Schlangen (Gemeinde)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Schlangen
Schlangen (Gemeinde)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Schlangen hervorgehoben
51.8166666666678.8330555555556169Koordinaten: 51° 49′ N, 8° 50′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Detmold
Kreis: Lippe
Höhe: 169 m ü. NHN
Fläche: 75,97 km²
Einwohner: 8973 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 118 Einwohner je km²
Postleitzahl: 33189
Vorwahl: 05252
Kfz-Kennzeichen: LIP
Gemeindeschlüssel: 05 7 66 064
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchplatz 5-6
33189 Schlangen
Webpräsenz: www.schlangen-online.de
Bürgermeister: Ulrich Knorr (SPD)
Lage der Gemeinde Schlangen im Kreis Lippe
Niedersachsen Bielefeld Kreis Gütersloh Kreis Herford Kreis Minden-Lübbecke Kreis Paderborn Kreis Höxter Augustdorf Bad Salzuflen Barntrup Blomberg Detmold Dörentrup Extertal Horn-Bad Meinberg Kalletal Lage (Lippe) Lemgo Leopoldshöhe Lügde Oerlinghausen Schieder-Schwalenberg Schlangen (Gemeinde)Karte
Über dieses Bild

Schlangen ist eine Gemeinde in Nordrhein-Westfalen, Deutschland und gehört zum Kreis Lippe. Die Gemeinde liegt in der Landschaft Senne und im Naturpark Teutoburger Wald / Eggegebirge. Der Truppenübungsplatz Senne bedeckt große Teile des Gemeindegebietes. Die Bewohner der Gemeinde werden als „Schlänger“ bezeichnet.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Nordosten von Nordrhein-Westfalen rund 16 Kilometer südlich von Detmold am Rande der Senne und dehnt sich am Südhang des Teutoburger Waldes hinauf bis zu den Höhen des Gebirgszuges aus. Das Gemeindegebiet ist der nordöstliche Ausläufer der Hellwegbörde und somit Teil der Westfälischen Bucht. Neben Augustdorf ist Schlangen eine von zwei Gemeinden des Kreises Lippe, die südlich des Teutoburger Walds liegen. Weite Teile des Gebiets sind Heide- und Sandlandschaft.

Die Ortsteile Schlangen und Oesterholz-Haustenbeck verbindet die 2,5 km lange einstige Prachtstraße Fürstenallee. Sie ist die einzige vierreihige Allee in Lippe und mit ihrem jahrhundertealten Baumbestand besonders sehenswert. Sie führt weiter in Richtung des Passes Gauseköte nach Detmold. Die Siedlungsgebiete von Schlangen und dem südlich gelegenen Bad Lippspringe gehen annähernd übergangslos ineinander über. Einen großen Teil des Gemeindegebietes nimmt der Truppenübungsplatz Senne ein.

Nennenswerte Gewässer sind die im Gemeindegebiet als Strothe bezeichnete Thune, der Haustenbach, der Rote Bach und der Schlänger Bach. Alle Gewässer der Gemeinde fließen über die Lippe dem Rhein zu.

Der höchste Punkt der Gemeinde ist der Gipfel des 433 m ü. NN liegenden Hohlestein, der niedrigste Punkt liegt auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes bei etwa 138 m ü. NN.

Geologie[Bearbeiten]

Geothermische Ergiebigkeit des Gemeindegebiets

Das zum Ostrand der westfälischen Bucht gehörende Vorland westlich des Eggegebirges im Gemeindegebiet besteht aus Mergel- und Kalksteinen der Oberkreide. Dieser rund 550 Metern starke Untergrund wurde im Lauf der Erdgeschichte herausgehoben und bildete eine leicht Neigung nach Westen. Dabei kam es infolge von Verkarstung in den Carbonatgesteinen auch zu Erdfällen und auch Höhlenbildungen.

Gesteine des Trias, seltener auch des Jura und des Erdaltertums sind im tiefer liegenden Festgesteinssockel zu finden. In der Senne werden weite Flächen durch aus dem Eiszeitalter stammende Kiese, Sande, Till und Löss bedeckt.

Für die Trinkwasserversorgung im Gemeindegebiet haben besonders die zum Teil verkarsteten Kalksteine der Oberkreide Bedeutung. Auch aus den Sanden und Kiesen der Senne wird Trinkwasser gewonnen.

Die aus dem Eiszeitalter stammenden Sande und Kiese werden zur Verwendung als Bausand, Betonkies und mitunter Formsand abgebaut.

Die Sande der Senne im Westen der Gemeinde sind sehr nährstoffarm und durchlässig. Auf ihnen haben sich mächtige Podsole entwickelt. Oft hat sich durch die Verlagerung und Verkittung von Humus und Eisen im unteren Teil des Bodens Orterde gebildet. Seltener finden sich durch Bewirtschaftung entstandene Eschböden. Noch seltener sind Gleye, die nur in schmalen Uferstreifen entlang der Bäche vorkommen. Im Ostteil des Gemeindegebiets überwiegen auf den Carbonatgesteinen des Eggegebirges tiefgründige Parabraunerden und Braunerden, die sich aus dem während des Eiszeitalters abgelagerten Löss entwickelt haben. Dort wo kein Löss eingeweht oder wo er später erodiert wurde, bildeten sich flachgründige, steinige Rendzinen aus tonigem Lehm.

Die Bodennutzung ist vorrangig abhängig vom Geländeprofil. In flachen Lagen herrscht die Nutzung als Grün- und Ackerland vor, in den steileren aber auch in abgelegenen Lage wird Forstwirtschaft mit hohem Laubholzanteil betrieben.[2]

Schlangen eignet sich in weiten Teilen nicht beziehungsweise nur eingeschränkt zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpe. Dies ist insbesondere in den Hauptsiedlungsgebieten der Fall. Im Gegensatz dazu ist vor allem auf den Höhenzügen die Nutzbarkeit gegeben (vgl. dazu die nebenstehende Karte).[3]

Ausdehnung und Nutzung des Gemeindegebiets[Bearbeiten]

Die als „Große Landgemeinde“ klassifizierte Gemeinde erstreckt sich über eine Fläche von 75,98 km². Das Gemeindegebiet hat eine maximale Ausdehnung in Ost-West Richtung von etwa 12 km und in Nord-Süd Richtung von etwa 9,5 km. Bedingt durch den Gebietsanteil am Teutoburger Wald hat Schlangen einen doppelt so hohen Waldanteil wie im Durchschnitt des Landes Nordrhein-Westfalen. Der vergleichsweise hohe Anteil an Flächen sonstiger Nutzung ergibt sich aus dem hohen Anteil der Senne am Gemeindegebiet.

