Schlacht von Gallipoli

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Schlacht von Gallipoli
Oben: Mustafa Kemal mit seinem Stab bei AnafartalarMitte: Kriegsschiffe der Triple Entente verlassen die Dardanellen;Anzacs auf den Hügeln GallipolisUnten: Osmanische Soldaten an der Front;Anzacs bei der Landung in Gallipoli
Oben: Mustafa Kemal mit seinem Stab bei Anafartalar
Mitte: Kriegsschiffe der Triple Entente verlassen die Dardanellen;
Anzacs auf den Hügeln Gallipolis
Unten: Osmanische Soldaten an der Front;
Anzacs bei der Landung in Gallipoli
Datum 19. Februar 1915 bis 9. Januar 1916
Ort Gallipoli, Türkei
Ausgang Sieg des Osmanischen Reiches
Konfliktparteien
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Britisches Weltreich

FrankreichFrankreich Frankreich

Osmanisches Reich 1844Osmanisches Reich Osmanisches Reich
Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Kaiserreich
Flag of Austria-Hungary (1869-1918).svg Österreich-Ungarn[1]
Befehlshaber
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Ian Hamilton,
ab 14. Oktober:
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Charles Monro
Osmanisches Reich 1844Osmanisches Reich Enver Pascha
Truppenstärke
Flag of the United Kingdom.svg Britisches Weltreich: 469.000 Soldaten[2][3]

Flag of France.svg Frankreich: 79.000[3]

11 Kriegsschiffe

Osmanisches Reich 1844Osmanisches Reich Osmanisches Reich:
315.500 Soldaten[3] (darunter 500 bis 3000 deutsche Soldaten[4])
2 Kriegsschiffe Goeben und Breslau
Verluste
44.072 tote Soldaten;
97.037 Verwundete;
6 Kriegsschiffe[5]
57.263 tote Soldaten;
156.619 Verwundete[6]

Die Schlacht von Gallipoli wurde während des Ersten Weltkriegs auf der türkischen Halbinsel Gallipoli ausgetragen. Die Entente-Mächte wollten in einer gemeinsamen Operation die Halbinsel besetzen und sie als Ausgangsbasis für die Eroberung der osmanischen Hauptstadt Konstantinopel nutzen, scheiterten jedoch an den Verteidigern. Beide Seiten verloren insgesamt schätzungsweise 350.000 Mann (100.000 Tote und 250.000 Verwundete), was fast der Hälfte der zum Einsatz gekommenen Soldaten entspricht. In der Türkei nennt man die Operation nach der Provinz Çanakkale Çanakkale Savaşı („Krieg von Tschanakkale“). Im englischen Sprachraum ist sie als Dardanelles Campaign oder Gallipoli Campaign („Dardanellen-“ bzw. „Gallipolifeldzug“) bekannt.

Die über 100.000 Gefallenen liegen auf mehreren Soldatenfriedhöfen.[7]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Der vernachlässigte und desorganisierte Zustand der osmanischen Armee und Marine nach den Balkankriegen hatte 1913 die Berufung einer deutschen Militärmission mit weitgehenden Befugnissen unter Liman von Sanders zur Folge, welche aber andererseits eine erhöhte Wachsamkeit und Bereitschaft zum Eingreifen der Triple Entente bewirkte. Zwar wahrte das Osmanische Reich bis in den Hochsommer 1914 noch seine Neutralität, geriet aber immer enger in Bindung zu den Mittelmächten. Zu Kriegsbeginn hatte England am 1. August 1914 zwei von der Türkei in England in Auftrag gegebene und bereits bezahlte osmanische Schlachtschiffe konfisziert, was allgemeine Entrüstung im Osmanischen Reich hervorrief. Am 2. August hatten Großwesir Said Halim und Kriegsminister Enver einen Geheimvertrag mit dem Deutschen Reich abgeschlossen, am 10. August waren der deutsche Schlachtkreuzer SMS Goeben und der Kleine Kreuzer SMS Breslau unter Konteradmiral Wilhelm Souchon nach scharfer Verfolgungsjagd durch die britische Royal Navy in den Dardanellen eingetroffen. Am 12. August wurden sie nominell dem Sultan übergeben und in Yavuz Sultan Selim und Midilli umbenannt, drei Tage später beendete die osmanische Regierung die britische Marinemission unter Admiral Limpus und wies am 15. September alle britischen Offiziere aus. Mit deutscher Hilfe sollten nun die Dardanellen befestigt und der Bosporus durch die Yavuz Sultan Selim gegen Russland gesichert werden. Am 27. September 1914 wurden offiziell die Meerengen für die internationale Schifffahrt gesperrt. Da die kaiserlich-deutsche Marine die Ostsee blockierte, waren die Seeverbindungen Russlands zu den westlichen Alliierten weitgehend unterbrochen. Die Meerengen Bosporus und Dardanellen – der einzige Weg zum Schwarzen Meer – wurden nun wirksam vom Osmanischen Reich kontrolliert, so dass Waffenlieferungen der Westalliierten über den Seeweg kaum durchführbar waren.

