Schlacht bei Sehestedt

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Schlacht bei Sehestedt
Datum 10. Dezember 1813
Ort Sehestedt in Holstein
Ausgang dänischer Sieg
Konfliktparteien
Flag of Denmark.svg Dänemark-Norwegen Flag of Sweden.svg Königreich Schweden
Russisches Kaiserreich 1721Russisches Kaiserreich Russland
Flag of the Kingdom of Prussia (1803-1892).svg Preußen
Befehlshaber
Friedrich von Hessen-Kassel Ludwig von Wallmoden-Gimborn
Truppenstärke
9500 Mann 5000 Mann (Schweden, Preußen und Russen)
Verluste
550 Tote und Verwundete Niederlagen 620 Tote und Verwundete
600 Gefangene

Die Schlacht bei Sehestedt fand im Verlauf des Sechsten Koalitionskrieges am 10. Dezember 1813 zwischen dänischen und schwedischen (mit preußischen sowie russischen Verbänden) Truppen in Sehestedt in Holstein statt.[1]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Als sich Dänemark im Dezember 1800 einem „Bewaffneten Neutralitätsbündnis“ (Russland, Schweden und Preußen) anschloss, wurden sie Opfer englischer Aggressionspolitik. England ließ Schiffe neutraler Staaten nicht passieren und beschlagnahmte oft dänische Handelsschiffe. Dänemark versuchte darauf, den internationalen Handel Englands zu schwächen, indem die Hansestädte Hamburg und Lübeck besetzt wurden. Als Reaktion dieser Besetzung nahm England Kopenhagen unter Feuer und zwang Dänemark zum Austritt aus dem „Bewaffneten Neutralitätsbündnis“, welches durch den Tod des russischen Zaren aufgelöst wurde. Dänemark wurde Teil des englisch-russischen Bündnisses, die Truppen aus Hamburg und Lübeck wurden abgezogen.[2]

Obwohl Dänemark im Vierten Koalitionskrieg (1806) neutral blieb, wurde es durch die von Napoleon verhängte Kontinentalsperre (Ausschluss von England aus dem europäischen Handel), der französischen Besetzung Hamburgs und den Tilsiter Frieden zwischen Russland und Frankreich gezwungen, sich dem Handelskrieg gegen England anzuschließen. England schwächte als Folge dessen Dänemark durch Ausrufung eine Handelssperre für französische und dänische Häfen. Durch weitere Besetzungen dänischer Inseln (z.B. Helgoland), wurde Dänemark immer mehr unter Druck gesetzt. Dänemark schloss ein militärisches Bündnis mit Napoleon – England reagierte schnell und beschlagnahmte 1.400 dänische Schiffe. Dänemark befand sich in der Krise, finanziell sowie politisch.

Als die napoleonischen Truppen Niederlagen einbüßten und der Ausgang der Völkerschlacht bei Leipzig (1813) den Untergang Napoleons (zu diesem Zeitpunkt Dänemarks einziger Verbündeter) herbeiführte, wurde Dänemarks Krise immer weiter verstärkt: Staatsbankrott, Kriegserklärungen Preußens und Russlands sowie die Versuche des neuen Königs, ein absolutistisches System einzuführen, ruinierten Dänemark.

Kronprinz Bernadotte von Schweden strebte nach der Völkerschlacht danach, Norwegen in Schleswig-Holstein zu erobern. Die Truppen Bernadottes wurden durch russische Soldaten verstärkt. Es bildete sich eine Armee aus Alliierten, welche über Hamburg nach Oldesloe marschierte, wo es zum ersten Gefecht zwischen Alliierten und Dänen kam. Die Dänen zogen sich weiter zurück und es kam am 6. Dezember 1813 zu einem zweiten Gefecht bei Bornhöved, bei welchem beide Parteien herbe Verluste erlitten. Die durch diese Schlacht gewonnene Zeit nutzten die Dänen um weiter zurückzuziehen. Über Kiel und Rendsburg zogen die dänischen Truppen nach Sehestedt.

Schlachtfeldgeographie[Bearbeiten]

Sehestedt ist ein kleiner Ort ca. 20 Kilometer westlich von Kiel. Die Landschaft ringsum den Ort hat sich in den letzten 170 Jahren wenig verändert. Auch damals haben die Knicks die Landschaft bestimmt. Die nachhaltigste Veränderung hat der Nord-Ostsee-Kanal bewirkt. Die Bedeutung Sehestedts für die damaligen Ereignisse erschließt sich dem Betrachter durch Einblicke auf die Karte. Sehestedt liegt auf einem sandigen Hochrücken der nach allen Seiten hin abfällt. Im Norden stößt der Wittensee mit seinen sumpfigen Ufern und vorgeschobenen Mooren, besonders dem Habyer Moor, an diesen Rücken heran. Im Osten und Süden fließt die alte Eider, die mit breiten Sumpfflächen an beiden Ufern den Verkehr auf Straßen und Brücken zwingt. So zieht sich die Straße, die von Westen von Rendsburg kommend durch Sehestedt läuft, auf einem etwa 1000 Meter breiten Höhenrücken nach Nordosten über Gettorf und weiter nach Kiel. Die alte Eider und der alte Eider-Kanal, der Vorläufer des heutigen Nord-Ostsee-Kanals, stellten im Süden das Haupthindernis für alle Bewegungen in Nord-Südrichtung dar. Die Landschaft unterstützte durch Bewuchs, durch Moore und Sumpf den Einsatz der Infanterie in der Verteidigung. Angreifende Infanterie, Kavallerie und Artillerie wurden in ihren Bewegungen und ihren Wirkungsmöglichkeiten stark eingeschränkt und auf das vorhandene Wegenetz gezwungen.

Verlauf der Schlacht[Bearbeiten]

General Wallmoden, der Truppenkommandant der Verbündeten, unterschätzte von Anfang an die dänischen Truppen von Prinz Friedrich von Hessen. Die Alliierten waren zwar zahlenmäßig überlegen, jedoch wurde der Kampfgeist und Disziplin der Dänen und Holsteiner unterschätzt. Im Folgenden ist das Gefecht des 10. Dezembers 1813 bei Sehestedt chronologisch beschrieben, um anschließend zu einer abschließenden These über den überraschenden Ausgang des Gefechtes zu kommen.

Da der dänische General Prinz Friedrich von Hessen vermutete, dass er und seine Truppen von den Alliierten eingekreist werden sollte, entschloss er sich, mit seinen Truppen von Kiel nördlich des Kanals auf Rendsburg vorzustoßen. Somit wurde in der Nacht zum 10. Dezember der Marschbefehl der Dänen für 3.00h gegeben. Durch den erschöpften Zustand der Truppen und vom Wetter und den Straßenverhältnissen gehemmt, erreichte die Spitze des Verbandes erst gegen 8.00h Holtsee.

General Dörnberg, Truppenanführer der Verbündeten, war unterdessen ebenfalls am Morgen des 10. Dezembers mit seinen Truppen aufgebrochen und eigentlich hätten die dänischen Truppen und das Korps Dörnberg schon auf der Straße Sehestedt-Holtsee aufeinanderstoßen müssen, wenn die Dänen schneller gewesen wären. Folglich trafen die Truppen am Wald bei Habye völlig unerwartet aufeinander, jedoch kam es vorerst nur zu kleinen Gefechten der dänischen Vorhut mit zwei Bataillonen der Alliierten. Dörnberg marschierte derweil nach Eckernförde, da er das dänische Vorgehen irrtümlich interpretiert hatten und trotz zu hörendem Gewehrfeuer, von Haby kommend, nicht Halt machte, sondern von dem Gedanken besessen war, die Dänen noch auf ihrem Abmarsch nach Eckernförde einzuholen.

Da die Brigade R.D.L. unter Dörnberg Sehestedt bei Tagesanbruch bereits durchzogen hatte, war Sehestedt weitgehend unbesetzt. Hinter dem Ortsausgang marschierte das Regiment auf. Die Vorhut der Alliierten stießen dort auf Patrouille der Dänen und gerieten in Gefangenschaft, da man aufgrund der Dunkelheit die Dänen nicht erkannt hatte. Zeitgleich traten zwischen Holtsee und Haby eine Brigade der Alliierten und die dänischen Vortruppen ins Gefecht.

Denkmal[Bearbeiten]

Zur Erinnerung an die Schlacht wurde nach fast neun Jahren ein Denkmal errichtet und am 28. Juni 1822 eingeweiht.[3] Das Gefecht ist ebenfalls nach wie vor alljährlicher Anlass dänischer Feiern.[4]

Der Obelisk steht mitten im Dorf (Nordseite) auf einem dreistufigen Sockel, der von zwölf kettenbehangenen Kanonen umgeben ist. An den vier Seiten sind Bronzeplatten eingelassen.

Die nach Süden gewandte Platte zeigt eine vergoldete Allegorie des Krieges, wohingegen auf der westlichen Seite die siegreichen Truppen und auf der östlichen Seite deren Kommandeure verewigt sind.

Literatur[Bearbeiten]

  • Smith, Digby: The Greenhill Napoleonic Wars Databook. Greenhill Books, 1998.
  • Fiebig, Eva S.: Die napoleonischen Kriege 1792-1814715, in: Nordelbische Militärgeschichte. Heere und Kriege in Schleswig, Holstein, Lauenburg, Eutin und Lübeck, 1623-1863/67, hg. von Eva S. Fiebig u. Jan Schlürmann, Husum: 2010, S. 433-494. ISBN 978-3-89876-317-2
  • Fiebig, Eva S.: Der Kosakenwinter – Die Besetzung der Herzogtümer durch die Nordarmee 1813/14, in: Der Kieler Frieden 1814, hrsg. von Sonja Kinzler, Neumünster/Hamburg 2013, S. 58-73.
  • K. Wachholz: Kriegsgeschichte Schleswig-Holstein. K. Wachholz, 1935; S. 81–83.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gefecht in Sehestedt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Google Books Johannes von Schröder und C. Fränckel: Topographie des Herzogthums Holstein, des Fürstenthums Lübeck und der freien und Hanse-Städte Hamburg und Lübeck, 1846; Band 2, S. 313
  2. http://www.geschichte-u-reenactment.de/index.php?page=Thread&threadID=1218
  3. http://www.sehestedt.de/die-gemeinde/denkmal-sehestedter-gefecht.html
  4. http://www.naturpark-huettenerberge.de/termine/termine-im-naturpark_terlink_index_23_1246941_3__detail.html

54.3666666666679.8166666666667Koordinaten: 54° 22′ 0″ N, 9° 49′ 0″ O