Schlafsack

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Im Schlafsack liegender Rucksacktourist

Der Schlafsack ist eine Hülle, in die man zum Schlafen hineinschlüpft und die den Körper allseitig mit Ausnahme von Kopf oder Gesicht (je nach Modell) umschließt. Er besteht je nach speziellem Verwendungszweck aus einfachem Leinen, Baumwolle, Vliesstoffen oder Seide/Kunstseide und ist oft zur Wärmedämmung mit Kunstfasern oder Daunen gefüttert. Es gibt ihn in verschiedenen Formen (Rechteck-Form, Mumienform, mit Kapuze, mit Ärmeln etc.; die Grenzen zum Overall sind fließend) und mit verschiedenen Öffnungen (mit seitlichem Reißverschluss, in Schlupfform ohne Reißverschluss etc.).

Schlafsäcke ersetzen sowohl die üblichen Kombinationen aus Bettdecke, Kopfkissen und ggf. Unterbett (Bettware) als auch deren Umhüllungen/Bespannungen (Bettwäsche: Bezüge, Laken, etc.). Babys sollte man ausschließlich in einem Babyschlafsack ins Bettchen legen ohne Zudecke und Kissen – als nachweislich wirksame präventive Maßnahme gegen den plötzlichen Kindstod. Schlafsäcke finden außerdem Verwendung als improvisierte Schlafstätte bei Übernachtung im Freien (Outdoor) oder im Zelt und auf Reisen, besonders im so genannten Rucksacktourismus und auf Expeditionen, häufig in Verbindung mit Isomatten oder Luftmatratzen als Schlafunterlage.

Bei der Verwendung im Außenbereich sind die wichtigsten Eigenschaften des Schlafsackes sein Temperaturbereich, in dem er warm hält, sein Gewicht und sein Packmaß.

Schlafsacktypen[Bearbeiten]

Babyschlafsack[Bearbeiten]

Ein typischer Babyschlafsack

Die konsequente Verwendung eines Babyschlafsacks für Neugeborene ist eine wichtige Präventionsmaßnahme gegen den plötzlichen Kindstod. Allerdings muss dieser Schlafsack bestimmte Voraussetzungen erfüllen:

Größe[Bearbeiten]

Für den richtigen Babyschlafsack gilt stets ‚herauswachsen – nicht hineinwachsen‘, d. h. er darf nicht zu groß sein, damit Babys nicht hineinrutschen können und es zu einer Überdeckungssituation kommt. Zudem kann der Säugling einen übergroßen Schlafsack mit seiner Körperwärme nicht ausreichend ausfüllen und kühlt leichter aus. Um die richtige Größe zu ermitteln gilt die Regel: Körperlänge minus Kopflänge plus zehn Zentimeter. Auch der Halsausschnitt darf nicht zu groß sein, damit das Baby reinrutschen kann und nicht zu klein, um eine Strangulationsgefahr zu vermeiden. Als Faustregel gilt: Ein Finger eines Erwachsenen sollte zwischen Hals und Halsausschnitt passen. Dasselbe gilt für die Armausschnitte, die nicht zu groß sein dürfen, um Wärmeverlust zu vermeiden.

Verschlüsse und Verarbeitung[Bearbeiten]

Bei einem sicheren Babyschlafsack kommt es auf die richtige Verschlusstechnik und Verarbeitung an. Optimal ist ein seitlicher Zipper-Reißverschluss, der es erlaubt, das ganze Fußteil zu öffnen, und nächtliches Wickeln sehr komfortabel macht. Zudem sollte die Zipperform über einen Feststellmechanismus verfügen, der ein selbstständiges Öffnen des Schlafsacks durch die nächtlichen Bewegungen des Kindes verhindert. Knöpfe sollten nur im Schulterriegelbereich vorkommen und zwar so, dass man den Schlafsack individuell einstellen kann – er sollte am Brustkorb eng anliegen, so dass die Bewegungen des Babys keinen Einfluss auf die Größe der Hals- und Armöffnungen haben. Wichtig ist auch die Verarbeitung. Der Babyschlafsack sollte ein planes, glattes Rückenteil haben, um einen bequemen Schlaf in der gesunden und empfohlenen Rückenlage zu gewährleisten. Auch im Innenteil sollten Gummizüge, Stoffraffelungen oder sonstige Erhebungen vermieden werden, damit nichts gegen die sehr sensible Haut und das noch sehr weiche, verformbare Knochengerüst des Säuglings drückt.

Beschaffenheit und Material[Bearbeiten]

Idealerweise sollte sich die Dicke des Schlafsackes der jeweiligen Raumtemperatur anpassen lassen. Dies erreicht man am besten mit zweiteiligen Babyschlafsäcken, die einen Innen- und einen Außenschlafsack haben. So reicht bei wärmeren Außentemperaturen oft allein der Innensack, in der Übergangszeit kann der wärmere Außensack genutzt werden, und in der kalten Jahreszeit ist die Kombination von beidem die optimale Nachtkleidung. Zudem sollte das Material des Schlafsacks einen hohen Baumwollanteil enthalten, um eine hohe Atmungsaktivität zu gewährleisten. Die Stoffe und Farben müssen schweiß- und speichelfest sein. Es dürfen sich bei Benutzung keine Flusen ablösen. Flammschutzmittel, Weichmacher, optische Aufheller, organische Phosphor-, Formaldehyd- oder Schwermetallverbindungen sowie nickelhaltige Reißverschlüsse oder Knöpfe sollten vermieden werden. Es empfiehlt sich, auf entsprechende unabhängige Prüfsiegel zu achten.[1]

Jugendherbergs-Schlafsack[Bearbeiten]

Der Jugendherbergs-Schlafsack oder Hüttenschlafsack ist ein ungefütterter, meist rechteckiger Schlafsack aus einfachem Stoff, der ausschließlich hygienischen Zwecken dient; er ersetzt in Jugendherbergen, Berghütten und Naturfreunde-Häusern als persönlich mitgebrachter Gegenstand die Laken und Bezüge.

Quilt[Bearbeiten]

Im Zuge des Ultraleichtwanderns schlug Ray Jardine vor, zur Gewichtsersparnis den Bodenteil des Schlafsacks wegzulassen, da dieser ohnehin durch das Körpergewicht des Schläfers zusammengedrückt würde und so kaum isolieren könne. Er entwarf eine leichte Steppdecke mit geschlossener Fußbox, damit das untere Ende nicht verrutschen könne. In seinen Büchern verbreitet Jardine eine Bauanleitung zum Selbst-Nähen, mehrere Hersteller griffen das Prinzip auf.

Mumienschlafsack[Bearbeiten]

Der Mumienschlafsack verdankt seinen Namen der gleich einer Mumie körpernahen Schnittform mit eingefasstem Kopf, die ein besonders hohes Wärmeretentionsvermögen bei vergleichsweise niedrigem Gewicht verspricht. Er wird deshalb vorwiegend zum Übernachten im Zelt oder im Freien verwendet; hochwertige Ausführungen mit aufwendiger Fütterung ermöglichen komfortablen Schlaf selbst noch bei extremem Frost. Zum Übernachten im Freien (ohne Zelt) werden Mumienschlafsäcke oft mit einem Biwaksack kombiniert, der als äußere Hülle zusätzlich wärmt und möglichen Niederschlag sowie Wind abhält.

Eine Variante der Mumienform ist die Eiform: Eiförmige Schlafsäcke sind besonders im Brust- und Hüftbereich deutlich breiter geschnitten als Mumienschlafsäcke und stellen so einen guten Kompromiss aus Wärmeretentionsvermögen und Schlafkomfort dar. Besonders für Personen, die sich im Schlaf häufig bewegen bzw. umdrehen, ist ein Ei-Schlafsack die beste Wahl.

Schlafsack mit Armen und Beinen[Bearbeiten]

Der Schlafsack mit Armen und Beinen hat eine Körperform, also Arme und Beine, was Vorteile bei der Beweglichkeit im Zelt oder am Zeltplatz gibt. Der Schlafsack mit Armen und Beinen eignet sich besonders gut für sehr nachtaktive Schläfer.

Schlafsack mit Armen und Beinen

Expeditionsschlafsack[Bearbeiten]

Ein im dazugehörigen Beutel eingepackter Schlafsack

Ein Expeditionsschlafsack ist für die Bedürfnisse bei Expeditionen und beim Höhenbergsteigen konstruiert. Der Schlafsack muss seinen Benutzer vor Temperaturen bis unter −40 °C schützen können. Dazu besitzt der Expeditionsschlafsack eine extreme Dämmung. Man unterscheidet Kunstfaser- und Daunenschlafsäcke.

Kunstfaserschlafsäcke decken inzwischen im Extrembereich Temperaturen von bis zu −40 °C ab. Sie verwenden aufwendige Kunstfasern, die eine sehr hohe Wärmedämmung besitzen. Der Hauptvorteil von Kunstfaserschlafsäcken liegt in der Unempfindlichkeit gegenüber Wasser und Nässe. Sie sind aber in der Regel etwas schwerer als Daunenschlafsäcke.

Daunenschlafsäcke sind im Extrembereich bei Temperaturen von bis zu −50 °C geeignet. Die Schlafsäcke verwenden als Wärmedämmung Gänsedaunen. Das Mischungsverhältnis beschreibt die Relation von Daunen zu normalen Federn in der Füllung, je höher der Daunenanteil ist, desto besser dämmt der Schlafsack. Die Daune macht den Schlafsack aber auch druck- und feuchtigkeitsempfindlich. Im Expeditionsbereich werden Mischungsverhältnisse von 90/10 bis 97/3 (Daune/Federn) verwendet. Es gibt bei der Daunenfüllung Qualitätsunterschiede, sie wird als Loft oder Fillpower angegeben. Je höher der Loft, desto besser dämmt der Schlafsack.

Innenschlafsack[Bearbeiten]

Ein Innenschlafsack, auch als Inlett (nach dem englischen Wort „inlet“) bezeichnet, ist eine Art dünner Schlafsack aus Baumwolle, Vlies, Seide oder Kombinationen aus diesen Stoffen, der zusätzlich zu dem Schlafsack verwendet wird um zum einen den Temperaturbereich des Schlafsackes zu steigern, Feuchtigkeit während des Schlafes vom Körper abzuleiten und den Schlafsack zu schonen, um ihn nicht so oft reinigen zu müssen. Außerdem eignet sich ein Inlett bei warmen Temperaturen flexibel auch zum alleinigen Einsatz.

Schlafsäcke in der Raumfahrt[Bearbeiten]

Schlafsack in der ISS

In der Schwerelosigkeit des Weltraums würde ein gewöhnliches Bett nicht funktionieren, da Oberbett, Kissen und schlussendlich der Schläfer selbst einfach von der Matratze abheben und davonschweben würden. Da auf Grund der fehlenden Schwerkraft weder eine dicke Matratze, noch ein Lattenrost erforderlich sind, schlafen Raumfahrer in (meist mumienförmigen) dünn gefütterten Schlafsäcken, die auf dem Boden oder an der Wand der Schlafkabine fixiert werden.

Leistungsangaben[Bearbeiten]

Die Temperaturangaben des Einsatzbereiches von Schlafsäcken beruhten in Deutschland bisher auf der DIN 7943. Die Europäische Norm EN 13537 ersetzte 2005 diese DIN-Norm durch einen differenzierteren Standard für die Temperaturangaben des Einsatzbereiches von Schlafsäcken. Der EN liegt ein labortechnisches Bewertungsverfahren zu Grunde, zudem findet die unterschiedliche Temperaturempfindung von Mann und Frau nun Berücksichtigung und wird, jeweils in eigenen Komfortbereichen, für beide Geschlechter getrennt ausgewiesen.

Der Komfortbereich beschreibt den Temperaturbereich, innerhalb dessen ein unerfahrener Nutzer sich jederzeit wohl fühlt. Zu beachten ist bei der Interpretation der Norm-Werte, dass die untere Grenze des Komfortbereichs beim Mann tiefer liegt als bei der Frau.

Innerhalb des Risikobereichs bzw. Überlebensbereichs ist mit starkem Kälteempfinden zu rechnen, bis hin zu dem Risiko von Gesundheitsschäden. Diese Angabe sollte nicht die Grundlage der Nutzungsentscheidung sein. Der Schlaf kann hier durch das starke Kälteempfinden häufig unterbrochen werden und ist nicht so erholsam. Unterhalb des Risikobereichs ist mit Erfrierungen zu rechnen.

Die EN-Norm bezieht sich auf zivile Schlafsäcke, in denen mittelschwere, lange Funktionsunterwäsche getragen wird.

Angegeben wird nach Europäischer Norm EN 13537:

Der Komfortbereich (TCom) bezogen auf die „Norm-Frau“ (25 Jahre, 60 kg, 160 cm).

Der untere Grenzbereich (TLim), bezogen auf den Komfortbereich des „Norm-Mannes“ (25 Jahre, 70 kg, 173 cm). Er beschreibt den unteren Temperaturwert, bei dem der männliche Proband eine Nacht lang noch bequem schlafen kann.

Der Überlebensbereich (TExt). Er birgt das Risiko der Unterkühlung und sollte für den „normalen Konsumenten“ nicht als praktisch nutzbarer Bereich angesehen und zur Kaufentscheidung herangezogen werden.

Darstellung der Bereiche

Diese Werte werden graphisch in einem Balkendiagramm zusammengefasst. Auf dem Diagramm wird zuerst das obere Ende des Komfortbereichs angegeben, dann folgt die tiefste Komforttemperatur der Frau – dieser Bereich wird rot hinterlegt.

Die tiefste Komforttemperatur des Mannes wird als Nächstes angegeben – dieser Bereich wird gelb hinterlegt.

Abschließend wird die Extremtemperatur angegeben, sie gibt das untere Ende des Überlebensbereichs an – dieser Bereich wird blau hinterlegt.

Kritik an dieser Norm, deren Werte mit einer Puppe ermittelt werden, geht dahin dass das Schwitzen und die Bewegung einer Person im Schlaf nicht berücksichtigt wird.[2]

Bewertung der unterschiedlichen Leistungsangaben[Bearbeiten]

Die Kälteresistenz von Menschen hängt stark von der körperlichen Gewöhnung und vom momentanen körperlichen und psychischen Zustand der Person ab. Wer am Tag körperlicher Anstrengung, Hunger, Nässe, etc. ausgesetzt war – was zum Beispiel beim Wandern, Bergsteigen usw. regelmäßig der Fall sein kann – der wird in der Nacht weniger kälteresistent sein. Hier sollte der Schlafsack innerhalb des Roten Bereichs – dem Komfortbereich (TCom) – eingesetzt bzw. ausgesucht werden.

Unter dem praxisnäheren Nachweisverfahren der EU-Norm erreicht die Mehrzahl der Schlafsäcke nicht mehr die unter der alten DIN-Norm angegebenen überhöhten Leistungswerte.

Die US-Norm ASTM F1720 stellt das Leistungsvermögen eines Schlafsacks noch positiver dar, als dies die beiden anderen Normen tun.

Leistungsangaben militärischer Schlafsäcke erfolgen außerhalb der EU-Norm und zudem in Kombination weiterer spezifischer Ausrüstung des Soldaten. Sie geben deshalb für den zivilen Nutzer ebenfalls bei weitem zu positive Leistungswerte an. Zudem werden bei den militärischen Angaben auch noch sehr junge Männer zugrunde gelegt, weshalb – wegen der deutlich anderen Stoffwechselsleistungen – eine noch höhere Kälteresistenz des angenommenen Nutzers zugrunde liegt.

Aber auch die neue labororientierte EN wird kritisch diskutiert, da zum Beispiel durch konstruktive Optimierung der Luftdichtigkeit der Außenhülle im Labor sehr gute Ergebnisse erreicht werden können. Das für die Praxis jedoch ebenso relevante Verhalten des Schlafsacks bei Aufnahme von Schweiß oder der Einfluss von unruhigem Schlaf hat auf die Leistungsfähigkeit des Schlafsacks unter dem Versuchsaufbau der Norm keine Berücksichtigung gefunden.

Kompressionsfähigkeit[Bearbeiten]

Die Bauschkraft der Daune bei Daunenschlafsäcken wird in cuin gemessen.

Alternativen[Bearbeiten]

Im Bereich des Ultraleichtwanderns werden häufig leichtgewichtigere Alternativen eingesetzt. Deren Gewichtsersparnis beruht hauptsächlich darauf, dass auf die Füllung am Rücken verzichtet wird. Diese wird beim Schlafen komprimiert und isoliert damit kaum noch. Top Bags entsprechen Mumienschlafsäcken und besitzen auf der Rückseite keine Isolation, sondern nur eine Stoffbahn, in die die Isomatte eingeschoben werden kann. Bei Quilts entfällt auch diese Rückseite, so dass ein Quilt einer Steppdecke mit Fußteil nahe kommt.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Deutsche Akademie für Kinderheilkunde und Jugendmedizin e. V.: Die optimale Schlafumgebung für Ihr Baby. Broschüre, Münster 2008.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutsche Akademie für Kinderheilkunde und Jugendmedizin e. V.: Die optimale Schlafumgebung für Ihr Baby. Broschüre, Münster 2008.
  2. http://www.sleeping-bags.at/carinthia/ueber-uns
  3. Andrew Skurka: The ultimate hiker's gear guide: tools & techniques to hit the trail. National Geographic, Washington, D.C. 2012, ISBN 9781426209208, S. 84–85.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schlafsack – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Schlafsack – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen