Schlafes Bruder
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Schlafes Bruder ist ein Roman des österreichischen Schriftstellers Robert Schneider aus dem Jahr 1992. Das Buch wurde ein internationaler Erfolg und bisher in 24 Sprachen übersetzt. Es handelt sich um einen klassischen Bildungsroman, dessen Held in dem von Inzucht und Doppelmoral geprägten ländlichen Milieu eines österreichischen Bergdorfs des 19. Jahrhunderts dem Leser einen grotesken Spiegel vorhält und schließlich tragisch in Wahnsinn und Selbstmord enden muss. Die Kritik der dargestellten Verhältnisse erweist die Kunst, hier die Musik, als Motor eines durch dramatische Verstrickungen zum Scheitern verurteilten Lebens. Alle anderen Figuren des Romans, die überwiegend von einem inneren Zwang getrieben handeln (Peter, Elsbeth etc.), sind mit der Härte eines Schicksals konfrontiert, das sie weder durchschauen noch abwenden können.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Inhalt
Anfang des 19. Jahrhunderts wird der Protagonist, Johannes Elias Alder (genannt Elias) in einem kleinen vorarlbergerischen Dorf, dessen Bewohner seit vielen Jahren nur zweierlei Nachnamen aufweisen, geboren. Als leiblicher Sohn des Kurats wächst er im Hause des Seff Alder, des Ehemanns seiner Mutter, auf.
Von seiner Mutter abgelehnt und die ersten Jahre im Zimmer eingesperrt, erlebt er im Alter von fünf Jahren eine übermenschliche Verschärfung seines Gehörs, die ihn in eine mehrminütige Trance fallen lässt. Während dieses Hörerlebnisses pubertiert er lange vor der Zeit und die Iris seiner Augen färbt sich gelb, was ihm die Schandnamen „Mannkind“ und „Gelbseich“ einbringt. Von diesem Zeitpunkt an ist er besessen von der Liebe zu einem ungeborenen Kind, dessen Herzschlag er aus dem Dorf vernommen hat. Monate später stellt sich heraus, dass es seine Cousine Elsbeth ist.
Elias besitzt eine übermenschliche Gabe für die Musik. Er trainiert seine Stimme, bis er in der Lage ist, in allen erdenklichen Tonlagen zu singen und fast alle Dorfbewohner zu imitieren. Peter, sein gleichaltriger Cousin und Elsbeths Bruder, ist auf unbeschreibliche bzw. homophile Weise von Elias fasziniert. Später, als sich Elias fasziniert von der wenn auch dürftigen Orgelmusik während der Gottesdienste nachts in die Kirche schleicht, um sich selbst das Orgelspiel beizubringen, wird er sein Balgtreter.
Am Weihnachtsfest, Elias ist in seinem zwölftem Lebensjahr, entzündet Peter aus Zorn über die Misshandlungen seines Vaters den heimischen Hof. Elias, der die Flammen als erster entdeckt, rettet die schlafende Elsbeth aus dem brennenden Haus des Onkels. Der Föhnwind bläst die Flammen auf andere Gehöfte, sodass bis zum Morgen das halbe Dorf verbrannt ist. Elias allein weiß, dass Peter das Feuer gelegt hat, doch er schweigt aus Liebe zu seinem einzigen Freund.
Elias entwickelt sich zu einem, für die von sozialer Inzucht geprägten Verhältnisse des Dorfes, gut aussehenden Mann, der zudem noch fleißig und von ungewohnt vornehmer Umgangsweise ist. Nach dem Tod des wenig begabten Organisten und Dorflehrers Oskar nimmt er dessen Platz ein. Sein unbeschreibliches musikalisches Genie verschafft ihm ein hohes Ansehen, obgleich er aufgrund seines andersartigen Wesens immer ein Sonderling bleibt.
Seine Liebe zu Elsbeth wächst stetig, sie bestimmt sein ganzes Handeln und seine Musik. Als die beiden sich allmählich – rein freundschaftlich – näher kommen, überkommt Peter die Eifersucht und er arrangiert eine baldige Hochzeit zwischen seiner Schwester und Lukas, dem Sohn eines wohlhabenden Bauern. Peter begehrt Elias auf ihm unbegreifliche Weise und will ihn nicht an seine Schwester verlieren. Elsbeth, die es Zeit ihres Lebens gewohnt ist, keine Ansprüche zu stellen, fügt sich in ihr Schicksal und ist zufrieden.
