Schleicher K 8

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Ka 8 ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Für den Hubschrauber Kamow Ka-8 siehe dort.
Schleicher K 8
K 8 B während des Windenstarts
Typ: Segelflugzeug
Entwurfsland: Deutschland BundesrepublikBundesrepublik Deutschland Bundesrepublik Deutschland
Hersteller: Alexander Schleicher
Erstflug: November 1957
Stückzahl: 875 + 337 Lizenzbauten[1]
K 8 B mit Haifisch-Nose art
Schleicher K 8 B bei der Vintage Glider Club Rally 2012, Camphill Derbyshire

Die Schleicher K 8 ist ein Segelflugzeug des Herstellers Alexander Schleicher. Sie ist aufgrund des von Schleicher bei früheren Modellen wie der Ka 4 angewendeten Benennungsschemas auch als Ka 8 bekannt, obwohl die offizielle Musterbezeichnung das vormals übliche „a“ nicht mehr enthält.[1][2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die K 8 war der achte Entwurf für ein Segelflugzeug von Rudolf Kaiser. Ihr Erstflug war im Jahre 1957. Ziel des Entwurfs war ein robuster, einfacher einsitziger Übungssegler für den Schul- und Vereinsbetrieb. Von der K 8 wurden in der Ursprungsversion nur sechs Exemplare gebaut, da mangelnde Querruderwirkung festgestellt wurde. In der Nachfolgeversion K 8 B wurden größere Querruder, eine Federtrimmung (ab November 1958 wahlweise Flettnertrimmung) und ein Schiebefenster im Haubenrahmen integriert. Die letzte Version war die C-Baureihe ab 1974. Hauptmerkmale waren ein verbessertes Cockpit, ein größeres – vor dem Schwerpunkt angeordnetes – Rad mit 380 mm Durchmesser, eine verkürzte Kufe und großflächigere Leitwerke. Nach etwa zehn Exemplaren der K 8 C stellte Schleicher deren Produktion zugunsten der wesentlich leistungsfähigeren ASK 18 ein.

Von allen K-8-Baureihen wurden bis zur Einstellung der Produktion im Jahr 1976 bei Schleicher 875 und in Lizenz bei Schempp-Hirth sowie auch im Amateurbau weitere 337 Exemplare – insgesamt also 1.212 Stück – gefertigt.[1]

Ein Exemplar davon, die K 8 B des Herforder Vereins für Luftfahrt mit der Kennung D-5727, wurde am 21. Mai 2011 als bewegliches technisches Kulturgut unter Denkmalschutz gestellt. Die 50-jährige „alte Dame“ hatte der Herforder Verein für Luftfahrt selbst gebaut, sie wurde 1961 eingeflogen und befindet sich seitdem ununterbrochen im Flugbetrieb des Vereins.[3][4]

Konstruktion[Bearbeiten]

Die K 8 ist ein Schulterdecker mit Flügeln in Rippenbauweise, die um die Profilnase mit Sperrholz beplankt sind. Der Rumpf ist eine stoffbespannte Stahlrohrkonstruktion. Das Fahrwerk besteht aus einem im Bereich des Schwerpunktes angebrachten Hauptrad mit davorliegender Kufe und einem Metallsporn am Heck. Das Hauptrad verfügt über eine an den Bremsklappenhebel gekoppelte Bremse, zusätzlich kann durch Drücken des Knüppels beim Ausrollen die Kufe auf den Boden gedrückt und so eine zusätzliche Bremswirkung erzielt werden.[2] Die großen Bremsklappen fahren nach oben und unten aus den Tragflächen aus.

Ursprünglich verfügte die K 8 nur über eine sehr kleine, nur zum Teil verglaste aufsteckbare Cockpithaube. In späteren Versionen wurde eine größere vollverglaste – auch als Schweizer Haube bezeichnete – Klapphaube verwendet.

Gegenwart[Bearbeiten]

Die K 8 ist ein äußerst leichtes Flugzeug und wird heute noch immer in der Anfängerschulung eingesetzt. Insbesondere Schüler, die ihre Segelflugausbildung auf einem Doppelsitzer wie der ASK 13 begonnen haben, werden nach den ersten Alleinflügen mit der K 8 als erstem einsitzigem Flugzeug losgeschickt. Die K 8 ist ein unkompliziertes und robustes Flugzeug, wie die meisten vom Konstrukteur Kaiser entwickelten Flugzeugtypen, und verträgt auch härtere Landungen.

Durch das geringe Gewicht steigt die K 8 auch noch bei kleinsten Steigwerten und ist in schwachen Wetterlagen selbst modernen Kunststoffsegelflugzeugen überlegen. Die Streckenflugleistungen dagegen sind vergleichsweise bescheiden.

Der Umstieg von zweisitzigen Schulungsflugzeugen wie der Ka 2 oder der ASK 13 auf die K 8 ist einfach, obwohl sie viel wendiger ist. Bemerkenswert ist auch die niedrige Abrissgeschwindigkeit von 55 km/h.

Motorseglerausführungen[Bearbeiten]

K 8 B/Stihl[Bearbeiten]

Für die K 8 B existierte ein Umbausatz, bestehend aus einem Stihl-Zweitaktmotor (wahlweise SK 120 FL mit 6,5 PS oder SK 120/137 FL mit 7,5 PS) und einem Dorn-72-Propeller. Das Triebwerk konnte zwischen den Tragflächen auf das Stahlrohrgerüst des Rumpfes aufgesteckt und bei Bedarf auch wieder entfernt werden. Ein Eigenstart war damit nicht möglich, gestartet wurde im Flugzeug-, Auto- oder Windenschlepp. Die Zulassung durch das deutsche Luftfahrtbundesamt erfolgte am 30. Juni 1960.[5]

K 8 B/KM 48[Bearbeiten]

Zumindest ein Exemplar der K 8 B wurde von Fichtel & Sachs (Schweinfurt) mit einem Wankelmotor vom Typ KM 48, System NSU/Wankel und einem Kraftstofftank mit einem Fassungsvermögen von 5 l ausgerüstet. Das Triebwerk wurde wie auch das der Version K 8 B/Stihl reversibel zwischen den Tragflächen oberhalb des Rumpfes montiert. Dies war der erste in der Luftfahrt verwendete Wankelmotor, der bei einer Drehzahl von 5000/min 7 kW (10 PS) leistete.[6] Er verbrauchte etwa 2,5 l/h und wog mit Zubehör 18,5 kg.

Die deutsche Zulassung erfolgte am 16. September 1960.[6] Die Flugeigenschaften wurden als nahezu unverändert gegenüber der nicht motorisierten Version beschrieben. Mit eingeschaltetem Motor konnte sie 1,0 bis 1,5 m/s steigen, ein Eigenstart war jedoch nicht erlaubt.[7]

Technische Daten[Bearbeiten]

Im Flug
Kenngröße K 8 B[1][2] K 8 B/Stihl[5] K 8 B/KM 48[6]
Besatzung 1
Passagiere 0
Länge 7 m
Höhe 1,58 m
Spannweite 15 m
Flügelfläche 14,15 m²
Flügelstreckung 15,9
Flügelprofil (innen/außen) Gö 533/Gö 532
max. Flächenbelastung 21,9 kg/m² N/A
Gleitzahl 25 N/A
Leermasse ca. 190 kg N/A
max. Startmasse 310 kg
Höchstzulässiges Lastvielfaches + 4/−2g N/A
Höchstgeschwindigkeit (ruhiges Wetter) 190 km/h 140 km/h 150 km/h
Höchstgeschwindigkeit (böiges Wetter) 130 km/h
Höchstgeschwindigkeit (Flugzeugschlepp) 130 km/h
Höchstgeschwindigkeit (Windenstart) 100 km/h
Geringstes Sinken bei 62 km/h N/A
Bestes Gleiten bei 75 km/h N/A
Mindestgeschwindigkeit 55 km/h N/A
Überziehgeschwindigkeit 52 km/h N/A
Triebwerke ohne Stihl SK 120 FL
oder SK 120/137 FL
Fichtel & Sachs KM 48

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Einsitzer ab 1951 – Galerie. K 8, B, C. In: alexander-schleicher.de. Alexander Schleicher, archiviert vom Original am 28. September 2007, abgerufen am 5. September 2011.
  2. a b c Alexander Schleicher Segelflugzeugbau: Flug- und Betriebshandbuch für das Segelflugzeugmuster „K 8“. Ausgabe 15, November 1961.
  3.  Ralf Nittner: Fliegender Eigenbau mit Geschichte. Das Segelflugzeug „Ka 8b“ ist Herfords erstes bewegliches Denkmal. In: Neue Westfälische. Nr. 119, 23. Mai 2011 (Online verfügbar).
  4.  Helge Zembold: Vom Massenprodukt zum Beweglichen Kulturdenkmal. In: segelfliegen. das magazin für segelflieger. 3/2011, bg-Verlag, Buchloe, ISSN 1612-1740, S. 55 (PDF, abgerufen am 6. September 2011).
  5. a b Luftfahrtbundesamt: Motorsegler-Gerätekennblatt Nr. 670. Ausgabe 2 vom 8. Oktober 1968, Online verfügbar (PDF)
  6. a b c Luftfahrtbundesamt: Motorsegler-Gerätekennblatt Nr. 691. Ausgabe 1 vom 16. Dezember 1968, Online verfügbar (PDF)
  7. Flug Revue September 1967, S. 8

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter F. Seliger: Rhön-Adler. 75 Jahre Alexander Schleicher Segelflugzeugbau. Verlag R.G. Fischer, Frankfurt a.M. 2003.
  • Richard und Monique Ferrière: Les Planeurs et Motoplaneurs d' Alexander Schleicher 1951–1981. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1988, ISBN 3613011905.

Weblinks[Bearbeiten]