Schlafphasensyndrom

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Klassifikation nach ICD-10
G47.2 Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus
Syndrom der verzögerten Schlafphasen
Unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Das Schlafphasensyndrom ist eine chronische Störung der „richtigen“ Schlafenszeitpunkte. Dabei unterscheidet man das verzögerte Schlafphasensyndrom, Delayed Sleep-Phase Syndrome (DSPS) bzw. Delayed Sleep-Phase Disorder (DSPD) und das vorverlagerte Schlafphasensyndrom, Advanced Sleep-Phase Syndrome (ASPS) bzw. Advanced Sleep-Phase Disorder (ASPD). Menschen, die an DSPS leiden, tendieren dazu, erst sehr spät einzuschlafen und haben auch Schwierigkeiten damit, rechtzeitig aufzustehen, um normale Arbeit zu verrichten, zur Schule zu gehen oder für gesellschaftliche Bedürfnisse.[1] Personen mit ASPS werden hingegen vergleichsweise früh müde, erwachen jedoch auch besonders zeitig und haben Schwierigkeiten erneut einzuschlafen. Letzteres Krankheitsbild ist verhältnismäßig selten.[2]

Formell wurde DSPS zuerst von Elliot D. Weitzman und einigen Anderen am Montefiore Medical Center beschrieben. DSPS ist für 7–10 % aller Fälle von chronischen Schlafstörungen verantwortlich. Da diese Krankheit jedoch nur wenigen Ärzten bekannt ist, bleibt sie oft unbehandelt oder wird unangemessen behandelt.

Diese Syndrome gehören nach dem Klassifikationssystem für SchlafstörungenInternational Classification of Sleep Disorders“ (ICSD-2) zu den Zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen.[3]

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Häufigkeit von DSPS in der Gesamtbevölkerung liegt bei etwa 7 bis 13 Betroffenen pro 10.000 Personen. Unter den chronischen Zirkadianen Schlaf-Wach-Rhythmusstörungen ist dieser Typ damit die häufigste Form. Bei Jugendlichen ist die Prävalenz erheblich höher und tritt in ausgeprägter Form vorübergehend bis etwa zum 21. Lebensjahr auf.

Die Form ASPS tritt in der Gesamtbevölkerung erheblich seltener auf, hauptsächlich sind Personen mittleren Alters betroffen. Bei dieser Einschätzung der Prävalenz kommt zum Tragen, dass ASPS potentiell seltener zu sozialen Konflikten führt und deshalb das Vorkommen unterschätzt wird.[3]

Symptome[Bearbeiten]

Beim ASPS gehen die Betroffenen zwischen sechs und acht Uhr abends ins Bett und wachen früh morgens (bspw. 4 Uhr) auf und können nicht mehr einschlafen bzw. durchschlafen. Sie haben eine große Müdigkeit am Abend und leiden bei Arbeitsstellen, die eine Präsenz am Abend erfordern.

Von DSPS betroffene Personen klagen oft darüber, dass sie bis zum frühen Morgen nicht einschlafen können. Anders jedoch als die meisten anderen Personen mit Schlafstörungen, schlafen sie jeden Tag zur gleichen Zeit ein, egal wann sie zu Bett gehen. Wenn sie nicht noch zusätzlich eine andere Schlafstörung haben, können die Betroffenen gut schlafen und haben ein natürliches Bedürfnis nach Schlaf. Daher ist es für sie auch schwierig, früh morgens aufzustehen, da sie zu diesem Zeitpunkt erst ein paar Stunden geschlafen haben. Wenn sie jedoch die Möglichkeit haben, ihrem eigenen „Schlafplan“ zu folgen, z. B. schlafen sie von 4 Uhr morgens bis Mittag, wachen sie spontan auf und sind bis zu ihrer nächsten benötigten Ruhephase nicht wieder müde.

„Typischer“ Zeitraum des Schlafens Leicht verzögerter Zeitraum des Schlafens
Sleeping Time Normal.svg Sleeping Time DSPS.svg
Menschen mit einem normalen Schlaf-Wach-Rhythmus schlafen zu einer für sie passenden Uhrzeit (hier: 23 Uhr) ein und erwachen zu einer ebenfalls passenden Uhrzeit (hier: 7 Uhr) wieder. Menschen mit DSPS schlafen zu einer deutlich späteren Uhrzeit (hier: 2 Uhr) ein und erwachen entsprechend später (hier: 10 Uhr) wieder.

Diagnose[Bearbeiten]

Zur Diagnose von DSPS wird zunächst ein Schlaftagebuch (Schlafprotokoll) eingesetzt. Der Betroffene notiert sich dabei über einen Zeitraum von mehreren Wochen hinweg Eckdaten zu seinem Schlaf: Wann er zu Bett geht, einschläft, aufwacht und aufsteht, und wie müde beziehungsweise wach er sich zu den Zeitpunkten des Zubettgehens und Aufstehens fühlt. Weiterhin, ob und welche Medikamente eingenommen werden, ob, wann und wie lange er während des Tages geschlafen hat beziehungsweise er während des Schlafes erwacht ist. Zur Ergänzung und Objektivierung bei der Erfassung der Schlaf-Wach-Zeiten kann die Aktigraphie eingesetzt werden.

Über die Polysomnographie können weitere Körperfunktionen überwacht und analysiert werden. Auch die kontinuierliche Messung der Körpertemperatur kann wichtige Hinweise geben. Sind die gewonnenen Daten im Vergleich zu Normalwerten um mindestens zwei Stunden nach hinten verschoben, so liegt DSPS vor.[4]

Bei der Diagnose von DSPS ist zu beachten, dass der Körper des Menschen sich im Normalfall von selbst an einen für ihn passenden Schlaf-Wach-Rhythmus anpassen kann. Menschen, die täglich um 5 Uhr aufstehen müssen, schlafen um eine Uhrzeit ein, die für sie passend ist, zum Beispiel acht Stunden vorher um 21 Uhr. Menschen, die beispielsweise erst um 9 Uhr aufstehen müssen, gewöhnen sich daran, um 1 Uhr zu Bett zu gehen, sodass sie um 9 Uhr erwachen – meist auch ohne Wecker. Muss dieser Rhythmus geändert werden, zum Beispiel wegen des Wechsels des Arbeitsplatzes und einer damit verbundenen geänderten Aufstehzeit oder aufgrund des Aufenthalts in einer anderen Zeitzone, so dauert es üblicherweise nur wenige Tage, bis der Schlaf-Wach-Rhythmus sich an die neuen Gegebenheiten angepasst hat. Im Falle des Zeitzonen-Wechsels spricht man bei dieser „Übergangszeit“ von einem Jetlag.

Der Körper des Menschen ist normalerweise auf einen 24-Stunden-Rhythmus eingestellt, sodass man täglich etwa zur selben Zeit ermüdet und am nächsten Morgen zur selben Zeit erwacht. Verschieben sich diese Zeitpunkte täglich um eine gewisse Zeit, so liegt eine Schlaf-Wach-Störung bei Abweichung vom 24-Stunden-Rhythmus vor.

Damit DSPS vorliegt, muss der „Jetlag-Zustand“, also das Einschlafen an einem späten Zeitpunkt und entsprechend späteres Erwachen, über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten vorliegen. Der Betroffene muss zudem täglich etwa zur selben Uhrzeit einschlafen.[1]

Therapie[Bearbeiten]

Die Therapiemöglichkeiten bei Patienten, die unter DSPS leiden, können grundsätzlich in zwei Gruppen eingeteilt werden. Eine Möglichkeit ist die Anpassung des Patienten an seine „innere Uhr“. Die zweite Gruppe konzentriert sich auf die Anpassung der inneren Uhr an den Patienten.

Möchte der Patient sich an DSPS anpassen, so kann er beispielsweise

  • sich eine Arbeitsstelle suchen, die zu seinem Schlaf-Wach-Rhythmus passt
  • sein Defizit an Schlaf durch Schlafen am Tag ausgleichen
  • sein Defizit an Schlaf an freien Tagen oder am Wochenende nachholen

Diese Möglichkeiten sind keine Therapie im eigentlichen Sinne, helfen jedoch dabei, mit DSPS besser leben zu können.

Die zweite Gruppe an Therapiemöglichkeiten ändert den Schlaf-Wach-Rhythmus dahingehend, dass normale Aufstehzeiten ermöglicht werden. Meist wird eine Kombination aus folgenden Punkten angewandt:

  • Chronotherapie: Der Patient geht jeden Tag drei Stunden später zu Bett bis ein angemessener Zeitpunkt des Zubettgehens erreicht wurde. Dieser neue Zeitpunkt muss dann konsequent eingehalten werden.
  • Lichttherapie: In den frühen Morgenstunden wird der Patient mindestens eine Stunde lang mindestens 2.500 lx starkem Licht ausgesetzt.
  • Schlafhygiene: Insbesondere striktes Einhalten von Zubettgeh- und Aufsteh-Zeiten, aber auch Verbesserung der Schlafbedingungen und Verzicht auf Drogen wie Nikotin.

Anzumerken ist, dass diese Therapien meist nur vorübergehend wirken. Die medikamentöse Behandlung, z. B. mit Melatonin, Agomelatin oder Vitamin B12, wird derzeit erforscht.[5][6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b William C. Dement: Delayed Sleep Phase Syndrome. Stanford University, 1999.
  2. Till Roenneberg, Martha Merrow: Die innere Uhr. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Heft B31, 1999, ISSN 0479-611X, S. 11–17 (Volltext).
  3. a b S3-Leitlinie Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). In: AWMF online (Stand 2009)
  4. PowerPoint-Präsentation zu Schlafstörungen (Folie 19 ff) – Schlafmedizinisches Zentrum München
  5. Parasomnien und Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus – Schlafmedizinisches Zentrum München
  6. Schlaf-Wach-Rhythmus-Störungen – Schlafgestört.de

Weblinks[Bearbeiten]

Gesundheitshinweis Dieser Artikel bietet einen allgemeinen Überblick zu einem Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!