Schlacht von St. Mihiel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schlacht von St. Mihiel
US-Truppen kehren von der Schlacht zurück (September 1918)
US-Truppen kehren von der Schlacht zurück (September 1918)
Datum 12. September bis 15. September 1918
Ort Saint-Mihiel im Departement Meuse,
Frankreich
Ausgang Sieg der Alliierten
Konfliktparteien
Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Dritte Französische RepublikDritte Französische Republik Frankreich
Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich
Befehlshaber
Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten John J. Pershing
Ernest Blondat
Hunter Liggett
George Cameron
Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Georg von Marwitz
Georg Fuchs
Eduard von Below
Georg von Gayl
Truppenstärke
1. US-Armee mit 9 US-Divisionen und 4 unterstellten französischen Divisionen
insgesamt 660.000 Mann[1]
3.000 Geschütze
400 Panzer
1.400 Flugzeuge
8 Divisionen der Heeresgruppe Gallwitz,
eine k.u.k Division
Verluste
4.500 Gefallene,
2.500 Verwundete[2]
2.000 Gefallene,
5.500 Verwundete
ca. 15.000 Gefangene
ca. 450 Geschütze[3]

Die Schlacht von St. Mihiel war eine Schlacht des Ersten Weltkrieges, die zwischen dem 12. und 15. September 1918 stattfand. Beteiligte waren die American Expeditionary Forces (A.E.F.) mit Teilen französischer Truppen unter dem Kommando von John Pershing und deutschen Truppen auf der anderen Seite.

Es war die erste selbstständige Aktion des amerikanischen Expeditionskorps im Ersten Weltkrieg. Der neugegründete United States Army Air Service spielte eine bedeutende Rolle in dieser Schlacht. Von den US-Streitkräften wurden hier zum ersten Mal die Bezeichnungen D-Day und H-Hour verwendet.[4]

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Angriff bei Saint-Mihiel war Teil eines Planes von Pershing. Er beabsichtigte, den nach dieser Kleinstadt an der Maas benannten "Bogen von St. Mihiel" abzuklemmen und durch die deutschen Linien auf die Stadt Metz durchzubrechen. Vier Jahre lang hatten die Franzosen dies vergeblich versucht.

Vor der Schlacht von St. Mihiel waren die US-Truppen an verstreuten Orten der Front zur Unterstützung der Alliierten während der deutschen Offensiven des Jahres 1918 eingesetzt, zuletzt in der Zweiten Schlacht an der Marne im Juli. Erst Anfang August wurde das Hauptquartier der 1. US-Armee aktiviert.

Auf der Konferenz des alliierten Obersten Kriegsrats in Bombon am 24. Juli war die Offensive gegen den Frontvorsprung beschlossen worden. Pershings 1. US-Armee wurde dabei das II. französische Kolonialkorps unterstellt, zusätzlich zu ihren eigenen drei Korps. Bei einem weiteren Treffen im August wurde Pershing von Foch, dem alliierten Oberkommandierenden, angewiesen, seine Offensive auf die Bereinigung des Frontvorsprungs zu begrenzen, da eine Einnahme der starken Festung Metz wenig wahrscheinlich erschien und seine Truppen später anderweitig zum Einsatz kommen sollten.

Pershings Angriffsplan[Bearbeiten]

Der Hauptangriff Pershings war gegen die Südfront des Frontbogens gerichtet und sollte durch zwei amerikanische Korps zwischen Apremont und Pont-à-Mousson geführt werden. Auf dem rechten Flügel war das I. US-Korps (von rechts nach links mit der 82., 90., 5., und 2. Division in Front und der 78. Division in Reserve) zwischen Pont-à-Mousson an der Mosel nach Westen bis auf Limey angesetzt. Als operatives Angriffsziel war dem Kommandierenden General Hunter Liggett der Hauptangriff westlich des Priesterwaldes (Bois le Prêtre) in der Richtung auf Thiaucourt zugewiesen. Am linken Flügel hatte das IV. US-Korps (von rechts nach links mit der 89., 42., und 1. Division, sowie der 3. Division als Reserve) die deutsche Front an der Linie Limey - Seicheprey bis Marvoisin zu durchbrechen, als Ziel wurde dem Korpskommandanten General Joseph T. Dickman das Erreichen des Yron-Abschnittes bei Vigneulles-lès-Hattonchâtel zugewiesen um die Verbindung mit dem im Westen des Frontbogen angesetzten V. Korps herzustellen.

