Schloss Frauental

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Dieser Artikel beschreibt das Schloss in Österreich, das in Böhmen siehe Schloss Pohled.
Das Schloss im Juli 2011
Das Schloss um 1820, Lith. J.F. Kaiser

Das Schloss Frauental oder Frauenthal ist ein Schloss in der Stadtgemeinde Deutschlandsberg in der Steiermark. Seine Geschichte führt bis auf die Mitte des 16. Jahrhunderts zurück. Heute befindet es sich im Besitz der Familie Liechtenstein und im Gebäude ist eine Fachschule untergebracht.

Standort[Bearbeiten]

Das Schloss steht in der zu Deutschlandsberg gehörenden Katastralgemeinde Hörbing am Ulrichsberg 1.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Schloss Frauenthal wird an der Stelle des 970 urkundlich genannten „Nidrinhofes“ vermutet.[1] Diese Anlage soll um 700 n. Chr. von Aquileia aus gegründet worden sein, welches damals die christliche Missionierung des Königreiches Noricum durchführte. Der Nidrinhof wurde in slawischer Sprache auch „Udulenidvor“ genannt (vgl. slowenisch dôl ‚hinab, hinunter, nieder‘). Beide Namen meinen dasselbe: einen niedrig gelegenen Hof. Er wurde am 2. März 970 von Kaiser Otto I. an Erzbischof Friedrich von Salzburg geschenkt. Ob diese Lagebezeichnung in Zusammenhang mit der westlich hoch auf einem Felssporn gelegenen frühen Burganlage von Deutschlandsberg zu sehen ist, wird diskutiert,[2] eine andere Ansicht verweist darauf, dass als oberer Hof in der Nähe eine Anlage bei St. Ulrich denkbar ist.[3] Die Anlage wird als zweisprachig bezeichnetes Herrschaftszentrum gesehen.[4] Diese zweisprachige Bezeichnung wird als Beleg für enge slawisch-bairische Berührungen betrachtet.[5] Mit dem Ausbau der Burg Deutschlandsberg verlor der Nidrinhof seine Bedeutung als Verwaltungszentrum des Gebietes, es wird vermutet, dass er danach als Bauernhof verwendet wurde, ehe er zu Schloss Frauenthal ausgebaut wurde.[1]

1267 erscheint der Name „Vraundorf“ (Frauendorf). Im Mittelalter lag dort bzw. in der Nähe des Ulrichskirchleins ein „Hof zu St. Ulrich“. Es wurde 1542 zum Adelssitz ausgebaut und 1675 erweitert. Bis ins 17. Jahrhundert wurden das Landgut und das Schloss auch nach dem Hl. Ulrich benannt. Die Schlosskapelle ist dem Hl. Josef geweiht. Nach wirtschaftlichem Niedergang durch eine verschwenderische Verwaltung und Familienstreitigkeiten wurde der 1741 Verwalter der Messingfabrik zum Kurator der Herrschaft bestellt. Von 1812 bis 1820 erlebte das Schloss unter seinem Besitzer Moritz Graf von Fries seine Hochblüte.[6] 1820 gelangte die Familie Liechtenstein in den Besitz des Schlosses.[7] [8]

Das heutige Schloss wurde im Jahr 1542 von Gall von Racknitz zu einem Adelssitz ausgebaut. Seine heutige Gestalt wurde ihm 1675 unter Ferdinand Graf Zehentner verliehen welcher vermutlich Jakob Schmerlaib mit dem Umbau beauftragte. Graf Zehentner folgten bis 1700 die Kuenburger, die Mailegger sowie die Batthyány im Besitz nach. Weiters war das Anwesen auch im Besitz von Moritz Graf Fries ehe es im Jahr 1820 an die Familie Liechtenstein kam, denen es bis heute gehört. In den Jahre 1969 und 1970 wurde das Schloss restauriert.[8][9] Heute befindet sich darin eine Fachschule für Land- und Ernährungswirtschaft.[10]

Beschreibung[Bearbeiten]

Das Portal zum Innenhof

Das Schloss ist ein regelmäßiger, dreigeschossiger Vierflügelbau. Im Innenhof befinden sich dreigeschossige Pfeilerarkaden. Über dem Rustikaportal in den Innenhof befindet sich das mit einer Inschrift versehene Wappen von Ferdinand Graf Zehentner.[8]

Die zweigeschossige Schlosskapelle ist dem heiligen Josef geweiht. Die um 1685 entstandenen Stukkaturen stammen aus der Werkstatt von Alexander Serenio. Die ebenfalls 1685 angefertigten Bildfenstern zeigen Darstellungen aus dem Leben Marias.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio Steiermark (ohne Graz). 2. Auflage. Berger, Horn/Wien 2006, ISBN 3-85028-439-5, S. 112.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Robert Baravalle: Burgen und Schlösser der Steiermark. Eine enzyklopädische Sammlung der steirischen Wehrbauten und Liegenschaften, die mit den verschiedensten Privilegien ausgestattet waren. Graz 1961, Verlag Stiasny. S. 78.
  2. Werner Murgg: Burgruinen der Steiermark. In: Nikolaus Hofer (Hrsg.): Fundberichte aus Österreich. Materialhefte Reihe B Band (FÖMat B 2, 2009). Herausgegeben vom Bundesdenkmalamt, Abteilung für Bodendenkmale. Verlag Berger, Wien 2009. ISSN 1993-1263. Fußnote 3 auf S. 17 unter Hinweis auf: Andreas Bernhard: Kurzer siedlungsgeschichtlicher Überblick zur Burg Deutschlandsberg. Mitteilungen des Steirischen Burgenvereines MStBV. Band 22, Jahrgang 2004. ISSN 0490-9348. S. 11.
  3. Robert Baravalle: Burgen und Schlösser der Steiermark. Eine enzyklopädische Sammlung der steirischen Wehrbauten und Liegenschaften, die mit den verschiedensten Privilegien ausgestattet waren. Graz 1961, Verlag Stiasny. S. 87.
  4. Hermann Baltl, Fritz Lochner von Hüttenbach: Die Steiermark im Frühmittelalter. Frühmittelalterliche Namen in der Steiermark. Verlag Leykam, Graz 2004. ISBN 978-3-7011-7485-0. S. 50.
  5. Fritz Freiherr Lochner von Hüttenbach: Frühe Namenschichten im Ostalpenraum. In: Ernst Eichler (Hrsg.): Probleme der älteren Namenschichten. Leipziger Symposion 21. bis 22. November 1989. In: Rolf Bergmann, Ulrich Obst, Rudolf Schützeichel, Jürgen Untermann (Hrsg.): Beiträge zur Namenforschung, Neue Folge. Beiheft 32. Carl Winter Universitätsverlag. Heidelberg 1991. ISSN 0522-6945 ISBN 3-533-04360-6. S. 160.
  6. Gunther Riedlsperger: Schlösser und Herrensitz im Paradies der Steiermark, Bezirk Deutschlandsberg. Deutschlandsberg 1996, Verlag Simadruck. Seiten 100–108.
  7. Bezirkstopographie, Seite 94.
  8. a b c d  Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio Steiermark (ohne Graz). 2. Auflage. Berger, Horn/Wien 2006, ISBN 3-85028-439-5, S. 112.
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatSchloss Frauental. www.austria-lexikon.at, abgerufen am 4. August 2012 (deutsch).
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatFachschule für Land- und Ernährungswirtschaft Schloß Frauenthal - St. Martin. www.fs-schloss-frauenthal.at, abgerufen am 4. August 2012 (deutsch).

Weblinks[Bearbeiten]

46.81363615.244455Koordinaten: 46° 48′ 49″ N, 15° 14′ 40″ O