Am 29. Oktober 1914 griff die unter osmanischer Flagge fahrende Flotte unter Admiral Souchon im Schwarzen Meer russische Hafenstädte an. Fast zeitgleich beschoss die Royal Navy aus dem Hafen von Smyrna (dem heutigen Izmir) laufende türkische Handelsschiffe. Daraufhin erklärte am 12. November 1914 die osmanische Regierung der Triple Entente den Krieg.

Karte der Dardanellen

Gegen Ende des Jahres 1914 waren die Fronten in Belgien und Frankreich erstarrt. Die Kontrahenten überlegten deshalb, anderswo die Entscheidung zu suchen. Die Triple Entente hoffte, dass ein direkter Angriff auf das Osmanische Reich die Griechen und Bulgaren zu einem Kriegseintritt auf Seiten der Alliierten bewegen könnte. Einige Zeitgenossen glaubten sogar, dass im Falle eines Sieges die Türkei als Verbündeter der Mittelmächte aus dem Krieg ausscheiden würde.

Ein bereits im November 1914 von einem französischen Minister vorgeschlagener Angriff fand noch keine weitreichende Unterstützung. Wenig später legte der Erste Lord der Admiralität, Winston Churchill, seine Pläne für einen Seeangriff auf die Dardanellen vor. Am 16. Februar 1915 beschlossen die Briten erstmals, ein großes Landungsunternehmen durchzuführen. Kriegsminister Lord Kitchener ernannte General Sir Ian Hamilton zum Oberbefehlshaber der Expeditionsarmee, welche die Operation ausführen sollte.

Seeangriffe[Bearbeiten]

Die Irresistible sinkt

Am 19. Februar 1915 griff ein Verband britischer und französischer Schiffe einige türkische Artilleriestellungen entlang der Küste der Dardanellen an. An dieser ersten Attacke war auch das britische Schlachtschiff Queen Elizabeth beteiligt.

Der alliierte Vorstoß hatte unter anderem zur Folge, dass Bulgarien alle Verhandlungen mit Deutschland unterbrach. Griechenland bot seine Unterstützung an und Italien machte den Anschein, dass es bald auf alliierter Seite in den Krieg eintreten könnte. Trotz dieser für die Alliierten positiven politischen Nachwirkungen war das Unternehmen in militärischer Hinsicht weniger erfolgreich.

Ein weiterer Vorstoß erfolgte am 18. März. Eine Flotte, die aus einem britischen Schlachtschiff, einem Schlachtkreuzer, sowie zwölf britischen und vier französischen Linienschiffen bestand, zerstörte mehrere türkische Artilleriegeschütze. Auf ihrem Rückweg wurden jedoch zahlreiche Schiffe durch ein Minenfeld, das von dem türkischen Minenleger Nusret ausgelegt worden war, versenkt oder beschädigt. Die Irresistible, die Ocean sowie die französische Bouvet sanken. Der Schlachtkreuzer Inflexible und die französischen Linienschiffe Le Suffren und Gaulois wurden stark beschädigt.

Dieses Desaster veranlasste den britischen Kriegsrat, alle Seeangriffe einstellen zu lassen. Winston Churchill, der sich für die Operation starkgemacht hatte, musste zurücktreten.

Nach Ende der Seeangriffe wurden die türkischen Truppen um einige Elite-Divisionen aufgestockt und unter die Leitung von Vehip Pascha und des deutschen Generals Otto Liman von Sanders gestellt.

Invasion[Bearbeiten]

Alliierte Truppen gehen an Land

Nach dem Misserfolg der Seeangriffe waren die Alliierten der Ansicht, dass nur noch Landstreitkräfte die türkischen Artilleriestellungen ausschalten konnten.

