Schlangenkopffische

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Schlangenkopffischartige bzw. Channoidei sind Weiterleitungen auf diesen Artikel. Zu dieser Fisch-Unterordnung werden jedoch auch die Nanderbarsche gezählt.
Schlangenkopffische
Augenfleck-Schlangenkopffisch (Channa pleurophthalma)

Augenfleck-Schlangenkopffisch (Channa pleurophthalma)

Systematik
Acanthomorphata
Stachelflosser (Euacanthomorphacea)
Barschverwandte (Percomorphaceae)
Ordnung: Anabantiformes
Unterordnung: Channoidei
Familie: Schlangenkopffische
Wissenschaftlicher Name
Channidae
Bleeker, 1860

Die Schlangenkopffische (Channidae, Syn. Ophicephalidae) sind eine Raubfischfamilie, die mit zwei rezenten Gattungen und über 30 Arten Süßgewässer des tropischen Afrika sowie Südasiens und Ostasiens bewohnt. Es sind schlanke Fische, die sich von Wasserinsekten, Mollusken sowie Fischen ernähren. In Asien und Afrika werden Schlangenkopffische als Speisefische in Aquakulturen gezüchtet.

Merkmale[Bearbeiten]

Schlangenkopffische haben einen massigen, walzenförmigen und langgestreckten Körper mit langer Rücken- und Afterflosse. Sie werden 15 Zentimeter bis 1,83 Meter lang und haben Rund- oder Kammschuppen. Bauchflossen sind normalerweise vorhanden und werden von sechs Flossenstrahlen gestützt. Die Bauchflossen liegen hinter den Brustflossen. Bei einigen Channa-Arten können sie fehlen (C. asiatica, C. bleheri, C. burmanica, C. orientalis). Ursprünglich wurden die bauchflossenlosen Arten als Channa, Scopoli, 1777 geführt, die Arten mit Bauchflossen als Ophicephalus, Bloch, 1793. Die bauchflossenlosen Arten bilden jedoch keine monophyletische Gruppe. Das Merkmal ist mindestens dreimal unabhängig voneinander entstanden.[1] Die Schwanzflosse aller Schlangenkopffische ist abgerundet. Alle Flossen sind ohne Stacheln.[2] Der wegen des großen Mauls und der großen Schuppen als schlangenartig erscheinende Kopf ist etwas abgeflacht, der Unterkiefer steht etwas vor. Die äußeren Nasenlöcher sind oft röhrenartig verlängert. Ein Suprabranchialorgan im Kiemenraum, das aus einem reich gefalteten und gut durchbluteten Epithel besteht, ermöglicht ihnen Luft zu atmen. Die erste Platte des Suprabranchialorgans wird von der Epibranchiale des ersten Kiemenbogens gebildet, während die zweite eine Verbreiterung der Hyomandibulare ist. Die Schwimmblase ist lang und reicht bis in den Schwanzflossenstiel. Schlangenkopffische sind Physoclisten, haben also eine geschlossene Schwimmblase.

Verbreitung[Bearbeiten]

Verbreitung der Schlangenkopffische

Schlangenkopffische kommen im tropischen Afrika und in Süd-, Südost- und Ostasien vor. Das Verbreitungsgebiet in Afrika beginnt im Westen im Senegal und erstreckt sich dann durch das gesamte Westafrika südlich der Sahelzone durch Kamerun und die Zentralafrikanische Republik bis in den Südsudan. Außerdem kommen Schlangenkopffische im westlichen und zentralen Kongobecken vor.[3]

In Südasien beginnt das Verbreitungsgebiet mit dem Stromgebiet des Indus und erstreckt sich dann über Indien, Südostasien, einschließlich Sumatra, Kalimantan und Java. Jenseits der Wallace-Linie kamen Schlangenkopffische ursprünglich nicht vor. In Ostasien kommen Schlangenkopffische im östlichen China, in Korea, im Stromgebiet des Amur und im Chankasee[4] vor.[3]

Bedeutung als Neozoon[Bearbeiten]

Auf Madagaskar, Sulawesi, den Philippinen, Taiwan, Japan, in die zentralasiatischen Flüsse Amudarja, Syrdarja, Qashqadaryo und Talas,[4] auf Hawaii sowie in Florida und anderen Staaten an der Atlantikküste der USA wurden sie vom Menschen ausgesetzt und haben inzwischen stabile, sich reproduzierende Populationen gebildet. In einigen dieser Gebiete sind die Schlangenkopffische zu einer Gefahr für die einheimische Fischfauna geworden.[3]

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Grundsätzlich sind Schlangenkopffische monogam lebend. Beginnend mit der sexuellen Reife bilden sich Paare, die zeitlebens zwecks gemeinsamer arbeitsteiliger Brutpflege zusammen bleiben. Bei Schlangenkopffischen gibt es freilaichende und maulbrütende Arten. Besonders die kleineren Schlangenkopffische, auch Zwergschlangenköpfe genannt, sind fast ausnahmslos Maulbrüter. Dagegen ist keine Art von mehr als 40 cm bekannt, die nicht freilaichend wäre.

Der eigentliche Laichakt gleicht dem der verwandten Labyrinthfische. Wenn sich ein Paar gefunden hat und das Männchen einen Laichplatz gefunden hat, finden solange Scheinpaarungen statt, bei welchen das Männchen das Weibchen umschlingt, bis sich die Synchronisation der Abgabe der Geschlechtsprodukte eingestellt hat. Bei freilaichenden Arten ist das Ei mit einem Ölfleck gefüllt, der es an die Wasseroberfläche treibt. Bei maulbrütenden Arten nimmt das Männchen die Eier ins Maul.

So gut wie ausschließlich bewachen die Männchen die oft vieltausendfache Brut. Bei maulbrütenden Arten nimmt das Vatertier die Brut noch teilweise wochenlang nach dem eigentlichen Ausbrüten der Eier ins Maul auf, um sie z. B. nicht der Gefahr von Bruträubern auszusetzen. Während der Zeit der Aufzucht kontrolliert das Weibchen den Außenbezirk um die Vaterfamilie, teilweise sogar ausgesprochen aggressiv. Bei den Fischern Thailands z. B. ist der mit einem europäischen Hecht zu vergleichende Channa micropeltes während seiner Laichzeit wegen seiner Attackierfreudigkeit gefürchtet.

Bei maulbrütenden Schlangenkopffischen ist auch schon beobachtet worden, dass das Weibchen die Brut mit ihren eigenen unbefruchteten Eiern füttert[5].

Äußere Systematik[Bearbeiten]

Die Schlangenkopffische sind neben den Nanderbarschen eine von zwei Familien in der Unterordnung der Schlangenkopffischartigen (Channoidei). Sie wurden bisher meist in die Ordnung der Barschartigen (Perciformes) eingeordnet.[2] Zusammen mit den Labyrinthfischen (Anabantoidei), die in etwa das gleiche Verbreitungsgebiet haben, bilden die Schlangenkopffische jedoch eine monophyletische Gruppe, die Ordnung Anabantiformes.[6] Als diagnostisches Merkmal dient vor allem das Suprabranchialorgan zur zusätzlichen Luftatmung.[7]

Innere Systematik[Bearbeiten]

Phylogenetische Systematik der Channaidae[8]
 Channaidae 
 Channa 









 C. barca


     

 C. burmanica



     

 C. bleheri



     

 C. gachua


     

 C. orientalis




     

 C. panaw


     

 C. punctata




     

 C. striata



     


 C. argus


     

 C. maculata



     

 C. asiatica




     

 C. marulius


     

 C. marulioides




     

 C. bankanensis


     

 C. lucius




     

 C. micropeltes


     

 C. pleurophthalma




     

 Afrikanische Schlangenkopffische (Parachanna)



Afrikanischer Schlangenkopffisch (Parachanna africana)

Es gibt zwei Gattungen, Channa in Süd- und Ostasien und Parachanna in West- und Zentralafrika.

Fossilüberlieferung[Bearbeiten]

Neben den rezenten Gattungen wurden zwei ausgestorbene Gattungen beschrieben, Anchichanna und Eochanna. Die Fossilien beider Gattungen stammen aus dem Eozän und wurden in Pakistan gefunden. Anchichanna ist durch verschiedene Schädelknochen bekannt, Eochanna lediglich durch einen einzelnen Unterkieferknochen (Anguloarticulare). Da das Anguloarticulare möglicherweise nicht für eine Diagnose der Gattung ausreicht, muss Eochanna möglicherweise als Nomen dubium eingestuft werden.[9]

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kurt Fiedler: Lehrbuch der Speziellen Zoologie. Band II, Teil 2: Fische. Gustav Fischer Verlag, Jena 1991, ISBN 3-334-00339-6.
  • Joseph S. Nelson: Fishes of the World. John Wiley & Sons, 2006, ISBN 0-471-25031-7.
  • Günther Sterba: Süsswasserfische der Welt. Urania-Verlag, 1990, ISBN 3-332-00109-4.
  • Walter R. Courtenay, James D. Williams: Snakeheads (Pisces, Channidae) − A Biological Synopsis and Risk Assessment. U.S. Department of the Interior, U.S. Geological Survey Circular 1251, 2004 PDF
  • Xia Li, Prachya Musikasinthorn, Yoshinori Kumazawa: Molecular phylogenetic analyses of snakeheads (Perciformes: Channidae) using mitochondrial DNA sequences. 2002, In: Ichthyological Research. Volume 53, Number 2 (2006), S. 148–159, doi:10.1007/s10228-005-0321-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Xia Li u. a. (2002), S. 156.
  2. a b Nelson (2006), S. 440.
  3. a b c Courtenay & Williams (2004)
  4. a b Amur-Schlangenkopffisch auf Fishbase.org (englisch)
  5. Schnieder, Matthias: Eier fütternde Schlangenkopffische. In: Aquaristik Fachmagazin. 31, 2001, S. 38–43.
  6. Ricardo Betancur-R., Richard E. Broughton, Edward O. Wiley, Kent Carpenter, J. Andrés López, Chenhong Li, Nancy I. Holcroft, Dahiana Arcila, Millicent Sanciangco, James C Cureton II, Feifei Zhang, Thaddaeus Buser, Matthew A. Campbell, Jesus A Ballesteros, Adela Roa-Varon, Stuart Willis, W. Calvin Borden, Thaine Rowley, Paulette C. Reneau, Daniel J. Hough, Guoqing Lu, Terry Grande, Gloria Arratia, Guillermo Ortí: The Tree of Life and a New Classification of Bony Fishes. PLoS Currents Tree of Life. 2013 Apr 18, Edition 1. doi:10.1371/currents.tol.53ba26640df0ccaee75bb165c8c26288, PDF
  7. Ralf Britz: Teleostei. In: Wilfried Westheide, Reinhard Rieger: Spezielle Zoologie. Teil 2: Wirbel und Schädeltiere. 1. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg/ Berlin 2004, ISBN 3-8274-0307-3, S. 285.
  8. Xia Li u. a. (2002), S. 154.
  9. A. M. Murray, J. G M. Thewissen: Eocene Actinopterygian Fishes from Pakistan, with the Description of a New Genus and Species of Channid (Channiformes). In: Journal of Vertebrate Paleontology. 28(1) 2008, S. 41–52, doi:10.1671/0272-4634(2008)28[41:EAFFPW]2.0.CO;2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schlangenkopffische – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien