Schloßplatz (Berlin)

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Schloßplatz mit Blick auf die Südfassade des Schlosses und Schloßbrunnen, um 1905
Karte des historischen Schloßplatz in Berlin, 1847
Blick vom Lustgarten auf das Areal, im Hintergrund der Turm des Alten Stadthauses, 1951
Der Marx-Engels-Platz mit Blick auf Tribüne und Ruine des Berliner Doms, 1951
Palast der Republik, im Hintergrund der Berliner Fernsehturm, 1977
Das östliche Schlossareal nach Abbruch des Palastes der Republik – Blick von der Rathausbrücke zum Berliner Dom und zum Alten Museum, 2009

Der Schloßplatz bzw. von 1951–1994 Marx-Engels-Platz ist ein Platz in der historischen Mitte Berlins auf der Spreeinsel im gleichnamigen Ortsteil Mitte südlich der Museumsinsel. Seine Lage änderte sich im Laufe seiner Geschichte. Der historische Platz hatte die Gestalt eines schmalen Rechtecks und befand sich südlich des namensgebenden, ehemaligen Berliner Stadtschlosses, ist aber in der Gegenwart zum Teil überbaut. Der heutige Platz entstand nach Abtragung des im Zweiten Weltkrieg beschädigten und 1950 gesprengten Schloss.

Im aktuellen Stadtbild wird als Schloßplatz das komplette Areal bezeichnet, auf dem einst das Schloss stand sowie die angrenzende Fläche eines Rechteckes – westlich bis zur Schleusenbrücke, nordwestlich den Spreekanal entlang bis zur Schloßbrücke und südlich am Lustgarten vorbei. An der südlichen Platzseite steht der zwischen 1897 und 1901 erbaute Neue Marstall sowie das 1964 errichtete frühere Gebäude des Staatsrates der DDR, in dessen Fassade Teile des ehemalige Portal IV des Stadtschlosses integriert sind.

Geschichte[Bearbeiten]

Vor der Befestigung des späteren Schloßplatzes befand sich hier ein Ende der Stechbahn, einer Anlage für Turnierspiele, die Kurfürst Joachim II. 1537 errichten ließ. Nach Beseitigung des Turnierplatzes erinnerte daran die in den Schloßplatz mündende Straße An der Stechbahn, die aber durch eine Veränderung der Bebauung 1866 verschwand. Das ehemalige Schloß stand zwischen drei Plätzen – dem Lustgarten im Norden, der Schloßfreiheit am Spreekanal im Westen und dem historischen Schloßplatz im Süden.

Im Jahr 1830 kam es auf dem Platz im Zuge der Schneiderrevolution zu Massenversammlungen und Unruhen. 1891 wurde auf dem Schloßplatz der von Reinhold Begas entworfene Schloßbrunnen, ein Geschenk des Magistrats für Kaiser Wilhelm II. – aufgestellt, der Brunnen heißt heute Neptunbrunnen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das schwer beschädigte Schloß auf Beschluss des Politbüros des ZK der SED trotz zahlreicher internationaler Proteste 1950 gesprengt. Der Schloß- bzw. Neptunbrunnen wurde eingelagert und 1969 auf der Freifläche zwischen der Marienkirche und dem Roten Rathaus aufgestellt. 1951 erhielt das abgeräumte Areal zusammen mit dem Lustgarten sowie der Schloßfreiheit und dem historischen Schloßplatz den Namen Marx-Engels-Platz. Eine für die Partei- und Staatsführung der DDR errichtete Tribüne erhielt auf der Ostseite parallel zur Spree ihren Platz. Das restliche Areal diente nun als Aufmarschplatz für Großdemonstrationen und Militärparaden. 1973 begann anstelle der Tribüne auf dem östlichen Teil der ehemaligen Schlossfläche, die Errichtung des Palast der Republik, welcher 1976 eröffnet wurde. 1990 kam es jedoch wegen Asbestverseuchung zur Schließung des Gebäudes.

Nach der Wende erfolgten im unbebauten Bereich des Schlossareals archäologische Grabungen, wobei ein Teil der Schlossfundamente und Kellerbereiche freigelegt wurden. 1991 erhielt der nördliche Teil des Marx-Engels-Platzes wieder seinen ursprünglichen Namen Lustgarten zurück, während es 1994 zur Umbenennung des restlichen Marx-Engels-Platz in Schloßplatz kam. Weitere Grabungen seit 2008 legten auch Fundamente des Dominikanerklosters Cölln frei. Nach seiner Asbestsanierung von 1997 bis 2002 erfolgte zwischen 2006 und 2008 der Abriss des Palast der Republik. Um eine Zwischennutzung der entstandenen Brache zu ermöglichen, wurde anschließend die Fläche mit Rasenflächen, begehbaren hölzernen Stegen und Sitzstufen gestaltet. Anfang 2013 endete die Übergangsnutzung es begann in Vorbereitung des Wiederaufbaus des Stadtschlosses der vollständige Rückbau[1].

Zukünftig wird auf dem Schlossareal gemäß Bundestagsbeschluss [2] von 2002 ein Neubau in den äußeren Ausmaßen des ehemaligen Schlosses errichtet werden, wobei drei barocke Schlossfassaden (Nord-, West- und Südseite) sowie der Schlüterhof rekonstruiert werden. Die Ostseite an der Spree wird modern gestaltet. Am 12. Juni 2013 legte Bundespräsident Joachim Gauck den Grundstein für den Neubau, der als Humboldt-Forum genutzt werden soll. Bis zur Eröffnung (gemäß heutigem Planungsstand 2019) informieren die Ausstellungen in der temporär errichteten Humboldt-Box am Schlossplatz 5 über das Bauvorhaben und die Konzepte für das Humboldt-Forum.

Am 13. April 2011 wurde bekannt, dass im Wettbewerb für das geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal auf dem Sockel des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals auf der Schloßfreiheit, d. h. in unmittelbarer Nähe zum Schloßplatz, eine Entscheidung durch die Jury getroffen worden ist. Gebaut werden soll das Monument „Bürger in Bewegung“ des Architekten Johannes Milla und der Choreographin Sasha Waltz in der Form einer großen begehbaren Wippe. So soll gezeigt werden, wie viele Menschen große Veränderungen bewirken können.[3]

Freiflächenwettbewerb[Bearbeiten]

Planungsgrundlage des Berliner Senats für die Gestaltung des Schlossplatzes

Im September 2012 lobte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung als Eigentümerin der Grundstücke einen internationalen, offenen Freiflächenwettbewerb für den Schloßplatz aus, der kleinere angrenzende Flächen im Norden (Teile des Lustgartens) sowie im Süden einschließt. Der Wettbewerb soll zahlreiche technische Fragen beantworten (u. a. Feuerwehrzufahrten, Aufstellflächen für Versorgungsfahrzeuge, Fluchtwege, Fahrradstellplätze, Behindertenparkplätze), aber auch gestalterische Vorstellungen für das Erscheinungsbild der verbliebenen Freiflächen entwickeln. Die Planungen sollen den U-Bahnhof Museumsinsel einbinden und – nach dem Verzicht der Firma Thyssen-Krupp auf ihren Hauptstadtrepräsentanzbau An der Stechbahn – Ideen für die künftige Funktion dieser Freifläche vorlegen.

Öffentlich kontrovers diskutiert wird eine Wiederkehr von sich heute an anderen Orten in Berlin befindlichen Kunstwerken, die zum Teil für ihren ursprünglichen Standort vor dem ehemaligen Schloß geschaffen oder angeschafft wurden. Hierzu gehören der ehemalige Schloßbrunnen, heute Neptunbrunnen, die Rossebändiger als korrespondierende Figuren zu den im gleichen Jahr (1842) aufgestellten Figuren Löwenkämpfer und Amazone vor dem Alten Museum sowie die Adlersäule anstelle des historischen Münzturms. Während die Berliner Denkmalpflege für einen Verbleib der Kunstwerke an ihren nach dem Zweiten Weltkrieg zugewiesenen Plätzen votiert, setzen sich Bürgervereine für eine Rückkehr an die historischen Standorte ein. Die Vorgaben des Senats (siehe Plan) sowie die schon ausgeführten neuen Straßen machen eine an historische Vorbilder angelehnte Gestaltung unwahrscheinlich.

Rechtschreibung[Bearbeiten]

Die amtliche Umbenennung wieder in Schloßplatz geschah 1994, also vor der ß-Rechtschreibreform. Zwar müsste es nach dieser Reform Schlossplatz heißen, aber bisher erfolgte keine Änderung des Straßen- bzw. in diesem Fall Platznamen. Ähnliches gilt für weitere Schloß-Phrasen wie beispielsweise Schloßbrunnen, -freiheit, -brücke im Zusammenhang mit dem Berliner Stadtschloß. Diese Eigennamen werden hier so verwendet, wie sie jeweils nach der zu ihrer Zeit, aktuellen gültigen Rechtschreibung verwendet wurden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Monika De Frantz: Reconstructing Contemporary Europe in Vienna and Berlin. Peter Lang/Multiple Europes, 2011, 269 S., ISBN 978-90-5201-739-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloßplatz (Berlin-Mitte) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatHolzstege auf dem Schlossplatz werden zurückgebaut – Übergangsnutzung wird nach drei Jahren beendet. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, 20. Dezember 2012, abgerufen am 24. Dezember 2012.
  2. Beschluss des Deutschen Bundestages vom 4. Juli 2002
  3. Das Einheitsdenkmal wird eine Schaukel In: Der Tagesspiegel, 14. April 2011


52.517513.402777777778Koordinaten: 52° 31′ 3″ N, 13° 24′ 10″ O