Zu Beginn des Jahres 1915 wurden australische und neuseeländische Freiwilligenverbände nach Ägypten verschifft. Diese Infanterieeinheiten formierte man zum 30.000 Mann starken Australian and New Zealand Army Corps (ANZAC) unter dem Kommando von General William Birdwood. Dieses bestand aus der New Zealand and Australian Division unter Major General Alexander Godley sowie der 1. australischen Division unter Major General W. T. Bridges. Außerdem standen General Hamilton noch die 17.000 Mann starke 29. britische Division, die Royal Naval Division und das französische Corps expéditionnaire d'Orient zur Verfügung.

Der Gegner war die 84.000 Mann starke 5. türkische Armee, die beide Küstenabschnitte der Dardanellen zu verteidigen hatte. In Bolayır stationierte man die 5. und 7. Division. Am Kap Helles, an der Spitze der Halbinsel gelegen, stand die 9. Division. Die von Mustafa Kemal geführte 19. Division befand sich als Reserveeinheit in Gaba Tepe. In Kumkale, auf dem asiatischen Festland, lagen die 3. und 11. Division.

Die Invasion begann am 25. April 1915. Nach einem gewaltigen Bombardement durch alliierte Schiffsartillerie setzte man die 29. Division bei Helles an der Spitze der Halbinsel ab. Das ANZAC landete zur selben Zeit im Norden von Ari Burnu, von wo aus es die türkischen Verstärkungstruppen aus Kilitbahir stören sollte. Die Franzosen unternahmen mit 16.000 Soldaten eine Scheinlandung in Kumkale, um die Verteidiger abzulenken.

ANZAC[Bearbeiten]

Verwundete ANZAC-Soldaten werden versorgt

Die 3. Brigade der 1. australischen Division begann, im Morgengrauen um 4.30 Uhr an Land zu gehen. Die beabsichtigte Landezone war etwas nördlich von Gaba Tepe und wurde offiziell als Z-Strand bezeichnet. Die Landung missglückte jedoch, und die Soldaten wurden bei Ari Burnu ausgeladen.

Der Strand der Landezone war schmal und wurde von hochansteigenden zerklüfteten Felsen gesäumt, was eine schnelle Vorwärtsbewegung der australischen Einheiten erschwerte. Der Kommandeur der 19. türkischen Division, Mustafa Kemal, erkannte die Situation und setzte sofort seine Verstärkungstruppen in Bewegung.

Kurz danach kämpfte man um den Hügel Baby 700, der abwechselnd von den Türken und dann wieder von den Australiern eingenommen wurde. Schließlich konnten die türkischen Truppen den Hügel endgültig besetzen, da sie den Vorteil hatten, aus einer höheren Kampfposition anzugreifen. Nachdem der Vorstoß des ANZAC gebremst war, führten die Türken – obwohl in der Minderzahl – einen Gegenschlag mit dem Ziel, die Alliierten auf die Strände zurückzuwerfen. Dieser Gegenangriff misslang jedoch. Beide Parteien verschanzten sich, so dass in einem Grabenkrieg bis Ende August eine blutige Pattsituation bestand.

Noch heute wird in Neuseeland und Australien der Toten gedacht. Der ANZAC Day wird jeweils am 25. April begangen und ist in Australien, Neuseeland und auf Tonga ein Feiertag.

Eles Burnu[Bearbeiten]

Hauptartikel: Landung am Kap Helles
Die Royal Naval Division verlässt die Gräben zu einem Bajonettangriff

Die 29. britische Division unter der Leitung von Major General Aylmer Hunter-Weston führte die Landung am Eles Burnu durch. Der Landabschnitt war von Ost nach West in die fünf Strandabschnitte S, V, W, X und Y eingeteilt.

An der äußersten Spitze von Gallipoli, wo die Abschnitte S, X und Y lagen, gab es nur geringen Widerstand. Der Kommandant der Landungswelle am Y-Strand (Sighin-Dere-Mündung) konnte an diesem Tag in die Nähe des verlassenen Dorfs Krithia vorstoßen. Als wenig später türkische Verstärkung nahte, wurde der Strand aufgegeben.

Die Hauptlandungen wurden am V-Strand bei der alten Festung Sedd-ül-Bahr und am W-Strand durchgeführt.

Am V-Strand setzte das umgebaute Kohlenschiff River Clyde das Hampshire-Regiment und die Royal Munster Fusiliers unterhalb der Festung ab. Die Soldaten konnten über Rampen direkt auf den Strand abgesetzt werden. Diese Soldaten, die nacheinander ohne Deckung aus der River Clyde strömten, waren dem türkischen Maschinengewehrfeuer aus der Sedd-ül-Bahr-Festung schutzlos ausgesetzt. Die Lancashire Fusiliers brachte man in offenen Booten an den W-Strand, der mit Stacheldraht gesichert war. An beiden Stränden war der Widerstand der türkischen Verteidiger ausgesprochen heftig, so dass die Briten schwerste Verluste erlitten.

Die Türken waren, wie bei der Landung des ANZAC, deutlich in der Minderzahl. Dennoch konnten sie nicht von den Briten überrannt werden und hielten ihre Stellungen. Lediglich am W-Strand überwältigten die Lancashire Fusiliers die türkischen Verteidiger unter schweren Opfern. 600 von insgesamt 1.000 britischen Soldaten wurden getötet. Die Bataillone am V-Strand hatten Verluste von bis zu 70 % hinzunehmen.

Die ersten Schlachten[Bearbeiten]

Ein französisches 75-mm-Geschütz während der 3. Schlacht um Krithia

Am 27. April unternahm Mustafa Kemal einen Versuch, die ANZAC-Truppen zurückzuschlagen. Der Angriff scheiterte mit hohen Verlusten auf Seiten der türkischen Angreifer durch das Eingreifen der alliierten Schiffsartillerie.

Am Tag darauf versuchten die Briten, nun von den Franzosen unterstützt, das von den Türken besetzte Krithia zu erobern. Die Angriffsplanung war jedoch unorganisiert und die Kommunikation zwischen den Truppenverbänden funktionierte nicht. Die Soldaten der 29. Division waren zudem noch von dem Kampf um die Festung Sedd-ül-Bahr erschöpft. Die Eroberung des Dorfes gelang nicht. Die alliierten Gräben lagen nach dem Angriff auf halbem Weg zwischen Krithia und der südlichen Landspitze der Insel. Die Kämpfe am Kap Helles gingen sofort in den Stellungskrieg über. In den Nächten vom 1. und 3. Mai schlugen die Alliierten alle türkischen Gegenangriffe zurück, obwohl diese sogar einmal die französischen Linien durchbrechen konnten.

Am 2. Mai griff das ANZAC an, um die Höhe Baby 700 zurückzuerobern. Die Truppen kamen nur unter hohen Verlusten vorwärts. Der Versuch, sich in einigen der neuen Positionen einzugraben, misslang und das ANZAC musste sich in der Nacht des 3. Mai wieder zurückziehen.

Zu Beginn der zweiten Schlacht um Krithia am 6. Mai beorderte General Hamilton die Verlegung zweier Brigaden vom ANZAC zur Helles-Front. Die nachfolgenden Angriffe scheiterten wieder unter hohen Verlusten.

Am 19. Mai führten die Türken einen Großangriff gegen das ANZAC durch. Mit einer Überzahl von 40.000 Türken sollten die 10.000 Australier und Neuseeländer überrannt werden. Der Angriff misslang unter hohen Verlusten. Am 24. Mai vereinbarten beide Seiten daher einen kurzzeitigen Waffenstillstand, um die Massen von Toten, die inzwischen im Niemandsland der Front lagen, zu begraben und damit einer Seuchengefahr vorzubeugen.

Das deutsche U-Boot U 21 unter Kapitänleutnant Otto Hersing versenkte am 25. Mai das britische Schlachtschiff Triumph vor Gaba Tepe und am 27. Mai das britische Schlachtschiff Majestic, welches Artillerieunterstützung auf Gallipoli gab.

Nach der dritten erfolglosen Schlacht um Krithia am 4. Juni gaben die Alliierten sämtliche Hoffnungen auf einen schnellen Durchbruch auf. Stattdessen konzentrierte man sich jetzt auf die langwierigen Grabenkämpfe, die jeweils nur wenige 100 Meter Gebietsgewinne brachten. Bei der dritten Schlacht um das Dorf verloren beide Seiten 25 % ihrer Streitkräfte. Die Briten hatten 4.500 Gefallene von insgesamt 20.000 Soldaten zu beklagen.

Im Juni landete die 52. Division auf Gallipoli als Verstärkung in der Schlussphase der Schlacht um Gully Ravine (28. Juni). Dabei gelang es den Briten, ihre Linien ein wenig nach vorn zu verlegen. In den Tagen vom 1. Juli bis zum 5. Juli führten die Türken eine Reihe von Gegenstößen durch, die jedoch nicht zum erhofften Erfolg führten.

