Schleifung

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Schleifung (Begriffsklärung) aufgeführt.
Die Festung Hohentwiel nach der Schleifung von August bis Oktober 1801 durch die Franzosen

Schleifung bezeichnet meist den Abriss von Burgen und Befestigungsanlagen der verlierenden Partei eines militärischen Konflikts. Sie erfolgt durch Abtragen, Einebnen, Sprengen oder Niederreißen. Im äußersten Fall ist damit gemeint: dem Erdboden gleichmachen. Häufig ist eine Ringstraße Relikt einer geschleiften Befestigung. Der Boulevard (Bollwerk) bezeichnete ursprünglich ebenfalls eine Ringstraße einer geschleiften Befestigung.

Im 19. Jahrhundert wurden viele der veralteten Festungen geschleift, um den wachsenden Städten mehr Raum in der Fläche verschaffen zu können. Dieser Prozess der Beseitigung städtischer Befestigungsanlagen wird spezifisch als Entfestigung bzw. Defortifikation bezeichnet. Der anfallende Abraum aus Backstein, Klinker, Findlingen usw. diente als Baumaterial für die Bebauung. Die Schleifung erfolgte durch das mechanische Abtragen von Mauern und Wällen, das Einebnen von Gräben sowie, sofern notwendig, auch durch Sprengungen. Meist wurden die Flächen, auf denen sich die Befestigungsanlagen befanden, als Park- und Grünflächen (Promenaden) oder für (Ring-)Straßen genutzt.

Auch heute zeichnen sich die Umrisse der alten Wallanlagen oft noch deutlich im Stadtbild ab. Beispiele sind Planten un Blomen in Hamburg, der Frankfurter Anlagenring, Bremen, Köln oder die Münstersche Promenade. Berühmt ist auch die Wiener Ringstraße, an deren Seiten im ausgehenden 19. Jahrhundert repräsentative Prachtbauten entstanden. Man spricht daher in Bezug auf Wien auch vom Ringstraßenstil.[1]

Sonstiges[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Yair Mintzker: What is Defortification? Military Functions, Police Roles, and Symbolism in the Demolition of German City Walls in the Eighteenth and Nineteenth Centuries. In: Weimaropolis. Multi-disciplinary Journal of Urban Theory and Practice. Bd. 1, Heft 1, 2009, ISSN 1869-1692, S. 31–48.
  • Deutsche Gesellschaft für Festungsforschung (Hrsg.): Das Ende der Festungen. Aufgelassen - geschleift - vergessen? (Festungsforschung 1), Regensburg 2009.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. William M. Johnsten: Österreichische Kultur- und Geistesgeschichte - Gesellschaft und Ideen im Donauraum 1848 bis 1938. Böhlau Verlag, Wien - Köln - Weimar 2006, ISBN 3-205-77498-1, Seite 157 (Online in der Google-Buchsuche)
  2. Wörterbuch