Schloss Colditz

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Schloss Colditz an der Zwickauer Mulde im Juli 2011
Grundriss der Anlage, gelb Anfang 16. Jh., rot: 19. Jh., blau: um 16. Jh.
Schloss Colditz – Hinterschloss – Ältester Teil im Juli 2011
Schloss Colditz – Eingang Schloss Colditz mit dem Allianzwappen von August und Anna in Richtung Schlossbrücke im Oktober 2005

Schloss Colditz ist ein Renaissance-Schloss in Colditz in Sachsen und erlangte internationale Bekanntheit durch die Nutzung als Kriegsgefangenenlager für alliierte Offiziere im Zweiten Weltkrieg. Es liegt zwischen Hartha und Grimma in Spornlage über der Zwickauer Mulde und besaß einen der ersten Tiergärten Deutschlands (um 1520).

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Große Teile der Anlage stammen aus der frühen Renaissance (um 1520) unter Einbeziehung spätgotischer Elemente. Die Anlage entstand hauptsächlich in zwei Etappen, dem gotischen Vorgängerbau in Form einer Ringanlage, welche heute noch an der Lage und Aufteilung des Hinterschlosses ablesbar ist und der entscheidenden Bautätigkeit der heute sichtbaren Renaissance-Anlage unter Kurfürst Friedrich dem Weisen, welche mit einer Brücke mit der Stadt Colditz verbunden ist.

Sandsteinrelief Hinterschloss Wendelstein 16. Jh.

Hinterschloss[Bearbeiten]

Das hintere Schloss ist ein geschlossenes Gebäudeensemble, bestehend aus Keller-, Kirchen, Fürsten-, Küchen und Saalhaus, die sich um einen ovalen Hof gruppieren. Der Hauptzugang erfolgt durch ein gotisches Tor, den sogenannten Flüsterbogen, der den Durchgang zwischen früherem Zwinger und hinterem Schlosshof ermöglicht.[1] Die obere Wendelsteinbrüstung des dritten Obergeschosses im Kellerhaus, sowie die im zweiten Obergeschoss des südlichen Fürstenhauswendelsteins tragen zwei bemerkenswerte Bildplastiken, die um 1525 gefertigt wurden und thematisch zusammengehören. Beide zeigen stilisierte Frauengestalten, die auf einem Thron sitzen und in den Händen ein Gefäß halten, auf dem Rücken sind Flügel zu sehen und die Beine und Füßen ähneln der Form eines Füllhornes. Hinter der Gestalt steht ein weiteres Wesen, welches das alte Wappen der Wettiner hält. Neben der zentralen Figur sind weitere Gestalten zu sehen, auf einem Relief trägt ein Knabe ein schneckenähnliches Gefäß. Klärung bringt die lateinische Inschrift auf der Rückseite aus Psalm 127 Vers 1: NIS DOMINUS CUSTODI ERIT CIVITATEM (Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen). Es war die Idee des imperialen Roms, dass der Kaiser selbst das göttliche Füllhorn ist, aus der sein Volk sich ernährt. Der kurfürstliche Bauherr Sachsens stand somit in direkter Nachfolge der römischen Kaiser, eine imperiale Sehnsucht jeder deutschen Monarchie, manifestiert in der Bildhauerplastik des frühen 16. Jahrhunderts, welcher von Form und Handwerk denen der Plastiken auf Schloss Hartenfels in Torgau und in der Albrechtsburg ähneln (?).[2]

Kellerhaus[Bearbeiten]

Die im Erdgeschoss bei Grabungsarbeiten freigelegten Mauern stammen aus der spätromanischen Bauphase und zeigen das Vorhandensein eines möglichen Palas an, wie er heute noch auf Burg Gnandstein zu besichtigen ist. Nach Auszug des Krankenhaus 1996 fand man bei Sicherungsarbeiten und Rückbau der neuzeitlichen Sparschalungen im gesamten ersten Obergeschoss zwei übereinanderliegende bemalte Decken. Ein Glücksfall für den sächsischen Denkmalschutz und zugleich Dilemma der Restauratoren, denn welche der beiden Decken sollte nun nach Abschluss der Konservierung für die Nachwelt sichtbar erlebbar gemacht werden? Die frühere der beiden war eine Lehmstakendecke von 1521 (gemalt durch „Hans Jheger aus altenburg und Caspar maler zu grym“[3]) und daruntergehängt eine schachbrettartige Holzkassettendecke von ca. 1590. An den Spitzen der Kartuschen sind Frösche, Vögel und Hasen verteilt, ein Beweis, wie bunt die Gestaltung des späten 16. Jahrhunderts gewesen war.[4]

Fürstenhaus[Bearbeiten]

Das Fürstenhaus stammt in Teilen der unteren Geschosse aus der Zeit um 1460.[2] Auch der schlanke Erker mit den dicht aneinander gefügten rechtwinkligen Fenstern und das noch im dritten Obergeschoss vorhandene Kreuzrippengewölbe könnte aus dieser Epoche stammen.[1] Die heutige Gestalt erhielt der Bau dann unter Kurfürst Friedrich dem Weisen um 1520, der hier im zweiten Obergeschoss seine großzügigen Wohnräume mit Blick auf den Tiergarten einrichtete.

Schlosskapelle[Bearbeiten]

Der Vorgänger der Schlosskapelle war eine Marienkapelle aus dem 12. Jahrhundert.[2] Vor dem heutigen Altar wurden im Herbst 2012 Fundamente eines romanischen Baus freigelegt, der aus Saal, Chorraum und Apsis bestand. Die heute sichtbare, durch drei Geschosse durchreichende Dreifaltigkeits-Kirche war bis zur Nutzung der Anlage als Landesanstalt ein rechtwinkeliger Raum mit zwei Emporengschossen, der mit drei Kreuzgewölbejochen überspannt war und vor 1420 gebaut wurde.[1] Der Zugang zur Kirche erfolgt durch das Kirchentor aus Rochlitzer Porphyrtuff, der figürliche Schmuck aus Elbsandstein wurde um 1984 entfernt. Zu sehen waren Jesus Christus und die Arma Christi. Die spätere Ausstattung des Kircheninnenraums mit drei Emporen stammte aus dem 19. Jahrhundert und richtete sich nach den Erfordernissen der Insassenzahlen der Landesanstalt. Das für die Schlosskapelle von Lucas Cranach dem Jüngeren und Wolfgang Schreckenfuchs geschaffene Altarwerk wurde im dreißigjährigen Krieg beschädigt, die herzförmige Mitteltafel mit der Kreuzigung Christi befindet sich heute im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg[2]. Für die Nutzung der Kapelle durch die Landesanstalt erhielt der Altar ein bestimmungs- und sinngemäßes Bild eines knienden Kranken vor Christus (Christus am Teich Bethesda, um 1863).

Beamtenhaus[Bearbeiten]

Das Beamtenhaus mit dem Quadertor datiert kurz nach 1600.[2] Daneben befindet sich der oben erwähnte gotische Torbogen als Zugang zum hinteren Schloss.

Torhaus mit Zwinger[Bearbeiten]

Das stadtseitige Torhaus stammt mit dem Gewände aus dem frühen 16. Jahrhundert und besitzt einen durchbrochenen Staffelgiebel.[2] Der Zugang erfolgt über eine Steinbrücke, welche 1584 errichtet wurde.[1]

Wirtschaftshof[Bearbeiten]

Jüngster Teil des Schlosses – heute Jugendherberge

Auf dem Wirtschaftshof, der östlich mit einem heute als Jugendherberge genutzten, aus dem 19. Jahrhundert stammenden hohen Gebäude abschließt, war ab 1523 in südlicher Richtung eines der zwei Marstallgebäude für jeweils vierzig Pferde mit mehreren Schüttböden eingerichtet. Darüber befand sich ein Turm, der als Gefängnis genutzt wurde und ein Graben, in dem die zur Jagd abgerichteten Hunde in Ställen untergebracht waren.[4]

Tiergarten[Bearbeiten]

Älteste Darstellung von Schloss Colditz auf einem Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren, es zeigt das Schloss um 1523

