Schlacht von Tali-Ihantala

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Schlacht von Tali-Ihantala
Finnische Soldaten passieren einen zerstörten sowjetischen Panzer T-34
Finnische Soldaten passieren einen zerstörten sowjetischen Panzer T-34
Datum 25. Juni bis 9. Juli 1944
Ort Karelische Landenge, Finnland
Ausgang Finnischer Sieg[1]
Konfliktparteien
FinnlandFinnland Finnland
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
SowjetrusslandSowjetrussland Sowjetrussland
Befehlshaber
FinnlandFinnland Karl Lennart Oesch
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Kurt Kuhlmey
SowjetrusslandSowjetrussland Dmitri N. Gusew
Truppenstärke
50.000[2] 150.000[2]
Verluste
8561 Tote
1100 Vermisste
6300 Verwundete[2]
18.000–22.000 Tote
13.500–14.500 Verwundete[3][4]

Die Schlacht von Tali-Ihantala vom 25. Juni bis zum 9. Juli 1944 war Teil des Fortsetzungskrieges zwischen dem vom Deutschen Reich unterstützten Finnland und der Sowjetunion, einem Nebenkriegsschauplatz des Zweiten Weltkriegs. Die Schlacht endete mit einem finnischen Sieg, der den Großangriff der sowjetischen Truppen auf der Karelischen Landenge (Wyborg-Petrosawodsker Operation) stoppte und Finnland die Ausgangsbasis für akzeptablere Bedingungen bei den Moskauer Waffenstillstandsverhandlungen des Septembers 1944 bot. Die Schlacht bildet den historischen Hintergrund für den 2007 gedrehten finnischen Kriegsfilm Schlacht um Finnland.

Ausgangslage[Bearbeiten]

Nachdem die Lieferungen von Waffen und Getreide aus dem Deutschen Reich eingestellt worden waren und die deutsche Wehrmacht aus der Sowjetunion vertrieben war (→ Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte an der Ostfront), gewann die Rote Armee im Juni 1944 wieder die Oberhand; die Stadt Wyborg fiel und Finnland war wie im Winterkrieg 1939/40 von der vollständigen Besetzung bedroht.

Finnland reagierte auf die erneute Bedrohung durch die Sowjetunion mit einer vorbereiteten Offensive, die die Rote Armee davon abhalten sollte, in das finnische Kernland vorzustoßen.

Truppen[Bearbeiten]

Finnland:

Deutsches Reich:

Sowjetunion:

  • 21. Armee (Generalleutnant Dmitri N. Gusew)
    • 30.; 108.; 109. und 117. Korps (15 Divisionen)

Das Schlachtfeld[Bearbeiten]

Die Schlacht von Tali-Ihantala fand auf einem engen Gebiet von 100 km² zwischen der Wyborger Bucht und dem Fluss Vuoksi statt. Der sowjetische Vorstoß konzentrierte sich auf das Gebiet östlich von Wyborg, vom südlich gelegenen Dorf Tali bis zur Gegend um die nördlichere Siedlung Ihantala. Dies war das einzige für gepanzerte Fahrzeuge geeignete Gelände über die Karelische Landenge – 10 Kilometer weit und durch Seen und im Osten durch den Fluss Vuoksi eingeschnürt.

Verlauf[Bearbeiten]

Tali: 25. bis 30. Juni[Bearbeiten]

Die Kämpfe im Gebiet um Tali begannen am 25. Juni 1944 und endeten am 30. Juni desselben Jahres mit einem Rückzug der finnischen Truppen aus Tali. Darauf folgten am 1. und 2. Juli schwerste Gefechte, bei denen die Finnen etwa 800 Mann pro Tag verloren.

Ihantala 1. bis 9. Juli[Bearbeiten]

Finnische Soldaten, ein Soldat hält eine Panzerfaust
Sturmgeschütz-Brigade 303 auf dem Marsch

Das darauf folgende konzentrierte Artilleriefeuer der Finnen war das schwerste in der Militärgeschichte des Landes.[5] Es stützte sich auf eine neue Feuerleitmethode des finnischen Artilleriegenerals Vilho Petter Nenonen. Diese Technik erleichterte den Finnen die Zielkorrektur und ermöglichte es ihnen, die Angriffsziele schnell zu wechseln.[2] Am kritischen Ihantala-Sektor konnten die finnischen Verteidiger so ihr Abwehrfeuer auf die vorrückende sowjetische Angriffsspitze konzentrieren und sie vernichten.[5]

Zu dieser Zeit hatten die finnischen Streitkräfte die Hälfte ihrer Artillerie in diesem Gebiet zusammengezogen, zusammen mit ihrer hauptsächlich mit StuG III ausgerüsteten einzigen Panzerdivision. Ihr stand die deutsche Sturmgeschütz-Brigade 303 zur Seite. Die Verteidiger erhielten nun auch neue deutsche Panzerabwehrwaffen, die bislang eingelagert gewesen waren.

Am 2. Juli konnten die Finnen einen Funkspruch abfangen, nach dem die 63. Division und die 30. Panzerbrigade der sowjetischen Armee am 3. Juli um 4:00 Uhr angreifen sollten. Am nächsten Morgen, zwei Minuten vor dem vermuteten Angriffsbeginn, bombardierten jeweils vierzig finnische und deutsche Bomber die sowjetische Armee. Zudem feuerten 250 Geschütze insgesamt 4.000 Artilleriegeschosse auf das Gebiet der sowjetischen Angreifer. Noch am selben Tag 6:00 Uhr starteten die sowjetischen Truppen mit 200 Flugzeugen und Infanterie einen Angriff gegen die finnischen Verbände. Gegen 19:00 hatten die Finnen ihre Linien wieder bereinigt.

Am 6. Juli erzielten die sowjetischen Truppen einige Erfolge, trotz des Einsatzes von 18 Artillerie-Bataillonen und einer schweren Batterie zur Unterstützung der 6. Finnischen Division. Am nächsten Tag wurden die sowjetischen Truppen jedoch zurückgedrängt, ihre Gegenangriffe um 13:30 Uhr und 19:00 Uhr waren ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt. Am 7. Juli verlagerte sich der Schwerpunkt der sowjetischen Angriffe auf das Gebiet um den Fluss Vuoksi; die sowjetische Seite begann nunmehr, ihre besten Truppen nach Estland zu verlegen, um sie gegen die deutschen Truppen einzusetzen. Vom 9. Juli an versuchten die sowjetischen Angreifer nicht länger, die finnischen Linien zu durchbrechen. Dennoch kam es in dem Gebiet immer wieder zu kleineren Kampfhandlungen.

Verluste[Bearbeiten]

Finnische Quellen schätzen die Verluste der sowjetischen Armee in der Schlacht von Tali-Ihantala auf dreihundert Panzer.[2] Zudem wurden etwa 120 bis 280 sowjetische Flugzeuge abgeschossen.

Die finnische Armee berichtete über 8561 im Kampf verwundete, vermisste oder getötete Männer.

Nach dem Zehn-Tages-Bericht der sowjetischen 21. Armee wurden in der Schlacht 18.000 bis 22.000 Soldaten verwundet oder getötet.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Platonov, S.P. (editor): Битва за Ленинград ("The Battle of Leningrad"). Voenizdat Ministerstva oborony SSSR, 1964.
  2. a b c d e Koskimaa, Matti, Veitsenterällä, 1993, ISBN 951-0-18811-5, WSOY
  3. Archiv des sowjetischen Verteidigungsministeriums, Tagesberichte der 21. Armee vom 29. Juni bis 10. Juli 1944.
  4. Manninen, Ohto, Molotovin coctail, Hitlerin sateenvarjo, 1994, ISBN 951-37-1495-0, Painatuskeskus
  5. a b Maanpuolustuskorkeakoulun historian laitos, Jatkosodan historia 1-6, 1994