Schleie

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Schleie
FemaleTench1.JPG

Schleie (Tinca tinca)

Systematik
Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
Überfamilie: Karpfenfischähnliche (Cyprinoidea)
Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
Unterfamilie: Tincinae
Gattung: Tinca
Art: Schleie
Wissenschaftlicher Name der Unterfamilie
Tincinae
Günther, 1868
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Tinca
Cuvier, 1816
Wissenschaftlicher Name der Art
Tinca tinca
Linnaeus, 1758
Schleiengewässer mit Wasserlinsen
Typisches Schleiengewässer
In einem Schauaquarium in Prag.

Die Schleie (Tinca tinca), auch der Schlei genannt, gehört zu den Karpfenartigen (Cypriniformes) und lebt überwiegend am Grund langsam strömender oder stehender Gewässer.

Herkunft und Vorkommen[Bearbeiten]

Sie kommt praktisch in ganz Europa mit Ausnahme von Griechenland, Dalmatien, dem schottischen Hochland, Nordskandinavien, der Halbinsel Krim und den Mittelmeerinseln[1][2] und im gemäßigten Asien vor. Als Herkunftgebiet der Schleie gelten Europa, Kleinasien und Westsibirien.

Merkmale[Bearbeiten]

Die Grundfarbe der Schleie ist dunkel oliv; eine rot-goldene Zuchtform („Goldschleie“) wird bisweilen in Zierteichen gehalten. Auffallend ist ein hoher Schwanzstiel mit gerade abschließender Schwanzflosse. Das Seitenlinienorgan verläuft fast waagerecht bis zur Schwanzwurzel. Die dicke Haut ist schleimig und mit kleinen Rundschuppen bedeckt. Diese Schleimhaut wirkt neuen Untersuchungen zufolge antibakteriell und pilzhemmend, sowohl für den Fisch selbst als auch für die Brut. Das endständige Maul ist vorstülpbar und mit zwei kurzen Barteln versehen.

Schleien werden 20 bis 40 Zentimeter groß, maximal sind 70 Zentimeter bei 10 Kilogramm denkbar. Belegt jedoch sind nur Maximalgewichte von 7,5 kg.[2]

Biologie[Bearbeiten]

Schleien verfügen über die Fähigkeit zur Kälte- und Hitzestarre, die es ihnen ermöglicht, kurzfristig auch extremen Sauerstoffmangel zu überleben. Deshalb sind sie auch in kleinen Tümpeln anzutreffen.

Optimal sind Wassertemperaturen zwischen 12 °C und 26 °C.[3] Schleien laichen in der Zeit zwischen April und Juni. Die Wassertemperatur sollte mindestens 18 °C erreicht haben, damit die Laichbereitschaft eintritt. Die Rogner legen dabei innerhalb von etwa zwei Wochen insgesamt bis zu 300.000 klebrige Eier an Wasserpflanzen ab.

Sie ernähren sich hauptsächlich von Kleinlebewesen, aber auch von Schnecken (z. B. die typischen in ihrem Habitat vorkommenden Schleischnecken Bithynia tentaculata[4]) und Algenaufwuchs.[5]

Schleien neigen durch schlechtere Umweltbedingungen und Fehlen einer gesunden Raubfischpopulation sehr stark zur Verbuttung. Diese Schleien sind dann ab einer Größe von 15 Zentimetern geschlechtsreif und wachsen dann kaum weiter.

Parasiten und Krankheiten[Bearbeiten]

Typische Schleienparasiten sind Nematoden (Raphidascaris acus) und parasitäre Krebse (Ergasilus megaceros und Ergasilus sieboldi) , sowie Valipora campylancristrota und Proteocephalidae im Larvenstadium.[6] Eine große Bedrohung für viele Schleienbestände ist die Kiemenfäule (Branchiomyces ssp.). Saugwürmer (Trematoden) befallen vor allem Jungtiere.[7] Weniger häufig ist die IBW (Infektiöse Bauchwassersucht).

Systematik[Bearbeiten]

Die Schleie ist systematisch isoliert und wird als einzige Art und Gattung einer eigenen Unterfamilie (Tincinae) innerhalb der Karpfenfische (Cyprinidae) zugeordnet.

Wissenschaftler des Cypriniformes Tree of Life-Projekts stellten die Schleie 2009 in eine eigene Familie, die Tincidae.[8]

Die systematische Stellung verdeutlicht folgendes Kladogramm:

 Karpfenverwandte (Cyprinoidea) 


 Spindelschmerlen (Psilorhynchidae)


     

 Cyprinidae (beschränkt auf die ehemalige Unterfamilie Cyprininae)



     

 Rasboridae


     

 Leptobarbidae


     

 Cultridae


     

 Bitterlinge (Acheilognathinae)


     

 Schleie (Tincidae)


     

 Tanichthyidae (Kardinalfisch u.a.)


     

 Weißfische (Leuciscinae)


     

 Gründlingsverwandte (Gobioninae)










Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

Die Schleie ist ein geschätzter Speisefisch und gilt als schmackhafter als der Karpfen. Ihr Fleisch wird als fest, grätenreich und fettarm beschrieben.[9][10] Goldfarbene Schleien (sogenannte Goldschleien) werden für Gartenteiche und Parkteiche gezüchtet. In der Teichwirtschaft werden aufgrund ihres wesentlich schnelleren Wachstums mehr Karpfen und Forellen als Schleien erzeugt. Die Schleie gilt als Nebenfisch der Karpfen-Teichwirtschaft[11], sie spielen eine wichtige Rolle als Besatzfische für Angelvereine. Schleien wurden züchterisch nicht so intensiv bearbeitet wie Karpfen.[12][13]

Während in Europa Tschechien und andere osteuropäische Länder führend in der Erzeugung von Schleien sind, wird seit Beginn des 21. Jahrhunderts die Schleienproduktion in Aquakultur auch in China intensiviert.[14]

Die Schleie war in Deutschland und in Österreich Fisch des Jahres 2007.[2] Sie ist mit ‚Least Concern‘ in der Liste der bedrohten Tierarten der IUCN klassifiziert

Angeln auf Schleien[Bearbeiten]

Schleien gehören wie Karpfen zu beliebten Sportfischen für Friedfischangler. Kommen Karpfen und Schleien als Besatzfische gemeinsam in einem geschlossenen Gewässer vor, treten beide Arten häufig in direkte Nahrungskonkurrenz zueinander. Die aktiveren Karpfen sind in der Lage, bei knappem Nahrungsangebot die Schleienpopulation zurückzudrängen. Die robusten Schleien haben zusammen mit den Karauschen den geringsten Sauerstoffbedarf und bilden in einigen Gewässern wie Dorfteichen, Tonkuhlen, Moorstichen und stark verkrauteten Waldteichen die einzige Fischart.

Schleien gelten bei der Nahrungsaufnahme als äußerst vorsichtig und sind in vielen Gewässern ausschließlich nachts[15] oder bei nebeligem und bedecktem Wetter aktiv auf Nahrungssuche. Tagsüber verstecken sich die lichtscheuen Schleien häufig regungslos in Unterwasserpflanzen.[16] Sind sie auf Nahrungssuche, so machen sich Schleien in kleinen Gruppen häufig beim Gründeln im Schlamm durch das Aufsteigen von Sumpfgasblasen bemerkbar. Gefangen werden Schleien am besten bei Morgen- und Abenddämmerung in der Nähe von Schilfgürteln, Seerosen oder anderen stark verkrauteten Gewässerteilen mit tierischen Ködern, wie Mistwürmern, Muschelfleisch, Maden, Castern,[17] Shrimps etc. Das Bevorzugen von tierischer Nahrung liegt am kurzen Darm der Schleien und der schlechteren Verwertung von pflanzlicher Nahrung. Kompost und Wurmerde zeigen auf Schleien eine starke Lockwirkung.[18] Zu den pflanzlichen Ködern zählen Mais, Teig, Weißbrot und ähnlich wie beim Karpfenangeln Mini-Boilies. Während der Sommermonate beißen Schleien bei reichlichem Nahrungsvorkommen meist sehr zögerlich und vorsichtig und werden überwiegend mit der Liftmethode im ultraleichten Posenangeln überlistet. Schleien sind dafür bekannt, dass sie häufig nur ganz feine, kaum merkliche Zupferbisse verursachen und oft unentschlossen mit dem Köder spielen.

Im Frühjahr (beste Zeit im März bis zur Weißdornblüte) dagegen sind Schleienbisse oft sehr vehement und abrupt, da die Tiere nach den kargen Wintermonaten, die sie meist im Gegensatz zu Karpfen und anderen Weißfischen vollständig im Winterschlaf verbringen, sehr ausgehungert sind. In tieferen Baggerseen mit nur kleinen pflanzenbewachsenen Uferstreifen sind Schleien in der Regel weniger territorial und standorttreu, zeigen vom flachen Natursee abweichende Verhaltensmuster und durchstreifen das Gewässer auf ihren Fressrouten. Hier kann mit Bissen zu jeder Tageszeit gerechnet werden.[19]

Trivia[Bearbeiten]

In Großbritannien wird die Schleie regional auch als „Doctor Fish“ bezeichnet, da man ihrem Schleim eine heilende Wirkung gegen Fieber, Gelbsucht, Kopf- und Zahnschmerzen[20] zuschreibt.[10][5]

Literatur[Bearbeiten]

  • R. Donoso-Büchner: Heimische Fische – Die Schleie- In: Aquarium-live. Juni/Juli 2007.
  • Paul Vogel: Neues illustriertes Lehrbuch der Teichwirtschaft. Spezialwerk über Karpfen-, Schleien- u. Forellenzucht in Teichen: a) im Naturalbetrieb und b) intensivem Fütterungsbetrieb, ein weiterer Ergänzungsband zu dem dreibändigen "Ausführlichem Lehrbuch der Teichwirtschaft" (1898-1904), mit einem Anhang über Landseenbewirtschaftung und Wildfischerei, Emil Hübners Verlag, Bautzen 1913.
  • O Heuschmann: Die Schleienzucht. Handbuch der Binnenfischerei Mitteleuropas, 1939.
  • W. Müller: Schlechtes Schleienwachstum bei intensiver Karpfenteichwirtschaft. In: Deutsche Fischereizeitung. 1961.
  • E. Probst: Die Zucht auf Leistung bei Karpfen und Schleien. In: Fischerei Zeitung. (Neudamm), 1937.
  • W. Wunder: Die Schleie, das Stiefkind der modernen Teichwirtschaft. In: Allgemeine Fischerei-Zeitung. 1958.
  • Günther Sterba: Süßwasserfische der Welt. Weltbild Verlag, Augsburg 2002, ISBN 3-89350-991-7.
  • Karl Anwand: Die Schleie. Tinca tinca (Linné). 2. Auflage. Westarp Wissenschaften, 2005, ISBN 3-89432-748-0.
  • Robin Illner: Grossfisch Angeln: Karpfen, Barbe, Schleie & Co. Müller Rüschlikon, 2009, ISBN 978-3-275-01692-1.
  • Harry Brotherton: So fängt man Schleien. Verlag Paul Parey, Hamburg, 1977, ISBN 3-490-18814-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schleie (Tinca tinca) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten]

  1. a b Fritz Terofal: Steinbachs Naturführer, Süßwasserfische. Ulmer, Stuttgart 2003, ISBN 3-8001-4296-1.
  2. a b c http://www.vdsf.de/fishoftheyear/2007.html
  3. Webarchiv vom 30. April 2009 der eingelagerten Webseite: www.nachts-angeln.de/schleie.html
  4. Gemeine Schnauzenschnecke auf Aquarienschnecken.de, abgerufen am 20. Dez. 2012
  5. a b http://www.sfg-frommern.de/Schleie.htm
  6. Parasites of Illegally Introduced Tench (Tinca tinca) in the Richelieu River, Quebec, Canada in http://www.bioone.org/doi/abs/10.1654/4362.1?journalCode=copa
  7. http://www.frontosas.de/krankheiten.htm
  8. Wei-Jen Chen, Richard L. Mayden: Molecular Systematics of The Cyprinoidea (Teleostei: Cypriniformes), the World's Largest Clade of Freshwater Fishes: Further Evidence From Six Nuclear Genes. In: Mol Phylogenet Evol. 2009 Jan 21.
  9. Fischlexikon auf Biofisch.at, abgerufen am 20. Dez. 2012
  10. a b http://www.fischbottich.de/Schleie.79.0.html
  11. http://www.bezirk-oberfranken.de/fileadmin/5_Natur/fischerei/schleie.php
  12. Klaus Kohlmann, Petra Kersten, Remigiusz Panicz, Devrim Memiş, Martin Flajšhans: Genetic variability and differentiation of wild and cultured tench populations inferred from microsatellite loci. In: Reviews in Fish Biology and Fisheries. Springer Netherlands, 2009.
  13. http://www.fao.org/docrep/009/ae993e/AE993E16.htm
  14. Jiaxi Wang, Wenqiang Min, Min Guan, Luojun Gong, Jie Ren, Zhen Huang, Hongping Zheng, Jinping Zhang, Huiji Liu, Yuzhang Han: Tench farming in China: present status and future prospects. In: Aquaculture International. Springer Netherlands, 2005.
  15. http://www.angeln-alex.de/html/body_schleie.html
  16. http://www.angeltreff.org/fischdb/schleie.html
  17. verpuppte Made
  18. http://freenet-homepage.de/ernst-spangenberger/friedfische.htm
  19. http://www.angeln.de/praxis/friedfisch/schleien-im-baggersee
  20. Webarchiv vom 08. August 2007 der eingelagerten Webseite: