Schlagwetter

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Schlagwetterexplosion auf einem Panel im Haupteingang der Verwaltung der Union, AG für Bergbau, Eisen- und Stahl-Industrie

Schlagwetter oder schlagende Wetter sind im unterirdischen Bergbau – insbesondere im Kohlebergbau, jedoch auch im Salz- und Erzbergbau – unter Tage austretendes Grubengas (Methan), welches bei Mischung mit Luft explosiv reagieren kann.

Eine solche Schlagwetterexplosion ist in Kohlengruben häufig Vorläufer und Auslöser einer Kohlenstaubexplosion mit noch wesentlich größerer Zerstörungskraft.

Hintergrund[Bearbeiten]

Ehrenmal auf dem Friedhof Bochum-Hamme zum Gedenken an die Bergleute, die 1936 bei der Schlagwetterexplosion auf der 9. Sohle der Zeche Vereinigte Präsident starben

Als Wetter bezeichnet der Bergmann die Gesamtheit aller in einem Grubengebäude befindlichen Gase (siehe auch Bergmannssprache).

Am gefährlichsten ist Methan, wenn es in der Luft einen Anteil von 5 bis 15 % hat. Schon ein Funke kann ausreichen, dieses Gemisch zu entzünden.

Verhütungsmaßnahmen[Bearbeiten]

Im historischen Bergbau[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert wurden viele Neuerungen eingeführt, um Schlagwetterexplosionen zu verhüten. So wurde nach und nach die Verwendung des offenen Geleuchts verboten und Sicherheitslampen zwingend vorgeschrieben, viele Geräte unter Tage wurden mit Druckluft betrieben, die bis dahin übliche Aufstellung von Dampfmaschinen unter Tage und auch die Verwendung von Wetteröfen verboten, um Funkenbildung auszuschließen. Erst seit den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts wird in zunehmendem Maß elektrischer Strom als Energiequelle eingesetzt, seit man in der Lage war, schlagwettersichere elektrische Geräte und Geleuchte herzustellen.

In früherer Zeit nahmen die Bergleute Vögel (z. B. Kanarienvögel) als Gaswarner mit in die Grube. Diese konnten zwar vor Giftgasen, kaum aber vor brennbaren Gasen warnen. Anlässlich des Unglücks auf der Zeche Radbod (348 Tote) wurden ab 1908 im Oberbergamtbezirk Dortmund die elektrischen Grubenlampen systematisch eingeführt, um das Explosionsrisiko zu senken.

Heutige Maßnahmen[Bearbeiten]

Zur Verhütung von Schlagwetterexplosionen gibt es heute strenge Vorschriften, deren Einhaltung von einem für die Bewetterung zuständigen Steiger, dem Wettersteiger, überwacht wird.

Mit Hilfe von Wassertrogsperren (80 Liter) bzw. Zeilentrogsperren oder Gesteinsstaubsperren kann das Ausmaß einer Schlagwetterexplosion eingedämmt werden, weil dadurch eine anschließende Kohlenstaubexplosion unterbunden wird. Dabei handelt es sich um offene, mit Wasser gefüllte Tröge oder mit Marmorpulver behäufte Bretter, die unter der Firste der Strecke angebracht werden. Bei einer Explosion werden die Behälter durch die Druckwelle heruntergeworfen bzw. zertrümmert und die nachfolgende Flammenfront wird durch das in der Luft zerstäubte Wasser bzw. den Gesteinsstaub gelöscht.

Ein Beispiel für weitere Maßnahmen ist die Druckwellenversiegelung.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Farrenkopf (Hrsg.): Schlagwetter und Kohlenstaub. Das Explosionsrisiko im industriellen Ruhrbergbau (1850–1914). Verlag Deutsches Bergbau-Museum, Bochum 2003, ISBN 3-937203-04-4

Weblinks[Bearbeiten]