Fläche
nach Nutzungsart[4]
Landwirt-
schafts-
fläche
Wald-
fläche
Gebäude-,
Frei- und
Betriebsfläche
Verkehrs-
fläche
Wasser-
fläche
Sport- und
Grünfläche
sonstige
Nutzung
Fläche in km² 20,64 39,46 3,21 3,57 0,23 0,48 8,39
Anteil an Gesamtfläche 27,17 % 51,93 % 4,22 % 4,70 % 0,30 % 0,63 % 11,04 %

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Schlangen grenzt, angefangen im Nordwesten, an Augustdorf, Detmold und Horn-Bad Meinberg im Kreis Lippe, Altenbeken, Bad Lippspringe und Hövelhof im Kreis Paderborn und Schloß Holte-Stukenbrock im Kreis Gütersloh (im Uhrzeigersinn).

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Schlangen besteht aus den drei Ortsteilen Schlangen, Kohlstädt und Oesterholz-Haustenbeck.

Ortschaft Ortsteile von Schlangen
Ortsteile von Schlangen.svg
Kohlstädt
Oesterholz-Haustenbeck
Schlangen

Klima[Bearbeiten]

Klimadaten für Schlangen sind nicht verfügbar, daher werden zur Darstellung die Daten der nur etwa vier Kilometer südlich angrenzenden und nur geringfügig tiefer gelegenen Gemeinde Bad Lippspringe herangezogen.

Schlangen gehört der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas an und liegt im Bereich des subatlantischen Seeklimas. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild und die Sommer mäßig warm. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei ca. 8,5–9 °C.

Durch die Lage im subatlantischen Seeklima herrscht ganzjährig ein humides Klima mit relativ gleich verteilten Niederschlägen vor. Insgesamt fallen an der südlich von Schlangen gelegenen Messstation Bad Lippspringe im langjährigen Mittel 867 mm Niederschlag jährlich.

Niederschlagsdiagramm Bad Lippspringe
Klima Bad Lippspringe (157 m)
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Temperatur (°C) 0,9 1,6 4,3 7,9 12,4 15,3 16,8 16,7 13,8 10,1 5,2 2,3 Ø 9
Niederschlag (mm) 79,6 55,4 70,5 66,6 78,2 89,7 88,6 82,9 70,4 59,5 79,4 92,8 Σ 913,6
Sonnenstunden (h/d) 1,4 2,6 3,3 4,9 6,3 6,2 5,9 5,9 4,3 3,5 1,7 1,2 Ø 3,9
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
79,6
55,4
70,5
66,6
78,2
89,7
88,6
82,9
70,4
59,5
79,4
92,8
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: Deutscher Wetterdienst[5]

Zum Klima in der Region Ostwestfalen-Lippe, zu der die Gemeinde gehört, siehe auch den Artikel Klima in Ostwestfalen-Lippe.

Geschichte[Bearbeiten]

Frühgeschichte und erste Nennung[Bearbeiten]

Zahlreiche Funde belegen, dass die Gegend um Schlangen im Neolithikum besiedelt war. Aus der Bronzezeit stammen Grabhügelgruppen aus Plaggen und Grassoden nahe der lippischen Grenze im Strohetal. Ausgrabungen von Fundamenten aus dem 9. Jahrhundert unter dem Kilianpatrozinium der jetzigen reformierten Kirche beweisen, dass Schlangen schon zu dieser Zeit bestanden hat. Die alte romanische Kirche stand an der Kreuzung alter Fernstraßen. Schlangen wird gemeinsam mit seinen Ortsteilen Kohlstädt und Oesterholz-Haustenbeck in der Lebensbeschreibung des Bischofs Meinwerk von Paderborn erstmals erwähnt. Die Nonne Oda zu Geseke übergab damals ihr Erbgut in den Dörfern Lanchel (Schlangen), Astanholte (Oesterholz) und Colstidi (Kohlstädt) an die Kirche zu Paderborn.[6]

Im von Fehden gekennzeichneten späten Mittelalter waren die Besitzverhältnisse im Gebiet um Schlangen undurchsichtig. Abgabepflichtig waren die ansässigen Bauern sowohl an den Bischof von Paderborn, als auch an das Domkapitel. Auch die Klöster Corvey, Busdorf, Gokirchen, Neuenheerse und Hardehausen tauchen zeitweilig in den alten Urkunden auf. Außerdem mussten Abgaben an die weltlichen Herren, wie die Grafen von Schwalenberg, die Edelherren zur Lippe und andere geleistet werden.[6]

Reformation[Bearbeiten]

Schlangen lag nicht nur an wichtigen Fernstraßen, sondern war auch Grenzort zwischen der Grafschaft Lippe und dem Fürstbistum Paderborn. Am alten Versammlungsplatz an der Grenze bei Lippspringe trafen sich wiederholt Abgesandte des Grafen zur Lippe und des Bischofs von Paderborn, um über Grenzstreitigkeiten zu verhandeln (vgl. auch Lippspringischer Originalvergleich). Im Vertrag von Schlangen 1558 wurde Graf Bernhard VIII. mit der Grafschaft Pyrmont-Spiegelberg durch den Bischof von Paderborn belehnt. Im Gegenzug mussten dem katholischen Bischof jedoch wichtige geistliche Rechte im protestantischen Lippe eingeräumt werden. „In dieser von religiösem Fanatismus erfüllten Zeit, wo jeder das glauben musste, was sein Landesherr befahl, ist in unserem Heimatland Duldsamkeit geübt worden gegen die katholischen Einwohner. Keiner der Altgläubigen ist, gemäß den Bestimmungen des Vertrags, seines Glaubens wegen verfolgt oder bedrückt worden. Die Klöster und geistlichen Stiftungen haben fortbestanden, bis die letzten Insassen verstorben waren. Wäre die Verpflichtung auch für Paderborn verbindlich gewesen, dann, wahrlich, wäre der Vertrag ein Vorbild gewesen.“[7] Während der Gegenreformation zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Paderborn suchten viele Anhänger des evangelischen Glaubens in der Kirche zu Schlangen Zuflucht. Die vom Bischof ausgesandten Jesuiten klagten über den unfruchtbaren Acker und den verfluchten Schlangensumpf.[6]

Gasthof Sibille-Ostmann
Gasthof Heinrich Poppe
Hotel und Restaurant Heidehof in Oesterholz-Haustenbeck
Ehem. Brauerei, heute Gasthof Arminius Treff, in Kohlstädt

Kriegszeiten[Bearbeiten]

