Schloss Eckartsau

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Schloss Eckartsau, Frontansicht
Schloss Eckartsau, Großes Stiegenhaus

Schloss Eckartsau ist ein aus einer Burg in ein Jagdschloss umgebautes Gebäude in Eckartsau unweit der Donauauen im niederösterreichischen Marchfeld. In die Geschichtsbücher ging es als letzter inländischer Wohnort von Kaiser Karl I. nach seinem Verzicht auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften vom 11. November 1918 ein.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ursprüngliche Burg war eine vierseitige Wasserburg. Das Rittergeschlecht der Eckartsauer, das die Burg besaß, wurde erstmals in einer Schenkungsurkunde von Irnfried von Rötelstein, der die Burg am Braunsberg bei Hainburg besaß, an das Stift Klosterneuburg erwähnt. In dieser wird Heinrich des Ekkarisowe als Zeuge der Schenkung genannt. Die Eckartsauer waren dem Hochstift Regensburg lehenspflichtig.

Das Rittergeschlecht erwarb im Lauf der Zeit rund um die Burg Marktrechte, Grundstücke sowie weitere Burgen. In der Minoritenkirche in Wien, wo damals die Angesehensten des Landes begraben wurden, ließen auch die Ritter von Eckartsau eine Gruft errichten.

Da Konrad von Eckartsau den österreichischen Herzog Albrecht V. unterstützte, bereits als 14-jähriger die Regentschaft anzutreten, wurde er von diesem großzügig gefördert. Unter Kaiser Friedrich III. wurden die Ritter zwar immer wieder beraubt und ihre Burg geplündert, andererseits war auch Georg von Eckartsau selbst ein Raubritter.

Wilhelm von Eckartsau war der letzte männliche Eckartsauer. Seine Tochter Appolonia erbte Burg und Gut Eckartsau 1507. Ihre Söhne verkauften das Gut nach dem Tod der Mutter 1571 an Georg Freiherrn von Teuffel. In den kommenden zwei Jahrhunderten wechselten die Besitzer sehr oft, bis 1720 Franz Ferdinand Graf Kinsky die Burg kaufte. Er ließ die Burg nach Plänen von Joseph Emanuel Fischer von Erlach zum Jagdschloss umbauen.

1760 kaufte Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen, Gatte Maria Theresias von Habsburg, der Herrscherin der Österreichischen Erblande, das Schloss. 1797 wurde es von beider Enkel, Kaiser Franz II. (ab 1804 Franz I. von Österreich) der Familienstiftung des Hauses Habsburg-Lothringen (genannt Familienfonds) übertragen.

Das Arbeitszimmer, das der nicht mehr regierende Kaiser Karl I. im Schloss Eckartsau im Winter 1918/1919 benutzte

Nach dem Tod Maria Theresias 1780 verfiel aber das Schloss zusehends. Süd- und Ostteil wurden abgetragen. Erst Erzherzog Franz Ferdinand ließ es 1896–1897 generalsanieren und die bereits abgerissenen Teile wieder aufbauen. Auch der Schlosspark wurde damals neu gestaltet. 1912 ließ der Thronfolger aus dem ehem. Gartenpalast Harrach in Wien Landstraße die prachtvolle Stiegenanlage aus weißem, hartem Kaisersteinbrucher Stein entfernen und die Teile nach Schloss Eckartsau bringen.[1]

Bedeutung erlangte das Schloss nochmals, als Kaiser Karl I. und Kaiserin Zita mit ihren Kindern, darunter der sechsjährige Otto, am Tag des Regierungsverzichts in Österreich aus dem staatseigenen Schloss Schönbrunn in habsburgischen Privatbesitz übersiedelten und von der Nacht 11./12. November 1918 an in Eckartsau wohnten. Hier übergab Karl am 13. November 1918 an eine ungarische Politikerdelegation, die viel Überredungskunst aufzubringen hatte, seinen schriftlichen Verzicht auf die Regierungsausübung in Ungarn, dankte aber auch dort, wie in Österreich, nicht formell ab. Als der Gang ins Exil wegen der Weigerung abzudanken unausweichlich wurde, bestellte der britische Oberst Edward Lisle Strutt den k.k. Hofzug der Staatsbahnen nach Kopfstetten, der nächstgelegenen Bahnstation. Von dort reisten Karl und seine Familie am 23. März 1919 in die Schweiz ab.[2]

Der Familienfonds der Habsburger wurde mit dem Habsburgergesetz vom 3. April 1919 entschädigungslos in Staatsbesitz übernommen. Damit kam das Schloss, das heute im Nationalpark Donau-Auen liegt, ins Eigentum der Republik Österreich, verwaltet von den Österreichischen Bundesforsten.

Als Museumsbetrieb hat das Schloss auch das Museumsgütesiegel verliehen bekommen. Zu den Marchfeldschlössern gehören auch Schloss Niederweiden und Schloss Hof.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Band 3, Kremayr & Scheriau, Wien 1994, ISBN 3-218-00545-0, S. 62
  2. Gordon Brook-Shepherd: Um Krone und Reich. Die Tragödie des letzten Habsburgerkaisers, Verlag Fritz Molden, Wien 1968

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhard Stenzel: Von Schloss zu Schloss in Österreich. Kremayr & Scheriau, Wien 1976, ISBN 3-218-00288-5, S. 44.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Eckartsau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.14055555555616.794166666667Koordinaten: 48° 8′ 26″ N, 16° 47′ 39″ O