Schlangengift

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Schlangengifte (Schlangentoxine) sind die physiologisch wirksamen Bestandteile des Giftapparates der Giftschlangen. Sie dienen hauptsächlich der Beutejagd und der Verdauung, daneben auch zur Verteidigung gegen Angreifer. Zur Anzahl der weltweit jährlich durch Giftschlangen verursachten Todesfälle gibt es keine sicheren Angaben, eine neuere Schätzung gibt 21.000 bis 94.000 Todesfälle pro Jahr an.[1]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Wirkung

Die Gifte der verschiedenen Schlangen bzw. ihre Komponenten lassen sich nach ihrer chemischen Zusammensetzung und ihrem Ansatzpunkt bzw. ihrer Wirkung im Organismus in verschiedene Gruppen einteilen: (der kursiv geschriebene Text beschreibt direkte Symptome beim Menschen)

  1. Entzündungserscheinungen
  2. Zytotoxisch: Schädigung von Zellen und Gewebe
  3. neurotoxisch: Wirkung auf das Nervensystem
  4. Hämotoxisch, Wirkung auf die Blutgerinnung (Thrombocyten)
  5. Giftallergie

Diese Erscheinungen werden oft (aber nicht unbedingt) von allgemeinen Symptomen wie Fieber, Übelkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen und Ähnlichem begleitet.

Chemisch gesehen bestehen Schlangengifte zu über 90 % aus Proteinen und Polypeptiden und daneben noch einigen Enzymen. Die toxischen Proteine (Toxine) sind meist sehr groß und komplex. Weiterhin sind zahlreiche ungiftige, z. T. anderweitig biologisch aktive Stoffe - vor allem Proteine und Peptide - darin enthalten.

Die Wirkung des Giftes auf den Organismus wird nicht nur durch eine einzige, sondern oft durch viele Komponenten gebildet. Dabei ist nicht nur die Zusammensetzung der Anteile, sondern auch deren Verhältnis zueinander entscheidend. In vielen Fällen finden sich mehrere Komponenten mit verschiedener Wirkung (hämotoxisch, neurotoxisch etc.) kombiniert in einem Gift.

[Bearbeiten] Giftigkeit

Die Wirkung von Giften wird allgemein anhand des so genannten LD50-Wertes beurteilt. Die giftigsten Schlangen der Welt sind überwiegend in Australien heimisch. Als giftigste aller Schlangen gilt allgemein der ebenfalls in Australien vorkommende Inlandtaipan mit einem LD50-Wert von 0,025 mg/kg.

[Bearbeiten] Bisse von Giftschlangen in Deutschland

In Deutschland kommen in freier Natur nur zwei Giftschlangen vor: Die Aspisviper (bis zu 1 m lang) und die Kreuzotter (ebenfalls bis zu 1 m lang). Das Gift der Kreuzotter ist zwar relativ stark, jedoch besitzt sie davon nur bis maximal 18 mg. Daher ist ein Biss für einen gesunden Erwachsenen in kaum einem Fall tödlich (dafür müsste er Bisse von mehreren Schlangen auf einmal erleiden, was extrem unwahrscheinlich ist); bei Kindern, die weniger als rund 30 kg schwer sind, oder älteren Menschen ist allerdings Vorsicht geboten. Nach einem Biss sollte in jedem Fall sofort ein Arzt aufgesucht werden, da es häufig auch zu Infektionen durch im Maul der Schlangen lebende Bakterien kommt.

[Bearbeiten] Bisse von Giftschlangen in der Schweiz

Der letzte Todesfall durch einen Giftschlangenbiss datiert in der Schweiz von 1961. Seither gab es dort durch Kreuzotter oder Aspisviper keine tödlichen Bissunfälle mehr.[2]

[Bearbeiten] Schlangengift in der Medizin

Wie viele andere Gifte kann Schlangengift in geringer Dosierung für medizinische Zwecke eingesetzt werden. Neben der direkten Anwendung als Arzneimittel kann es der Suche nach neuen Medikamenten beitragen. So kann es helfen, physiologische Vorgänge aufzuklären und besser zu verstehen sowie neue Wirkstoffe zu finden. So dienten Schlangengifte als Vorlage für einige blutdrucksenkende Arzneimittel aus der Gruppe der ACE-Hemmer (Captopril, Enalapril). In folgenden Bereichen der Therapie werden Schlangengifte verwendet:

Seine Gewinnung erfolgt in Schlangenfarmen durch "Melken" der Giftdrüsen. Dafür werden die Zähne durch eine Membran über einem Behälter gesteckt und die Giftdrüsen massiert. Das ablaufende Gift wird tiefgefroren, gefriergetrocknet und zu Granulat vermahlen.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Quellen

  1. Anuradhani Kasturiratne, A. Rajitha Wickremasinghe, Nilanthi de Silva, N. Kithsiri Gunawardena, Arunasalam Pathmeswaran1, Ranjan Premaratna, Lorenzo Savioli, David G. Lalloo, H. Janaka de Silva: The Global Burden of Snakebite: A Literature Analysis and Modelling Based on Regional Estimates of Envenoming and Deaths. PLoS Medicine Vol. 5, No. 11, e218 doi:10.1371/journal.pmed.0050218
  2. Eidgenössisches Institut für Schnee- und Lawinenforschung, Davos: Sicherheit, Medizin, Rettungswesen: Giftschlangen in den Schweizer Alpen. Die Alpen, 8, 1999: S. 25-29 [1]

[Bearbeiten] Literatur

  • Roland Bauchot (Hrsg.): Schlangen, Weltbild Verlag, 1994, ISBN 3-8289-1501-9
  • Waldemar Diesing: Schlangen-Reintoxine und ihre Bedeutung für die Heilkunde, Georgensgmünd, Horvi-Chemie, 3. Aufl., 1993

[Bearbeiten] Weblinks


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