Durch die exponierte Lage Schlangens an einer belebten Fernstraße hatte die Bevölkerung im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) schwere Verluste zu erleiden. 1622 besetzte Christian von Braunschweig Schlangen und Lippspringe. 1634 wurden sieben Häuser im Dorf durch plündernde Soldaten eingeäschert. 1646 wurden die Orte durch schwedische und weimarische Truppen unter General Königsmarck heimgesucht. Danach wurden Schlangen und Kohlstädt eine Zeitlang zur Wüstung. Die überlebenden Bauern hatten sich mit dem wenigen verbliebenen Vieh in die Wälder geflüchtet. Wenn die Menschen nicht dem Krieg zum Opfer gefallen waren, hatten sie die schwarzen Blattern, die Pest und der Typhus dahingerafft.[6]

Nach Ende des Krieges 1648 wurden die verlassenen Bauernhöfe und Kötterstätten nur zögernd besiedelt, so dass es noch vier Jahre später rund 30 freie Hausstätten in Schlangen gab. Auch im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) war Schlangen wiederholt Durchmarschgebiet der einen oder anderen militärischen Seite. Auf der Heide bei Dedinghausen zwischen Schlangen und Lippspringe lagerten mehrmals Tausende von Soldaten. Diese wollten nicht nur mit Lebensmitteln versorgt werden, sondern verlangten zusätzlich Fuhrdienste und Hilfe bei Schanzarbeiten.[6]

Aufhebung der Leibeigenschaft und der Schäferkrieg[Bearbeiten]

Im Jahr 1808 hob Fürstin Pauline zur Lippe die Leibeigenschaft der Landbevölkerung auf. Durch Fleiß und Sparsamkeit konnten es nun die Grundbesitzer in Schlangen zu einem gewissen Wohlstand bringen. Sie waren in den dreißiger und vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts in der Lage, von den benachbarten Lippspringern größere Ackerflächen zu erwerben. Damit wurde bei der Flurbereinigung der Lippspringer Feldmark (1846-1852) die Grenze Schlangens wesentlich nach Lippspringe hin verschoben. Allerdings galt diese neue Freiheit nicht für alle Bewohner, denn das Dreiklassenwahlrecht wurde in Lippe erst 1918 abgeschafft. Die allen Stättebesitzern gemeinsam gehörende Hudefläche, die sogenannte Gemeinheit, reichte für rund 700 Schafe. Es gab jedoch 1.200 Schafe in Schlangen, denn die Schafhaltung war für wohlhabende Bauern ein lukratives Geschäft. Damit war kein Weideland mehr für anderes Vieh vorhanden. Für Kleinbauern war es aber wichtiger, eine oder zwei Kühe durchzufüttern, als Schafe zu halten. Im Herbst 1818 wurde deshalb auf einer Versammlung aller Hudeinteressenten mit großer Mehrheit beschlossen, alle Schafe abzuschaffen. Die Schafbesitzer weigerten sich und vom Amt Horn kam die Weisung, es bis zur endgültigen Entscheidung bei der alten Regelung zu lassen. Der Streit eskalierte und Fürstin Pauline sah sich veranlasst, Leutnant Krücke und 40 Soldaten mit je fünf Schuss scharfer Munition nach Schlangen in Marsch zu setzen und dort Quartier zu nehmen. Das hatte allerdings zur Folge, dass die Schlänger nicht nur für die Verpflegung der Soldaten sorgen mussten, sondern zusätzlich Quartiergeld und eine Strafe zahlen musste. Diese Episode ging unter dem Namen Schäferkrieg in die Geschichte Schlangens ein.[6]

Wanderarbeiter und Feuersbrünste[Bearbeiten]

Viele Einwohner Schlangens waren um 1850 vom Niedergang der Hausweberei betroffen. Auch später konnte die lippische Wirtschaft die wachsende Bevölkerung nicht aufnehmen und musste etwa einem Drittel der männlichen Bevölkerung einen Arbeitsplatz versagen. Viele Männer waren gezwungen, sich Arbeit außerhalb Lippes zu suchen. Sie wurden Wanderziegler und später auch Maurer, um den Lebensunterhalt für ihre Familien in den großen Städten und im Ruhrgebiet zu verdienen.[8] Nach der Rückkehr der Wanderarbeiter im späten Herbst wurde gemeinsam der Schlänger Markt gefeiert. Jahrhundertelang prägte die Landwirtschaft das öffentliche Leben in Schlangen. Im Laufe der Zeit kamen auch einige Handwerksberufe dazu, wie Schmied, Stellmacher, Zimmermann, Müller, Schneider, Schuhmacher, Köhler und Glasbläser.[6]

Am 18. August 1904 wurde Schlangen von einem verheerenden Feuer heimgesucht, das 80 Häuser völlig zerstörte und 11 beschädigte. Die vom Brand Geschädigten erlebten eine große Hilfsbereitschaft nicht nur aus Lippe. Schon in früheren Jahren war es wiederholt zu Brandkatastrophen gekommen, so in den Jahren 1678 und 1741. Da es noch keine Wasserleitung gab, musste das Wasser mit Eimern und anderen Behältern in Handwagen und Schubkarren aus mehr als einem Kilometer Entfernung herangeschafft werden. Erst 1927 erhielt Schlangen ein Wasserleitungsnetz und 1971/1972 erfolgte eine Tiefbohrung, mit der das Grundwasser der Senne angezapft wurde.

Am 31. März 1912 eröffnete die PESAG die Straßenbahnlinie Bad Lippspringe - Schlangen - Kohlstädt - Horn, die ab 1920 nach Detmold weiterführte. Am 17. März 1953 fuhr die letzte Straßenbahn zwischen Horn und Schlangen, und 1959 wurde die Strecke zwischen Schlangen und Paderborn Hbf stillgelegt.[6]

Truppenübungsplatz Senne[Bearbeiten]

1892 wurde der heutige Truppenübungsplatz Senne als Kavallerieübungsplatz für die Garnisonen Paderborn und Neuhaus westlich von Schlangen angelegt und 1938 auf rund 42 km² vergrößert. Das hatte zur Folge, dass 1939 das alte Dorf Haustenbeck aufgegeben werden musste. Von 1937 bis 1939 wurden die Bewohner Haustenbecks umgesiedelt. Die Mehrheit fand in der Siedlung Moorlage in Horn-Bad Meinberg eine neue Heimat. Heute ist der Truppenübungsplatz 116 km² groß und wird von den Britischen Streitkräften in Deutschland in Paderborn gemäß NATO-Truppenstatut betrieben.[6]

Kriegsende, Nachkriegszeit und kommunale Neuordnung[Bearbeiten]

Am 4. April 1945 erreichten die amerikanische Verbände über die Reichsstraße 1 Bad Lippspringe und sollten bei Horn den Teutoburger Wald überqueren. Sie nahmen Bad Lippspringe und kurz danach Schlangen kampflos ein. Die 83. US-Infanteriedivision teilte sich daraufhin. Eine Einheit stieß über die Gauseköte durch den Teutoburger Wald, eine zweite überquerte auf der Reichsstraße 1 den Gebirgszug in Richtung Horn, während eine dritte bei Feldrom und Leopoldstal die Berge überschritt. Am Abend des 4. April 1945 hatten die amerikanischen Verbände den Teutoburger Wald in der gesamten Ausdehnung überwunden. Für die Bewohner Schlangens war damit der Zweite Weltkrieg beendet.[9] Bereits nach wenigen Tagen zogen sich die Amerikaner zurück und die Briten übernahmen das Kommando und belegten das Sennelager bei Schlangen.

