Müdigkeit

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Dieser Artikel erläutert die Müdigkeit im Sinne eines Schlafentzugs. Für die Ermüdung nach einer sportlichen Belastung siehe Ermüdung (Physiologie); zu anderen Bedeutungen siehe Ermüdung.
Schlafende Schüler

Müdigkeit wird durch zu wenig Schlaf, kurz- oder langfristigen Schlafentzug und Schlafstörungen ausgelöst. Chronische Müdigkeit kann zudem Symptom einer Erkrankung sein. Im Regelfall lässt sich Müdigkeit durch genügend langes Schlafen ausgleichen. Ist die Ursache für die Müdigkeit jedoch eine Schlafstörung, so spricht man von Tagesschläfrigkeit. Bei ihr kann auch ausreichend Schlaf die Symptome nicht fühlbar reduzieren. Geeignete Hilfe kann dann nur ein Arzt durch eine genauere Diagnose leisten.

Symptome[Bearbeiten]

  • verminderte Konzentrations- und Leistungsfähigkeit
  • Beeinträchtigung der Wahrnehmung
  • allgemeines Unwohlsein
  • Antriebslosigkeit
  • erhöhte Reizbarkeit
  • leichter Rausch und enthemmende Wirkung
  • hypnagoge sowie allgemeine Halluzinationen (besonders bei länger dauerndem Schlafmangel)
  • eventuell Frieren

Müdigkeit als Schutzmechanismus[Bearbeiten]

Die physiologische Müdigkeit entsteht aus qualitativem oder quantitativem Mangel an Schlaf und wird als ein unüberwindbares, anhaltendes Gefühl der Erschöpfung, einhergehend mit einer verminderten Kapazität der physischen und mentalen Betätigung empfunden.

Andauernder Schlafmangel führt zur chronischen Müdigkeit, die sich in Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, brennenden Augen, schweren Beinen sowie zunehmender Schmerzempfindlichkeit auswirkt. Andauernder Schlafentzug führt zu schwereren Symptomen wie Apathie, Somnolenz, Depressionen und Wahrnehmungsstörungen.

Starke Müdigkeit ist häufig Ursache für menschliche Fehler wie Verkehrsunfälle, insbesondere infolge des sogenannten Sekundenschlafes. Die nach dem Geschlechtsverkehr und insbesondere nach dem männlichen Orgasmus auftretende Müdigkeit wird als postkoitale Müdigkeit bezeichnet.

Müdigkeit bei Ausübung spezieller Verrichtungen[Bearbeiten]

Menschen in zahlreichen Berufszweigen sind bei Müdigkeit oder nachlassender Aufmerksamkeit gefährdet; besonders Schichtarbeiter, Menschen, die Nachtdienst leisten oder in Wechselschichten arbeiten (siehe auch Sonntagsarbeit).

Für die Vermeidung von Gefahren über die persönliche Verantwortung hinaus sind das Arbeitsrecht und die Arbeitsmedizin zuständig. Mitarbeiter besonders gefährdeter Berufszweige erhalten Kollektiv- oder Tarifverträge beziehungsweise Betriebsvereinbarungen mit Regelungen zur Abgeltung der Erschwernisse, auch spezielle Urlaubs- und Pensions-Regelungen werden diesbezüglich ausgehandelt. Dank nach medizinischen Grundsätzen erfolgter Aufstellung aller Dienstzeiten und Freizeiten in Form von regelmäßigen Dienstplänen wird zusätzlich unnötige Erschöpfung durch die Organisation vermieden.

Eine israelische Studie ergab, dass müde Richter öfter zu Ungunsten des Angeklagten urteilen:

„Aus früheren Studien ist bereits bekannt, dass Menschen mental ermüden, wenn sie hintereinander viele Entscheidungen treffen müssen. Sie neigen dann dazu, die noch nötigen Entscheidungen zu vereinfachen, indem sie einfach den bestehenden Zustand akzeptieren und belassen. Nicht nur Richter, auch Angehörige anderer Berufsgruppen müssten ihre Entscheidungen demnach kritisch überdenken, schreiben die Forscher. Ärzte, Finanzexperten oder Mitarbeiter in Zulassungsstellen der Universitäten etwa dürften bei Entscheidungsfindungen ebenfalls von ihrer Müdigkeit beeinflusst werden.“[1]

Warnsysteme und Messbarkeit von Müdigkeit[Bearbeiten]

Seit den 1990er Jahren suchen Forscher nach Möglichkeiten, die Müdigkeit von Autofahrern und Lenkern anderer Verkehrsmittel (z. B. LKWs) zu messen, um diese rechtzeitig vor dem Einschlafen oder zunehmender Unachtsamkeitzu warnen.[2] Schon lange gibt hingegen -- etwa bei Lokführern oder U-Bahn-Fahrern -- die sogenannte Totmann-Einrichtungen. Weiterentwicklungen in Form sogenannter Fahrerassistenzsysteme zur Müdigkeitserkennung sind inzwischen marktreif und erhältlich. Müdigkeit ist neben der Reaktionsweise auch an der Stimme messbar.[3]

Chronische Müdigkeit als Krankheitssymptom[Bearbeiten]

Dauerhafte (chronische) Müdigkeit kann ein pathophysiologisches Krankheitssymptom sein. Pathologische Müdigkeit gehört zu den Symptomen von Eisenmangel und Vitamin-D3-Mangel und ist ein Begleitsymptom vieler Erkrankungen, das bei Grippe, Rheuma, Herzinfarkt, Diabetes, Krebs oder AIDS auftreten kann. Bei einer Depression gehören ständige oder phasenweise auftretende Müdigkeit und Antriebslosigkeit zu den Hauptsymptomen. Als Unwohlsein und Ermüdung gilt sie auch als Symptom einer Befindlichkeitsstörung.

Müdigkeit wird häufig mit dem Chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS – Chronic fatigue syndrome) assoziiert. Dieses Syndrom äußert sich mehr durch eine andauernde Erschöpfung und Erschöpfbarkeit sowie durch mehrere spezifische Begleitsymptome. Hier wird unter anderem eine Virusinfektion als mögliche Ursache diskutiert. In Deutschland verwenden insbesondere Onkologen und Palliativmediziner bei dauerhafter Ermüdung im Rahmen einer Krebserkrankung den Begriff Fatigue-Syndrom.

Langfristiger Schlafmangel[Bearbeiten]

Langfristiger Schlafmangel kann zu Bluthochdruck führen;[4] ebenso sind Depressionen und Angstzustände möglich. Umgekehrt können Depressionen oder Angstzustände zu Schlafmangel führen oder diesen verstärken. Außerdem führt Schlafmangel zu einem gesteigerten Appetit und Gewichtszunahme[5].

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Müdigkeit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Müdigkeit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Müdigkeit – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. spiegel.de 12. April 2010: Müde Richter entscheiden gegen Angeklagte
  2. Deutscher Verkehrsrat: Müdigkeit im Straßenverkehr
  3. „Was die Stimme über uns verrät“
  4. Bluthochdruck, Information in der Ärzte Zeitung am 25. Juni 2009
  5. Markwald RR, Melanson EL, Smith MR, Higgins J, Perreault L, Eckel RH, Wright KP. Impact of insufficient sleep on total daily energy expenditure, food intake, and weight gain. PNAS March 11, 2013. doi:10.1073/pnas.1216951110
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