Am 12. Juli erfolgte eine letzte britische Offensive am Eles Burnu gegen die türkischen Linien bei Achi Baba Nullah. Unter Verlusten von bis zu 30 % gelangen ihnen abermals keine entscheidenden Erfolge.

Augustoffensive[Bearbeiten]

Die misslungene Eroberung Krithias und die Rückschläge an der Eles Burnu-Front zwangen General Hamilton dazu, einen neuen Plan für die Dardanellenoperation auszuarbeiten, der schließlich zur Augustoffensive führte. Auf einen Beschluss des britischen Dardanellenkomitees landeten in der Nacht zum 6. August zwei neue Infanteriedivisionen in der Suvla-Bucht. Sie sollten zusammen mit dem ANZAC ausbrechen, weit in das Land hineinstoßen und das Kilid-Bahr-Plateau erreichen. Die weiteren Aktionen der 20.000 Mann starken Landungstruppe liefen jedoch nur sehr schleppend an, obwohl ihnen an dieser Stelle lediglich etwa 1.500 Türken unter der Führung des bayerischen Majors Willmer gegenüberstanden. Dieses „Anafarta Detachement“ bestand aus drei Infanteriebataillonen, einer Kompanie Pioniere, einer kleinen Kavallerieabteilung sowie einem Arbeitsbataillon. In Anbetracht der Kräfteverhältnisse an anderen Stellen eine relativ leichte Aufgabe für die Angreifer, die jedoch nicht erfüllt wurde. Der inkompetente Befehlshaber Generalleutnant Sir Frederick Stopford ließ seine Soldaten in ihren Stellungen ausharren, anstatt einen schnellen Vormarsch zu befehlen. Dies gab den Türken die Möglichkeit, weitere Divisionen zu dem Landungsabschnitt zu beordern und dann die günstigen Verteidigungsstellungen zu besetzen. Generalleutnant Stopford wurde daraufhin durch Generalmajor de Lisle ersetzt.

Dem Ausbruchsversuch des ANZAC ging ein Angriff auf die türkischen Gräben in Lone Pine voraus, der von den Infanteriebrigaden der 1. australischen Division durchgeführt wurde. Obwohl man dadurch leichte Gebietsgewinne errang, konnten die Hauptangriffsziele, die Eroberung von Chunuk Bair und Hügel 971, nicht erreicht werden.

Die Angriffe waren jeweils zu unkoordiniert und die vorrückenden Truppen kamen in den zerklüfteten Felsen nur schwer voran. Zudem funktionierte die Kommunikation zur eigenen Artillerie nicht, die entweder vorzeitig das Feuer einstellte oder sogar den eigenen Soldaten gefährlich wurde. Die Türken konnten nach den unabgestimmten Bombardements immer wieder rechtzeitig ihre Gräben besetzen und die Angreifer Welle für Welle mit MG-Salven niederstrecken.

Nur einige wenige Soldaten kamen in die Nähe der wichtigen Höhen, bis sie kurz darauf von türkischen Verbänden unter der Leitung von Mustafa Kemal vertrieben wurden.

Der letzte alliierte Versuch, das Kriegsglück zu wenden, erfolgte am 21. August mit den Angriffen auf Hügel 60 und den Scimitar-Hügel. Auch diese Operationen scheiterten am zähen Widerstand der Verteidiger, woraufhin es keine Hoffnung mehr gab, die Augustoffensive und somit auch die Schlacht um Gallipoli zu gewinnen.

Die verlustreiche Niederlage der Entente in der Augustoffensive hatte weitreichende Auswirkungen auf die Balkanstaaten. Das bislang zögerliche Bulgarien schlug sich nun auf die Seite der Mittelmächte, Griechenland und Rumänien blieben trotz ihrer feindlichen Einstellung neutral. Russland war damit von den Hilfslieferungen seiner westlichen Alliierten abgetrennt, die Türkei nach Westen hin gesichert und die Niederwerfung Serbiens begünstigt. Politisch wurde die panslawistische Linie des Zaren durch den Beitritt des von Russland mitgeschaffenen Bulgariens zu den Mittelmächten ad absurdum geführt.

Evakuierung[Bearbeiten]

Feldmarschall Kitchener und General Birdwood inspizieren die Front, Russell's Top, 15. November 1915

Die internationale Lage für die Entente verschlechterte sich mit dem Kriegseintritt Bulgariens auf Seiten der Mittelmächte am 14. Oktober 1915. Über den nach einem erfolgreichen Feldzug der Mittelmächte gegen Serbien direkt zur Türkei reichenden Landweg hätten die Mittelmächte starke Artillerie liefern können, der die Alliierten hoffnungslos unterlegen gewesen wären.

Am 14. Oktober wurde General Hamilton aufgrund der Fehlschläge durch Generalleutnant Sir Charles Monro ersetzt. Hamilton hatte sich zudem gegen die Möglichkeit einer Evakuierung ausgesprochen. Bereits zuvor waren Truppen der Alliierten auf den neuen Kriegsschauplatz Balkan statt zur Verstärkung nach Gallipoli beordert worden. Am 19. November beschloss Lord Kitchener nach einem Überblick über die Lage die Evakuierung.

Die Verschiffung der 14 Divisionen erwies sich wegen starker Stürme und Regenfälle als schwierig. Durch einsetzenden Schneefall und Frost erlitten viele Soldaten Erfrierungen.

Ironischerweise war die Evakuierung das erfolgreichste Unternehmen der Dardanellenoperation. Die am 18. Dezember durchgeführte Einschiffung wurde auf Grund des widrigen Wetters von den Türken zunächst nicht bemerkt. Erst zwei Tage später erkannten die türkischen Verteidiger die Situation und gingen sofort dazu über, die Einschiffungszonen mit einem gewaltigen Bombardement zu belegen. Bei der hektischen Flucht ließen die Alliierten zahlreiches Kriegsmaterial zurück.

Die Türken warfen nun einen Großteil ihrer Kräfte an die Eles Burnu-Front, wo sie den Alliierten mit ähnlich schweren Angriffen zusetzten. Das schlechte Wetter tat ein übriges; die niedrig gelegenen britischen Gräben wurden überflutet. Am 7. Januar 1916 entschlossen sich die Türken zu einem Angriff auf die Verteidigungslinien, da sie mit keinem großen Widerstand mehr rechneten. Die Briten wehrten sich jedoch erbittert. Die letzten Einheiten verließen Gallipoli am 9. Januar 1916.

Folgen[Bearbeiten]

Grabrede Atatürks anlässlich des Gedenktages der Toten dieser Schlacht:

„Diese Helden, die ihr Blut vergossen und ihr Leben ließen… nun liegt ihr in dem Boden eines freundlichen Landes. Darum ruhet in Frieden. Da gibt es keinen Unterschied zwischen den Johnnies und den Mehmets, dort wo sie Seite an Seite in diesem unserem Lande liegen… Ihr, die Mütter, die ihre Söhne aus weit entlegenen Ländern schickten, wischt weg eure Tränen. Eure Söhne liegen nun an unserer Brust und sind in Frieden. Ihr Leben in diesem Land verloren zu haben, machte sie genauso zu unseren Söhnen.“

Mustafa Kemal

Nach dem türkischen Sieg bei Gallipoli ging der Siegeszug der osmanischen Armeen weiter. In Mesopotamien wurde die britische Armee gezwungen, sich am 29. April 1916 bei Kut-el-Amara zu ergeben. Trotz massiver Überlegenheit benötigten die Briten drei Jahre, um Bagdad, Jerusalem und Damaskus zu erobern. Vom südlichen Palästina aus marschierten die Truppen des Osmanischen Reiches zur Sinai-Halbinsel, um den Sueskanal zu erobern. Im August schlugen die Briten diesen Vorstoß zurück, worauf die Alliierten wieder die Oberhand im Nahen Osten errangen.

Nach der Evakuierung formierte man die alliierten Verbände in Ägypten neu. Das ANZAC wurde umorganisiert; die Infanterie schickte man an die Westfront, während die leichte Kavallerie für Operationen in Palästina und Sinai eingeteilt wurde.

Für die Generäle Hamilton und Stopford stellte Gallipoli das Ende ihre Karriere dar. Hunter-Weston führte später sein VIII. Korps in der Somme-Schlacht. Mustafa Kemal, der sich als zuverlässiger und eigenständiger Truppenführer mehrfach bewährt hatte, legte mit der Schlacht um Gallipoli den Grundstein als Volksheld „Gazi Mustafa Kemal Pascha“ und sollte nach einem kometenhaften Aufstieg nach Kriegsende als Präsident der Türkei unter dem Namen Kemal Atatürk weltweit bekannt werden. Zunächst allerdings konnte Enver Pascha noch verhindern, dass der damals noch unbekannte Mustafa Kemal gefeiert wurde. Stattdessen ließ er sich selbst allen Ruhm zuschreiben. Dem Leiter der bewährten Militärreform, Liman von Sanders, wurde hingegen weder im Osmanischen Reich noch in Deutschland jemals eine dem Erfolg entsprechende Popularität zuteil.