1970 trat die kommunale Neuordnung des Landes Nordrhein-Westfalen in Kraft und Schlangen, Kohlstädt und Oesterholz-Haustenbeck wurden zu einer neuen Gemeinde Schlangen zusammengefasst. Doch bereits vier Jahre später sollte Schlangen bei der Neuordnung des Raums im Hochstift Paderborn der Stadt Lippspringe zugeordnet werden und damit die Zugehörigkeit zu Lippe verlieren. Dagegen wehrten sich die Einwohner Schlangens erfolgreich, denn die Gemeinde blieb selbständig und im Kreis Lippe.[6]

Religionen[Bearbeiten]

Die Mehrheit der Bevölkerung ist evangelisch und gehört der Lippischen Landeskirche an, einer überwiegend reformierten Kirche. Die Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Schlangen umfasst das gesamte Gemeindegebiet, teilt sich in die beiden Pfarrbezirke Ost und West und gehört zur Klasse Blomberg der Landeskirche.[10]

Eine Minderheit der Bevölkerung ist katholisch. Die Katholische Pfarrgemeinde Sankt Marien Schlangen ist Teil des Pastoralverbundes Bad Lippspringe-Schlangen im Dekanat Paderborn des Erzbistums Paderborn.[11]

Ein Indiz für die Verteilung kann die Angabe der konfessionellen Zugehörigkeit der Schlänger Schüler sein. Nach den Angaben des LDS aus dem Jahre 2004 sind rund 60 % der Schüler evangelisch, 11 % katholisch, knapp 2 % islamisch. 19 % geben an, einer sonstigen Konfession anzugehören, und knapp 9 % rechnen sich keiner Konfession zu.[12]

Ferner existieren in Schlangen mehrere freie Christengemeinden. So sind etwa eine Adventgemeinde, eine Evangeliums Christengemeinde und die Zeugen Jehovas mit eigenen Räumlichkeiten vertreten.

Friedhöfe[Bearbeiten]

Jeweils in Schlangen, Oesterholz, Haustenbeck (Wüstung) und Kohlstädt gibt es einen christlichen Friedhof. In Schlangen sind zudem ein jüdischer Friedhof sowie ein Ehrenhain für die Gefallenen der beiden Weltkriege aufzufinden.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

1939 wurde die bisherige Gemeinde Haustenbeck zur Erweiterung des Truppenübungsplatzes aufgelöst, das Gemeindegebiet der benachbarten Gemeinde Oesterholz (Oesterholz-Haustenbeck) zugeschlagen.

Nach § 4 des Gesetzes zur Neugliederung des Kreises Detmold vom 2. Dezember 1969 wurden zum 1. Januar 1970 die bisherigen Gemeinden Schlangen, Kohlstädt und Oesterholz-Haustenbeck zu einer neuen Gemeinde zusammengeschlossen. Die Gemeinde erhielt den Namen Schlangen.[13] Am 1. Januar 1975 kam aus der Gemeinde Bad Lippspringe noch eine Fläche von 2 ha mit damals 36 Einwohnern hinzu.[14]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerentwicklung von Schlangen seit 1975 im jeweiligen Gebietsstand. Bei den Zahlen handelt es sich ab 1975 um amtliche Fortschreibungen des Landesbetriebs Information und Technik NRW, Geschäftsbereich Statistik[15], die Angabe für 1987 ist ein Volkszählungsergebnis[16] und die Zahlen ab 1990 sind Fortschreibungen auf Basis der Ergebnisse der Volkszählung von 1987. Die Angaben beziehen sich vor 1985 auf die Wohnbevölkerung und ab diesem Zeitpunkt auf die Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung. Am 1. Januar 2014 zählte die Gemeinde Schlangen 9029 Einwohner, dovon wohnen 5925 in Schlangen selbst, 1888 Einwohner in Oesterholz-H. und 1216 Einwohner in Kohlstädt.[17]

Bevölkerungsentwicklung seit 1975
Jahr Einwohner
1975 (31. Dez.) 7166
1980 (31. Dez.) 7435
1985 (31. Dez.) 7362
1987 (25. Mai) 7217
1990 (31. Dez.) 7635
1995 (31. Dez.) 8194
Jahr Einwohner
2000 (31. Dez.) 8845
2005 (31. Dez.) 9080
2008 (31. Dez.) 8833
2012 (31. Dez.) 8943
2014 (1. Jan.) 9029

Politik[Bearbeiten]

Sitzverteilung im Gemeinderat 2014
3
11
2
10
11 10 
Von 26 Sitzen entfallen auf:

Schlangen gehört zum Landtagswahlkreis Lippe III (99), in dem bei der Landtagswahl 2012 Dennis Maelzer (SPD) als Direktkandidat gewählt wurde. Auf Bundesebene gehört Schlangen zum Bundestagswahlkreis Höxter – Lippe II (137), in dem 2013 Christian Haase (CDU) als Direktkandidat gewählt wurde.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Dorfplatz mit Rathaus, Brunnen und Polizei
Bürgerhaus mit Sälen für Veranstaltungen
Strothetalhalle in Kohlstädt

Der Gemeinderat von Schlangen setzt sich derzeit aus 26 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen. Hinzu kommt der Bürgermeister als Ratsvorsitzender.

Rat der Gemeinde Schlangen: Wähleranteil und Gemeinderäte seit 1975
CDU Nordrhein-Westfalen
SPD Nordrhein-Westfalen
FDP Nordrhein-Westfalen
Bündnis 90/Die Grünen
Gesamt Wahl-
beteiligung
Wahlperiode  % Sitze¹  % Mandate  % Mandate  % Mandate  %² Gesamtanzahl der Sitze im Rat³  %
1975–1979 39,25 10 50,65 14 10,10 3 100 27 86,68
1979–1984 36,89 10 52,30 14 10,81 3 100 27 78,04
1984–1989 34,68 9 59,19 17 6,13 1 100 27 72,43
1989–1994 37,73 11 45,99 13 4,66 0 11,62 3 100 27 72,30
1994–1999 48,74 14 40,99 11 - - 10,26 2 100 27 84,44
1999–2004 46,08 12 45,18 12 - - 8,74 2 100 26 68,15
2004–2009 48,16 13 38,44 10 - - 13,41 3 100 26 63,14
2009–2014 33,03 9 40,87 11 13,02 3 13,08 3 100 26 52,88
2014–2019 36,68 10 43,80 11 7,14 2 12,38 3 100 26 47,94
¹ Mandate = Mandate; ² ohne Berücksichtigung von Rundungsdifferenzen; ³ Gesamtanzahl der Sitze im Rat = Sitze im Rat.