Bereits 1523 gab es einen an das Schloss Colditz direkt anschließenden ein Kilometer langen umfriedeten thirgarten. Dieser Tiergarten war eine der frühen Anlagen dieser Art in Deutschland. Durch Kurfürst Christian I. wurde der Tiergarten 1587 und 1591 zweimal erweitert und dafür Land erworben. Im Tiergarten waren etwa 400 Dam- und Rotwildtiere eingestellt, welche in einem eingestellten Jagen geschossen wurden. 1591 begann Baumeister Hans Irmisch den Bau eines Lusthauses (beendet 1600 durch David Uslaub), welches mit 20 bewirtschafteten Teichen, Wasserspielen und einem Küchengebäude umgeben war. Man fing am sogenannten Vogelherd Vögel und betrieb an den Zu- und Abläufen der Teiche Krebszucht. 1624 wurde der Tiergarten unter Johann Georg I. noch einmal um ein Drittel vergrößert. Danach waren seine Abmessungen so gewaltig, dass ihn ein lokaler Pfarrer zu den sieben Wunderwerken des Landes zählte. Ab 1800 wurde der Tiergarten mit der Umnutzung des Schlosses Colditz genauso wie der Wermsdorfer Forst nach zeitgemäßen Vorgaben der königlich sächsischen Forstwirtschaft zum Staatsforst umgewandelt, was er noch heute ist. Das Lusthaus musste bereits wenige Jahre vorher wegen Baufälligkeit abgerissen werden.[4]

Schloss Colditz 1650

Geschichte[Bearbeiten]

1064–1803[Bearbeiten]

Der Bauherr Friedrich der Weise, Gemälde von Lucas Cranach d.Ä.

Nach der Ersterwähnung des Burgwards 1046 in der Schenkungsurkunde der Burgwarde Colditz, Rochlitz und Leisnig durch Kaiser Heinrich III. an seine Gemahlin Agnes von Poitou beschenkte wiederum der darauf folgende Kaiser Heinrich IV. im Jahre 1084 seinen Dienstmann Wiprecht von Groitzsch mit dem Burgward, welcher die Anlage zur Burg ausbaute. Thimo I. von Colditz wurde 1158 durch Kaiser Barbarossa zum Reichsministerialien erhoben. Damit gehörte die Burg zum Reichsgut.[4] 1309 wurde die Burg Colditz durch Kapitulation der Festung Eigentum von Markgraf Friedrich dem Freidigen. 1429 wurde die Burg durch die Hussiten zerstört und 1464 durch Kurfürst Ernst wieder aufgebaut, welcher hier 1486 auf der Rückreise vom Reichstag zu Frankfurt am Main an den Folgen eines Jagdunfalls starb.

Seine erste Blütezeit erlebte Colditz als Jagdschloss unter dem kunstsinnigen und welterfahrenen sächsischen Kurfürsten Friedrich der Weise (1486-1525). Nach einem vom Bäcker Clemens Bock verursachten Stadtbrand von 1504, der weite Teile der Stadt, das Rathaus, die Kirche und das Schloss verwüstete, wurde das Schloss nach 1506 und besonders um 1520 im Stil der frühen Renaissance umgebaut, umfassend erweitert und neu ausgestattet.[1] Der berühmte kursächsische Hofmaler Lucas Cranach der Ältere arbeitete hier. Große Teile dieser Bauten sind noch bis hin zu den Bemalungen der Balkendecken erhalten geblieben und werden zurzeit restauriert. Damals wurde ein Teil des schlossnahen Waldes abgetrennt und als Tiergarten genutzt, eine hochrepräsentative und aufwändige Anlage, die mit Friedrichs Bauten um Schloss Lochau (heute Annaburg) vergleichbar war. Die Anlage gehörte damals zu den bedeutendsten Schlossbauten in Mitteleuropa. Lucas Cranach der Ältere hat das Schloss 1523 auf seinem berühmten Gemälde Das Goldene Zeitalter als sinnreiche Hintergrundstaffage verwendet.

1566 befahl Kurfürst August weitere wohnlichere Änderungen am Schloss, da er selbst das Schloss beziehen wollte, welche aber erst 1582 begannen. 1583 war Lucas Cranach d. J. in Colditz, um ein vom Kurfürsten erlegtes großes Wildschwein „sechsmal abzumahlen“.

Sophie von Brandenburg um 1582

Eine zweite Blütezeit erlebte Schloss Colditz unter dem sächsischen Kurfürsten Christian I. (1586-1591) und seiner Gattin Sophie von Brandenburg (1568–1622). Zwischen 1587 und 1590 wurde der Tiergarten zweimal beträchtlich erweitert. Auch der Bereich des Zwingers direkt unterhalb der Schlossgebäude wurde zu terrassierten Lustgärten ausgebaut. Nach dem Tode Ihres Gatten bezog Kurfürstin Sophie von 1602 bis 1611 in Colditz ihren Witwensitz und führte die Baumaßnahmen fort. Dem Schloss im Norden gegenüber wurde ein (noch erhaltener) terrassierter Weinberg mit einer aufwändigen Treppenanlage und Grotten angelegt. 1624 erfolgte die letzte Erweiterung des Tiergartens um etwa ein Drittel nach Osten, nun bereits in der Nähe des Dorfes Zschirla.

König August II. war der letzte sächsischer Herrscher, der der Schloss Colditz mit seiner Jagdgesellschaft besuchte. 1787 wurde das gesamte Inventar 1787 verkauft; 1800 der größte Teil des Tiergartens in einen Staatsforst umgewandelt.

Schloss Colditz 1840

1803–1829[Bearbeiten]

Schloss Colditz, Gemälde von Ernst Ferdinand Oehme, 1828

1803 wurde das Schloss Arbeitshaus des Leipziger Kreises für bis zu 200 Insassen, die weitestgehend als „unbescholten“ galten, also keine eigentlichen Verbrecher waren sondern eher den Randgruppen der Gesellschaft angehörten und zur Arbeit erzogen werden sollten. Elf Beamte und ein Prediger kümmerten sich um sie.[5] 1829 faßte die Dresdner Kommission zu Besorgung der allgemeinen Straf – und Versorgungsanstalten innerhalb einer sachsenweiten Umstrukturierung der Straf- und Irrenanstalten den Beschluss, die unheilbaren Geisteskranken, welche bis dahin im ehemaligen Zucht-, Waisen- und Armenhaus Waldheim untergebracht waren, von den Strafgefangenen zu trennen und das Schloss Colditz dafür einzurichten.[6]

Zeugen der ehemaligen Landesanstalt

1829–1933[Bearbeiten]

1829 wurden die Häftlinge ins Zucht- und Arbeitshaus Zwickau verlegt und das Schloss wurde Landesversorgungsanstalt für unheilbare Geisteskranke mit bis zu 400 Patienten. Erster Leiter der Anstalt, der auch das neuartige Konzept einschließlich eines der Erholung der Insassen dienenden Garten erarbeitet hatte, war Christian August Fürchtegott Hayner.[7] Der bekannteste Patient war zwischen 1871 und seinem Tode 1899 Ludwig Schumann, ein Sohn Robert Schumanns, der tief verblödet[4] war. 1864 wurde anstelle der Stall- und Wirtschaftsgebäude des vorderen Schlosshofs ein Krankenhaus-Neubau im Stil der Neorenaissance errichtet. 1924 wurde die Landespflegeanstalt für Geisteskranke geschlossen und fünfunddreißig besonders sicherungsbedürftige Geistesschwache in die geschlossene Psychiatrie Waldheim gebracht.[6] Aufgrund des sächsischen Wohlfahrtgesetzes von 1925 wurde ab April 1926 im Schloss Colditz, übrigens als einzige in ganz Sachsen, eine sogenannte Landes – Korrektionsanstalt eingerichtet. Untergebracht waren zweiundsiebzig Korrektionäre aus der seitherigen Korrektionsanstalt Sachsenburg und zwanzig Korrektionärinnen aus der Bezirkanstalt Dresden-Leuben. Die Gesetzes-Übertretungen der Insassen bestanden aus wiederholtem Betteln, bzw. Landstreicherei, aufgrund derer sie bereits mehrfach verurteilt worden waren. In Colditz stand die Maßregel mit dem Ziel, durch strenge Disziplin und Arbeitszwang Arbeitsscheue und Müßiggänger zu einer geregelten Lebensweise zu erziehen.[8] Bis 1930 stieg die Zahl der Insassen auf 320 Personen an, welche bei Umnutzung des Schlosses durch die Nationalsozialisten 1933 in die Erziehungsanstalt Bräunsdorf bei Freiberg umquartiert wurden.

