Schlacht von Erastfer

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Schlacht von Erastfer
Mitrophan Grekov 06.jpg
Datum 29. Dezember 1701
Ort Erastfer (Erastvere), schwedisch Livland
Ausgang Sieg der Russen
Konfliktparteien
Schweden 1650Schweden Schweden Russland Zarentum 1699Zarentum Russland Russland
Befehlshaber
Schweden 1650Schweden Wolmar von Schlippenbach Russland Zarentum 1699Zarentum Russland Boris Scheremetew
Truppenstärke
2.200 Mann 12.000 Mann
Verluste
1.000 Tote
350 Gefangene
3.000 Tote

Die Schlacht von Erastfer war eine Schlacht des Großen Nordischen Krieges. Sie fand am 29. Dezember 1701 zwischen den Armeen des schwedischen Königs Karl XII. und der Armee des Zaren von Russland Peter dem Großen statt. Erastfer (Erastvere) liegt im damals schwedischen Livland, heute in Estland.

Die Beteiligten[Bearbeiten]

Feldmarschall Boris Petrowitsch Scheremetew

Die russische Armee wurde von Feldmarschall Scheremetew angeführt. Die schwedische Armee kommandierte der Generalmajor von Schlippenbach.

Im Vorfeld der Schlacht[Bearbeiten]

Die schwedischen Besitzungen im Baltikum

Nach dem misslungen Versuch sich in Kurland festzusetzen, verhielt sich der Zar eine Zeit lang ruhig und wartete auf eine Gelegenheit die Schweden in ein Gefecht zu verwickeln, welches er auch gewinnen könnte. Diese Möglichkeit bot sich ihm im Dezember 1701.

Anstatt dass General von Schlippenbach seine Streitmacht so zusammenzuhielt, dass sie jederzeit gegen den Feind hätten geführt werden können, stellte er seine Truppen auf einer Linie von vier Meilen auf. Sein Hauptquartier befand sich bei Erastfer, zwei Stunden hinter Dorpat. Als ihm das Anrücken der Russen übermittelt wurde, saß er gemeinsam mit seiner Frau und den beiden Töchtern zu Tisch. Ihm war sofort klar, dass er nicht alle seine Truppen rechtzeitig zusammenziehen konnte.

Peter I. sandte von Pleskow aus den General Scheremetew mit 20.000 Mann über das Eis des zugefrorenen Peipussee, um die Schweden, die das Weihnachtsfest feierten, zu vernichten. Die Infanterie und 30 Geschütze wurden auf 2.000 Schlitten transportiert.

Die Schlacht[Bearbeiten]

Die Kunde vom Anmarsch der Russen gelangte über versprengte Vorposten ins Hauptquartier. Unter den größten Anstrengungen wurden einige wenige Truppen zusammengezogen: die Bataillone der Regimenter von Liewens, Skylte und Stackelbergs, außerdem die Reiterregimenter Äbo und Esthland und den karelischen Dragonern.

Mit diesen nicht einmal 2.000 Mann ging man der russischen Streitmacht entgegen. Nur mit viel Glück konnten die Vorposten eine Invasion verhindern. Bei Kamar (Kaagna) traf man auf die 12.000 Mann starke Avantgarde der Russen.[1] Kaum hatte der Kampf begonnen waren die einzelnen schwedischen Kolonnen von den Russen umgeben und abgeschnitten. Von Schlippenbach war gezwungen den Rückzug anzutreten. Als erstes sollte die Infanterie das Schlachtfeld verlassen. Die Kavallerieregimenter sollten den Rückzug decken. Diese waren mit vielen neuen Soldaten, unerfahrenen Rekruten, aufgefüllt worden. Besonders die Regimenter Äbo und Karelien ergriff ein panischer Schrecken als sie die Infanterie im Rückgang sahen. Sie glaubten die Schlacht sei verloren.

Die Offiziere versuchten ihre Reiter zur Ordnung zu bringen aber diese stürzten in die Reihen der im Rückzug begriffenen Infanterie. Die Infanterie wurde vom Gros der Kavallerie im Gefecht allein gelassen, nur ein paar Dragoner unter dem Befehl der Majore Horn und Lewenhaupt blieben zur Deckung des Rückzuges zurück. Major Horn wurde drei Mal verwundet und musste vom Kampfplatz getragen werden. Die Infanterie kämpfte bis zuletzt, und als die Soldaten keine Rettung mehr sahen, zerrissen sie ihre Fahnen selbst, nur damit sie der Feind nicht in die Hände bekommt.

Fast die gesamte Infanterie wurde auf dem Schlachtfeld getötet. Nur zwei Soldaten und mehrere Offiziere entkamen. Unter ihnen von Schlippenbach und von Liewen. Der Verlust an Toten und Vermissten belief sich auf schwedischer Seite auf mindestens 1.200 Mann, während die Russen mindestens 3.000 Mann verloren. Die Kanonen der Schweden fielen den Russen in die Hände.

Die Infanterie hatte so energisch gekämpft, dass die Russen keine Kräfte mehr hatten um die restlichen Schweden zu verfolgen. Der General von Schlippenbach sammelte sie in der Nähe von Sagnitz.

Die Folgen[Bearbeiten]

Peter I. bewertete den Gewinn dieser Schlacht als moralisch sehr wichtig. Seine Truppen hatten bisher mit Ehrfurcht und Angst gegen die Schweden gekämpft. Mit diesem Sieg erkannten die russischen Soldaten, dass man die Schweden besiegen konnte. Die Verluste waren eher gering. Er ließ Belohnungen an die tapfersten Soldaten verteilen. Des Weiteren ernannte er Scheremetew zum Feldmarschall und Ritter des Andreasordens.[2]

Damit die quantitative Überlegenheit der russischen Truppen in diesem Gefecht (ein Schwede zu sechs Russen) nicht als ausschlaggebender Punkt angesehen wurde, behauptete man russischerseits, dass die Russen nur doppelt so stark waren. Gottlob!!, sagte der Zar nun haben wir es so weit gebracht, dass zwei Russen einen Schweden schlagen können. Noch einige Jahre, und wir werden Mann gegen Mann mit ihnen kämpfen können.

Die erlittene Niederlage machte besonders den Livländern zu schaffen. Sie mussten einsehen, dass mit so wenigen Soldaten der russischen Übermacht nicht beizustehen war. Außerdem litt das Selbstvertrauen der schwedischen Truppen auf ihre eigene Überlegenheit sehr stark.

Literatur[Bearbeiten]

  • Anders Fryxell: Lebensgeschichte Karl's des Zwölften, Königs von Schweden. Band 1, Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig 1861.
  • Andreas Fryxell, Anton von Etzel: Geschichte Karl des Zwölften. G. Senf`s Buchhandlung, Leipzig 1865.
  • Dr. phil. A. von Richter: Geschichte der dem russischen Kaiserthum einverleibten deutschen Ostseeprovinzen bis zu ihrer Vereinigung mit demselben Band 2, Verlag von Nicolai Kymmel´s Buchhandlung, Riga 1858

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Anders Fryxell: Lebensgeschichte Karl's des Zwölften, Königs von Schweden. Band 1, Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig 1861, S. 7
  2. Dr. phil. A. von Richter: Geschichte der dem russischen Kaiserthum einverleibten deutschen Ostseeprovinzen bis zu ihrer Vereinigung mit demselben Band 2, Verlag von Nicolai Kymmel´s Buchhandlung, Riga 1858, S. 80