Quellen: [18][19][20]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister von Schlangen ist nach der Wahl am 9. März 2008 Ulrich Knorr (SPD). Die Wahl war notwendig geworden, nachdem der am 26. September 2004 mit 58,4 % der gültigen Stimmen gewählte Thorsten Paulussen als „erster Beigeordneter“ zur Stadt Lage (Lippe) gewechselt war. Sein Vorgänger war Werner Schmidt, der am 26. September 1999 in einer Stichwahl mit 51,7 % der gültigen Stimmen gewählt worden war.

Bürgermeister der Gemeinde Schlangen
Amtszeit Bürgermeister Partei  %3 Bemerkung
1994–1999 Friedel Heuwinkel CDU
1999–2004 Werner Schmidt 51,7 %
2004–2008 Thorsten Paulussen 58,4 %
2008–2014 Ulrich Knorr SPD 50,0 %
2014–2019 Ulrich Knorr SPD 85,89 %

3 Seit 1999 Direktwahl. Seit 2009 keine Stichwahl mehr.
Quellen: Landeswahlleiterin des Landes Nordrhein-Westfalen[21]

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Wappen der Gemeinde

Der Gemeinde Schlangen ist mit Urkunde des Regierungspräsidenten in Detmold vom 16. Juli 1970 das Recht zur Führung eines Wappens und einer Flagge verliehen worden.

Die amtliche Beschreibung des Wappens nach § 2 der Hauptsatzung lautet:[22]

„In Silber (Weiß) eine S-förmig gebogene blaue Schlange, die oben eine gestielte goldene (gelbe) Eichel mit zwei grünen Eichenblättern, unten eine fünfblättrige Rose, die Lippische Rose, mit goldenen Butzen und Kelchblättern umschlingt.“
Bedeutung

Die Schlange gibt eine „redende“ und die Eichel mit Eichenblättern eine historische Deutung des Ortsnamens „Lanchel“ als Langeloh, langes Gehölz bzw. lange Niederung (Senke). Die lippische Rose weist auf die Zugehörigkeit zum ehemaligen Land Lippe hin.

Beschreibung der Flagge[22]
„Auf einer von Blau und Weiß (1 Blau : 1 Weiß : 2 Blau : 1 Weiß : 1 Blau) längs geteilten Bahn das Wappen der Gemeinde.“

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Wappen von Viitasaari

Die Deutsch-Finnische Gesellschaft (DFG) machte 1995 eine Umfrage unter allen 450 Städten und Gemeinden in Finnland eine Umfrage, ob Interesse an einer Partnerschaft mit einer deutschen Stadt oder Gemeinde bestünde. 21 Städte und Gemeinden hatten gesteigertes Interesse. Schlänger Bürger hatten bereits Kontakt zur DFG, schließlich waren bereits finnische Künstler mehrfach in Schlangen aufgetreten.

Die DFG schlug der Gemeinde eine Partnerschaft mit einer finnischen Kommune vor, was positiv aufgenommen wurde. Man wählte Viitasaari in Mittelfinnland als Partnerstadt, da die Einwohnerzahlen und die wirtschaftliche Struktur mit vornehmlich holzverarbeitenden Betrieben ähnlich war. Am 6. April 1998 beschloss der Rat der Stadt Viitasaari die Partnerschaft, am 29. Oktober des Jahres zog der Gemeinderat Schlangen nach. Im März 1999 besuchte man die finnische Partnerstadt bei der auch die Partnerschaftsurkunden unterschrieben wurden. Der Gegenbesuch mit Unterzeichnung einer weiteren Urkunde folgte im August des Jahres. Seitdem finden unregelmäßige Besuche von Vereinen und Bürgern der verbundenen Kommunen statt.

Wappen von Stężyca

Im Jahr 2000 zog das Ehepaar Franz und Maria von Prondzinski aus Szymbark (Schönberg), einem von 18 Ortsteilen der polnischen Stadt Stężyca (Stendsitz) in Kaschubien, nach Kohlstädt. Durch ihr Mitwirken im Kohlstädter Spielmannszug entstand ein Kontakt zur Folkloregruppe aus Szymbark. Daraufhin kam es zu Besuchen und Gegenbesuchen, die einen freundschaftlichen Austausch begründeten. Die Ratsvertreter sprachen sich rasch für eine Städtepartnerschaft aus, da die beiden Orte Ähnlichkeiten in Fläche und Einwohnerzahl aufweisen und unter 1000 Kilometer voneinander entfernt liegen. Die Bürgermeister Ulrich Knorr und Tomasz Brzoskowski unterzeichneten den Vertrag zur Städtepartnerschaft zunächst am 9. Juli 2011 in Schlangen. Am 8. Oktober 2011 erfolgte die beidseitige Unterzeichnung in Stężyca.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

Schlangen verfügt über kein eigenes Theater. Die nächstgelegenen Theater sind das Landestheater Detmold, die westfälischen Kammerspiele in Paderborn und das Theater Bielefeld.

Museen[Bearbeiten]

Das Dorfmuseum im Haus Fischer

Im Bürgerhaus ist seit 1993 das Dorfmuseum Schlangen eingerichtet. Das ehemalige Haus Fischer wurde 1889 aus Kalk-Bruchstein erbaut. Über 5.000 Exponate, die die Lebensbedingungen und Arbeitsweisen der Schlänger Vorfahren dokumentieren, können besichtigt werden. Die Exponate sind den Themengebieten der Landwirtschaft, Hausschlachtung, Handwerk und zur Textilherstellung zugehörig. Aber auch Einrichtungsgegenstände für Stube, Küche und Schlafzimmer sind zu sehen.

Die Schmiede Mötz wurde 1814 gegründet. Sie war bis 1975 in Betrieb und wurde erst 2005 zu einem Museum umgebaut. Die ursprüngliche Einrichtung und Ausstattung ist noch erhalten und kann besichtigt werden.

