Schlampe

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Schlampe bezeichnet umgangssprachlich abwertend eine „unordentliche, in ihrem Äußeren nachlässige und ungepflegte weibliche Person; schlampige Frau“ sowie eine Frau, „deren Lebensführung als unmoralisch angesehen wird“.[1] Mit Schlunz existiert ein Begriff ähnlicher Bedeutung für eine unordentliche auch männliche Person, der aber weitaus weniger geläufig ist.

Etymologie

Das Wort „Schlampe“ basiert auf der Wortfamilie „schlampen“ (Verb), „Schlamperei“, „Schlampigkeit“ (Substantiv) und „schlampig“ (Adjektiv). Damit wird eine flüchtig, unordentlich geleistete Arbeit, auch eine nachlässig gepflegte Person oder ein unordentliches Umfeld bezeichnet. Bereits im Deutschen Wörterbuch von 1899 steht, dass „die schlampe (..) eigentlich der schlotternde, unordentlich herabhängende weiberrock (ist)“ und daraus folgernd, dass „dann übertragen auf die personen: nachlässig gekleidet, unordentlich, schmutzig einhergehen, auch faul, nachlässig, müszig, mit schleppendem gange einher gehen, lüderlich sich herum treiben: den ganzen tag im hause, auf der strasze herumschlampen“.[2]

Pierer's Universal-Lexikon nannte 1859 neben „eine in Kleidung u. Betragen liederliche Weibsperson“ die Bedeutungen in der Jägersprache Geschlampe für eine Nahrung aus Brot und Wasser für Jagdhunde sowie eine „unreinlich zubereitete kraftlose Speise“.[3] Ferner handelte es sich um einen Fachbegriff in der Spiritusfabrikation.[4] Ebenso führt das Deutsche Wörterbuch der Gebrüder Grimm auf: „schlampe und schlämpe, auch schlempe geschrieben, dünnbreiiges futter für kühe, schweine, hunde, dann verächtlich von einem für menschen bestimmten schlechten breie, einer dünnen, kraftlosen suppe, auch von fadem kaffee und schlechtem biere. [...] schlampe, eine dicke hundssuppe von brod und wasser eingerühret. [...] schlempe, rückstand beim branntweinbrennen, als viehfutter benutzt.“[5]

Das etymologische Wörterbuch nach Pfeiffer stellt fest, dass Schlampe für eine ‘unordentliche, nachlässige, ungepflegte Frau’ im 17. Jahrhundert gebildet wurde, zu dem Verb schlampen ‘lose und nachlässig herabhängen, (um den Körper) schlenkern’. Im 15. Jahrhundert bedeutete im Frühneuhochdeutschen schlampen ‘schlaff herabhängen’. Sowohl Substantiv wie auch Verb „gehören zu einer vor allem in den Mundarten verbreiteten und semantisch weiterentwickelten Wortgruppe“, wie „schlampen ‘nachlässig gehen, sich herumtreiben, gierig und geräuschvoll essen’, Schlamp ‘Schleppe (am Kleid), Schwelgerei, Gelage, nachlässiger, ungepflegter Mensch’.“ Des Weiteren ist ein Zusammenhang mit Schlamm und eine „Rückführung auf ie. *(s)lemb(h)-, die nasalierte Form der unter Lappen genannten Wurzel ie. *lē̌b-, *lō̌b-, *lā̌b- ‘schlaff herabhängen(d)’, die hier, wie auch in schlafen, schlaff, schlapp [...], mit anlautendem s- auftritt“ wahrscheinlich.[6]

Der Duden nennt als Synonyme „(mitteldeutsch und norddeutsch salopp abwertend) Schlunze; (landschaftlich) Schluse, Vettel, Zottel; (landschaftlich abwertend) Lusche, Schlampampe; (landschaftlich umgangssprachlich abwertend) Ruschel; (landschaftlich, besonders süddeutsch) Stranze; (landschaftlich veraltend) Strunze“.[7]

Wandlung zum sexuell konnotierten Schimpfwort

Ursprünglich hatte dieses Wort keinerlei sexuelle Konnotationen, sondern bezog sich allein auf die Haushaltsführung einer Frau. In der männlichen Form Schlamper ist das auch heute häufig nicht der Fall, wie der gebräuchliche umgangssprachliche Ausdruck Schlampermäppchen für eine Federmappe. Die abwertende Bedeutung ist vor allem der oben genannten Variante zu eigen. Sie wird noch verschärft, da noch mehr „von der Norm abweichend“, wenn dieses „weibliche“ Attribut einem Mann nachgesagt wird. Während sich das Wort Schlamper eher auf einen unordentlichen Mann bezieht, hat die Variante Schlamperich jedoch einen sexuellen Unterton.

Vor dem Auftreten synchronisierter amerikanischer Filme war das Wort aus dem deutschen Sprachgebrauch schon beinahe verschwunden und galt als altmodisch, da die stets zunehmende Automatisierung der Haushaltsführung ab der Wirtschaftswunderzeit die Frauen von dem Vorwurf der Nachlässigkeit weitgehend entlastete. In der Synchronisation von Filmen wurde es regelmäßig zur Übersetzung von engl. slut verwendet, vermutlich weil der semantisch näherkommende (aber in Deutschland spätestens seit den 60er Jahren ebenso altmodische) Begriff Flittchen nicht gut lippensynchron eingefügt werden konnte.

Semantische Erweiterung in der Subkultur

Im Alltag wird „Schlampe“ unter homosexuellen Männern durchaus auch anerkennend gebraucht. In der öffentlichen Wahrnehmung trugen Lieder wie Schlampenfieber (1992) und Die Schlampen sind müde (1997) des Popduos Rosenstolz zum Prozess einer semantischen Erweiterung und differenzierteren Sichtweise bei. In deren Liedern finden sich in Bezug zu Schlampe keine eindeutigen Festlegungen zum Geschlecht in Form der sexuellen Orientierung.

Analog zu Wörtern wie Queer, lesbisch und schwul haben sich seit 1999 im deutschsprachigen Raum überwiegend homosexuelle Frauen, welche in nichtmonogamen Beziehungen leben (Polyamory), den Begriff angeeignet und eine politische Plattform, die „Schlampagne“, gegründet, welche das Wort selbstbewusst als Geusenwort verwendet. Dies entspricht der Verwendung des Wortes „Slut“ in der englischen Polyamory-Subkultur.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Schlampe, duden.de, abgerufen am 31. Juli 2013.
  2. Deutsches Wörterbuch, Band 9 (1899), Sp. 434–439.
  3. Pierer's Universal-Lexikon, Band 15. Altenburg 1862, S. 214, online in zeno.org, abgerufen am 23. Juli 2013.
  4. Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 7 Stuttgart, Leipzig 1909., S. 699, online in zeno.org, abgerufen am 23. Juli 2013.
  5. Schlampe in Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Bd. 15, Sp. 438 bis 439, online im Wörterbuchnetz, abgerufen am 23. Juli 2013.
  6. Schlampe, Etymologisches Wörterbuch nach Pfeifer in DWDS, abgerufen am 23. Juli 2013.
  7. Schlampe, duden.de, abgerufen am 23. Juli 2013.