Schlacht von Systerbäck

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schlacht von Systerbäck
Datum 2. Julijul. / 13. Juli 1703greg.
Ort Systerbäck, 35 km nordwestlich von Sankt Petersburg in Russland
Ausgang Russischer Sieg
Konfliktparteien
Schweden 1650Schweden Schweden Russland Zarentum 1699Zarentum Russland Russland
Befehlshaber
Schweden 1650Schweden Abraham Kronhjort Russland Zarentum 1699Zarentum Russland Boris Scheremetew
Russland Zarentum 1699Zarentum Russland Alexander Menschikow[1]
Truppenstärke
4.000 Mann 25.000 Mann
davon im Gefecht: 7.000–8.000 Mann (vier Regimenter Kavallerie und acht Regimenter Infanterie)
Verluste
ca. 150 Tote und Verwundete

Die Schlacht von Systerbäck (oder Schlacht von Systerbäk, ebenso Schlacht an der Sestra), am Fluss Sestra, war eine Schlacht im Großen Nordischen Krieg. Sie fand am 2. Julijul. / 13. Juli 1703greg. statt und endete mit einem Sieg der russischen Truppen unter dem Oberbefehl von Boris Petrowitsch Scheremetew.

Im Vorfeld[Bearbeiten]

Nachdem sich Russland von der Niederlage bei Narva in 1700 wieder erholt hatte, begann Zar Peter I. ab 1702 Russlands Einflussgebiet im Ostseeraum zu erweitern. Mit der Eroberung der Schlüsselburg, auch Nöteborg genannt, wurde der Gewinn der Kontrolle über die Newa und deren Zufluss zur Ostsee zur Hauptaufgabe der russischen Armee. In der Nähe der Schlüsselburg und in Olonetz ließ der Zar eine Flotte aufbauen, mit welcher er die schwedische Vorherrschaft im östlichsten Teil der Ostsee zu beenden hoffte. In der Nähe der Nyenschanz begannen die Russen 1703 mit der Erbauung von Sankt Petersburg, der neuen Hauptstadt des Zarenreiches. Nach der Eroberung der Nyenschanz wurden vom russischen Feldmarschall Scheremetew die Stadt Koporje[2] erobert. Generalmajor Werden eroberte das Schloss Jamy[2], welches zu einer Festung verstärkt wurde und fortan den Namen Jamburg erhielt. Diese russischen Siege führten dazu, dass bis Mitte 1703 ganz Ingermanland von Russland besetzt werden konnte. Fortan galt es diese Eroberungen vor schwedischen Angriffen zu sichern.

Durch das Anrücken der schwedischen Truppen aus Wyborg wurde Zar Peter I. beunruhigt. Aus Angst um seine neue Hauptstadt sammelte er seine Heereskräfte und eilte mit diesen zur finnischen Grenze. Dem Gros der Armee schickte er vier Dragonerregimenter als Avantgarde voraus. An der Spitze befand sich das Regiment von Oberst Carl Ewald von Rönne. Des Weiteren bestand die Armee aus sechs Infanterieregimentern, einschließlich der beiden Leibregimenter des Zaren. Der Weg nach Systerbäck war beschwerlich. Die Gegend bestand aus Sümpfen und Morasten, sodass die Infanterieeinheiten der Kavallerie nur langsam folgen konnten.

Am 2. Juli kam es bei Systerbäck, an der Sestra, neun Meilen von der Festung Wyborg entfernt, zum Aufeinandertreffen der Armeen.