Elias beginnt mit Gott zu hadern, er kann nicht begreifen, warum dieser ihn zu derartiger Liebe entbrennen lässt und Elsbeth dann einen anderen heiraten soll. Während einer verzweifelten Nacht, in der er den Herrn beschimpft und anklagt, hat er eine göttliche Vision. Als er am nächsten Morgen erwacht, ist die Liebe zu Elsbeth aus seinem Herzen, so wie das Gelb aus seinen – nun wieder grünen – Augen gewichen. Über die Leere in seinem Herzen wird Elias lethargisch und depressiv. Er beginnt sich die schmerzliche Liebe zurückzuwünschen, da er eine unerfüllte Liebe nun als erträglicher ansieht als gar keine Liebe.
Als Elias 22 Jahre alt ist, wird der Feldberger Domorganist Goller zufällig Zeuge seines schier übermenschlichen Orgelspiels. Fassungslos bittet Goller ihn zum Orgelfest nach Feldberg zu kommen. Peter, der die große Chance des Freundes wittert, überredet den antriebslosen Elias, der Einladung zu folgen, und begleitet ihn nach Feldberg.
Als Elias beim Orgelfest über den Choral „Kömm, o Tod, du Schlafes Bruder“ (aus der Kantate „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“ von Johann Sebastian Bach) extemporiert, ergreift das Orgelspiel sämtliche Zuhörer auf nie gekannte Weise. Elias selbst entflammt in neuer Liebe zu Elsbeth und beschließt seinem Leben, gleich dem Gedanken des Chorals ein Ende zu setzen.
Auf dem Rückweg in sein Heimatdorf erinnert er sich der Worte eines Wanderpredigers, dem er einmal gelauscht hat und der sagte, dass ein wahrhaft Liebender niemals schlafe. Er beschließt so lange wach zu bleiben, bis der Tod kommt. Peter, der ihm schwören muss, niemandem etwas zu sagen, wird der einzige Zeuge seines mehrere Tage währenden Selbstmordes. Johannes Elias Alder stirbt letztendlich an den Tollkirschen, die er zu sich genommen hat, um nicht einzuschlafen. Peter begräbt den geliebten Freund und findet endlich Frieden.
[Bearbeiten] Äußere Bedingungen
Die Zeit: Die Handlung spielt zwischen 1803 und 1825, umfasst also genau die Lebenszeit des Helden. Mit diesen genauen Angaben will der Autor einen Wahrheitsgehalt untermauern. Diese Geschichte ist aber frei erfunden, der Held steht exemplarisch für einen Menschen, dessen Genie verkannt wird. Neben Zeiträumen, die stark gerafft werden (Taufe bis zum Erlebnis an der Emmer…) gibt es auch welche, die haarklein erzählt werden. (Die Geburt, Erlebnis am Wasserverschliffenen Stein, die Geschichte, in der Burga genarrt wird,….) In den zuletzt genannten Beispielen liegt eine Deckung von erzählter Zeit und Erzählzeit vor. Zudem Fallen viele Rückblicke und Vorgriffe auf, der Autor geht mit der Chronologie sehr frei um.
Ort: Im Buch kommen reale Schauplätze vor. Neben Innsbruck werden Ortschaften im Voralbergischen Teil des Rheintales genannt, deren Name aber verballhornt wurde. Feldberg = Feldkirch; Götzberg = Götzis; Dornberg = Dornbirn; „Eschberg ist allerdings eine Gemeinde, die nicht existiert, sie soll auf einem Hang über Götzis liegen. Auch mit diesen in der Wirklichkeit existierenden Orten gibt Schneider vor, dass die erzählte Handlung sich so abgespielt habe.
Milieu: Im Wesentlichen liegt ein einheitliches Milieu vor. Die offenbar wohlhabenden und angesehenen Zuhörer im Feldberger Dom spielen keine Rolle, alle anderen gehören dem Bauernstand an, sogar Kurat Benzer und der Lehrer Oskar Alder bewirtschaften ein Anwesen. Sie alle sind arm und ungebildet. Im vorliegenden Werk werden also nicht soziale Gegensätze thematisiert.