Major General George H. Cameron, Kommandierender General des V. US-Korps

Das V. US Korps unter Generalmajor George Cameron an der Westfront des Frontbogens hatte seine 4. Division am linken Flügel gegen Fresnes und die Combres-Höhe anzusetzen, im Zentrum führte die französische 15. Kolonial-Division ihren Stoß gegen die Maas-Höhen bei Les Esparges, während die 26. Division unter Generalmajor Clarence R. Edwards den Durchbruch nach Südosten auf Vigneulles erzwingen sollte. Die rechts anschließende 8. US-Brigade verstärkte die Reihen der südlicher stehenden französischen 2. Kavallerie-Division, die defensiv blieb, um die deutschen Kräfte auf sich zu ziehen. Nach Südwesten vorgelagert hatte das französische 2. Kolonial-Korps unter General Ernest Blondat ebenfalls in Verteidigung zu bleiben, sollte aber versuchen die deutschen Kräfte beidseitig von St. Mihiel festzuhalten. Rechts war die 39. Kolonial-Division vor St. Mihiel konzentriert, die französische 26. Division unter General Jean de Belenet hielt an der Südfront des Frontbogens die Verbindung zum benachbarten IV. US-Korps. Als Armeereserve standen General Pershing drei weitere Divisionen, die 35., 80. und 91. zur Verfügung.

Die Amerikaner mobilisierten für den Angriffsabschnitt 1481 Flugzeuge unter General William Mitchell, ausreichend die völlige Luftüberlegenheit zu erzwingen. Für den Bodenkampf waren insgesamt 419 Panzer zusammengezogen. Die 1. und 3. US Panzerbrigade unter Oberst George S. Patton und Daniel D. Pullen des A.E.F. Tankcorps wurde durch 144 französische Renault FT gebildet und war unter der Führung von Brigade-General Samuel D. Rockenbach in Bourg für den Angriff trainiert worden. Das 344. und 345. Bataillon stand im Verband des IV. Korps und operierte auf Thiaucourt. Der Angriff wurde mit 275 Tanks (216 Renauld FT und 35 Schneider CA1 und 24 mittlere St. Chamond) verstärkt, die aber unter der Leitung des französischen Brigade General Estienne und Lieutenant-Colonel Chanoine verblieben.[5]

Deutsche Verteidigung[Bearbeiten]

General der Infanterie Georg Fuchs

Die deutsche Verteidigung im hervorragenden Frontbogen oblag der "Armee-Abteilung C" unter Generalleutnant Fuchs, bestehend aus acht Divisionen und einer Brigade in der Front, sowie drei Divisionen in Reserve.

Der im Westen auf den Maas-Höhen zwischen Fresnes und Seuzey liegenden "Gruppe Combres" (Generalkommando V. A.K. unter General der Infanterie Eduard von Below), war die 8. und 13. Landwehr-Division, die k.u.k. 35. Infanterietruppen-Division, sowie dahinter als Reserve die 88. Division unterstellt.

Die im Frontvorsprung nach Südwesten bei St. Mihiel vorgeschobene "Gruppe Mihiel" (Generalkommando XII. (Königlich Sächsisches) Reserve-Korps) stand unter der Führung von Generalleutnant Max Leuthold, ihr war die die 5. Landwehr-Division und 192. Division in der Front, die 31. Division als Korpsreserve unterstellt.

Das Generalkommando 57 unter Generalleutnant von Hartz hatte am 8. Mai 1918 das XXXVIII. Reserve-Korps als "Gruppe Gorze" abgelöst, sie hielt den östlichen Teil des Frontbogens und das Hinterland bis zur Mosel, ihr unterstellt waren die 10. Division, die 77. Reserve-Division und beidseitig der Mosel angelehnt die 255. Division. Als Armeereserve fungierte dahinter an der sogenannten "Michael-Stellung" die 107. und 123. Division.[6]

Verlauf[Bearbeiten]

Skizze der Schlacht
Der Kampfraum der k.u.k. 35. Infanteriedivision im Abschnitt der "Korpsgruppe Combres" (Generalkommando V. A.K.)

Der Angriff begann um 5:00 Uhr am 12. September nach einem vierstündigen heftigen Vorbereitungsfeuer. Er traf die deutschen Truppen mitten in den Vorbereitungen der sogenannten Loki-Bewegung, der bereits angeordneten Rückwärtsbewegung auf die Sehnenstellung des Frontbogens. Der bevorstehende Angriff war durch General von Gallwitz, dem Oberbefehlshaber der übergeordneten Heeresgruppe bereits richtig erkannt worden. Die bereits im Abbau befindliche deutsche Artillerie an der Südfront des Frontbogens verhinderte die wirksame Bekämpfung der starken amerikanischen Panzerverbände. Den Amerikanern war dadurch ein außergewöhnlicher und schneller Erfolg beschieden. Der Abschnitt der deutschen 77. Reserve-Division wurde zwischen Richecourt bis Regnieville durch starken Infanterie- und Panzerkräfte durchstoßen. Die stark aus Lothringern zusammengesetzte Division, zeigte wenig Standfestigkeit und wurde bei diesem Angriff vollständig zerschlagen.