Johann Gottfried Erler[Bearbeiten]

Johann Gottfried Erler, ein ehemaliger Soldat der Königlich Sächsischen Fußartillerie, hatte für den sächsischen König an den Kriegen von 1806 und 1809 teilgenommen. Noch vor dem Rußlandfeldzug Napoléons wurde er entlassen und fand auf dem Gehöft seines Bruders in Dorfchemnitz Arbeit und Lohn. Doch das Gut des Bruders brannte ab und Erler und sein Bruder verloren dabei alles. Dem Bruder wurde es unmöglich, Erler weiterhin zu unterstützen. Wegen der erlittenen Verluste und Perspektivlosigkeit wurde Erler wahnsinnig und fiel wegen unsittlicher Delikte derart auf, sodass die Gemeindeverwaltung bei der Grundherrschaft eine Aufnahme in ein öffentliches Versorgehaus beantragte, welche dann durch die sächsische Landesregierung am 15. Juli 1829 genehmigt wurde. Erler lebte vom 9. August 1829 mit einer Unterbrechung von zwei Jahren, in der er nach Zwickau verlegt worden war, bis zu seinem Tode am 29. Mai 1831 in der nun bereits neuen Landesversorgungsanstalt Colditz.[9]

1933–1945[Bearbeiten]

In der Zeit des Nationalsozialismus war es ab dem 21. März 1933[8][10] für ein Jahr Schutzhaftlager – dort waren rund 600 Systemgegner wie Bruno Apitz inhaftiert.[6] Die Gefangenen waren im sogenannten Arbeitshaus untergebracht und schliefen auf Strohschütten mit zwei Decken. Die Notdurft musste in Kübeln verrichtet werden, je zwei Gefangene hatten ein Handtuch.[10] Von 1936 bis 1937 diente das Schloss als Lager des Reichsarbeitsdienstes, beherbergte Teile des Stadtmuseum und verschiedene NSDAP-Formationen. Ab dem 1. Januar 1938 wurde auf dem Gelände wieder eine Landes-Heil- und Pflegeanstalt mit ca. 360 Betten eröffnet, die jedoch eher den Charakter einer reinen Pflegeanstalt besaß. Es wurden vorwiegend Dauer- und Schwerstpflegefälle aus anderen sächsischen Anstalten aufgenommen und betreut (besser: verwahrt). Mehr als die Hälfte der Patienten erhielt eine sehr preiswerte, kalorisch unzureichende fett- und fleischlose Sonderkost, so dass die Sterblichkeit schon in der Vorkriegszeit deutlich über dem sächsischen Anstalts-Durchschnitt lag. Im Zeitraum ihres Bestehens starben bis zur Schließung am 5. Oktober 1939 insgesamt 83 Patienten, die meisten davon an Marasmus und Lungentuberkulose.

Schloss Colditz als Oflag IV April 1945
Gefangene französische Offiziere im Innenhof des Oflag IV

Kriegsgefangenenlager Oflag IV C[Bearbeiten]

Hauptartikel: Oflag IV-C

Ab dem 31. Oktober 1939[11] wurde ein Kriegsgefangenenlager mit der Bezeichnung Oflag IV C[12] als Sonderlager für Offiziere eingerichtet. Die Bezeichnung stammt von Offizierslager. Im äußeren Hof befand sich die Kommandantur. Die Gefangenen lebten im hinteren Hof in den ehemaligen Fürstenwohnhäusern. Außerhalb waren die flachen Terrassen, die die Gefangenengebäude umgaben, von bewaffneten Wachen überwacht und mit Stacheldraht gesichert. Die Gefangenen unternahmen eine Reihe von Ausbruchversuchen, über die nach dem Krieg mehrere Bücher veröffentlicht und Filme gedreht wurden und die das Castle Colditz vor allem in Großbritannien sehr bekannt machten.

Am 15. April 1945 befreiten amerikanische Soldaten das Schloss Colditz und seine Insassen.[4]

Ab 1945[Bearbeiten]

Schloss Colditz als Krankenhaus 1975

Nach Ablösung der amerikanischen Besatzung durch die Rote Armee im Juni 1945 diente das Schloss im Oktober und November 1945 als Sammelstelle für enteignete und vertriebene Gutsbesitzer und deren Familien. Ab 1946 war im Schloss Colditz ein Krankenhaus mit internistischer Abteilung, einer Hals-Nasen-Ohren und Augenstation untergebracht, das 1996 ausgelagert wurde. Bereits zu DDR-Zeiten gab es erste Besuche der sogenannten Bad Boys, der ehemaligen Häftlinge von Schloss Colditz.[13]

Nach 1996 fanden umfangreiche Sanierungen durch den Freistaat Sachsen statt. Seit 2003 gehört das Schloss zu den Staatlichen Schlössern, Burgen und Gärten Sachsen und beherbergt unter anderem eine Ausstellung über die Fluchtversuche alliierter Offiziere. Im April 2007 eröffnete im Schloss eine Jugendherberge und 2010 die Landesmusikakademie Sachsen. Ab 2011 beschloss der Freistaat Sachsen, weitere 1,2 Millionen Euro in das Schloss zu investieren, um das Erscheinungsbild sowohl im Eingangsbereich als auch in der Fernwirkung an die anderen Gebäude des Schlosses anzupassen. Seit Beginn des Jahres 2013, und wahrscheinlich bis Ende 2015, wird die Schlosskapelle für knapp 2 Millionen Euro restauriert.[14]

Colditz Society[Bearbeiten]

1991 wurde in London die Colditz Society gegründet. 120 ehemalige Gefangene aus England, Frankreich und Polen treffen sich zweimal im Jahr in London und stehen in ständigem Kontakt mit der Schlossverwaltung. 2010 erfuhren sie von der kranken Weide im Schlosshof, die 1956 gepflanzt worden war und nun einen massiven Schädlingsbefall aufwies. Die Mitglieder der Vereinigung spendeten einen Teil der Kosten für eine runde Sitzbank um die neu gepflanzte Linde.[15] Für Mitglieder gibt es eine regelmäßige Publikation der Vereinigung, in der über deren Arbeit berichtet wird.

Gesellschaft Schloss Colditz e. V.[Bearbeiten]

1996 wurde die Gesellschaft Schloss Colditz e. V. (GSC) gegründet. Die Gesellschaft hat ca. 60 Mitglieder und bemüht sich um die Nutzbarmachung und die kulturelle, museale und gewerbliche Nutzung des Schlosses Colditz. Die Gesellschaft unterhält Kontakte zur Colditz Society.[16]

Ausstellung[Bearbeiten]

In der Ausstellung zur Geschichte des Oflag IV C werden die abenteuerlichen Fluchtversuche der alliierten Offiziere dargestellt und damit die Sonderstellung als „Hochsicherheitskriegsgefangenenlager“ begründet. Dass dort auch Teile der militärischen Führung der Polnischen Heimatarmee interniert waren, wird nicht verschwiegen, wie ein Historiker in einem Aufsatz fälschlicherweise behauptet.[17]

Medien[Bearbeiten]

Die große internationale Bekanntheit ergibt sich besonders aus dem Buch The Colditz Story des erfolgreich geflüchteten Briten Pat Reid, in dem er seine Erlebnisse später verarbeitete, sowie aus dem 2005 entstandenen Film Colditz – Flucht in die Freiheit von Stuart Orne. Durch die Darstellung von Ausbruchsversuchen in mehreren Filmen und einer Fernsehserie erlangte das Schloss speziell in England besondere Bekanntheit. Neben Filmen aus den 1950er und der TV-Serie aus den 1970er Jahren diente das Schloss auch in Teilen einer Episode der britischen TV-Serie Top Gear als Drehort.[18] In England gibt es ein Brettspiel mit der Bezeichnung Escape from Colditz, in welchem gewitzte britische Offiziere den teutonischen Kerkermeister an der Nase herumführen und dann würfelnd aus Colditz flüchten.[19]