Das Heimathaus Oesterholz-Haustenbeck im gleichnamigen Ortsteil ist in einer etwa 210 Jahre alten Hofanlage eingerichtet. Im Haustenbecker-Zimmer wird die 1150jährige Geschichte des 1939 aufgelösten Dorfes Haustenbeck (heute Truppenübungsplatz) erzählt.

Musik[Bearbeiten]

Das musikalische Angebot in der Gemeinde bietet 3 Gesangsvereine und Chorgruppen, zwei Spielmannszüge und einen Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr. Weiterhin gibt es ein Akkordeonorchester und einen Posaunenchor. Zur Ausbildung von Musikern gibt es die im Jahr 2005 privatisierte Musikschule Schlangen.

Bauwerke[Bearbeiten]

Die Evangelische Kirche Schlangen geht mir ihren Ursprüngen in das 9. oder 10. Jahrhundert zurück. Auf den bei Grabungen im Kirchenschiff 1969 gefundenen Fundamenten einer älteren Kirche aus dieser Zeit wurde um 1200 ein Kirchengebäude im romanischen Stil errichtet. Das Südschiff der Kirche wurde im Jahre 1590 angebaut, wie aus einer Inschrift hervorgeht. Nach Abbruch und Neuerrichtung des Kirchenschiffes 1878 erhielt die Kirche durch den Baumeister Ferdinand Ludwig August Merckel ihr heutiges Gesicht. Unter alten Farbschichten im Kirchturm stieß man 1970 auf ein Wandbild des Christopherus aus dem 13. Jahrhundert, der ältesten Darstellung des Christopherus in ganz Westfalen.[23]

Die Burgruine Kohlstädt wurde um 1050 im romanischen Stil, vermutlich von den Grafen von Schwalenberg, als Herrenburg errichtet. Man nimmt an, dass sie zur Kontrolle der Passstraße entlang der Strothe an der Egge diente. Die Burg wurde Ende des 14. Jahrhunderts verlassen und sie ist seitdem verfallen. Heute sind von der Ruine noch die Reste des 12 m hohen Wehrturmes und die Fundamente eines Nebengebäudes erhalten.

Ende des 16. Jahrhunderts ließ Graf Simon VI. das Jagdschloss Oesterholz errichten. Erhalten ist das Wohnhaus des Schlosses. Der zweigeschossige Fachwerkbau wird seit 1929 als Altenheim genutzt. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde das Schloss von Hermann Adolf erweitert. Bereits 1770 wurden diese Neubauten wieder abgerissen. Die Reste dieser Gebäude wurden für den Bau des Kurhauses „Zur Rose“ in Bad Meinberg verwendet.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde dem Oberjäger Hermann Konrad Kruse das Krugprivileg verliehen, woraufhin er im Forsthaus den Kreuzkrug eröffnete. Die Nebengebäude der Schankwirtschaft dienten den Waldarbeitern als Quartier. 1782 musste die verschuldete Familie Kruse das Gebäude an die lippische Rentkammer verkaufen. Im 19. Jahrhundert trennte man Forst- und Schankwirtschaft voneinander und der Kreuzkrug wurde nur noch als Forsthaus genutzt. Das jetzige Gebäude wurde 1812 nach Verlegung des Kruges als Traufenhaus neu erbaut.

In der Mühlenstraße steht ein Bauernhaus, welches vermutlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Das Fachwerk ist mit Putzausfachungen versehen und von einem Satteldach mit Pfannen gedeckt. Der Wirtschaftsgiebel, dessen verbrettertes Giebeldreieck auf Baldkenköpfen hervor ragt, liegt auf der Nordseite. Das Tor ist vierteilig, die Deele hoch und hat einen großen Querschnitt. Der originale Dachstuhl hat Kehlbalken. Im Süden erfolgte eine Erweiterung um etwa drei Meter. Seit 1998 wird das Gebäude als Café und Restaurant sowie als Wohnung genutzt.

Die Wassermühle Kohlstädt ist das einzige original erhaltene Fachwerkhaus im Schlänger Ortsteil. Das Hauptgebäude ist eingeschossig und aus unterkellertem Fachwerk. Der Keller ist auf der Wasserseite ebenfalls in Fachwerk ausgeführt. Das Wasserrad am südöstlichen Giebel wird mit Ober- und Unterwasser betrieben, welches durch eine Rinne zum Rad fließt.

Auf dem Gebiet von Haustenbeck steht etwa 500 Meter nordöstlich vom ehemaligen Ortskern der Haustenbecker Turm. Dieser Turm wurde erst 1941 als Beobachtungsturm für das übende Militär gebaut. Heute dient der Turm auch dem Vogelschutz und bietet verschiedenen Greifvögeln Nistplätze. Er ist dem Kirchturm der St. Kilian Kirche in Büren-Brenken nachempfunden.

Der völkische Laienforscher Wilhelm Teudt, dessen Hauptinteresse dem Raum südlich von Detmold galt, lehrte, dass am Ort des Hofs Gierke in Oesterholz eine germanische Kultburg oder Gelehrtenschule bestanden habe. Dort sei auch der Ort des Klosters Hethi zu finden. Teudt behauptete weiterhin, die Hünenkirche in Kohlstädt sei germanischen Ursprungs. Möglicherweise handele es sich um den Turm der von Tacitus genannten Seherin Veleda. Von der Fachwissenschaft werden Teudts Lehren abgelehnt.

Parks[Bearbeiten]

Das Gefallenmahnmal im Ehrenhain
Hans Winter-Platz mit Wappensäule

Im Gemeindegebiet liegen drei Parkanlagen. Dies sind der Gutspark Sternhof, eine nicht öffentlich zugängliche Anlage mit etwa 7.5 ha Größe[24], die ebenfalls nicht zugänglichen Gärten am Jagdschloss Oesterholz mit einem ha Größe[25], sowie die Fürstenallee[26] (siehe Naturdenkmäler).

Darüber hinaus liegt die Gemeinde im Naturpark Teutoburger Wald / Eggegebirge.

Naturdenkmäler und Naturschutzgebiete[Bearbeiten]

Die Fürstenallee, ein Abschnitt der Landesstraße 937, gilt als die schönste Eichenallee im Lippischen Land. Sie ist sowohl als Naturdenkmal als auch als Park ausgewiesen. Als Besonderheit ist zu vermerken, dass die innere Baumreihe dem Landesbetrieb Straßenbau NRW gehört, während die äußere Baumreihe im Eigentum des Landesverbands Lippe steht.

Die als Naturdenkmal und Naturschutzgebiet ausgewiesene Hohlsteinhöhle ist eine ca. 185 Meter[27] lange, natürliche Klufthöhle. Der Eingangsbereich ist mit einem 4 m hohen und 0,5 bis 1,5 m breiten Gitter versehen und weist einen abfallenden, geröllbedeckten Boden auf. Eine nach 30 Metern folgende Engstelle erweitert die Höhle in zwei Kammern, welche in hinteren und schwer zugänglichen Teilen Tropfsteinbildungen enthalten. Dem Zutritt der Öffentlichkeit bleibt sie bis auf wenige Ausnahmen verwehrt, da sie als Naturdenkmal und Zufluchtsort für Fledermausarten gilt.

Auf dem Gemeindegebiet von Schlangen sind insgesamt acht Naturschutzgebiete ausgewiesen, die vollständig auf dem Gemeindegebiet liegen oder an denen Schlangen Anteil hat. Dies sind neben der bereits genannten Hohlsteinhöhle die Strohte-Niederung (ca. 95,8 ha), das Schlänger Moor (ca. 8,4 ha), das Emkental (ca. 20,7 ha), die Senne nördlich von Oesterholz (ca. 18 ha), der Oesterholzer Bruch mit Schwedenschanze (ca. 38,8 ha), die Schwedenschanze selbst (ca. 0,8 ha) und der östliche Teutoburger Wald (rund 2323 ha).

In Oesterholz wurde im Naturpark Teutoburger Wald / Eggegebirge 1982 ein archäologischer Lehrpfad eingerichtet, ein kurzer Rundweg über ein bronzezeitliches Hügelgräberfeld. Er zeigt zehn Grabhügel, von denen einige kaum noch sichtbar sind. An den erkennbaren Grabstellen und an zwei nachgebildete Hügelgräbern sind Hinweistafeln aufgestellt, die einen Einblick von bronzezeitlichen Bestattungen geben.

Sport[Bearbeiten]

Sportplatz und Turnhalle am Rennekamp
Schützenhaus an der Mühlenstraße

Das Freibad in Schlangen bietet ein 50-Meter-Becken, je einen Sprungtürme in den Höhen 1 m und 3 m , einen abgetrennten Nichtschwimmerbereich und ein Planschbecken mit Rutsche. Eine Liegewiese und Freizeitangebote wie Tischtennisplatten und Kickertische runden das Angebot ab.

Schlangen verfügt über einen Kunstrasen-Sportplatz mit einer 400-Meter-Laufbahn und einem Vereinsheim.

In allen drei Ortsteilen der Gemeinde gibt es je einen allgemeinen Sportverein. Über das Gemeindegebiet sind drei Reitvereine sowie je ein Angelsportverein, Fußballclub, Kneipp-Verein, Modellflugclub, Motor-Sport-Club, Sportschützengruppe, Handballverein, Tanzkreis und ein Tennis-Club verteilt. Weiterhin gibt es eine DLRG-Ortsgruppe. Die meisten Sportvereine sind im Sportverband Schlangen organisiert. Des Weiteren hat Schlangen drei Steeldartvereine.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

In jedem ungeraden Jahr findet in Haustenbeck das Haustenbecker Treffen, ein Wiedersehenstreffen alter Haustenbecker und Freunde statt. Ausgerichtet wird dieses Treffen durch den Heimat- und Verkehrsverein Oesterholz-Haustenbeck.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Teller mit lippischem Pickert

Unter Lippischem Pickert versteht man kleine Kuchen aus Hefe, Mehl und Kartoffeln, die mit Korinthen und Rosinen in der Bratpfanne gebacken werden. Der Pickert wird warm gegessen und mit gesalzener Butter, Rübenkraut, Marmelade oder grober Leberwurst bestrichen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Schlangen gehört zum Integrierten ländlichen Entwicklungskonzept Südlippe, einem Verbund der Gemeinden Blomberg, Horn-Bad Meinberg, Lügde, Schieder-Schwalenberg und Schlangen.

Verkehr[Bearbeiten]

Schlangen liegt an der Bundesstraße 1, über die im Südwesten Paderborn und im Nordosten über das Lipperland Hildesheim erreichbar ist. Richtung Norden ist Detmold über den Pass Gauseköte auf der L937 erreichbar. Im Osten führt die K98 Richtung Veldrom im Stadtgebiet von Horn-Bad Meinberg. Die Verkehrsverbindung in Richtung Westen ist eingeschränkt. Sie führt über den Truppenübungsplatz Senne und ist nur zeitweise geöffnet.

Nächstgelegene Bahnhöfe sind die Fernbahnhöfe Paderborn in etwa 15 km und Altenbeken in rund 16 km Entfernung. Der Regionalbahnhof Horn-Bad Meinberg an der Bahnstrecke Herford–Altenbeken befindet sich etwa 13 km entfernt.

Schlangen ist mit Regionalbussen der Linie 450 Paderborn–Bad Lippspringe–Horn täglich erreichbar. Nach Paderborn besteht werktags ein 20-Minuten-Takt.[28][29]

Der nächste Flughafen ist der 32 km entfernte Flughafen Paderborn-Lippstadt.

Durch das Gemeindegebiet von Schlangen verläuft der Fernwanderweg Hermannsweg als des Hermannshöhen-Weges, sowie die Radfernwege Römerroute und Senne-Radweg.

Medien[Bearbeiten]

In Schlangen sind zwei lokale Tageszeitungen vertreten: Die Lippische Landes-Zeitung, die mit der Neuen Westfälische aus Bielefeld kooperiert, und die Schlänger Zeitung als Lokalausgabe des Westfalen-Blattes.

Monatlich erscheint der Schlänger Bote als Zeitschrift für die Gemeinde Schlangen, die Stadt Bad Lippspringe, für Marienloh, Benhausen und Neuenbeken (die nordöstlichen Stadtteile von Paderborn) sowie Veldrom (westlicher Stadtteil von Horn-Bad Meinberg). Im Schlänger Boten erscheinen regelmäßig Aufsätze zur Ortsgeschichte von Schlangen.[30] Ebenfalls monatlich erscheint der Blickpunkt-Schlangen als regionale Zeitschrift für die Gemeinde Schlangen mit Oesterholz-Haustenbeck und Kohlstädt sowie für die Stadt Bad Lippspringe.

Schlangen gehört zum Berichtsgebiet des WDR Studios in Bielefeld und des Lokalsenders Radio Lippe.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Rathaus und Bauamt (r.)
Ehem. Straßenbahndepot, heute Feuerwehrhaus

Die Freiwillige Feuerwehr Schlangen gliedert sich in drei Löschzüge und -gruppen. Zur Ausbildung der Jugend besteht eine Jugendfeuerwehr. Weiterhin führt die Feuerwehr einen eigenen Musikzug. Alle Löschgruppen in den Ortsteilen verfügen über je ein Tanklöschfahrzeug und ein Mannschaftstransportfahrzeug. Der Löschzug in der Hauptwache verfügt darüber hinaus über einen Rüst-, Schlauch-, und Einsatzleitwagen.