Die Schlacht um Gallipoli war eine der blutigsten und brutalsten im Ersten Weltkrieg. Geradezu beispiellos war sie als Schlacht, in der eine Landarmee auf Dauer einem von Heer und Marine zusammen geführten Kampf standhalten konnte. Überliefert ist der Befehl Atatürks an seine Soldaten an einem Frontabschnitt, an dem diese wegen Munitionsmangels den Rückzug erwogen: Sie sollten unter allen Umständen ausharren und notfalls ihr Leben lassen, damit in der Zwischenzeit frische Kräfte herangeführt werden könnten. Gallipoli war aufgrund der hohen Opferzahlen ein Schock für Australien und Neuseeland. Es war der bislang größte Konflikt, in den diese beiden britischen Dominions verwickelt wurden. Neben der Schmach für die Entente zog die Niederlage auch Konfrontationen und Streitigkeiten auf politischer Ebene nach sich, die zum Rücktritt Churchills als Marineminister und zum Sturz der Regierung Asquith führten.

Verluste[Bearbeiten]

Verluste
Gefallene Verwundete Gesamtanzahl
Australien 8.709 19.441 28.150
Neuseeland 2.701 4.852 7.553
Großbritannien 21.255 52.230 73.485
Frankreich (geschätzt) 10.000 17.000 27.000
Indien 1.358 3.421 4.779
Neufundland 49 93 142
Entente 44.072 97.037 141.109
Osmanisches Reich 57.263[6] 156.619[6] 213.882[6]

Unter den bekannteren Persönlichkeiten, die in der Schlacht ums Leben kamen, befand sich der Physiker Henry Moseley. Der Dichter Rupert Brooke starb auf dem Weg zur Schlacht auf einem britischen Kriegsschiff an den Folgen einer Sepsis, verursacht durch einen Mückenstich.

Die Commonwealth War Graves Commission (CWGC) ist für die Kriegsgräber der Commonwealth-Truppen verantwortlich. Es gibt 31 CWGC-Friedhöfe auf Gallipoli; 6 am Kap Helles, 4 an der Suvla-Bucht und 21 bei den ehemaligen Stellungen des Anzac. Für viele Soldaten, die in Krankenhäusern oder auf See starben, gibt es keine Gräber. Diesen Soldaten sind verschiedene Gedenktafeln und Denkmäler gewidmet, von denen die britischen am Kap Helles, die australischen bei Lone Pine und die neuseeländischen bei Chunuk Bair stehen.

Ein französischer Soldatenfriedhof liegt in der Nähe des ehemaligen S-Strandes, wo sich auch die französischen Quartiere während der Schlacht befanden. Einen größeren türkischen Soldatenfriedhof gibt es nicht. Stattdessen hat man mehrere Denkmäler errichtet, von denen sich die wichtigsten an der Morto-Bucht, in der Nähe des früheren S-Strandes und am Chunuk Bair befinden.

Die Schlacht von Gallipoli in der Kultur[Bearbeiten]

Britisches Kriegsdenkmal

Die Schlacht von Gallipoli lieferte Stoff für mehrere Filme. Die australische Produktion Gallipoli des Regisseurs Peter Weir von 1981 schilderte die Schicksale zweier ANZAC-Soldaten in der Schlacht (einer davon gespielt von Mel Gibson) und sorgte in Australien für eine Welle patriotischer und auch anti-britischer Gefühle.

Der BBC-Fernsehfilm All the King’s Men (1999) schildert den Verlust der Sandringham-Kompanie.

Der türkische Filmregisseur Tolga Örnek drehte 2005 den Dokumentarfilm Gelibolu (engl. Gallipoli), der die Schlacht von beiden Seiten schildert.[8]

2012 drehte die türkische Regisseurin Yeşim Sezgin den Spielfilm Çanakkale 1915, der die Schlacht aus der Perspektive zweier osmanischer Soldaten zeigt.

Der BBC-Dokumentarfilm Gallipoli – Der Kampf um die Dardanellen aus dem Jahr 2005 (45 Minuten) zeigt die Geschichte des Kampfes und welche Lehren die Alliierten für den D-Day am 6. Juni 1944 aus der Schlacht von Gallipoli zogen.

