Schlepper (Schiffstyp)

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Schlepper (Bugsier 3) im Hafen von Bremerhaven (2009)
Schema eines Schleppers
Der Hafenschlepper Michel dreht einen RoRo-Frachter auf der Norderelbe im Hamburger Hafen
Bergungsschlepper vor havariertem Schiff
Dampfschlepper Woltman im Kieler Hafen bei der Kieler Woche 2007
Achterschiff mit Seilwinde und Seilführung.
Schlepper „Parat“ mit Feuerlöscheinrichtung in Brunsbüttel

Schlepper, auch Schleppschiffe genannt, (engl. tugboat oder tug) sind Schiffe mit leistungsstarker Antriebsanlage, die zum Ziehen und Schieben anderer Schiffe oder großer schwimmfähiger Objekte eingesetzt werden. Meist werden zum Ziehen Schlepptrossen verwendet, die am Schlepper an Haken eingehängt oder an Seilwinden aufgerollt sind. In Deutschland gibt es zusammen mit den Schubschiffen 450 Stück (Stand: 2000).

Arten von Schleppern[Bearbeiten]

Schlepper lassen sich nach Bauweise und Einsatzzweck unterscheiden, wobei sich die Merkmale auch überschneiden können.

Unterscheidung nach Einsatzzweck[Bearbeiten]

  • Hochseeschlepper: seegängige Schlepper, die für den Transport von Hochseeleichtern, havarierten Schiffen oder anderen Objekten eingesetzt werden.
  • Ankerziehschlepper (AHT - Anchor Handling Tugs): seegängige Schlepper mit hohem Pfahlzug, die zum Verschleppen von Bohrinseln eingesetzt werden; sie dienen manchmal zugleich auch als Versorger für Bohrinseln (AHTS - Anchor Handling Tugs Supply)
  • Bergungsschlepper: seegängige Schlepper mit hohem Pfahlzug, die zur Bergung von havarierten Schiffen dienen; teilweise auch in staatlichem Auftrag als Notschlepper im Einsatz
  • Hafen-, Assistenz- oder Bugsierschlepper: relativ kleine, sehr wendige Schlepper, die größere Schiffe in Häfen zum Liegeplatz bugsieren (d.h. schleppen, schieben, drücken, etc.).
  • Fluss- oder Binnenschlepper: nicht seegängige Schlepper, die motorlose Schleppkähne und Schuten durch Kanäle und Flüsse schleppen. Teilweise wurden auch die Kähne oder Schuten als Schleppschiffe bezeichnet.

Unterscheidung nach Bauart[Bearbeiten]

Grundsätzlich kann zwischen Schleppern mit konventionell aufgebauter Antriebsanlage (Motor, Getriebe, Wellenanlage, Propeller, Ruder) und Schleppern mit rundum steuerbaren Antrieben (Propellergondeln oder Voith-Schneider-Antrieb) unterschieden werden. Bei der letztgenannten Bauform unterscheidet man nach der Einbauposition der Antriebsanlagen.

  • Heckschlepper (ASD - Azimuthing Stern Drive, dt. schwenkbarer Heckantrieb): Eine oder zwei Antriebsanlagen, Installation im Heck
  • Traktorschlepper: Eine oder zwei Antriebsanlagen, Installation unter dem Vorschiff
  • „Rotor“-Schlepper: Drei Antriebsanlagen, zwei unter dem Vorschiff, eine weitere im Heck. Der Schlepper kann auf der Stelle drehen. Die Bezeichnung „Rotortug“ ist ein geschützter Name des niederländischen Unternehmens KST.[1]

Leistung, Pfahlzug, Propellercharakteristik[Bearbeiten]

Die Leistung der Schlepper variiert je nach Typ. Ein wesentliches Maß ist der so genannte Pfahlzug, der in Tonnen gemessen wird. Hochseeschlepper haben Motorleistungen von 15.000 kW und mehr, der Pfahlzug kann über 250 Tonnen betragen. Moderne größere Hafenschlepper entwickeln bei Motorleistungen von 2.000 kW bis 4.000 kW einen Pfahlzug von 20 bis 80 Tonnen.

Dass ein Schlepper einen viel größeren Schub aufbringen muss als nur seinen eigenen Widerstand bei der jeweiligen Geschwindigkeit, bedeutet, dass seine Propeller ihren optimalen Betriebspunkt bei einer relativ kleinen Fortschrittsziffer aufweisen müssen. Deswegen sind die Propeller von Schleppern meistens als Düsenpropeller ausgeführt, d.h. sie sind von einer Kortdüse ummantelt.

Die leistungsstärksten Ankerziehschlepper deutscher Reedereien sind die Uranus und Orcus des Hamburger Unternehmens Harms Bergung Transport & Heavylift GmbH & Co. KG mit einem Pfahlzug von 285 Tonnen, gefolgt von Janus und Ursus (je 219 Tonnen) der gleichen Reederei,

Auch die weltweit stärksten Bergungsschlepper sind für deutsche Reedereien im Einsatz. Die als Notschlepper eingesetzte Nordic hat einen Pfahlzug von 201 Tonnen, ihre Vorgängerin Oceanic von 180 Tonnen. Betrieben werden bzw. wurden beide Schiffe von der Hamburger Bugsier-, Reederei- und Bergungsgesellschaft mbH & Co. KG.

Wendigkeit[Bearbeiten]

Hafenschlepper mit Voith-Schneider-Antrieb

Hafenschlepper müssen wegen der im engen Hafenbecken begrenzten Aktionsflächen besonders wendig sein. Daher werden für den Antrieb im Gegensatz zu früheren Ausführungen mit konventionellen Antriebsanlagen häufig unbegrenzt um die Hochachse drehbare Propellergondeln eingesetzt, sogenannte Schottel-Ruderpropeller. Diese können sowohl als Hauptantrieb oder als primärer Manövrierantrieb genutzt werden.

Eine andere Variante ist der Voith-Schneider-Antrieb, bei dem nach unten gerichtete messerartige Flügel durch eine ausgefeilte Mechanik zum Antrieb eingesetzt werden. Schlepper mit diesem Antrieb werden auch als „Voith Wassertrecker“ bezeichnet.

Bugsieren[Bearbeiten]

Vielfach erfolgt der Schleppereinsatz nicht per Trossenzug, sondern durch direkte Druckausübung auf den Schiffsrumpf, das so genannte Bugsieren. Dies erspart die Leinenverbindung und ermöglicht das Manövrieren auf sehr engem Raum, beispielsweise in Hafenbecken. Der Rumpf des bugsierten Schiffes muss dafür an geeigneten Stellen besonders verstärkt sein, um Verformungen zu vermeiden. Die betreffenden Stellen der Bordwand sind entsprechend markiert, beispielsweise mit dem Schriftzung „TUG“. So haben Bugsierschlepper (nicht zu verwechseln mit der Bugsier-Reederei) neben den üblichen Scheuerleisten große Gummipuffer am Bug und je nach Antriebssystem auch am Heck.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jan Mordhorst: Schlepper. Einsatz im Hafen und auf hoher See. Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 2008, ISBN 978-3-7822-0974-8
  • Ralf Witthohn: Der „Stier“ zieht mit revolutionärer Technik. In: Deutsche Seeschifffahrt, Heft 9/2009, S. 56–57. Storck-Verlag, Hamburg 2009, ISSN 0948-9002.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schlepper – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Informationen zum KST Rotortug, aufgerufen am 6. März 2011