Die Gemeindewerke Schlangen ist das Wasserversorgungsunternehmen für die Gemeinde. Sie führen auch die Eigenbetriebe zur Abwasserbeseitigung und das Freibad.

Seit 1938 gibt es eine Gemeindebücherei. Sie verfügt über etwa 11.300 Medien, darunter nicht nur Bücher, sondern auch etwa 240 Spiele und Kinderkassetten.

Die Gemeinde betreibt den Jugendtreff Hot Domino in der alten Musikschule. Es gibt regelmäßige Angebote für Kinder und Jugendliche.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Schlangen ist Träger von zwei Grundschulen und einer Hauptschule. Für weitere Schulformen müssen die Angebote der umliegenden Städte genutzt werden. Im Jahr 2007 wurden an diesen Schulen der Gemeinde mit 43 Lehrkräften insgesamt 628 Schüler unterrichtet, davon 72,3 % an den Grundschulen und 27,7 % an der Hauptschule.[4]

Bis Ende 2004 führte die Gemeinde auch eine Musikschule, die zum 1. Januar 2005 an einen privaten Träger abgegeben wurde. Für die Erwachsenenbildung gibt es die Volkshochschule Detmold, die sich auch über Horn-Bad Meinberg und Schlangen erstreckt.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

210 Unternehmen sind in Schlangen gemeldet, die insgesamt 1.646 Arbeitnehmer beschäftigen. Der Löwenanteil von etwa 61 % (= 1.007 Personen) arbeitet im produzierenden Gewerbe. Schwerpunkt ist hier die Möbelindustrie und das holzverarbeitende Gewerbe. 23 % (= 373 Personen) arbeiten im Dienstleistungssektor. Weitere 16 % (= 256 Personen) sind im Handel und Gewerbe beschäftigt. Die übrigen 10 Arbeitnehmer sind in Land- und Forstwirtschaft angestellt.[31] In Schlangen ist die Volksbank Schlangen ansässig.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die mit der Gemeinde in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Heinz Wiemann (Hrsg.): Geschichte der Dörfer Schlangen, Kohlstädt, Oesterholz und Haustenbeck. 1, Verlag für Regionalgeschichte, 2008, ISBN 978-3895347931.
  •  Heinz Wiemann (Hrsg.): Geschichte der Dörfer Schlangen, Kohlstädt, Oesterholz und Haustenbeck. 2, Verlag für Regionalgeschichte, 2011, ISBN 978-3895348846.
  •  Heinz Wiemann: Lanchel, Colstidi, Astanholte : Beiträge zur Geschichte der Ortschaften Schlangen, Kohlstädt und Oesterholz-Haustenbeck. Selbstverlag, Schlangen 1969.
  •  Ulrich Harteisen: Die historische Landschaftsanalyse-ein Planungsinstrument im Naturschutz Die Gemarkung Haustenbeck in der Kulturlandschaft Senne als Beispiel. Cuvillier, 1999, ISBN 978-3897126022.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 3. September 2014. (Hilfe dazu)
  2. Geologischer Dienst NRW: Geowissenschaftliche Gemeindebeschreibungen NRW. Schlangen
  3. Geologischer Dienst NRW: Erdwärme nutzen – Geothermiestudie liefert Planungsgrundlage (PDF; 369 kB)
  4. a b Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen: Kommunalprofil Schlangen
  5. Klimadaten Deutscher Wetterdienst
  6. a b c d e f g h i j Hans Winter: Von der Nonne Oda bis zur Gegenwart - 975 Jahre Schlangen, in Heimatland Lippe, September 1990, Seite 268ff.
  7. Wilhelm Süvern: Der Gemeindebote, Heft 9 vom 30. Oktober 1958
  8. Erich Knittel: Heimatchronik des Kreises Lippe, Seite 275f. Archiv für deutsche Heimatpflege GmbH, Köln 1978.
  9. * Heinz Meyer: Damals - Der Zweite Weltkrieg zwischen Teutoburger Wald Weser und Leine, Seite 111. Verlag K.W. Schütz KG, Preußisch Oldendorf 1980. ISBN 3-87725-094-7
  10. Lippische Landeskirche: Übersicht der Gemeinden
  11. Erzbistum Paderborn: Dekanat Paderborn
  12. Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen: Schüler an allgemein bildenden Schulen in NRW nach der Religionszugehörigkeit (Archivversion) (Version vom 18. Dezember 2005 im Internet Archive)
  13. Gesetz zur Neugliederung des Kreises Detmold. Vom 2. Dezember 1969
  14.  Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X.
  15. Landesbetrieb für Information und Technik Nordrhein-Westfalen, Geschäftsbereich Statistik: Landesdatenbank Nordrhein-Westfalen
  16. Landesbetrieb Information und Technik NRW: Sonderreihe zur Volkszählung 1987 in Nordrhein-Westfalen, Band 1.1: Bevölkerung, Privathaushalte und Erwerbstätige. Düsseldorf 1989, S. 110.
  17. http://www.schlangen-online.de/city_info/webaccessibility/index.cfm?region_id=209&waid=225&item_id=845839&oldrecord=10136&oldmodul=5&olddesign=0&oldkeyword=0&oldeps=20&oldaz=all&oldcat=0&fsize=1&contrast=0
  18. Landesdatenbank NRW; Wahlergebnisse zum Gemeindecode 05766064
  19. Landesbetrieb Information und Technik NRW: Kommunalwahlen
  20. Kommunales Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe: Ergebnisse der Ratswahl 2014
  21. Landeswahlleiterin des Landes Nordrhein-Westfalen; Innenministerium Nordrhein-Westfalen: Kommunalwahlen
  22. a b Hauptsatzung der Gemeinde
  23. Wander- und Freizeitführer i-tourguide: Kirche in Schlangen (Archivversion) (Version vom 21. August 2007 im Internet Archive)
  24. Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Gutspark Sternhof in LWL-GeodatenKultur
  25. Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Gärten am Jagdschloss Oesterholz in LWL-GeodatenKultur
  26. Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Fürstenallee in LWL-GeodatenKultur
  27. Fotodokumentation der Hohlsteinhöhle, [1], 2007
  28. Nahverkehrsverbund Paderborn-Höxter: PDF
  29. PDF bei www.nph.de
  30. Schlänger Bote: viele vergangene Ausgaben sind als PDF-Dateien abrufbar, die auch Aufsätze zur Ortsgeschichte von Schlangen enthalten.
  31. Gemeinde Schlangen: Wirtschaft und Arbeit | Standort
  32. Wikisource-Autorenseite

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schlangen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien