiten und einen Überraschungsangriff auf die Armee bei Dupplin Moor starten sollte.

Auf der anderen Seite des Flussufers hatten die Schotten klare Sicht auf die kleine Armee der "Enterbten". Mar war sich seiner überlegenen Position und Truppenstärke so sicher, dass er nicht einmal Wachen für die Nacht aufstellen ließ. Seine Armee kampierte am 10. August an Ort und Stelle und vertrieb sich die Nacht mit Trinken. Um Mitternacht, unbemerkt von den zechenden Schotten, führte Alexander Mowbray eine kleine ausgewählte Truppe über eine nahegelegene Furt, die ihm ein Verräter aus dem schottischen Lager, Murray of Tullibardine, gezeigt hatte.

Nach der Überquerung der Furt führte Mowbray seine Männer die Anhöhe in Richtung Gask hoch, wo er unverzüglich den noch schlafenden Tross der schottischen Armee angriff, in der falschen Annahme, er griffe die Hauptstreitmacht selbst an. Er realisierte seinen Fehler erst im Morgengrauen des 11. August, allerdings hatte die Armee des Earls of Mar zu diesem Zeitpunkt bereits sicher den Earn überquert und sich in einer starken Verteidigungsposition auf etwa erhöhtem Boden in einem engen Tal aufgestellt. Angesichts der schnellen Näherkommens der zweiten schottischen Armee ließ Balliol seine Truppen in einem Viertelkreis aufstellen, wobei die Bogenschützen an beiden Flanken leicht nach vorne gerückt und die Gewappneten im Zentrum standen. Alle Truppen waren abgesessen, bis auf eine kleine Gruppe deutscher Söldner, die den Rücken deckte. Beaumont nutzte damit eine Taktik, die erstmals zehn Jahre zuvor bei der Schlacht von Boroughbridge erprobt worden war und mit der in den folgenden hundert Jahren die Engländer die Schlachtfelder Brittaniens und Westeuropas beherrschen sollten.

Die Schotten waren erbost über den nächtlichen Angriff der Engländer. Lord Robert Bruce, der illegitime Sohn des vorigen Königs, warf dem Earl of Mar Inkompetenz vor, die an Verrat grenze. Dieser verteidigte sich und schlug vor, wie damals der Earl of Gloucester bei Bannockburn, dem Vorwurf entgegenzutreten, indem er als erster in die Schlacht zog. Lord Bruce beanspruchte diese Ehre aber für sich selbst und beide gingen, gefolgt von ihren engsten Anhängern aufeinander los, wodurch die Armee kurzzeitig ohne jede Führung war. Während die beiden Anführer und ihre Gefolgschaft noch miteinander stritten, eröffneten die englischen Bogenschützen das Feuer. Wolken aus Pfeilen gingen in schneller Folge auf die nur leicht gepanzerten Schotten nieder. Bruces Truppen gingen daraufhin zum Angriff auf die Engländer vor und erreichten das englische Zentrum als erste, der Earl und seine Männer folgten mit einigem Abstand. Das Feuer der Bogenschützen war aber ununterbrochen, so dass sich die schottischen Flanken zusammenzogen und in einem dicht gedrängten Haufen standen. Durch die nachrückenden Männern des Earl of Mar wurden Bruce Truppen weiter nach vorne geschoben, ein Rückzug war in dem engen Tal nicht möglich. Der Zusammenprall der beiden schottischen Verbände war so heftig, dass dabei viele Soldaten zerquetscht wurden.

Der Chronist John Capgrave beschrieb das Blutbad von Dupplin Moor mit folgenden Worten:

„In this battle [...] more were slain by the Scots themselves than by the English. For rushing forward on each other, each crushed his neighbour, and for every one fallen there fell a second, and then a third fell, and those who were behind pressing forward and hastening to the fight, the whole army became a heap of the slain.“

„In dieser Schlacht [...] töteten sich mehr Schotten gegenseitig als durch die Engländer. Beim Vorstürmen stieß jeder an seinen Nachbarn und für jeden der fiel, fiel ein Zweiter und dann fiel ein Dritter, und die von hinten zum Kampf Heraneilenden stießen gegen die Vorderen, worauf die ganze Armee zu einem Haufen von Erschlagenen wurde.“

John Capgrave

Die Leiber der Schotten waren angeblich so hoch gestapelt, dass sie die Höhe eines Speers erreichten. Die Engländer umzingelten den blutigen Haufen und stießen mit ihren Speeren und Schwertern hinein, so dass niemand lebendig wieder heraus kam. Die Verluste der Schotten waren enorm. Der Earl of Mar und Bruce wurden getötet, sowie Thomas Randolph, 2. Earl of Moray, Murdoch III., Earl of Menteith und Alexander Fraser, der High Chamberlain Schottlands. Die genaue Zahl der Toten ist unbekannt, aber die Schätzungen reichen von 2000 bis 13.000. Die Engländer erlitten nur geringe Verluste, insgesamt nicht mehr als 33 Ritter und Gewappnete. Der Earl of Fife, Donnchadh IV. versuchte die Überlebenden der Armee in einen geordneten Rückzug zu führen, aber Beaumont und andere bestiegen ihre Pferde und setzten zur Verfolgung an. Viele der dem Gemetzel Entkommenen wurden so schließlich noch von der englischen Kavallerie niedergemacht.

Folgen[Bearbeiten]

Die Schlacht von Dupplin Moore war die schlimmste schottische Niederlage seit der Schlacht von Falkirk 34 Jahre zuvor. Die Folgen waren vor allem für die Moral auf schottischer Seite verheerend. So verfolgte die zweite schottische Armee unter Dunbar die "Enterbten" noch einige Zeit, löste sich aber bald von selbst auf. Einige Wochen später wurde Edward Balliol bei Scone zum Schottischen König gekrönt. Er blieb aber weiterhin isoliert in einem feindlichen Schottland und zog sich mit seinen Truppen nach Galloway, seinen ehemaligen Ländereien in Schottland, wo er als einziges einige Unterstützung erhoffen konnte, zurück. Im Dezember wurde er bei der Schlacht von Annan von einer Gruppe von Anhängern der Bruce nachts überrascht und entkam mit knapper Not halbnackt zu Pferd über die englische Grenze. Damit war klar, dass alle zukünftige Versuche, die schottische Herrschaft an sich zu reißen, nur mit Unterstützung des englischen Königs möglich sein würden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. Sumption: The Hundred Years War. Volume 1. Trial by Battle. 1990, S. 125.

Literatur[Bearbeiten]

  • T. Campbell: England, Scotland and the Hundred Years War. In: J. Hale u. a. (Hrsg.): Europe in the Late Middle Ages. Faber and Faber, London 1970, ISBN 0-571-09413-9.
  • Ranald Nicholson: Edward III and the Scots. The Formative Years of a Military Career 1327-1335. Oxford University Press, Oxford 1965.
  • Chris Brown: The Second Scottish war of Independence 1332-1363. Tempus, Charleston 2006, ISBN 0-7524-3812-3.
  • Michael Brown: The Black Douglases. Tuckwell Press, East Linton 1999, ISBN 1-86232-036-5.
  • Sir Charles William Chadwick Oman: The Art of War in the Middle Ages, A.D. 378-1515. Blackwell, Oxford 1885. (online) (PDF; 8,6 MB)
  • Sir James Henry Ramsay: The genesis of Lancaster or, The three reigns of Edward II, Edward III, and Richard II, 1307-1399. Clarendon Press, Oxford 1913.
  • R. C. Reid: Edward de Balliol. In: transactions of the Dumfriesshire and Galloway Antiquarian and Natural History Society. 3rd series, vol. 35, 1956–57.
  • Jonathan Sumption: The Hundred Years War. Volume 1: Trial by Battle. Faber and Faber, London 1990, ISBN 0-571-20095-8, S. 125–126.

Weblinks[Bearbeiten]