[Bearbeiten] Personen
Kurat Benzer: Der Geistliche entspricht nicht den Anforderungen, die man gemeinhin an einen Mann Gottes stellt. Er zeigt sich nicht als Seelenhirte, sondern verbreitet in seinen Predigten Angst. Dabei verwendet er bisweilen unorthodoxe Mittel. An sich selbst stellt er nur geringe moralische Ansprüche (zum Beispiel im Bezug auf Keuschheit). Es herrscht das Gerücht, Elias sei nicht von Seff Alder, sondern von Kurat Benzer gezeugt worden. Um der Nachwelt in Erinnerung zu bleiben, gibt er männlichen Kindern bei der Taufe den Zweitnamen Elias. In Benzer zeigt sich die Einstellung des Autors zu den oft ungebildeten, aber selbstherrlichen Klerikern des 19. Jahrhunderts.
Agathe Alder: Agathe Alder (auch "Seffin" genannt) ist bei Elias’ Geburt noch jung, wirkt aber von der schweren Arbeit bereits müde und freudlos. Die Ehe mit ihrem Mann Seff ist eine Zweckgemeinschaft. Agathe erscheint gefühlskalt. Sie fürchtet wegen der Abnormität von Elias um ihr Ansehen. Deswegen wird er von ihr nicht akzeptiert, seinen Tod empfände sie als Erleichterung. Erst sein Erfolg als Organist bereitet ihr Freude.
Seff Alder: Elias’ Vater ist Bauer. Er ist äußerst schweigsam und es fällt ihm schwer, Gefühle zu zeigen. Er liebt seinen Sohn seit der Geburt. Nachdem Seff sich von anderen zum gemeinschaftlichen Mord an Meistenteils verleiten lässt, empfindet Elias tiefe Verachtung für seinen Vater. Das Verhältnis der beiden ist fortan für lange Zeit gestört, worunter vor allem der Vater sehr leidet. Seff wird jahrelang von seinem Gewissen geplagt, erst nach einer Aussprache mit Elias bessert sich ihr Verhältnis wieder. Elias ist der einzige Mensch, dem sich Seff verbunden fühlt.
Elsbeth: Elias’ Cousine ist ein Mädchen aus einfachen bäuerlichen Verhältnissen, sie unterscheidet sich jedoch von Gleichaltrigen. Trotz des harten Lebens und der schweren Arbeit ist sie in ihrer Jugend von zierlicher Figur, sie schafft kunstvolle Handarbeiten, die sie für ihren Bruder Peter im nahegelegenen Götzberg verkauft. Zugleich ist sie ungebildet und oft von derber Ausdrucksweise. An ihrem Cousin Elias hat sie großes Interesse und ist ihm sogar über seinen Tod hinaus zugetan. Elsbeth und Elias erfahren jedoch nie von ihrer gegenseitigen Liebe zueinander. Als Elsbeth die Hoffnung aufgegeben hat, heiratet sie stattdessen Lukas.
Peter: Elias’ Cousin interessiert sich für Außergewöhnliches. Er ist mit Elias seit ihrer gemeinsamer Kindheit befreundet. Peter entwickelt früh eine starke erotische Zuneigung zu Elias, die er zeitlebens behält. Sie bleibt von Elias jedoch unerwidert. Peter ist von hartnäckiger Natur. Auch von Prügeln lässt er sich nicht abschrecken. Er ist Elias gegenüber loyal. Elias ahnt, dass Peter ihn verehrt. Er ist der einzige Mensch, der von Elias heimlichem Orgelspiel in der Kirche weiß. Er unterstützt Elias in der Entwicklung seines Talents, indem er den Blasebalg bedient. Die Grausamkeiten, die Peter im Elternhaus erdulden musste, machen aus ihm im Erwachsenenalter einen aggressiven Mann. Er quält Tiere, macht sich über die Prostituierte Burga lustig und zündet schließlich aus Rache den Hof des Vaters an. Nach Elias Tod ändert sich Peter von Grund auf. Er wird ein guter Landwirt, der für seine Tiere sorgt, und bekleidet für Jahre das Amt des Gemeindevorstehers. Er ist auch nach Elias’ Tod noch immer in ihn verliebt. Er heiratet nie.
Elias: In mehreren Punkten nimmt die Hauptfigur eine Sonderstellung ein.
