Schleusegrund

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Schleusegrund
Schleusegrund
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Schleusegrund hervorgehoben
50.52333333333310.866666666667445Koordinaten: 50° 31′ N, 10° 52′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Hildburghausen
Höhe: 445 m ü. NHN
Fläche: 58,87 km²
Einwohner: 2887 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 49 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 98667,
98666 (Bieberau)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 036874
Kfz-Kennzeichen: HBN
Gemeindeschlüssel: 16 0 69 042
Gemeindegliederung: 5 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Eisfelder Str. 11
98667 Schönbrunn
Webpräsenz: www.schleusegrund.de
Bürgermeister: Heiko Schilling (Freie Wähler Schleusegrund)
Lage der Gemeinde Schleusegrund im Landkreis Hildburghausen
Ahlstädt Auengrund Bad Colberg-Heldburg Beinerstadt Bischofrod Eisfeld Brünn Dingsleben Ehrenberg Eichenberg Eisfeld Römhild Gompertshausen Grimmelshausen Grub Römhild Hellingen Henfstädt Hildburghausen Kloster Veßra Lengfeld Marisfeld Masserberg Römhild Römhild Nahetal-Waldau Oberstadt Reurieth Römhild Sachsenbrunn Schlechtsart Schleusegrund Schleusingen Schmeheim Schweickershausen St. Bernhard St. Kilian Straufhain Themar Ummerstadt Veilsdorf Römhild Westhausen ThüringenKarte
Über dieses Bild

Die Gemeinde Schleusegrund liegt im Landkreis Hildburghausen in Thüringen. Sie wurde 1994 gegründet und hat ihren Sitz in Schönbrunn. Benannt ist sie nach der Schleuse, die Teile der Gemeinde am Südrand des Thüringer Walds durchfließt.

Geografie[Bearbeiten]

Zentrales Dorf der Gemeinde ist Schönbrunn, welches 1950 durch Zusammenlegung der Dörfer Schönau, Gabel, Unterneubrunn und Oberneubrunn entstand und sich über etwa 3,5 Kilometer in den Tälern von Schleuse und Neubrunn erstreckt. Oberhalb dieses Dorfes liegt die Talsperre Schönbrunn. Weiterhin gehört das nordöstliche, höher gelegene Gießübel zur Gemeinde. Unweit dieses Dorfes verläuft der Rennsteig. Westlich von Schönbrunn in einem Seitental der Schleuse liegen Steinbach und Langenbach. Südwestlich von Schönbrunn liegt das Tal der Biber, in dem Lichtenau, Engenstein, Biberau, Biberschlag und Tellerhammer eine dörfliche Einheit von etwa 4,5 Kilometern Länge bilden. Zwischen den Dörfern erheben sich steile Berge, die die Täler um fast 400 Meter überragen und mehrheitlich mit Fichten bestanden sind. Die nordöstliche Gemeindegrenze ist zugleich Kreisgrenze zum Ilm-Kreis und folgt dem Lauf des Rennsteigs bis zum Dreiherrenstein. Nachbargemeinden sind Frauenwald, Neustadt am Rennsteig und Altenfeld nördlich des Rennsteigs, Masserberg und seine Ortsteile im Osten und Süden sowie die Gemeinde Nahetal-Waldau im Westen.

Höhere Berge im Gemeindegebiet sind der Kalte Staudenkopf (768 m, am Schmiedswiesenkopf 784 m), der Schwefelkopf (774 m) und der Schmalegrundskopf (770 m).

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Ortsteile der Gemeinde sind:

Die Wappen der Ortsteile:

Ortsteil Biberau
Ortsteil Gießübel
Ortsteil Langenbach
Ortsteil Schönbrunn
Ortsteil Steinbach

Geschichte[Bearbeiten]

Kirche in Gießübel „Heilige Dreifaltigkeit“ (erbaut 1722 bis 1723)

Die unwirtlichen Waldtäler der Gemeinde wurden erst im ausgehenden Mittelalter besiedelt. Lebensgrundlage war die Holz- bzw. Forstwirtschaft. Bei Biberau begann die Sächsische Landwehr, ein mittelalterliches Grenzschutzsystem. Darüber hinaus besitzt der Ort Langenbach geschichtliche Bedeutung, da hier 1525 mit der ersten Glashütte die Glasindustrie des Thüringer Waldes begründet wurde. Die Glasindustrie bildete für die folgenden Jahrhunderte bis in die jüngste Zeit die Lebensgrundlage der Einwohner.

In den Gemeindeteilen von Schleusegrund: Biberschlag, Langenbach, Oberneubrunn, Schönau und Steinbach gerieten 13 Menschen 1612–1673 in Hexenprozesse.[2]

Bis 1946 war die Gemeinde entlang der Schleuse geteilt. Die Orte östlich des Flusses gehörten zu Sachsen-Meiningen bzw. ab 1920 zum Land Thüringen, während die westlich gelegenen Dörfer Teil des preußischen Landkreises Schleusingen waren.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

1903 wurde Ernstthal ein Ortsteil von Unterneubrunn und 1922 Engenstein ein Ortsteil von Lichtenau. 1952 wurden Lichtenau, Biberschlag und Tellerhammer zu Biberau und Schönau, Unterneubrunn sowie Oberneubrunn zu Schönbrunn vereinigt, dem sich 1969 auch Gabel anschloss. Außerdem schlossen sich die Orte Steinbach und Langenbach zu Steinbach-Langenbach zusammen. Diese drei Gemeinden fusionierten am 14. April 1994 mit Gießübel zur heutigen Gemeinde Schleusegrund.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen der Orte im Thüringer Wald sind meist bereits seit den 1950er-Jahren rückläufig, so auch in der Gemeinde Schleusegrund.