Eric Bogles Lied And The Band Played Waltzing Matilda beschreibt die Schlacht aus der Sicht eines australischen Soldaten.

Auch die schwedische Power-Metal-Band Sabaton beschreibt die Schlacht in dem Lied Cliffs of Gallipoli auf dem Album The Art of War.

PJ Harveys Album Let England Shake aus dem Jahre 2011 beschreibt in mehreren Liedern die Schlacht. („Yet she and her longtime collaborators John Parish, Mick Harvey, and Flood travel to the Turkish battleground of Gallipoli for several of Let England Shake's songs, touching on the disastrous World War I naval strike that left more than 30,000 English soldiers dead.“)

Der 25. April, der Jahrestag der ersten Landung, wird in Australien und Neuseeland jedes Jahr als ANZAC Day begangen und gilt als wichtigster nationaler Feiertag.

Der 18. März, an dem die Türken endgültig die Invasoren besiegt hatten, wird in der Türkei als der „Tag der Gefallenen“ (tr: Şehitler günü) gefeiert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Robin Prior: Gallipoli. The end of the myth. Yale Univ. Press, New Haven 2009, ISBN 978-0-300-14995-1.
  • Heinz A. Richter: Der Krieg im Südosten. Band 1: Gallipoli 1915 Verlag Franz Philipp Rutzen, Ruhpolding 2014, ISBN 978-3-447-10118-9.
  • Victor Rudenno: Gallipoli. Attack from the sea. Yale Univ. Press, New Haven 2008, ISBN 978-0-300-12440-8.
  • Klaus Wolf: Gallipoli 1915. Das deutsch-türkische Militärbündnis im Ersten Weltkrieg. Report-Verlag, Sulzbach 2008, ISBN 978-3-932385-29-2 (Inhaltsverzeichnis).
  • Jenny Macleod: Gallipoli. Making history. Frank Cass, London 2004, ISBN 0-7146-5462-0.
  • Otto Liman von Sanders: Fünf Jahre Türkei. Scherl, Berlin 1920.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schlacht von Gallipoli – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Österreich-Ungarn stellte eine 15cm-Haubitzbatterie und eine 24cm-Mörserbatterie zur Verfügung. vgl. Bertrand Michael Buchmann: Österreich und das Osmanische Reich. Eine bilaterale Geschichte. wuv, Wien 1999, ISBN 3-85114-479-1, S. 262.
  2. Gallipoli 95th Anniversary (Australian Government – Department of Veteran's Affairs), S. 2 (PDF; 101 kB). Insgesamt setzte das Britische Weltreich 469.000 Soldaten in der Schlacht von Gallipoli ein. Die Truppenstärke, die sich zum selben Zeitpunkt auf der Halbinsel Gallipoli befand, betrug maximal 128.000.
  3. a b c Edward J. Erickson: Ordered to die: a history of the Ottoman army in the First World War. Greenwood Publishing, Westport, CT 2001, ISBN 0-313-31516-7, S. 94–95.
  4. Je nach Angaben und Zeitpunkt, direkter und indirekter Beteiligung – vgl.: David Leslie Hoggan: Meine Anmerkungen zu Deutschland. Der anglo-amerikanische Kreuzzugsgedanke im 20. Jahrhundert. Grabert, Tübingen 1990, ISBN 3-87847-103-3, S. 209; und Martin Gilbert (Hrsg.): The straits of war. Gallipoli remembered. Sutton, Stroud 2000, ISBN, S. 165; und Studia Troica. 15 (2005), ISSN 0942-7635, S. 185ff; und Klaus Wolf: Gallipoli 1915. Das deutsch-türkische Militärbündnis im Ersten Weltkrieg. Report Verlag, Sulzbach 2008, ISBN 978-3-932385-29-2; (Wolf schreibt von 530 deutschen Toten in Gallipoli).
  5. [1]
  6. a b c d Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatZekeriya Türkmen: ÇANAKKALE MUHARABELERİ’NDE TÜRK ORDUSUNUN KARA HAREKÂTINA DAİR KISA BİR DEĞERLENDİRME. Askerî tarih araştırmaları dergisi, August 2009, S. 96, abgerufen am 13. Dezember 2009 (PDF, türkisch).
  7. Cemetery LocationsThe War Graves Photographic Project
  8. Der Film Gelibolu in der The Internet Movie Database