- Elias unterscheidet sich äußerlich vor allem wegen der Augenfarbe. Aber auch die viel zu früh einsetzende Pubertät (>Stimme) unterscheidet ihn von Gleichaltrigen.
- Elias ist ein Genie. Er hat das absolute Gehör und erlernt ohne jemals unterrichtet worden zu sein das Orgelspiel. Seine Begabung wird jedoch nicht gewürdigt. Am Anfang zeigen sich die Eschberger Bauern zwar begeistert, sogar ergriffen, bald beschweren sie sich aber über die Dauer seiner Darbietungen. Elias selbst ist sich seines außergewöhnlichen Talents nicht bewusst, er fühlt sich nicht als etwas Besonders, empfindet viel weniger Stolz als seine Mutter. Im Gegensatz zu Peter trachtet er nicht nach Ansehen und Wohlstand. Nach Elsbeths Heirat interessiert ihn nichts mehr.
- Anderen Menschen gegenüber ist Elias freundlich. Als Lehrer ist er „herzensgut“ (B.S.119), er fordert von armen Schülern nicht das ihm zustehende Entgelt. Immer ist er darauf bedacht, ein musikalisches Kind zu entdecken, er findet aber keines mit außergewöhnlicher Begabung. Er behandelt neben seinen Schülern alle Menschen und alle anderen Lebewesen mit großem Respekt. Lässt er sich zu einem kränkenden Verhalten verleiten (>Burga), bereut er sein Handeln im Nachhinein.
[Bearbeiten] Absichten des Autors
- Kritik an der Geistlichkeit: Schneiders Verhältnis zur Kirche ist gespannt. Alle drei geistlichen Herren (Benzer, Bäuerlein und der Pfarrer von Götzberg) sind kein Ruhmesblatt. Der erste ist ein Weiberheld und missachtet das Keuschheitsgebot, die beiden anderen sind senil und können ihre Aufgaben nicht einmal ansatzweise erfüllen. Als „Seelsorger“ im wahrsten Sinne des Wortes fungieren alle nicht.
- Kritik an der bäuerlichen Bevölkerung des Dorfes Eschberg: Die Dorfbevölkerung ist in gewisser Weise ein Spiegelbild der bäuerlichen Gesellschaft des früheren 19. Jahrhunderts.
- Sittlichkeit: Inzucht ist gang und gäbe, Ehen zwischen Cousin und Cousine sind alltäglich. Folge: etliche behinderte Kinder. Eine Blutauffrischung wird offenbar nicht in Erwägung gezogen.
- Eklatanter Mangel an Bildung: Da sich die Eschberger abschotten und die Lehrer aus ihrer Mitte wählen (sowohl Oskar als auch Elias erhielten keine zureichende Ausbildung), beschränkt sich das Wissen auf minimale Grundkenntnisse. Dieser Umstand führt auch dazu, dass Elias’ Genie nicht erkannt wird, dass sich also ein Mensch mit großartigen Anlagen nicht entfalten kann und seine Begabung unwiederbringlich verloren geht. Damit erleidet nicht nur die Gemeinschaft einen hohen Verlust, auch das verkannte Genie kann seine Talente nicht entfalten.
- Moralische Aspekte: Die Eschberger haben eine Reihe von schlechten Eigenschaften:
- Triebhaftigkeit zeigt sich bei der Vorstellung des Wanderpredigers.
- Die Seelenzilli und die Hainzin stehen für Habgier und Betrug.
- Der Mord am „Meistenteils“ zeugt von Rachsucht und Grausamkeit, auch die geplante Bestrafung der Cilli folgt dieser Mentalität.
- Lieblosigkeit: Ablehnung des Elias.
- Fehlende Hilfsbereitschaft: Die Menschen, die beim ersten Brand Hab und Gut verloren, werden zwar alle mit allem Nötigen ausgestattet, kurze Zeit später wird ihnen aber die Rechnung präsentiert.
- Die Darstellung Gottes:
- Einerseits ist Gott schwach. In der nächtlichen Kirche erscheint er dem verzweifelten Elias als schwächliches Kind, das zudem einen Verband um den Kopf trägt. Von dieser Erscheinung kann man keine Hilfe erwarten.