Die Schlacht[Bearbeiten]

General Menschikow erkannte, dass der Schlüssel zum Sieg im erfolgreichen Angriff der Kavallerie liegen würde. Damit diese im Falle einer drohenden Niederlage nicht vom Schlachtfeld fliehen konnte, ließ er ein Infanterieregiment direkt hinter der Kavallerie aufmarschieren, mit der Order jeden russischen Kavalleristen zu erschießen, welcher das Schlachtfeld unehrenhaft verlassen wolle.[1]

Das erste Ziel der Dragoner war die Eroberung der einzigen Brücke über die Sestra. Diese wurde von der schwedischen Artillerie gedeckt und von einer kleineren Infanterieeinheit besetzt. Nachdem die schwedischen Soldaten von dem Dragonerregiment Rönne überrannt wurden, beschoss die schwedische Artillerie die Brücke. Die russischen Reiter zogen sich vorerst zurück. Einige der fliehenden Reiter wurden tatsächlich von den russischen Infanteristen erschossen[1], sodass sich die Reiter von zwei Seiten unter Feuer sahen und wieder zum Angriff auf die schwedischen Stellungen anritten.

Die Schweden hatten ihre Stellungen hinter der Brücke durch Verhaue, Gräben und spanische Reiter verstärkt, so dass der Kampf von morgens sechs Uhr bis zum Nachmittag andauerte.[2] Die russische Infanterie war in acht Treffen unterteilt. Diese griffen unaufhörlich die schwedischen Stellungen an. Durch die vierfache Übermacht der russischen Infanterie und die unaufhörlichen Angriffe waren die Schweden gezwungen zurückzuweichen.

Generalmajor Abraham Kronhjort, der von der russischen Armeestärke überrascht war, schätze die Situation falsch ein, er dachte die Russen wollten direkt auf Wyborg gehen, um die Festung einzunehmen.[3] Um dies zu verhindern, zog er zum Nachmittag die Infanterie und Artillerie aus dem Zentrum der Schlachtordnung und ließ diese nach Wyborg marschieren, um die Festung zu schützen. Die Kavallerie ließ der Generalmajor vier weitere Stunden gegen die Russen kämpfen, um den Rückmarsch zu decken. Erst als die Reiterei sehr stark dezimiert war, nahm Kronhjort auch diese aus der Schlacht und zog sich gemeinsam mit dieser in die Festung Wyborg zurück.[3]

Dieser Rückzug ging gestaffelt und geordnet vonstatten, sodass es die Russen nicht wagten den Schweden nachzugehen oder die Festung anzugreifen.[4]

Verluste[Bearbeiten]

Bei den Verlusten unterscheiden sich die Quellen der beiden Gegner stark. In russischen Quelle werde die eigenen Verluste mit 150 Mann angegeben. Die Verluste der Schweden werden Quellen mit 1000–2000 Mann beziffert.[5] Schwedische Quellen geben für die eigenen Verluste 117 Kavalleristen und 87 Infanteristen sowie 184 verwundete an.[6]

Die Folgen[Bearbeiten]

Die Russen zogen sich nach diesem Erfolg nach Ingermanland zurück, über den Ladogasee kamen frische russische Regimenter und im September folgte der Einmarsch in Estland.

Die schwedischen Truppen in Finnland waren durch die Niederlage bei Systerbäck so stark geschwächt, dass sie für die neue Hauptstadt Sankt Petersburg keine Gefahr mehr darstellten. Generalmajor Abraham Kronhjort, welcher bereits sehr alt war, wurde nach der Schlacht von Systerbäck als oberkommandierender General in Finnland abgelöst. Seine Nachfolge trat Generalleutnant Johan Georg Maydel an.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Hermann: Geschichte der europäischen Staaten, 4. Band Geschichte des russischen Staates, Hamburg 1849
  • Christian Kelch: Die Liefländische Geschichte von 1690–1707, Hrsg. Schnakenburg, Dorpat 1875
  • Anders Fryxell: Lebensgeschichte Karl's des Zwölften, Königs von Schweden. Band 1, Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig 1861.
  • Alexander Sharimow: Предыстория Санкт-Петербурга. 1703 год (Что происходило на Неве и вокруг нее в июле 1703-го) Auszug des Buches im Internet (russische Sprache)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Fryxell, Drittel Kapitel, S. 24
  2. a b c Hermann, S. 159
  3. a b Kelch S. 335
  4. Lundblad S. 275
  5. Alexander Sharimow :Предыстория Санкт-Петербурга. 1703 год (Что происходило на Неве и вокруг нее в июле 1703-го)
  6. Kelch S. 338