Im westlichen Frontbogen ging der 13. Landwehr-Division unter General von Gayl an der Woëvre-Ebene die wichtige Combres-Höhe verloren, wurde aber durch einen schnell angesetzten Gegenstoß kurzfristig zurückgewonnen. Derweil brach die Front der k.u.k. 35. Infanterie-Division (Generalmajor Gustav Funk)[7] aber nach dem Zurückgehen der südlicher bei Seuzy abbauenden 192. Division vollständig zusammen, sie allein verlor an diesem Tag rund 3.300 Mann. [8]Trotzdem kam der gegnerische Angriff an der Westfront des Frontbogens vorerst zum Stehen; die dortigen Stellungen wurden von den Deutschen noch bis zum Mittag gehalten. Von Westen her überrannte dann das V. US-Korps mit der 26. Division und die ihm zugeteilte französische 15. Kolonial-Division die gesamte Hauptkampflinie der „Gruppe Combres“. Gegen Mittag musste Generalleutnant von Fuchs nach dem vollständigen Zusammenbruch seiner Südfront den sofortigen Rückzug auf die "Michael-Stellung" befehlen. Gegen den Anweisungen der Obersten Heeresleitung hatte er bereits frühzeitig seine einzige schlagkräftige Armeereserve, die 123. Division durch Gegenstöße verbraucht.

Am Morgen des 13. September konnte die von Süden über Lahayville und Nonsart nach Norden stoßende 1. US-Division unter Generalmajor Charles Summerall der von Westen her umfassenden 26. Division unter Generalmajor Clarence R. Edwards im Raum Vigneulles die Hände reichen und den Deutschen den Rückzug abschneiden. Am Ende des zweiten Tages konnten die amerikanischen Truppen einen großen Teil der deutschen „Gruppe Mihiel“ gefangennehmen. Die Kleinstadt St. Mihiel, samt dem im September 1914 heftig umkämpften Fort du Camp des Romains wurde derweil fast kampflos durch französische Kolonialtruppen unter General Blondat eingenommen. Die Franzosen hatten angesichts ihres hohen Blutzolls der Vorjahre an diesem Frontabschnitt auf die Einnahme der Stadt bestanden. Der amerikanische Angriff lief schließlich vor der von den Deutschen vorbereiteten Michael-Stellung fest, nachdem die Alliierten außerhalb der Reichweite ihrer Artillerie waren und der Nachschub stockte.

Folgen[Bearbeiten]

Präsident Poincaré besucht Saint Mihiel, Oktober 1918

Durch die Schlacht bei St. Mihiel stieg das Ansehen der Vereinigten Staaten bei ihren Verbündeten Frankreich und Großbritannien. Sie zeigte erneut die herausragende Bedeutung der Artillerie während des Ersten Weltkrieges und die Schwierigkeiten der Versorgung großer Verbände in der Bewegung. Die amerikanischen Truppen wurden nach der Schlacht in Vorbereitung auf die Maas-Argonnen-Offensive, die noch vor Monatsende beginnen sollte, in die Argonnen verlegt. Ein für den 15. November 1918 geplanter Vorstoß auf Metz wurde von der 2. US-Armee nicht mehr durchgeführt; am 11. November war der Krieg vorbei.

Literatur[Bearbeiten]

  • Mark Ethan Grotelueschen: The AEF Way of War: The American Army and Combat in World War I. Cambridge University Press, 2006. ISBN 0-521-86434-8.
  • James H. Hallas: Squandered Victory: The American First Army at St. Mihiel. Praeger Publishers, 1995. ISBN 978-0-275-95022-4. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche-USA
  • Maurer Maurer: The U.S. Air Service in World War I, Volume III: The Battle of St. Mihiel. Office of Air Force History, Washington D.C.
  • Anne Venzon (Hrsg.): The United States in the First World War: An Encyclopedia, Garland Publishing, 1999. ISBN 0-8153-3353-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schlacht von St. Mihiel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mark Ethan Grotelueschen: The AEF Way of War: The American Army and Combat in World War I. Cambridge University Press, 2006. S. 109
  2. Alan Palmer: Victory 1918. Grove Press, 2001. S. 209
  3. William R. Griffiths: The Great War: Strategies & Tactics of the First World War. Square One Publishers, 2003. S. 161
  4. Christine Ammer: Fighting words: from war, rebellion, and other combative capers. Paragon House, 1989, S. 78
  5. Camp Colt to Desert Storm: The History of U.S. Armored Forces By Donn A. Starry and Dale E. Wilson, The University Press of Kentucky 1999, S. 11 f.
  6. Reichsarchiv: Der Weltkrieg 1914-1918, Band XIV, E.S. Mittler und Sohn, Berlin 1944, S. 600
  7. Generalmajor Funk führte die k.u.k. 35. I.D. stellvertretend für FML Eugen von Podhoransky
  8. Kriegsarchiv: Österreich-Ungarns letzter Krieg Band VII, Wien 1938, S.435