- Gott ist grausam: Offensichtlich will er an Elias seine Härte zeigen, denn er erlegt ihm mehrere harte Prüfungen auf. Nach dem schmerzhaften Erlebnis am „wasserverschliffenen Stein“ heißt es sinngemäß, dass Gott mit diesem Kind noch lange nicht fertig sei. Es hat den Anschein, als ob der Held systematisch zerstört werden sollte, und schließlich gibt er tatsächlich auf.
- Das Schweigen: Schneider kritisiert die wortkarge Art der Ländle-Bewohner und behauptet, dass wahrscheinlich noch kein Vorarlberger ein „Ich hab dich lieb“ über die Lippen brachte. Sowohl Elias als auch Elsbeth sprechen nicht über ihre Gefühle (desgleichen fassen auch Seff und Peter ihre Zuneigung in Worte), also kann aus ihnen auch kein Paar werden. Elsbeths Schweigen ist aber nachvollziehbar, weil die Werbung der Tradition gemäß vom Mann ausgehen muss.
[Bearbeiten] Sprache und Stil
Die Sprache ist eine mit dialektalen Elementen gefärbte archaisierte Kunstsprache mit zahlreichen eigenen Wortschöpfungen. Der Text ist durchsetzt von Sätzen in indirekter Rede. Einerseits verwendet Schneider viele altertümliche Begriffe, andererseits auch Dialektworte, die aus dem Vorarlbergischen stammen. Ein weiterer besonders auffälliger Punkt in Schneiders Ausdrucksweise ist das überdeutliche Verwenden von Synästhesien, die zumeist mit (steigernden) Wiederholungen ausgeschmückt sind (Klangwetter, Klangstürme, Klangmeere, Klangwüsten).
Der Aufbau der Geschichte ist symmetrisch, was sich auch in den Kapitelüberschriften widerspiegelt. Ein markantes Beispiel dafür sind die zwei Großbrände, die Eschberg fast vernichten und die am Anfang und am Ende des Romans vorkommen. Der Roman besteht aus 22 Kapiteln von unterschiedlicher Länge. Die Geschichte Elias' – von seiner Geburt bis zum Tod – ist in einen doppelten Rahmen gesetzt. Das erste Kapitel „Wer schläft, liebt nicht“ und das letzte „Frau Mutter, was meint Liebe?“ bilden den äußeren Rahmen.
Das Leben des Elias wird von einem allwissenden (auktorialen) Erzähler geschildert, der den Leser stellenweise direkt anspricht. Oft scheint der Erzähler sogar die Gedanken des Lesers zu kennen. Dadurch wird Nähe zu ihm aufgebaut. Gegen Ende des Romans wird der Leser sogar als guter Freund bezeichnet.
[Bearbeiten] Übersetzungen/Auflagen
Das Buch wurde in 24 Sprachen übersetzt und es ist in bisher dreißig Auflagen erschienen.
[Bearbeiten] Verarbeitungen des Stoffes
→ Hauptartikel: Schlafes Bruder (Film)
1995 wurde unter der Regie von Joseph Vilsmaier mit André Eisermann (Elias), Ben Becker (Peter) und Dana Vávrová (Elsbeth) in den Hauptrollen der gleichnamige Film frei nach der Romanvorlage gedreht. Der Film erhielt mehrere Auszeichnungen und wurde auch für den Golden Globe nominiert. 1994/95 schrieb der Komponist Herbert Willi, mit Robert Schneider als Librettist, im Auftrag des Opernhauses Zürich eine Oper „Schlafes Bruder“, aus Anlass des Jubiläumsjahres „1000 Jahre Österreich“. Die Produktion wurde zu den Wiener Festwochen 1996 eingeladen. 2005 wurde das Buch von der Band Helangår vertont.
[Bearbeiten] Literatur
- Robert Schneider: Schlafes Bruder. Reclam Verlag, Leipzig 1998, ISBN 3379015180.
- Rainer Moritz: Über Schlafes Bruder. 2. Auflage. Reclam Verlag, Leipzig 1996, ISBN 3-379-01559-8.
- Norbert Berger: Robert Schneider. Schlafes Bruder. Zeitgenössische Romane – Ideen und Materialien. Auer Verlag, Donauwörth 2006, ISBN 3-403-04438-6.
- Magret Möckel: Robert Schneider. Schlafes Bruder. Bange Verlag, Hollfeld 2002, ISBN 978-3-8044-1772-4 (Königs Erläuterungen und Materialien, Bd. 390).