Filmografie[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Cornelius Gurlitt: Beschreibende Darstellung der älteren Bau – und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. Amtshauptmannschaft Grimma. Meinhold und Söhne, Dresden, 1897, Seite: 43ff.
  2. a b c d e f Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen II. Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz. Deutscher Kunstverlag, München, 1998, ISBN 3-422-03048-4, Seite: 159 ff.
  3. ThürHStA Weimar, Ernestinisches Gesamtarchiv, Reg. Bb 970 fol. 103
  4. a b c d e f Regina Thiede, Renate Lippmann: Schloß Colditz. Edition Leipzig, Leipzig 2007, ISBN 978-3-361-00620-1, Seite: 14.
  5. Johann Samuel Ersch, Johann Gottfried Gruber: Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste. Achtzehnter Teil. Johann Friedrich Gleditzsch, Leipzig, 1828, Seite: 244, (online), abgerufen am 6. Juli 2011.
  6. a b c Sonja Schröter: Psychiatrie in Waldheim/Sachsen (1716–1946). Mabuse Verlag, Frankfurt am Main, 2003, ISBN 978-3-925499-83-8, Seite: 62.
  7.  Ragnhild Kober-Carrière: Die Gärten des Colditzer Schlosses. In: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (Hrsg.): 30 Jahre Gartendenkmalpflege in Sachsen. Sax-Verlag, Beucha 2007, ISBN 978-3-86729-019-7, S. 100–109.
  8. a b Olaf Beyer: Die Landes-Korrektionsanstalt Colditz öffnete vor 85 Jahren – Arbeitsscheue sollen zu geregelter Lebensweise erzogen werden. Ein Schloss für Landstreicher und Bettler. Leipziger Volkszeitung, 11. April 2011, Seite: 22.
  9. Olaf Beyer: Waldheimer Sergeant fasst Johann Gottfried Erler, der ins Arbeitshaus Colditz überstellt werden sollte. Flucht aus dem Gasthof „Zum Trompeter“. Leipziger Volkszeitung, 27. April 2011, Seite: 19.
  10. a b Klaus Drobisch, Günter Wieland: System der NS – Konzentrationslager. 1933–1945. Akademie Verlag, Berlin, 1993, ISBN 3-05-000823-7, Seite: 109, (online), abgerufen am 4. Juli 2011.
  11. P. R. Reid: Colditz. The Full Story. Pan Books, London, 2002, ISBN 978-0-330-50999-2, Seite: 6ff.
  12. Airey Neave: They have theire exits. Pen and Sword Military Classics, Barnsley, 2002, ISBN 1-84415-463-7, Seite: 68ff.
  13. Roland Mischke: Die bad boys von Mittelsachsen. Schloß Colditz mit legendärer Vergangenheit, trister Gegenwart und ungewisser Zukunft. Frankfurter Rundschau, 4. Mai 1996, Seite: 6.
  14. Heinrich Lilie: Staatsbetrieb leitet in Colditz Sanierungsmaßnahmen ein.Verein kämpft seit 15 Jahren erfolgreich für Erhalt des Bauwerks Millionen fürs Schloss. Leipziger Volkszeitung, Osterländer Volkszeitung, 28. Juni 2011, Seite: 4.
  15. ch: Colditz Society aus London sorgt für Sitzgelegenheit unter der Linde im Schlosshof. Runde Sache. Engländer finanzieren neue Bank. Leipziger Volkszeitung, Muldentaler Kreiszeitung, 8. Juni 2011, Seite: 20.
  16. keine Angabe: Informationen über die Gesellschaft Schloß Colditz., Internetauftritt des Vereins, Colditz, 2007, Seite: 109, (Link), abgerufen am 4. Juli 2011.
  17. Markus Kroziska: Diskussionsbeitrag zum Konzept für die Ausstellung der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Universität Giessen, 2010, (Link), abgerufen am 3. Juli 2011.
  18. keine Angabe: Programme Information: Top Gear feature – interview with Richard Hammond., Webseite der BBC: (Link), abgerufen am 5. Juli 2010.
  19. Jürgen Marks, Catherine Meyer, Alexander Wendt: Späte Rache der bösen Buben. Focus Magazin, München, 15. April 1995, (online), abgerufen am 4. Juli 2011.

Literatur[Bearbeiten]

  • Regina Thiede: Schloß Colditz. Edition Leipzig, Leipzig 2013 ISBN 978-3-361-00687-4.
  • Regina Thiede: "Definierte Vagabunden, Taugenichtse und Gesindel". Zur Sozial- und Baugeschichte des Landes-Arbeitshauses im Schloss Colditz (1803 bis 1829). In: Jahrbuch / Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen, 17 (2012), S. 112-128.
  • Regina Thiede: Die Ausstattung der kurfürstlichen Wohnappartements im Fürstenhaus des Colditzer Schlosses. In: Jahrbuch / Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen, 14 (2007), 59-68.
  • Regina Thiede, Yvonne Heine: Die Wiederentdeckung der Pferdeschwemme des Schlosses Colditz. In: Jahrbuch / Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen, 15 (2008), 75-81.
  • Albert Peter Bräuer: Schloß Colditz. Seemann, Leipzig 1983.
  • Georg Grahl: Der Burg Zu Colditz Bau- und Zier Stellt Dieser Blätter Jnhalt Für. Tietze, Leipzig 1710 (Digitalisat)
  • Thomas Schmidt, Regina Thiede: Die Colditzer Schlosskapelle. in: Jahrbuch Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen Band 16, Dresden 2009, S. 112-123

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Colditz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

51.13078512.807484Koordinaten: 51° 7′ 51″ N, 12° 48′ 27″ O