In der Tabelle wird die Entwicklung der Einwohnerzahlen der einzelnen Ortsteile dargestellt. Dabei steht ein (P) für ehemals preußische und ein (T) für sachsen-meiningische bzw. thüringische Dörfer.

Ortsteil 1910 1939 1975
Schönau (P) 521 593 2174
Oberneubrunn (T) 736 763
Unterneubrunn (T) 773 811
Gabel (T) 81 47
Gießübel (T) 1210 1267 1051
Biberschlag (T) 517 490 912
Lichtenau (T) 204 357
Engenstein (T) 98
Tellerhammer (T) 65 80
Steinbach (P) 260 325 315
Langenbach (P) 215 281 200
Gesamt 4680 5014 4652
  • 1994: 3823 Einwohner
  • 2000: 3665 Einwohner
  • 2006: 3314 Einwohner

Politik[Bearbeiten]

Als Bürgermeister setzte sich in der Stichwahl am 6. Mai 2012 der Kandidat der Freien Wähler, Heiko Schilling, durch.[3]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Rat der Gemeinde Schleusegrund besteht aus 14 Mitgliedern:

  • CDU 11 Sitze
  • FWS Anspruch auf 5 Sitze, davon nur 3 Sitze besetzt, da nur drei Kandidaten aufgestellt worden waren.

(Stand: Kommunalwahl am 7. Juni 2009)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Talsperre Schönbrunn
Nadelöhr in der Gießübeler Schweiz

Museum[Bearbeiten]

In Schönbrunn befindet sich das Gewürzmuseum, das mit Unterstützung der ehemaligen Konsumgewürzmühle Schönbrunn entstand.

Theater[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Im Ortsteil Biberschlag befindet sich auf dem 2011 fertiggestellten Dorfplatz als Blickfang der „Musikantenbrunnen“. Das originelle Wasserspiel besteht im Kern aus einer ausgemusterten Tuba.[4]
  • Talsperre Schönbrunn

Geschichtsdenkmale[Bearbeiten]

  • An der Masserberger Straße erinnert ein 1981 aufgestellter Findling an vier Opfer des Todesmarsches aus dem „ArbeitserziehungslagerRömhild.[5]
  • In Oberneubrunn erinnert eine Gedenktafel an den Geburtsort des bekannten Thüringer Historikers Georg Brückner.

Natur[Bearbeiten]

Durch das Dachsbachtal gelangt man zur Dachsbachkanzel, zum Langertfelsen, zum Schröderfelsen und dem Nadelöhr. Diese sehenswerten Felsbildungen werden als Gießübeler Schweiz bezeichnet.

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]

Gewürzwerk Schönbrunn
Ehemaliges Bahnhofsgebäude Schönbrunn

Die Wirtschaft der Gemeinde wird heute vor allem vom Kleingewerbe und dem Tourismus bestimmt. Von Bedeutung ist seit jeher die Glasindustrie. Der mit Abstand größte Arbeitgeber der Region ist das in Schönbrunn ansässige Gewürzwerk, das mit mehr als 800 Beschäftigten[6] eines der größten Gewürzwerke Europas darstellt. Im Jahr 2006 arbeiteten 751 Menschen in Betrieben mit über 20 Mitarbeitern in der Gemeinde. Sie erhielten durchschnittlich 21.743 Euro Bruttolohn pro Jahr. Die Verschuldung betrug 300.000 Euro oder 90 Euro pro Einwohner und die Steuereinnahmen lagen bei 2,2 Millionen Euro oder 640 Euro pro Kopf. Im Jahr 2005 besuchten 947 Feriengäste die Gemeinde (1975: 12.700 Feriengäste).[7]

Die Gemeinde liegt abseits der großen Verkehrswege und ist durch die Landesstraße von Schleusingen nach Katzhütte erreichbar. In Schleusingen besteht Anschluss an die Bundesautobahn 73 (ErfurtNürnberg). Kreisstraßen führen vom Schleusetal über Steinbach nach Frauenwald und durchs Bibertal nach Masserberg und Eisfeld.

Von 1890 bis 1967 fuhren auf der Bahnstrecke Eisfeld–Schönbrunn Schmalspur-Personenzüge (1000 mm) durchs Schleusetal. Der Güterverkehr wurde 1973 eingestellt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Oliver Heyn: Die Geschichte des unteren Bibertales - Von der mittelalterlichen Besiedlung bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts (Lichtenau - Biberschlag - Engenstein - Tellerhammer). Salier Verlag, Leipzig 2009, ISBN 978-3-939611-50-9, S. 144.
  • Ernst Koch: Die ehemalige Glashütte zu Langenbach bei Schleusingen, die Mutter der Glashütten zu Fehrenbach und Lauscha (1525–1589). Verlag Brückner & Renner, Meiningen 1908, 72 S.
  •  Wolfgang Lösch: Dialektwörterbuch von Biberschlag im Thüringer Wald. (ca. 8500 Einträge). Nora-Verlagsgemeinschaft Dyck & Westerheide, Berlin 2002, ISBN 3-935445-70-9, S. 278.

Einzelnachweise, Quellen[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Quellenangaben bei den Ortsteilen.
  3. CDU lässt bei Stichwahlen Federn, insuedthueringen.de vom 6. Mai 2012
  4. Aus der Tuba sprudelt Wasser. In: insuedthueringen.de. Abgerufen am 4. Juni 2011.
  5. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe Heimatgeschichtliche Wegweiser, Band 8: Thüringen. Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 130f.
  6. Neue Thüringer Illustrierte. Mai/Juni 2007, Nr. 5, S. 71
  7. TLS

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schleusegrund – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien